Autor Thema: Müssen wir in Stereotypen denken?  (Gelesen 5166 mal)

Offline Zareen

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #15 am: 15.01.2022 09:41 »
Ja JoHa,

das sehe ich genauso. Wir werden wahrscheinlich beliebig viele stereotype Urteile zu politischen Themen finden. Und leider nicht nur zu politischen Themen.

Das noch größere Problem ist, dass noch mehr Fakten uns nicht helfen werden, weil wir ja konsequent alle eingehenden Infos ganz unbewusst selektiv verarbeiten. Fakten, die unsere Linie bestätigen  verstärken unsere Haltung und bei Fakten gegen unsere Haltungen lösen Abwehrmechanismen aus.

Natürlich ist es so, daß die Vielschichtigkeit aufgrund der individuellen Erlebnisse der Menschen sehr groß ist.

Und natürlich helfen noch mehr Fakten nicht weiter, weil auch diese meist stereotyp verarbeitet werden.

Meiner Ansicht nach hilft nur, wenn jeder einzelne sein eigenes stereotypes Verhalten in Frage stellt und es immer wieder erneut anhand von eigenen Erfahrungen abgleicht und korrigiert.

Beispiel:
Ich bin tatsächlich noch damit erzogen worden, daß tätowierte Menschen entweder Seeleute, oder Knackis sind - also für einen "anständigen" Sonntags-in-die-Kirche-Gänger eher suspekte Menschen. Wer sich also von den Sonntags-in-die-Kirche-Gängern tätowieren lässt, macht sich diesen Menschen gleich, auch wenn die Gründe ganz anders sind. Außerdem sind das die 'Bösen', weil die 'Guten' ja Sonntags in die Kirche gehen.
Zum Glück lernte ich in meinem Leben viele stark tätowierte Menschen kennen und habe sie als durchaus wertvolle Menschen lieben gelernt. Das aber nur, weil ich mich von dem gelöst habe, was ich anerzogen bekam und es infrage gestellt habe.
Oder:
Wer einen Vollbart trägt, ist ein Revoluzzer, der hat nichts in den Reihen einer anständigen Christengemeinde zu suchen.
Oder:
Alles, was nicht eindeutig Mann / Frau ist, ist widernatürlich und daher abzulehnen. Und selbst da gibt es noch Grenzen.
Dazu passt die Szene im Film 'Harold und Maude' wo ein Pastor unter mühevollem Unterdrücken seines Ekels Harold, ein 18 Jähriger, davon abbringen soll,, Maude, einer 80 jährige, zu heiraten.

Das alles zu hinterfragen und eigene Erfahrungen zu machen, kostet Zeit. Und die will man uns rauben. Man will uns mit immer schnelleren Informationstechnologien mit Fakten überschütten, die darin enden, daß wir Fakts von Fakes nicht mehr unterscheiden und diese dann unser Denken bestimmen.
Denken, Erfahrungen sammeln, braucht Zeit, ebenso, wie das Wachsen einer Pflanze. Und je länger das Wachstum benötigt, umso stabiler ist das Ergebnis.

Ich frage mich manchmal, ob das überhaupt noch gewünscht ist, oder ob die Masse Mensch nur noch ein beherrschbarer Haufen Arbeitswilliger sein soll, der am Ende des Lebens nur noch entsorgt werden muss? Bedrückend wird das in dem Film 'Soylent Green - 2020, die überleben wollen' gezeigt.
Deswegen ist es äußerst wichtig, sich mit den eigenen stereotypen Denkmustern auseinander zu setzen.
Und das geht nicht mit einem "Du musst...", sondrrn nur mit "ich will..."
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Offline Olivier

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #16 am: 15.01.2022 10:27 »
Deswegen ist es äußerst wichtig, sich mit den eigenen stereotypen Denkmustern auseinander zu setzen.
Und das geht nicht mit einem "Du musst...", sondrrn nur mit "ich will..."

100%-ige Zustimmung. Blöderweise ist das Ganze unbequem und führt auch zu erstmal unangenehmen Erkenntnissen. Das "ich will …" verursacht dann auch noch Arbeit.
Daher gibt es jede Menge Menschen denen das alles zu viel ist und die lieber ihre Vorurteile hegen und pflegen.

LG, Olivier
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Offline Zareen

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #17 am: 15.01.2022 18:04 »
Deswegen ist es äußerst wichtig, sich mit den eigenen stereotypen Denkmustern auseinander zu setzen.
Und das geht nicht mit einem "Du musst...", sondrrn nur mit "ich will..."

100%-ige Zustimmung. Blöderweise ist das Ganze unbequem und führt auch zu erstmal unangenehmen Erkenntnissen. Das "ich will …" verursacht dann auch noch Arbeit.
Daher gibt es jede Menge Menschen denen das alles zu viel ist und die lieber ihre Vorurteile hegen und pflegen.

LG, Olivier
Lieber Oliver,

Auch Dir 100% Zustimmung. Nach meinem ersten Diversity Workschop war mir auch ganz "schwindelig" zumute.
Das ist so. Viel zu lange haben wir denken lassen:
Von den Eltern
Von den Lehrern
Von den Politikern
Von den Lobbyisten
Von den religiösen Führern

Es ist dringend erforderlich, - so, wie es Neale Donald Walsch in einem seiner Bücher sagt - die Grundannahmen zu hinterfragen.
Doch leider ist das etwas, womit ich mich bei mir selbst, und auch bei anderen nicht sonderlich beliebt mache.

Stelle Dir vor, ich besuche Dich zu Hause und sage Dir, Du mögest bitte 10 Schubladen aus Deinem Schrank ziehen und den Inhalt einfach fallen lassen. Und dann verabschiede ich mich wieder und lasse Dich mit dem einräumen alleine. Was meinst Du, wieviel Überflüssiges Du beim Einräumen findest, was nicht wieder in die Schubladen kommt und wieviel Du anders einsortieren wirst!
(Film: Peaceful Warrior (mit Nick Nolte))
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Offline doppelrock

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #18 am: 16.01.2022 17:55 »
Hallo Zareen,
deinem Standpunkt stimme ich zu.
Neben den genannten Gruppen, denen man das Denken überlässt, sehe ich auch noch die Medien. Denn die haben in der letzten Zeit sehr deutlich bewiesen, wie sie uns steuern. Das Medium A wird per so als gut dargestellt und manche glauben das vorbehaltfrei. Dieses Medium A behauptet dann, Medium B sei schlecht, weil es anderes spricht als A. Und sofort zeigen die Leute mit dem Finger auf B und behaupten B würde lügen, ohne B zu kennen oder sich mit den Inhalten zu beschäftigen. Das fällt ja auch hier im Forum sehr deutlich auf. Wenn B eine staatliche Datenbasis verwendet oder eine saatliche Auswertung zitiert, ist es trotzdem gelogen, wenn  B es zitiert und nicht A. Ja, so einfach ist die Welt manchmal.

Dein Beispiel mit den Schubladen ist anschaulich. Die Leute, die das Aufräumen zum Aussortieren nutzen, können sich glücklich schätzen. Hier wird gelegentlich mit den Schubladen nach der Person geworfen oder weils gerade passt, einfach der nasse Hund mit in die Schublade gesteckt. Oder es bleibt alles liegen und der Schuldige benannt.

Gruß
doppelrock


Offline Zareen

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #19 am: 18.01.2022 14:24 »
Ja JoHa,

... Fakten, die unsere Linie bestätigen  verstärken unsere Haltung und bei Fakten gegen unsere Haltungen lösen Abwehrmechanismen aus.

Ja, genau! Das ist eben die Stategie des Gehirns, mit möglichst wenig Energie viel Information zu verarbeiten.
Und da hilft nur, sich den Fakten die gegen unsere Haltung sprechen, zu stellen und selbstkritisch zu hinterfragen und immer wieder WARUM? zu fragen.
Warum sind diese Fakten mit meiner Haltung im Widerspruch?
Warum löst ein Faktum einen Abwehrmechanismus aus?

Erst wenn ich für mich erkenne, daß meine Haltung unhaltbar ist, kann ich sie aus Überzeugung ändern.
Eine Haltung nur zu übernehmen, bringt niemanden weiter.

Ich habe folgendes von Buddha gelesen, das dieses untermauert:
https://www.tibet.de/zeitschrift/themen/buddhismus/news/grundzuege-buddhistischer-philosophie-teil-2/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=d48fc42f89a514da1d0a357e7186cc93
Zitat
Deshalb hat der Buddha auch in einem Sutra gelehrt: »Meine Lehre sollte von den Gelehrten und Mönchen nicht aus Respekt vor mir akzeptiert werden, sondern deshalb, weil sie sie gut untersucht haben, ähnlich wie ein Goldschmied das Gold untersucht, indem er es schneidet, feilt und anbrennt, und es erst dann als reines Gold akzeptiert.«
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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #20 am: 18.01.2022 16:41 »
Richtig Zareen, das Gehirn arbeitet lieber ökonomisch, weil der Einsatz der Ratio den ATP-Umsatz, das ist der verwendete Energieträger, um etwa ein Viertel steigert.

Daneben ist es in einer Welt, die immer komplexer wird, unmöglich geworden alles zu wissen. Früher gab es mal Universalgenies. Heute weiss selbst ein Arzt nach langem Studium nur in seinem Fachgebiet Bescheid. So braucht ein Diabetologe den Augenarzt, wenn der Diabetiker eine Retinopathie entwickelt und einen Nephrologen bei diabetischen Nierenversagen.

Wir müssen darauf vertrauen, wenn wir ein Auto kaufen, dass das wohl funktioniert. Wir können deswegen ja nicht alle eine Ausbildung zum Mechaniker machen.

Damit unser Vertrauen aber nicht missbraucht wird, sind vertrauensbildende Maßnahmen hilfreich. Von bloßen Behauptungen sollten wir uns nicht über den Tisch ziehen lassen.
Nachprüfbare Belege sind hilfreich. Fakten ebenso, wenn sie nicht nach persönlicher Interpretation als Halbwahrheiten aufbereitet wurden.
Bei Medien, die ein Thema nur aus einem Blickwinkel betrachten, sollten wir uns fragen, warum andere Aspekte unterschlagen werden.

Skepsis ist gegenüber allem angebracht, was wir nicht durch unterschiedliche Quellen bestätigt finden.

Offline Zareen

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #21 am: 19.01.2022 07:54 »
Zitat
Bei Medien, die ein Thema nur aus einem Blickwinkel betrachten, sollten wir uns fragen, warum andere Aspekte unterschlagen werden.

Skepsis ist gegenüber allem angebracht, was wir nicht durch unterschiedliche Quellen bestätigt finden.

Das ist sehr gut auf den Punkt gebracht.
Aber Du weißt ja auch, daß etwas, was ich niicht kenne nicht existiert - jedenfalls für mich nicht.
Woher weiß ich deņn dann, welche Aspekte mir unterschlagen werden?

Und woher weiß ich, daß unterschiedliche Quellen wirklich unterschiedlich sind?

Ich bin mit Dir durchaus einer Meinung, daß Skepsis wichtig sehr ist.
Meine Erfahrung ist, daß ich immer dann einer 'Sauerei' auf der Spur war, wenn auf meine Skepsis mehr oder weniger aggressiv reagiert wurde.
Wer auf der sicheren Seite ist, wird Skepsis zulassen, weil er weiß, daß der Skeptiker eh zu seinem gleichen Ergebnis kommen wird.
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Offline MAS

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #22 am: 19.01.2022 08:38 »
Das mit den unterschiedlichen Quellen ist aber nicht so einfach: Nicht selten hat ein*e Wissenschaftler*in etwas erforscht, worum sich niemand anders gekümmert hat. Es hat sich auch niemand dazu gedrängt gefühlt, zu versuchen, es zu falsifizieren. Es gibt dann also keine zweite Quelle dazu, also keine unabhängige, sondern allenfalls Quellen, die auf eben dieser Forschung basieren, sie ins eigene System einbauen, sie interpretieren usw. Was es vielleicht gibt sind ähnliche Forschungen, die die eine Forschung plausibel erscheinen lassen.

Nachwievor gilt eine wissenschaftliche Erkenntnis als gültig, solange sie nicht falsifiziert ist.

Manchmal gibt es aber auch den Fall, dass ein*e Forscher*in sich die Mühe gibt, andere Forschungen zu falsifizieren, aber bleibt die einzige die es tut, und ihre Methoden sind nicht allgemein von den Fachkolleg*innen anerkannt. Dann stehen zwei Erkenntnisse einander aussschließend nebeneinander, wobei die eine vom fachlichen Mainstream unterstützt wird, und die andere eine Außenseiterpostition darstellt.

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #23 am: 19.01.2022 08:46 »
Gute Berichterstattung ist immer kritisch. Neben den positiven Seiten einer Sache werden auch die negativen Aspekte genannt.

Ich hoffe unterschiedliche Quellen zu erfassen, indem ich neben dt. Quellen auch englische und französische Medien konsumiere.

Ich lese linke und konservative Medien. Ich sehe Staatsfernsehen, Bezahlfernsehen und Youtube Kanäle, um alle Blickwinkel auf eine Sache auszumachen.

Besonders skeptisch werde ich, wenn Behauptungen emotionell präsentiert werden und keine Begründungen folgen, die sie logisch nachvollziehbar machen.

Das sieht man auch hier im Forum. Je hitziger die Diskussion, um so gewalttätiger werden Standpunkte vertreten. Argumente treten dann sehr in den Hintergrund. Das steckt halt in unserer Biologie. Emotionen werden in einem anderen Hirnareal verarbeitet als Sachbeziehungen. Das ist schon neurologisch schwer zusammenzubringen.

Offline MAS

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #24 am: 19.01.2022 09:06 »
Klar, lieber Holger, aber so manche Forschung kommt ja gar nicht in die Nichtfachmedien. Und es kommt schon einer eigenen Forschung gleich, den Fachdiskussionen um ein Thema in verschiedenen Fachmedien nachzuspüren. Das ist zeitintensiv. Und wenn es sich dann noch um eine Fachdiskussion in einem einem selbst fremden Fach handelt, versteht man sie als Nichtfachmensch unter umständen gar nicht.

Emotionalität kann zudem auch die Leidenschaft für das Fach und die neuen Erkenntnisse zum Ausdruck bringen. Sie schließt auch nicht aus, dass logische Begründungen folgen, die nachvollziehbar sind, wenn man sich auf die gegebenen Axiome einlässt.

Zudem gibt es ja auch Moden in den Wissenschaften, also bestimmte Schwerpunkte, Perspektiven und Fragestellungen, die eine Zeit lang en vogue sind, irgendwann aber auch wieder durch andere ersetzt werden.

Holger, ich stimme mit Dir überein, was das Ideal angeht, meine nur, dass es nicht immer so einfach ist.

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Antw:Müssen wir in Stereotypen denken?
« Antwort #25 am: 19.01.2022 11:18 »
Lieber Micha,

Emotionalität verklärt häufig.
Da bin ich erst mal vorsichtig.
Wenn dann der Passion eine logisch nachvollziehbare Begründung folgt, justiere ich meinen Eindruck gerne nach. Aber bis dahin hege ich Vorbehalte.

So lange ich unsicher bin, weil ein Sachverhalt sich mir nicht ausreichend erschließt, bin ich mit einem Vorurteil erstmal auf der sicheren Seite.

Offline MAS

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« Antwort #26 am: 19.01.2022 11:30 »
Lieber Holger,

es kommt jetzt natürlich auch darauf an, was Du unter "Emotionalität" verstehst. Ich meine damit z.B. einen Ausdruck von Begeisterung für die eigene Erkentnnis oder auch einen Ausdruck von Geringachtung anderer Ansichten zum selben Thema. Diese Emotionalität liest man oft weniger heraus, als man sie bei mündlichen Vorträgen heraushören kann.

Vorsicht ist m.E. auf jeden Fall immer geboten, selbst dann, wenn jemand seine Emotionen "im Griff" hat und sich möglichs emotionslos gibt. Es kann ja alles auch nur reine Selbstberrschung sein.

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Offline Zareen

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« Antwort #27 am: 19.01.2022 14:52 »
Lieber Micha,

So lange ich unsicher bin, weil ein Sachverhalt sich mir nicht ausreichend erschließt, bin ich mit einem Vorurteil erstmal auf der sicheren Seite.

Lieber Holger,
Mal ein Vorschlag von mir: Du schreibst, daß Dir bei nicht ausreichend erschlossenem Sachverhalt ein Vorurteil Sicherheit bietet.
Das ist bei den meisten Menschen so und der einfachste Weg für Dein Gehirn in Kohärenz zu kommen.
Frage: wie lange meinst Du, gibt sich Dein Gehirn damit zufrieden, mit einem Vorurteil (also: Schublade auf, rein damit, Schublade zu) Ruhe und Frieden (Kohärenz) zu haben?
Darf ich raten? Möglichst lange.
Mein Vorschlag ist also, die für Dich wichtige Lösung zu Beginn des Satzes zu suchen und nicht am Ende.
Dein Satz beginnt mit "Solange ich unsicher bin..."
Was hälst Du davon, möglichst schnell die Unsicherheit zu beseitigen, Sachverhalte zu klären und damit einem Vorurteil nicht einmal im Keim eine Chance zu geben?

Ich weiß von mir, wie lange ein Vorurteil gerne in der Schublade liegt. Und wenn es dort erst einmal längere Zeit liegt, dann bekommt es ein Eigenleben und wehrt sich, wenn es wieder aus der Schublade heraus soll. Es führt alle möglichen Gründe an, warum es besser sei daß ich es dort lasse. 'Ich könne es doch dort vergessen und einfach ignorieren, es würde sich auch nicht von selbst melden und alles wäre gut. Ich bin doch gut zu Tieren, also, warum wolle ich denn jetzt unbedingt das Vorurteil aus der warmen kuscheligen Schublade holen? Ist das nicht schon 'Diskriminierung von Minderheiten'? ' - ja, ja, unser gutes Gehirn....

Erfolgreiche Grüße
Zareen
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Offline Olivier

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« Antwort #28 am: 19.01.2022 15:27 »
Hallo Zareen,

schön geschrieben und 100%-ige Zustimmung.
Beim letzten Absatz mußte ich dann herzhaft Lachen - das tat gut. Danke.

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« Antwort #29 am: 19.01.2022 15:37 »
Ja Zareen schon richtig. Es wäre schön, die Unsicherheiten immer gleich ausräumen zu können. Das gelingt aber nicht immer. Und was mache ich dann?
Vielleicht dazu noch ein Tipp aus dem Schweizer Fernsehen über die Tücken der Vernunft:
https://www.youtube.com/watch?v=iviBqjZlohQ&list=PL_IE58K5wiT4SYvotooGnWyPtFMYH-v-W&index=157&t=14s

 

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