Zur Magdeburger Erklärung der AfD
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19. August 2017 03:40
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Autor Thema: Zur Magdeburger Erklärung der AfD  (Gelesen 3841 mal)
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Holger Haehle
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« Antworten #60 am: 15. Februar 2017 15:41 »

Zitat eines AfD-Anhängers: „Wenn sie nicht schwul sind, sollen sie gefälligst eine Hose anziehen wie jeder normale Mann.“ [...]

Zitat Ce_Jäger: echt, hat das jemals wer gesagt? Über Rocktragende Männer? KRass...

Antwort Holger: Ist eine Aussage krass, wenn sie oft geäußert wird?  Nur so zur schnellen Kontrolle habe ich meinen Vater und seine Rentnertruppe angerufen. Sie alle sind ehemalige CDU-Stammwähler, aber jetzt Feuer und Flamme für die AfD. Zu meinem Rocktragen befragt bekomme ich Folgendes zu hören: „Wenn hier demnächst wieder ein anderer Wind bläst, dann wirst du (Holger) merken, dass es auch für dich Zeit wird erwachsen zu werden. Es wird Zeit, dass man dir deine Rockflausen austreibt.“ Und einer der Rentner ergänzt. Mensch Holger, du hast doch gedient. Ich frage weiter, ob denn ein Kilt in Ordnung wäre, die Antwort: „Muss das sein, das ist doch nichts Deutsches.“ Ich kenne diese Art Gespräche. Von meinem Bruder und seinen Kumpels hätte ich ähnliche Kommentare bekommen. Wieso hörst du das nicht? Hörst du selektiv zu und manchmal auch weg, weil nicht sein kann was nicht sein soll?
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Holger Haehle
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« Antworten #61 am: 15. Februar 2017 15:45 »

Zitat Holger: - Wer seine Freiheit und Individualität nicht aufgeben will, der sagt NEIN zur AfD!
- Wer nicht will, dass die Zeit zurückgedreht wird, der sagt NEIN zur AfD!
- Wer auch in Zukunft als Mann seine weiblichen Anteile leben oder einfach nur einen männermäßigen Kilt tragen will, der sagt NEIN zur AfD!

Zitat Ce_Jäger: wow. am besten alle einsperren die evtl. dagegen sein könnten?!?!1! krasse Vorurteile sehe ich hier...

Antwort Holger: Allein auf den Gedanken zu kommen, Zitat Ce_Jäger: „Wow, am besten alle einsperren, die eventuell dagegen sein könnten?“ und diese Vorstellung als politisches Argument zu benutzen, zeugt von einer zweifelhaften demokratischen Gesinnung. Wenn so etwas wieder in Deutschland mit Andersdenkenden und Minderheiten gemacht wird, gehe ich in den Widerstand.
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Holger Haehle
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« Antworten #62 am: 15. Februar 2017 15:51 »

von Ce_Jäger zitiert: Das Wort Frühsexualisierung impliziert, dass Kinder keine sexuellen Wesen seien, dass sie keine körperliche Neugierde, Lusterfahrungen, zärtlichen Gefühle oder Bindungs- und Beziehungswünsche hätten. Das widerspricht jedoch jeder wissenschaftlichen Evidenz und persönlichen Alltagserfahrung.

Kommentar Ce_Jäger: krasse These. Klingt als ob ein Päderast sein Wunschdenken äussert??
und dass dann beleglos "wissenschaftlich belegen".

Antwort Holger: Als meine Tochter einige Wochen in der Frühchenabteilung der Düsseldorfer Kinderklinik lag, war ich sehr überrascht über Aufklärungsbrochüren für Eltern onanierender Kleinkinder. Da habe ich eine Obeärztin gefragt. Seit diesem Gespräch weiß ich, dass auch Kleinkinder nicht grundsätzlich als asexuell zu betrachten sind. Der Umgang mit sexuell aktiven Kindern, so wurde mir gesagt, ist selten aber auch nicht so selten. So konnte die Ärztin doch auf Fälle verweisen aus dieser Klinik. Man gehe damit in Kooperation mit dem sozialpädagogischen Zentrum nach internationalen medizinischen und psychologischen Standards um.
Hat da, um mal deine Worte zu benutzen, mir eine Päderastin ihr Wunschdenken geäußert? Betreiben die deutschen und ausländischen Kinderärzte mit ihren medizinischen Standards tausendfachen Missbrauch am Kind? Oder wird der Begriff Frühsexualisierung von der AfD einfach nur fachlich unqualifiziert benutzt? Hat sich die AfD vor ihren Äußerungen fachlich beraten lassen, oder geht es hier um Populismus und politische Stimmungsmache wofür die Kinder herhalten müssen?
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Holger Haehle
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« Antworten #63 am: 15. Februar 2017 16:00 »

von Ce_Jäger zitiert: Den Kindern müsse vermittelt werden, dass "nicht Triebbefriedigung, sondern eine intakte Familie" an oberster Stelle stünden. Familie definiert die Partei als "Verbindung aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen".
Stimmt!

Antwort Holger: Niemand verliebt sich über beide Ohren, weil er an Familie und Kinder denkt. Triebbefriedigung ist als sexuelles Empfinden ein biologisch natürlicher Bestandteil von Sexualität und von intimen Beziehungen zu denen auch Ehe und Familie gehören. Deshalb gibt es Rechtssysteme, die unzureichenden Geschlechtsverkehr als Scheidungsgrund anerkennen.
Sexualunterricht kann helfen sich für intime Gefühle nicht zu schämen, sondern Wege aufzeigen damit verantwortlich umzugehen. Kein Sexualkundeunterricht zwingt zur Sexualisierung, kein Sexualkundeunterricht animiert zu sexuellen Handlungen. Entsprechende Bedenken werden bereits seit Prof. Kinsey und den 60er Jahren untersucht. Welche Daten sind der Grund hier zu widersprechen?
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Holger Haehle
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« Antworten #64 am: 15. Februar 2017 16:07 »

von Ce_Jaeger zitiert: Darin heißt es, man müsse Kinder vor Frühsexualisierung schützen.<<
Stimmt!

>> Sie befänden sich in einer Zeit der Unschuld, die besondere Umgangsformen verlange.<<
Stimmt!

"Wir wenden uns dagegen, dass unsere Kinder in Schule und Kita mit scham- und persönlichkeitsverletzenden Inhalten in Wort, Bild und Ton konfrontiert werden."
Stimmt!

Antwort Holger: Ich habe als Jugendlicher den Sexualkundeunterricht als belästigend empfunden. Mir war das alles noch so weit weg. Aber für viele Mitschüler kam es genau richtig. Und für eine Mitschülerin war es schon zu spät. Susanne (15) musste in der neunten Klasse die Schule unterbrechen, um in den Mutterschutz zu gehen. Sie war vom niedlichen asexuellen Mädchen mit Donner und Granaten in die Adoleszenz gerutscht. Sie war mit ihren Gefühlen, oder soll ich deinen Begriff von der Triebbefriedigung verwenden, völlig überfordert. Mehr Vorbereitung und Kenntnisse über Verhütung können ungewollte Schwangerschaften verhindern. Sexualunterricht schützt die Kinder. Frühkindliche Sexualerziehung soll stark machen und vor allem missbrauchten Kindern eine Stimme geben, damit Schutzbefohlene sich wehren können. Kein Sexualunterricht wäre hier viel persönlichkeitsverletzender als die Belästigung, die ich als Jugendlicher durch solchen Unterricht erlebt habe. Scham darf kein Grund sein bei einem Verbrechen zu schweigen.
« Letzte Änderung: 15. Februar 2017 16:11 von Holger Haehle » Gespeichert
DesigualHarry
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« Antworten #65 am: 15. Februar 2017 16:12 »

Hallo!

Glaubt ihr wirklich dass sich mit einer politischen Wahl irgendetwas ändert? Politik bedingt seit Anbeginn an mindestens eine Gegenpartei... Bist du für die eine Partei, bist du gleichzeitig gegen die andere Partei. Bekämpft man die "bösen", schlagen morgen die "bösen" zurück weil sie von sich selber ebenfalls glauben Sie seien die guten....Es ist der ewige Kreislauf wer den nun im Recht ist, ohne Zu erkennen dass alle aus ihrer Sicht recht haben.

Je mehr Menschen man zu einer Meinung bringen möchte, umso gefährlicher und vernichtender wird es. Weil man immer auch die Gegenpartei "mitfüttert".

Nur als eigenständig denkendes Individum hat man zu jeder Zeit die Macht, sich allem gefährlichem Abzuwenden.
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Gehe deinen eigenen Weg! Alles andere ist Irrweg!
Holger Haehle
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« Antworten #66 am: 15. Februar 2017 16:19 »

Zitat Nico/ Micha: Mich hat aber besonders diese Pasage aus Nicos Text angesprochen:
Zitat
Inhaltlich dürfte der AfD und anderen Parteien und schon gar einfachen Menschen irgendwelche wissenschaftlichen Erklärungne am Allerwertesten vorbei gehen. Es interessiert sie schlicht nicht. Die wenigsten habe auch etwas mit Sozialpädogik und Psychogie zu tun. Schon gar nicht, einfache Männer, die vergeblich zum Rocktragen animiert werden sollen. Die spielen gar nicht mit dem Gedanken oder haben, wenn schon, die obere Aussage dieses Zitats eines angeblichen AfD Anhängers im Kopf und sagen sich: "Wenn ich nicht schwul bin, ziehe gefälligst eine Hose an, wie jeder normale Mann."]Inhaltlich dürfte der AfD und anderen Parteien und schon gar einfachen Menschen irgendwelche wissenschaftlichen Erklärungne am Allerwertesten vorbei gehen. Es interessiert sie schlicht nicht. Die wenigsten habe auch etwas mit Sozialpädogik und Psychogie zu tun. Schon gar nicht, einfache Männer, die vergeblich zum Rocktragen animiert werden sollen. Die spielen gar nicht mit dem Gedanken oder haben, wenn schon, die obere Aussage dieses Zitats eines angeblichen AfD Anhängers im Kopf und sagen sich: "Wenn ich nicht schwul bin, ziehe gefälligst eine Hose an, wie jeder normale Mann."

Ich überlege nämlich, ob wir die Tragweite von Wissenschaft nicht überschätzen. Gerade wenn es um Wissenschaften geht, deren Ergebnisse nicht gleich in technische Umsetzbarkeit oder wirtschaftliche Gewinne münden, sondern um Wissenschaften, die es uns Menschen zumuten, gewohnte Denkmuster infragezustellen, geliebte Sicherheiten aufzugeben und statt dessen das Abenteuer des Umdenkens, des Akkomodierens, die richtien Lernens zu wagen.

Nicht falsch verstehen: Ich bin sehr für dieses Abenteuer. Aber ich bin nicht typisch für die meisten Menschen, genau so wenig wie Du Holger oder auch Nico, Hajo und überhaupt die meisten hier.

Aber wie gewinnt man den Wettlauf gegen Parteien oder andere Demagogen, die eher die Vorurteile pflegen und für ihre eigenen Machtbestrebungen ausnutzen wollen, anstatt - wie Ce es woanders ausdrückt - wirklich an Aufklärung interessiert zu sein? Ich las neulich, dass Bildung alleine nicht vor Fanatismus schützt. Ca. 25 % der westlichen IS-Anhänger haben einen Hochschulabschluss und ca. 40 % sonst einen höheren Schulabschluss. Das hindert sie nicht daran, sich fanatisieren zu lassen und gar als Selbstmordattentäter rekrutieren zu lassen. Aber viele von ihnen waren arbeitslos oder hatten sonstige Ausgrenzungserfahrungen erlebt. Nun ist zwar die AfD nicht mit dem IS auf eine Stufe zu stellen - das würe eher der NSU; während die AfD eher ähnlich tickt wie die AKP in der Türkei - aber auch bei AfD-Wählern sind viele Menschen, die sich benachteiligt oder eben ausgegrenzt fühlen. Das bringt Unwohlsein mit sich, Angst vor Feinden, die man als die Schuldigen ausmacht, innere Heimatlosigkeit.

Deswegen bin ich der Meinung, dass unsere Gesellschaften, potilisch wie wirtschaftlich, mehr dafür tun müssen, Menschen nicht auszugrenzen, weder ethnisch oder religiös, aber auch nicht wirtschafltich. Wer noch so gebildet oder auch ausgebildet ist, in unserm Konkurrenzsystem aber nicht mithält und dadurch keine angesehene und verantwortliche Aufgabe erhält und eben kein Geld oder nur ein Almosen wie Hartz IV, der sucht nach Alternativen und rennt den Flötentönen der Rattenfänger hinterher, weil sie ihm so schön klingen. Wichtig ist also eine sozioökonomische Einbindungen, sind Anerkennung und Respekt, Geborgenheit und Sicherheit oder kurz gesagt, eine echte Heimat. Die wird uns im Neoloberalismus aber immer mehr genommen. Wer da nicht zu den Gewinnern im Wettbewrb zählt, zählt zu den Verlieren. Und von denen profitieren die extemen politischen und/oder religiosen Gruppen, Parteien usw.

So, das wollte ich nur mal schreiben. Das hätte ich vielleicht auch machen können, ohne Nico zu zitieren. Aber ich kann nicht davon schreiben, dass Ausgrenzung Fanatisierung fördert, ohne zugleich gegen eine - wenn auch nicht schuldlose - Ausgrenzung eines Forenmitgliedes zu argumentieren.

LG!
Micha

Antwort Holger: Schönes Beispiel, dass Nico auch ganz rationell argumentieren kann. Interessante Gedanken von euch. Für eine durchdachte Antwort brauche ich aber mehr Zeit.

Bis bald!
« Letzte Änderung: 15. Februar 2017 16:20 von Holger Haehle » Gespeichert
Ce_Jäger
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-_-


« Antworten #67 am: 16. Februar 2017 16:45 »

Servus Holger

[...]
Niemand verliebt sich über beide Ohren, weil er an Familie und Kinder denkt. Triebbefriedigung ist als sexuelles Empfinden ein biologisch natürlicher Bestandteil von Sexualität und von intimen Beziehungen zu denen auch Ehe und Familie gehören.


Deshalb gibt es Rechtssysteme, die unzureichenden Geschlechtsverkehr als Scheidungsgrund anerkennen.
[...]
zwei verschiedene Sachen,
"Liebe" ist weit mehr als Triebbefriedigung. Mann kann mit einer Frau Sex haben ohne einen Funken Liebe für die Frau.
Denke da ist AUFKLÄRUNG weit mehr erforderlich als Sexualerziehung im Kindergarten.

zum zweiten: hab ich noch nie gehört, wo gibts denn sowas?

--

[...] Und für eine Mitschülerin war es schon zu spät. Susanne (15) musste in der neunten Klasse die Schule unterbrechen, um in den Mutterschutz zu gehen.[...]
und eine ordentliche Aufklärung hat das nicht verhindert?
-> Extreme ist selten gut!

Weder eine "niemals erwähnen" noch eine "ich zeig dir alles" ist in Sachen Aufklärung richtig.

Deswegen ist bei einer intakte Familie in der die Eltern das Kind am besten kennen - und das Kind den Eltern vertraut, eine solche Sache statistisch gesehen signifikant seltener.

Und jetzt die Preisfrage:
Du schreibst dass du als Jugentlicher eigentlich zu jung für diese Thematik warst - andererseits propagierst du den verschärften Einsatz und Thematisierung von Sexualpraktiken im Kindergarten... krass.

gruß
ce.
« Letzte Änderung: 16. Februar 2017 16:49 von Ce_Jäger » Gespeichert

...ob Hose oder Rock - was sollte es denn für einen Unterschied für mich machen?
Holger Haehle
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« Antworten #68 am: 17. Februar 2017 15:59 »

Moin Moin CeJ.

Ce_Jünger: Und jetzt die Preisfrage:
Du schreibst dass du als Jugentlicher eigentlich zu jung für diese Thematik warst - andererseits propagierst du den verschärften Einsatz und Thematisierung von Sexualpraktiken im Kindergarten... krass.

Als Antwort wiederhole ich erstmal mein Zitat:
Ich habe als Jugendlicher den Sexualkundeunterricht als belästigend empfunden. Mir war das alles noch so weit weg. Aber für viele Mitschüler kam es genau richtig. Und für eine Mitschülerin war es schon zu spät.  Susanne (15) musste in der neunten Klasse die Schule unterbrechen, um in den Mutterschutz zu gehen.

Jetzt meine Erklaerung zu deiner Frage zu dem Zitat von mir: Ich propagiere nicht. Wenn das ein ernster Vorwurf sein soll, brauche ich ein Argument, sonst könnte es auch Hetze sein. Ob der Einsatz verschärft werden sollte, weiß ich nicht, ich habe nicht genug Fachwissen, um das beurteilen zu können. Deswegen kann ich nicht fordern, was ich nicht belegen kann. Auch hier fehlt mir das Argument zu deiner Behauptung.

Nun zur eigentlichen Frage. Es zählt nicht nur, wie ich den Unterricht erlebt habe, sondern auch die anderen Schüler. Die waren voll in der Pubertät total begeistert, und im Fall Susanne hätte vielleicht ein Unglück verhindert werden können. In jedem Unterricht sind unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen unter einen Hut zu bringen. In diesem Falle waren die Interessen der Mehrheit in der Klasse wichtiger als mein Desinteresse.

Mein Vorwurf an den Forderungen der Magdeburger Erklärung ist nicht unbedingt, dass sie unberechtigte Interessen wiedergeben, sondern dass das Interesse einer Gruppe zum Maßstab für alle wird. In einer pluralistischen und freien Gesellschaft müssen Ehe und Familie genauso geschützt werden wie die Beziehungsformen, die andere Menschen glücklich machen. Demokratie heißt auch, dass man die Freiheit der anderen aushält. Gerade die großen Mehrheiten, die in der Regel sowieso dominieren, sollten sich von Minderheiten nicht bedroht fühlen. Ich will keine Leitkultur, die mir sagt, wo es lang geht damit sich die Mehrheit durch meinen Individualismus nicht belästigt fühlen muss. Und ich will, das die Hoffnungen, die mein Vater und seine Freunde, aber auch viele andere an die AfD richten, niemals wieder auf deutschem Boden nachhaltig Nahrung finden.

« Letzte Änderung: 17. Februar 2017 16:15 von Holger Haehle » Gespeichert
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« Antworten #69 am: 19. Februar 2017 11:06 »

Zitat Nico/ Micha: Mich hat aber besonders diese Pasage aus Nicos Text angesprochen:
Zitat
Inhaltlich dürfte der AfD und anderen Parteien und schon gar einfachen Menschen irgendwelche wissenschaftlichen Erklärungne am Allerwertesten vorbei gehen. Es interessiert sie schlicht nicht. Die wenigsten habe auch etwas mit Sozialpädogik und Psychogie zu tun. Schon gar nicht, einfache Männer, die vergeblich zum Rocktragen animiert werden sollen. Die spielen gar nicht mit dem Gedanken oder haben, wenn schon, die obere Aussage dieses Zitats eines angeblichen AfD Anhängers im Kopf und sagen sich: "Wenn ich nicht schwul bin, ziehe gefälligst eine Hose an, wie jeder normale Mann."]Inhaltlich dürfte der AfD und anderen Parteien und schon gar einfachen Menschen irgendwelche wissenschaftlichen Erklärungne am Allerwertesten vorbei gehen. Es interessiert sie schlicht nicht. Die wenigsten habe auch etwas mit Sozialpädogik und Psychogie zu tun. Schon gar nicht, einfache Männer, die vergeblich zum Rocktragen animiert werden sollen. Die spielen gar nicht mit dem Gedanken oder haben, wenn schon, die obere Aussage dieses Zitats eines angeblichen AfD Anhängers im Kopf und sagen sich: "Wenn ich nicht schwul bin, ziehe gefälligst eine Hose an, wie jeder normale Mann."

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Nicht falsch verstehen: Ich bin sehr für dieses Abenteuer. Aber ich bin nicht typisch für die meisten Menschen, genau so wenig wie Du Holger oder auch Nico, Hajo und überhaupt die meisten hier.

Aber wie gewinnt man den Wettlauf gegen Parteien oder andere Demagogen, die eher die Vorurteile pflegen und für ihre eigenen Machtbestrebungen ausnutzen wollen, anstatt - wie Ce es woanders ausdrückt - wirklich an Aufklärung interessiert zu sein? Ich las neulich, dass Bildung alleine nicht vor Fanatismus schützt. Ca. 25 % der westlichen IS-Anhänger haben einen Hochschulabschluss und ca. 40 % sonst einen höheren Schulabschluss. Das hindert sie nicht daran, sich fanatisieren zu lassen und gar als Selbstmordattentäter rekrutieren zu lassen. Aber viele von ihnen waren arbeitslos oder hatten sonstige Ausgrenzungserfahrungen erlebt. Nun ist zwar die AfD nicht mit dem IS auf eine Stufe zu stellen - das würe eher der NSU; während die AfD eher ähnlich tickt wie die AKP in der Türkei - aber auch bei AfD-Wählern sind viele Menschen, die sich benachteiligt oder eben ausgegrenzt fühlen. Das bringt Unwohlsein mit sich, Angst vor Feinden, die man als die Schuldigen ausmacht, innere Heimatlosigkeit.

Deswegen bin ich der Meinung, dass unsere Gesellschaften, potilisch wie wirtschaftlich, mehr dafür tun müssen, Menschen nicht auszugrenzen, weder ethnisch oder religiös, aber auch nicht wirtschafltich. Wer noch so gebildet oder auch ausgebildet ist, in unserm Konkurrenzsystem aber nicht mithält und dadurch keine angesehene und verantwortliche Aufgabe erhält und eben kein Geld oder nur ein Almosen wie Hartz IV, der sucht nach Alternativen und rennt den Flötentönen der Rattenfänger hinterher, weil sie ihm so schön klingen. Wichtig ist also eine sozioökonomische Einbindungen, sind Anerkennung und Respekt, Geborgenheit und Sicherheit oder kurz gesagt, eine echte Heimat. Die wird uns im Neoloberalismus aber immer mehr genommen. Wer da nicht zu den Gewinnern im Wettbewrb zählt, zählt zu den Verlieren. Und von denen profitieren die extemen politischen und/oder religiosen Gruppen, Parteien usw.

So, das wollte ich nur mal schreiben. Das hätte ich vielleicht auch machen können, ohne Nico zu zitieren. Aber ich kann nicht davon schreiben, dass Ausgrenzung Fanatisierung fördert, ohne zugleich gegen eine - wenn auch nicht schuldlose - Ausgrenzung eines Forenmitgliedes zu argumentieren.

LG!
Micha

Antwort Holger: Schönes Beispiel, dass Nico auch ganz rationell argumentieren kann. Interessante Gedanken von euch. Für eine durchdachte Antwort brauche ich aber mehr Zeit.

Bis bald!

Lieber Holger,

per PN hast Du mich gebeten, Dir Fragen zu stellen zum Thema "Gehirn und Gewohnheiten". Vielleicht so eine:
Wie ändern sich Gehirnstrukturen durch Gewohnheiten?

Ich muss jetzt aber Kartoffen schälen.

LG, Micha
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« Antworten #70 am: 19. Februar 2017 14:21 »

Hallo!

Lieber Michael bitte verzeih mir, aber was sind Kartoffen? Grin
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« Antworten #71 am: 19. Februar 2017 16:48 »

Lieber Micha,

auch ich muss sozusagen in die Kartoffeln, denn es ist hier schon spät.
Deswegen jetzt der Versuch einer Kurzantwort.

Gewohnheiten werden im Hirn als Wiederholungen wahrgenommen über die Belastung immer gleicher Datenbahnen. Das löst Vernetzungsaktivitäten aus. So entstehen physikalische Verknüpfungen, die  den neuronalen Vernetzungsgrad erhöhen. Dieser Vorgang funktioniert grundsätzlich bis ins hohe Alter, vorausgesetzt es kommt nicht zu altersbedingten Erkrankungen (Alzheimer).

Grundsätzlich kommen Babys mit einem unfertiigen aber hoch vernetzten Hirn auf die Welt. Werden sie verwahrlost oder leiden unter chronischem Jodmangel werden die Verbindungen abgebaut und damit kommt es auch zum Abbau der intelligenten Leistungsfähigkeit. Umgekehrt fördert die geistige Beschäftigung den Erhalt und Ausbau neuronaler Vernetzungen. Im Prinzip funktioniert das Hirn ähnlich wie ein Muskel.  

Also klipp und klar: Gewohnheiten brennen sich dem Hirn ein. Die individuelle Morphologie verändert sich durch solche Bahnungsprozesse. Im PET (Tomographieverfahren mit Positronen) kann man das sichtbar machen.

Falls Nico mit liest, hier noch schnell eine respektable und leichtverständliche Quelle: Hüther, Gerald: „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“, Vandenhoeck & Ruprecht (2001)

Gute Nacht!
« Letzte Änderung: 19. Februar 2017 16:52 von Holger Haehle » Gespeichert
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« Antworten #72 am: 19. Februar 2017 19:06 »

Hallo!

Lieber Michael bitte verzeih mir, aber was sind Kartoffen? Grin

Was anderes als Pantoffen!  Grin

LG, Micha
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« Antworten #73 am: 20. Februar 2017 10:08 »

Lieber Micha,

auch ich muss sozusagen in die Kartoffeln, denn es ist hier schon spät.
Deswegen jetzt der Versuch einer Kurzantwort.

Gewohnheiten werden im Hirn als Wiederholungen wahrgenommen über die Belastung immer gleicher Datenbahnen. Das löst Vernetzungsaktivitäten aus. So entstehen physikalische Verknüpfungen, die  den neuronalen Vernetzungsgrad erhöhen. Dieser Vorgang funktioniert grundsätzlich bis ins hohe Alter, vorausgesetzt es kommt nicht zu altersbedingten Erkrankungen (Alzheimer).

Grundsätzlich kommen Babys mit einem unfertiigen aber hoch vernetzten Hirn auf die Welt. Werden sie verwahrlost oder leiden unter chronischem Jodmangel werden die Verbindungen abgebaut und damit kommt es auch zum Abbau der intelligenten Leistungsfähigkeit. Umgekehrt fördert die geistige Beschäftigung den Erhalt und Ausbau neuronaler Vernetzungen. Im Prinzip funktioniert das Hirn ähnlich wie ein Muskel.  

Also klipp und klar: Gewohnheiten brennen sich dem Hirn ein. Die individuelle Morphologie verändert sich durch solche Bahnungsprozesse. Im PET (Tomographieverfahren mit Positronen) kann man das sichtbar machen.

Falls Nico mit liest, hier noch schnell eine respektable und leichtverständliche Quelle: Hüther, Gerald: „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“, Vandenhoeck & Ruprecht (2001)

Gute Nacht!

Ja, das ist ja alles klar, Holger. Und wie kriegst Du jetzt die Kurve zu Deinem Ursprungsthema?

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« Antworten #74 am: 20. Februar 2017 17:58 »

Hallo allerseits,
sehr interessante Diskussion.
Was mir - ich betone: nur meiner persönlichen Meinung nach   aber an dieser facettenreichen und größtenteils argumentativ gut unterfütterten Diskussion etwas aus dem Blickwinkel gerät, ist neben dem unsäglichen Geseiere der AfD bzgl. Immigranten deren Parteiprogramm bzgl. Sozial- und insbesondere Arbeitsrecht.

Ich habe nicht im Geringsten ein Vertrauensproblem hinsichtlich Holgers Faktenangaben. Auch glaube ich seinen Prozentzahlen, was die Bildungsquote von Fanatikern anbelangt. Erst recht deswegen frage ich kleiner Hauptschüler mich, da diejenigen doch zu Lesen imstande sein sollten, wie sie AfD-Anhänger sein können, wenn ebendiese Partei ihre wirtschaftliche Basis zu unterminieren trachtet.
Kann da eine gewisse Korrelation zu dem irritierenden Umstand bestehen, daß auch "Mein Kampf" überall erhältlich war, aber offenbar kein größeres Interesse an seiner Lektüre bestand, so daß so viele nachher sagen konnten/durften "wir haben das alles nicht kommen sehen"?

Meine platte, weder intellektuell noch wissenschaftlich und erst recht nicht empirisch unterfütterte Haltung ist, daß, wer zu Lesen (und zu Begreifen) imstande und kein Angehöriger des Großbügertums respektive Wirtschaftsadels und damit gleichzeitig Volksausbeuters ist, aber auch nicht den im Ansatz geringsten Grund hat, eine gewisse Partei zu wählen, es sei denn seine Borniertheit.
Viele Grüße,
Morle
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