Autor Thema: Gender-Neusprech  (Gelesen 38957 mal)

Offline MAS

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Antw:Gender-Neusprech
« Antwort #210 am: 16.01.2024 13:44 »
Das ist, lieber Wolfgang, wieder so ein langer, ausholender Text von Dir, der aber letztlich den Nagel auf den Kopf trifft, und den ich - evtl. mit kleinen Abstrichen, die aber zu vernachläsigen sind - unterschreiben würde.

Ich will nur noch mal darauf hinweisen, dass "gendern" ja das Sichtbarmachen unterschiedlicher Geschlechter bedeutet. In einem generischen Maskulinum, Femininum oder Neutrum werden die Unterschiede nicht sichtbar gemacht, aber zugleich grammatisch einem der drei Geschlechter eingeordnet. Alternativ dazu gibt es  - im Deutschen nicht, aber m.W. im Dänischen - das Utrum, dass keines der drei Geschlechter abbildet, sondern alle gemeinsam - auch die diversen Genderidentitäten - meint.

So ein Utrum wäre für mich die beste Form, es allen recht zu machen - außer den Konservativen, die Veränderungen eh ablehnen.

Ich benutze mangels eines Utrum derzeit am liebsten das Partizip oder den Doppelpunkt. Der hat gegenüber dem Sternchen einen Vorteil: Lässt man sich ein Wort mit Sternchen vom Computer laut vorlesen, liest er z.B.: "Rockträgersterninnen". Beim Doppelpunkt dagegen liest er: "Rockträger innen".
Mündlich wechsele ich dagegen zwischen der expliziten Nennung der männlichen, weiblichen und diversen Menschen oder eben lasse die kleine Lücke im Wort. Nur wenn ich zu faul bin, benutze ich nur ein Geschlecht, meist das männliche, manchmal das weibliche, und das mitunter auch schriftlich in E-Mails oder so.

Vorschreiben tue ich es niemandem, auch nicht meinen Studierenden. Lediglich schreibe ich ihnen vor, es in einem Text einheitlich zu machen. In offiziellen Texten der Uni wird meist binär gegendert: "Professorinnen und Professoren" oder "die Bewerberin/der Bewerber" oder so.

Aber nochmal: "Gendern" bedeutet "zwischen den Geschlechtern unterscheiden". Das Utrum wäre demzufolge ein Entgendern. Und die Sternchen und Doppelpunkte oder auch Unterstriche stellen eigentlich auch ein Entgendern da, weil man da nicht erkennt, welche Genderidenitäten - also soziale Geschlechtsselbstzuschreibung en - die Menschen jeweils haben. Das betone ich jetzt, weil Doppelrock irgendwo behauptet, es gebe eigentliche Bedeutungen von Wörtern. Das ist nach meinem Versändnis hier zwar auch nicht der Fall, aber es ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes. Umgangssprachlich hat sich der Gebrauch dann aber anders entwickelt.

Im Grunde steckt in dem Widerstand gegen neue Sprachgepflogenheiten aber, wie auch im Widerstand gegen Klimaschutz, gegen Menschenfreundlichkeit gegenüber Flüchtlingen, Migratn:innen, Menschen mit Behinderung, Menschen mit nichtbinären Genderidentitäten und anderem aber etwas anderes. Ich würde mal sagen, dass es am besten mit einem Titel eines Buches aus den 1990ern wiedergegeben ist: "Das Unbehagen an der Moderne" (vgl. https://www.suhrkamp.de/buch/charles-taylor-das-unbehagen-an-der-moderne-t-9783518287781) (Das Buch sollte ich mal lesen.)

Jetzt könnten wir noch viel darüber diskutieren was die Moderne ist und ihre Licht- und Schattenseiten herausarbeiten.

LG, Micha
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Offline Lemon787

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« Antwort #211 am: 16.01.2024 15:28 »
Ich denk mal jetzt ganz frei und sage Gendern wird keine Zukunft haben, rein aus der Politik raus werden Europaweit immer mehr Mitte - Rechts Regierungen gewählt.  ;)



Offline MAS

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« Antwort #212 am: 16.01.2024 16:43 »
Ich denk mal jetzt ganz frei und sage Gendern wird keine Zukunft haben, rein aus der Politik raus werden Europaweit immer mehr Mitte - Rechts Regierungen gewählt.  ;)

Und was verstehst Du jetzt unter "Gendern"? Die ursprüngliche Bedeutung oder die Umgangssprachliche?

Und ja, vor dieser Rechts-Bewegung habe ich große Angst. Sie bringt Hass und Hetze und letztlich vielleicht Krieg und Terror. Hatten wir alles schon und haben wir derzeit in manchen Ländern.

Gruß, Micha
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Offline Gotti

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Antw:Gender-Neusprech
« Antwort #213 am: 16.01.2024 18:36 »
Hallo lieber Wolfgang

Auch wenn wir uns noch nicht persönlich kennen so schätze ich Deine Beiträge sehr - auch deswegen weil Du Dir sehr viel Mühe gibst die Dinge aus Deiner Sicht darzustellen. Ich selbst neige dazu die Dinge auf einfache wenige Punkte runterzubrechen. Damit im Forum meine Gedanken von Dir und von Anderen verstanden werden können sei erwähnt das ich in mindestens zweifacher Hinsicht einer Minderheit angehöre. Eben einmal in meiner Eigenschaft als Fan weiblicher Kleidung und darüber hinaus als Mensch mit einer 70%igen Schwerbehinderung die man mir beim Gehen deutlich ansieht. Und bei dem 2. Punkt weiß ich schon wie es sich anfühlen kann einer Minderheit anzugehören. Dabei stellen sich für mich in Anbetracht Deines Textes ein paar Fragen:

1. Muss eine Minderheit in einer speziellen Sprache angesprochen werden damit sie sich ernstgenommen und angesprochen fühlt? Da würde ich aus meiner Sicht ein klares NEIN setzen von dem ich auch nicht abweichen werde. Das Schlüsselwort heißt Integration was für mich das Braten von Extrawürsten wie der Gendersprache ausschliesst.

2. Aus meiner Sicht nehme ich doch keiner Minderheit ihre Daseinsberechtigung nur weil ich mich bis zu meinem Lebensende weigern werde Gender Thema für mich auch nur ansatzweise ernst zu nehmen und umzusetzen. Im Gegenteil - ich bin ein Fan von Leben und leben lassen. Es soll doch jeder Mensch die Freiheit haben sich auszuleben. Ich habe kein Problem mit Menschen die L-Q Community. Also wo sollte ich einem Menschen welcher Zugehörigkeit auch immer seine Individualität nehmen nur weil ich mich weigere mich der Gender Sprache zu bedienen?

3. Und zum Thema Solidarität mit anderen Menschen so ist das ein Punkt der für mich nicht einfach ist. Schon alleine deswegen weil es verschiedene Gruppierungen von Menschen gibt mit denen ich mich weder solidarisch fühlen will noch kann. Dabei denke ich in erster Linie in politische Gruppen wie Reichsbürger, Linksextreme oder Rechtsextreme. Das sind Menschen mit denen ich nichts gemein habe und dabei belasse ich es auch gerne. Solidarität mit schwachen Menschen? Ja und Jederzeit aber dazu müssen diese auch integrationswillig sein und an der Stelle schließt es die Anwendung einer gendergerechten Sprache für mich aus. Da spielt es auch für mich keine Rolle ob wir hier von Migranten oder anderen Gruppierungen mit einer besonderen Orientierung oder Identität reden - wer hier in diesem unseren Lande anerkannt sein will, der sollte bereit sein sich zu integrieren ohne dabei irgendwelche Erwartungen an Extrawürste welcher Art auch immer für sich beanspruchen zu wollen. Das würde der Überhöhung einer Minderheit gleich kommen die ich für mich persönlich und auch sonst ablehne.


Offline JoHa

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Antw:Gender-Neusprech
« Antwort #214 am: 16.01.2024 20:30 »
Der Schwanz sollte nicht mit dem Hund wedeln.
Doch Minderheiten müssen bei uns, leider, laut werden, weil sie sonst im üblichen Krawall nicht gehört werden.
Was dabei vergessen wird, ist, gehört werden heißt Beginn eines Dialogs, nicht Sieg auf der ganzen Linie.
Ich lächle über Genderei, setze mich für faire Bezahlung und Lebensbedingungen ein und hoffe, die Pfauen und Krampfhennen machen die kleinen Schritte zum Erfolg nicht zunichte.
Nicht Johannes. Joachim!

Offline sebaldus

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« Antwort #215 am: 16.01.2024 20:39 »

Offline Gotti

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« Antwort #216 am: 16.01.2024 21:50 »
https://www.geschlechtergerechtesprache.de/


Ist lachen erlaubt? Sowas kann ich kaum ernst nehmen. Soll Jeder machen wie er/sie/es will. Mehr gendern wird von mir nie geben.

Offline MAS

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« Antwort #217 am: 16.01.2024 23:48 »
https://www.geschlechtergerechtesprache.de/


Ist lachen erlaubt? Sowas kann ich kaum ernst nehmen. Soll Jeder machen wie er/sie/es will. Mehr gendern wird von mir nie geben.

Bayern hat jetzt glaube ich wieder das Umgekehrte befohlen für staatliche Stellen. Söder ist ja doch im Grunde Populist, um an der Macht zu bleiben. Aber immer noch besser als noch rechtere Parteien!


Gruß, Micha

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