Autor Thema: Viele Menschen fallen aus dem traditionellen Männchen-Weibchen-Schema heraus  (Gelesen 3076 mal)

Offline Holger Haehle

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Ein Bericht über die Gender Shift Studie von 2015. Tatsächlich sind wir heute schon ein Stück weiter. Besonders junge Menschen höheren Bildungsstandes verstehen Gender schon jetzt als Spielfeld, auf dem man frei experimentieren kann. Diese Lust am Spiel mit der Geschlechtsidentität wird zunehmen. Geschlecht wird in Zukunft kein Schicksal mehr sein, das bei Geburt schon festgelegt ist, sondern ein weites Feld für individuelle Vorlieben und unterschiedliche Lebensphasen.

Mir gefällt die Perspektive, dass  in Zukunft das Individuum durch sein Geschlecht nicht mehr auf bestimmte Verhaltensweisen festgelegt ist,

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/gender-shift-zukunft-der-geschlechterrollen/

Offline Zwurg

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Auf Sulawesi gibt es die Kultur der Bugis, die 5 Geschlechter kennt. Ich fände dieses Beispiel für eine neue Kultur in der biologische Männer und Frauen sich freier entscheiden können, wie sie Leben können.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bugis

Fakt ist: Die alten Rollenbilder Europas aus der Vergangenheit haben weitgehend ausgedient. Die Frauen haben sich verändert und damit verändert sich auch die Welt der Männer.


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Offline culture skirt

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Die Bugis haben starre Geschlechterkonzepte trotz ihrer 5 "Geschlechter". Wer sich als Frau fühlt, muss dort die Traditionelle Arbeiten und Lebensweisen der Bugi Frauen führen.

Offline doppelrock

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Hallo Jule,

mit deinem Realismus ernüchterst du aber die Gender-Interessierten, die jetzt glaubten, die Bugis würden ihre Fluidität (Willkür) rechtfertigen. Danke für den etwas genaueren Blick dorthin.


Offline Holger Haehle

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Mit nur dem Wikipedia-Wissen ausgestattet bin ich mal lieber vorsichtig Schlüsse zu ziehen. Aber wenn es 5 Geschlechter gibt, dann sollte es auch 5 Rollen geben, die auszuleben. Das ist mehr als der verbreitete binäre Genderstandard. Das heißt, Jule könnte hier eine Frau werden und müßte dann auch statt Männerarbeit die Frauenarbeit machen. Das klingt doch fair. Eine andere Frage wäre, ob die Frauen mit den zugewiesenen Frauenarbeiten glücklich sind. Ich weiß nicht wie weit die emanzipiert sind.

Offline MAS

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N'Abend,

ich bin da kein Fachmann, habe aber von Fachleuten soviel mitbekommen, dass auch ein Mehr an Genderrollen keine individuelle Freiheiten des Mischens dieser Rollen bedeuten muss. Der moderne oder vielmehr postmoderne Individualismus ist noch etwas anderes. Aber sehr wohl kann man als ´postmoderner Mensch sich von solchen traditionellen Modellen inspirieren lassen, um die moderne Binarität zu überwinden. Es ist auf jeden Fall sehr spannend zu lesen, was in vormodernen traditionellen Gesellschaften alles möglich war. Ich komme gerade erst darauf, unter anderem durch Thomas Bauer, aber auch durch Celine Grünhagen. Aber nagelt mich bitte noch nicht darauf fest.

LG, Micha
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Offline Zwurg

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Eigentlich reichen auch 2  Geschlechter vollkommen aus. Wenn man den Menschen die Freiheit gestattet alles auszuleben was sie sich gerade wünschen.
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Offline Skirtedman

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Richtig!

(abgesehen von den biologischen Uneindeutigkeiten)

Offline MAS

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Man kann das Problem ja darin sehen, dass viele kulturelle Eigenschaften dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden. Und wer dann Freude an einer gegengeschlechtlichen Eigenschaft hat, wird schief angesehen. Wenn man nun alle diese Eigenschaften entgendern würde, wäre das Problem vielleicht gelöst.

Nun lebt aber ein Teil des Lebens eben aus dieser Dichotomie und der daraus erwachsenen Spannung, dem Knistern usw.

Also: Ist das Problem wirklich so einfach zu lösen?

LG, Micha
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Offline cephalus

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Nun lebt aber ein Teil des Lebens eben aus dieser Dichotomie und der daraus erwachsenen Spannung, dem Knistern usw.

Wirklich?
Oder bleibt am Ende nicht doch nur das körperliche?
Wir haben gelernt, das ein für uns anziehender Körper sich in einer bestimmten Form darstellt, aber die Darstellung ist variabel.

Offline Holger Haehle

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Ich möchte mal Micha und Cephalus zusammenbringen.

Das kulturelle Geschlecht (Gender) ist eine gesellschaftliche Konstruktion (Genderung), Je nach Zeitgeist und Kulturraum wird schon mal anders gegendert. Wenn man nun alle diese gesellschaftlich eingeführten Eigenschaften ändert oder verschiebt (umgendert) oder gar beseitigt (entgendert), dann ist das befreiend, weil jede Rolle (Gender) eine Beschränkung darstellt.
Das biologische Geschlecht (Sexus) und das kulturelle Geschlecht (Gender)  existieren recht unabhängig voneinander, denn sonst könnte man ohne die andere Seite nix konstruieren und ändern, sondern müsste strikt den biologischen Zwängen folgen. Man kann also munter kulturelle Veränderungen vornehmen. Das haben Gesellschaften immer schon gemacht. Kulturen sind mehr oder weniger im Fluß, je nach dem wie Regeln aufgestellt und wieder geändert werden.

Die sexuelle Spannung (Libido) entsteht aus physiologischen Bedürfnissen, wie sie sich aus dem geschlechtlichen Status unseres biologischen Geschlecht (Sexus) ergeben. Der biologische Charakter von Begehren wird dadurch deutlich,  das Leidenschaft durch Hormone aufgebaut wird. Entscheidend ist somit das Körperliche. Aber es ist möglich das Körperliche durch kulturelle Maßnahmen zu betonen, um z. B. mit modischen Mitteln weibliche Brüste über den Rand tiefer Decolletes blicken zu lassen. Die Kultur kann aber nur verstärken was biologisch schon angelegt ist. Am Ende bleibt das Körperliche, das wir aber kulturell zelebrieren mit einer verstärkenden Feeback Wirkung auf den hormonellen Status. Ganz schlicht auf den Punkt gebracht, macht Kultur das Ganze noch geiler. Deswegen reden wir ja z. B. von Reizwäsche.



Offline MAS

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Ja, genau, Holger. Durch Konditionierung werden körperliche und kulturelle Merkmale miteinander verknüpft. So haben wir es gelernt, unter einem Rock ein hübsches Höschen und darin weibliche Genitalien zu erwarten, und wenn statt dessen ne grobe Unnerbüx und männliche Genitalien darunter sind, fühlen wir uns betrogen. Mit "wir" meine ich den Durchschnittsmenschen unserer Kultur. Und diese Erwartungshaltung verbunden mit sexuellem Interesse meine ich mit "Knistern" , "Spannung" usw.

Das kann sich aber alles ändern, nur nicht sofort, sondern mit der Zeit. Und wir hier sind dabei, es zu ändern. Frauen haben es in Bezug auf Kleidung schon längst geschafft, dass das Kistern und die Spannung auch aufkommen kann, wenn sie Hosen oder andere vormals rein männlich konnotierte Kleidung tragen. Und es gibt auch Frauen, die einen Mann im Rock sexy finden und vielleicht auch im Spitzenhöschen.

Auch in Bezug auf Verhaltensweisen, die wir gewohnt sind, als männlich oder weiblich zu bewerten, z.B. Hausarbeit, Reperaturarbeiten, Kinderhüten, Wissenschaft, sehen wir das Potential, sie ganz anders zu bewerten. Die Gesellschaft ist in Bewegung.

Es kann aber auch sein, dass jemand es liebt, diese Grenzen zu überwinden und in Kleidung oder Verhalten auf die andere Seite zu wechseln und wieder zurück. Oder eben mit der Grenze zu spielen und sicht teils so, teils so zu kleiden und zu verhalten. Dieser Mensch empfindet sich dann vielleicht nicht als rein männlich oder rein weiblich, sondern als dazwischen oder als beides oder als mal dies, mal das. Ohne die beiden Gender würde dieser Reiz für ihn*sie aber wegfallen.

Ihr kennt ja sicher das chinesische Yin-Yang-Symbol. Da gibt es zwei Hälften, eine dunkle und eine helle. Die dunkle Hälfte wird auch mit weiblich, die helle mit männlich verbunden. Die beiden Hälften sind aber nicht durch eine klare Linie voneinander getrennt, sondern schmiegen sich weich aneinander oder fließen miteinander. Und in jeder Hälfte befindet sich ein Punkt der anderen Farbe.

LG, Micha   
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Offline culture skirt

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Es gibt dort keine 5 Rollen. Das wollt ihr aber nicht hören und wissen. Diese Menschen leben am Rand der Gesellschaft. Die werden zwar geduldet, sind aber sogar von bestimmten Privilegien, die Männer und Frauen haben, ausgenommen. Bei den Kathoeys ist es ähnlich. Darum sind die allermeisten im Sexgewerbe und Nachtleben ansässig, weil die Gesellschaft keine Möglichkeit bietet in klassischen Berufen Fuß zu fassen und ein stabiles Standbein aufzubauen. Und falls der Vorwurf um die Ausnahmebestätigung wieder kommt, allermeisten sind nicht alle. Es gibt paar vereinzelte Brad Pitts und Angelina Jolies dort unten, die es ins Schauspiel und Theatergewerbe schaffen. Das sind aber 2 von 1000.

Offline doppelrock

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Fallen wirklich "Viele" Menschen aus dem Schema heraus?
Der Text erzählt zwar das ein oder andere aus dem ein oder anderen Land mit verschiedenen Traditionen oder Kulturen, aber wo sind handfeste Fakten?
Erstmal: Welche Eigenschaften hat "das Schema" in welchem Land?
Wieviele Menschen aus welchen Bevölkerungsgruppen wurden dazu befragt?
Wieviele weichen in welchen Punkten von diesem Schema ab?
Warum weichen sie ab?
usw.

In der jetzigen Form wirkt der Text nur wie eine Meinungsäußerung eines pro-Gender eingestellten Redakteurs. Das macht ihn für mich belanglos.

Offline BerlinerKerl

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Ein Bericht über die Gender Shift Studie von 2015. Tatsächlich sind wir heute schon ein Stück weiter. Besonders junge Menschen höheren Bildungsstandes verstehen Gender schon jetzt als Spielfeld, auf dem man frei experimentieren kann. Diese Lust am Spiel mit der Geschlechtsidentität wird zunehmen. Geschlecht wird in Zukunft kein Schicksal mehr sein, das bei Geburt schon festgelegt ist, sondern ein weites Feld für individuelle Vorlieben und unterschiedliche Lebensphasen.

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https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/gender-shift-zukunft-der-geschlechterrollen/

Ich habe mir heute mal die Freiheit genommen, diesen Artikel zu lesen.

Was blieb mir gleich im Kopf hängen? SEX
""Besonders junge Menschen höheren Bildungsstandes verstehen Gender schon jetzt als Spielfeld,""
Spielfeld hat eine sexistische Anhaftung, dies in Verbindung mit Gender. Wenn dies tatsächlich so gemeint ist, habe wir tatsächlich nur 2 Geschlechter. 2 Geschlechter, die mit einander Spielen wollen.

""Diese Lust am Spiel""
Auch wieder diese Lust, die man gewinnt, wenn man mit den Geschlechtern spielt.

Ich hoffe ja nicht, dass hier "Die Grünen" den Weg zur Pädophilie freimachen wollen. Denn dies war ja die Absichter einiger Politiker,
die heute noch mit regieren wollen.

Ich sage da nur "Während den Anfängen."
Ich emanzipiere mich, wer kommt mit?

 

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