Autor Thema: Oktoberfest - kulturelle Aneignung oder Exportschlager?  (Gelesen 5092 mal)

Offline Hannes73

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Mal ganz grundsätzlich und weg von dem Thema, ob ein Mann ein "Mädchenkleid" tragen kann/ darf/ soll oder eben nicht.

Wie seht ihr es: sind für Euch "Lederhose + Dirndl" den Bayern vorbehalten?
Oder nur in Ausnahmen (z.B. lokales "Oktoberfest") auch den Menschen nördlich des 'Weißwurstäquators' erlaubt?

Ich tue mich immer ein wenig schwer damit, dass überall "Oktoberfeste" gefeiert werden.
Zumindest würde ich es auch nicht wagen, in München auf der Wiesen im "Bayernkostüm" aufzutauchen - ganz gleich, ob Lederhose oder Dirndl -
ich würde mir einfach verkleidet vorkommen oder müsste mich selber der "kulturellen Aneignung" bezichtigen.  ::)

Andererseits - wenn man schon außerhalb der Region Oktoberfest feiert (hier in Mainz auf dem Messegelände - am Arsch der Welt - ohne alles: kein Fahrgeschäft, keine Wurst- oder Schießbude, keine Lose, keine Zuckerwatte...ziemlich trostlos), dann würde in mir dann doch eher der Spaß an der Verkleidung aufkommen - auch wenn es dann aussehen würde wie bei Bockmayers "Geierwally" (1988). Eher Trash & Drag.  ;D


Wie seht oder handhabt Ihr das? 

"Oktoberfest nur für Eingeborene!" oder "Jede(r) soll Oktoberfest feiern - mit oder ohne Kostümierung!"


Online high4all

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Lederhosen und Dirndl gibt es auch in Österreich und Südtirol. Insofern ist die Eingrenzung auf Bayern (mit oder ohne Franken?) zu eng.

Zum Nachdenken:
Ist Karneval nur den Rheinändern vorbehalten?
Ist Fasching nur den Baden-Württembergern und Schweizern vorbehalten?
Ist das Schützenfest in Hannover nur den Hannoveranern vorbehalten?
Ist die Cannstatter Wasn nur den Stuttgartern vorbehalten?

Und so weiter....

Ach, und zur Ehre der Gastgeber würde ich ohne mit der Wimper zu zucken im regionalen Look auf das Oktoberfest gehen. Muss natürlich möglichst authentisch ausschauen.

Das ist keine kulturelle Aneignung, sondern kulturelle Wertschätzung.
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Offline cephalus

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Als gebürtiger Münchner, in der 3. Generation zu 100% ja, sowas ist noch existiert  ;) (davor irgendwo her aus Bayern), habe ich kein Problem damit, wenn irgendwelche Auswärtigen irgendwelche nachempfunden und kommerzialisierten oberbayerischen Trachten tragen.

Sie sind für mich in keiner Weise identitätsstiftend. Auch keine originale münchner Tracht (die ganz anders aussieht, und wenig bekannt ist). Wiesn ist für mich nichts anderes als Party im September-/Oktoberfasching. Es kann jeder machen was er will.

Authentische Trachten gibt es bestenfalls  noch in machen Regionen kleinzellig.
Für mich kleide sich jeder wie er will, und solange keiner, der es nicht wirklich kann, versucht bayerisch zu reden, ist alles gut ;)

Offline MAS

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Ist Fasching nur den Baden-Württembergern und Schweizern vorbehalten?

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Offline MAS

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Der Unterschied zwischen Export und kultureller Aneignung liegt in den Akteuren:

Export praktizieren die Menschen, zu deren Tradition etwas gehört, sofern sie wollen, dass auch andere Menschen es praktzieren.

Kulturelle Aneignung praktizieren Menschen, die sich etwas von einer anderen Tradition aneignen, egal, ob die Menschen dieser Tradition das wollen oder nicht.

Wollen sie es aber, geht das eine in das andere über.

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Offline Chris Schumann

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Und so weiter....

Ach, und zur Ehre der Gastgeber würde ich ohne mit der Wimper zu zucken im regionalen Look auf das Oktoberfest gehen. Muss natürlich möglichst authentisch ausschauen.

Das ist keine kulturelle Aneignung, sondern kulturelle Wertschätzung.


Schön geschrieben, Hajo!
Genau meine Sichtweise!!

Und je nach Ansicht gehören wir hier ja evtl noch zum entsprechenden Kulturkreis dazu... - nennt sich hier "Badisches Frankenland"...

Ich war ja am Samstag vor 10 Tagen leider nicht in Mainz dabei, dafür spontan mittags mit der Bahn in Würzburg...
Fragt mich nicht, wieviele Mädels mit Dirndl in dem Zug aus Richtung Stuttgart saßen... - es waren reichlich!!
Und wo wollten die hin?? - Der Gabalier spielte auf...  :o

Also auch wenn man diese Tracht hier sonst eher selten sieht: Es gibt doch etliche, die in den Schränken vorrätig sind  8)
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Offline Silkman

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Ja, ich tu mich auch mit den seit Jahren vermehrt auftretenden Oktoberfesten schwer, und besuche sie auch nicht.

Aber da hat halt mal jemand einen Markt gewittert und damit ordentlich Reibach gemacht, und im nächsten Jahr wurden es mehr und im übernächsten Jahr noch mehr. Und wenn es den Besuchern spaß macht, bittesehr, und wenn es dann einigen noch mehr Spaß macht in Dirndl und Lederhose ist das für mich auch ok, es ist eine Verkleidung und das macht Laune. Kaum ein Besucher wird eine authentische Tracht eines spezifischen Ortes tragen sondern es sind üblicherweise "phantasieuniformen".


Kleine Parallele gefällig?

Irgendwann kamen Mittelaltermärkte auf, erst waren es wenige (unser erster war im Schwäbischen, ca.6 Stunden Anreise und es lag nicht nur an unsem asthmatischen Vehiculum), dann immer mehr.
Und wir waren von anfang an "gewandet" - erst mit dem was unser Kleiderschrank hergegeben hat - also nix authentisch, und auch wenn wir im Lauf der Jahre immer mehr dazugekauft haben war es doch immer nur Verkleidung. Wir waren schonmal viel zu sauber und zu gesund.   ;)
Aber es hat einfach Spaß gemacht, Met und feuergebratenes schmecken (uns) einfach besser, wenn wir uns auf das Mittelalterwochenende vorher auch eingestimmt haben durch das umgraben des Kleiderschrankes.

Und vielleicht schmeckt das oktöberliche Bier ja auch in der passenden (ver)kleidung besser

meint
Jürgen

Offline Silkman

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p.s.: Ich habe einen Kollegen, der öfters in Lederhose mit Wadenstrümpfen und Wanderschuhen zur Arbeit kommt. Und ja, das Stichmesser ist auch dabei.
Er kommt nicht aus dem Voralpen-Bereich sondern aus Rheinhessen, aber es sieht an ihm so authentisch aus wie es nur geht - zum einen weil er das so völlig selbstverständlich trägt als wäre er hineingeboren, und zum anderen weil seine krachlederne einfach die Spuren vieler Jahre aufweist, das ist kein Fetenoutfit sonndern robuste Alltagskleidung.

Offline MAS

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Ich war noch nie auf dem oder einem Oktoberfest, aber auf dem Gäubodenfest in Staubing. Das gibt es nur im Original:

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Offline hirti

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Schöne Bilder, Micha!
Die machen Lust, sowas mal wieder zu besuchen!

Ich habe mir darüber eigentlich noch kaum Gedanken gemacht, weil es solche Volksfeste bei uns auch schon sehr lange gibt. Das Rieder Volksfest seit 1867, den Urfahraner Jahrmarkt seit 1902...
In meinen jungen Jahren waren Trachten ja gar nicht modern und eher was für die langweilige Oma. Inzwischen ist ein regelrechter Hype darum ausgebrochen und man trägt bei uns im westlichen Oberösterreich total gerne Tracht, und zwar richtig schöne.

Und damit gibt's natürlich auch jemanden der auf die Idee kommt wie man damit Geld verdienen kann. In Wien wars vor Jahren noch gar nicht so leicht, vernünftige Tracht zu kaufen - seit 2011 gibt es dort die Wiener Wiesn und damit auch Trachtengeschäfte die die Wiener mit Outfits ausstatten die sie dieses eine Mal im Jahr mit Freude tragen.

Am Anfang fand ich's schon schräg dass die Anti-Trachten-Wiener plötzlich in Dirndl und Lederhosn im Zeltfest herumhüpfen, aber mei... wenn sie Freude dran haben ist doch alles gut.

Und ich denke nicht dass die Münchner in absehbarer Zeit deswegen einen Einbruch der Wiesn-Besucher erleben werden, also glaube ich auch nicht dass es ein Problem ist.

Und ganz ehrlich: Auswärtige Gästinnen zu sehen wie sie ein Dirndl tragen ohne zu wissen wie man das richtig trägt, erhellt doch dem einheimischen Betrachter den Tag.  ;D

Offline Bahner

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Servus,
irgendwie hat aber der Hype für diese (Ver) kleidung etwas nachgelassen.
Man sieht die schon, aber gefühlt deutlich weniger als in vergangenen Jahren.
Hier war deutlich mehr Alltagsputzlappenlook unterwegs; nix mehr festlich...
Grüße Rolf
🚂🚃🚃

Offline Peter55Muc

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Meine Frau und ich haben sogar in Tracht geheiratet, ist einfach sehr schön und auch bequem. Ich bin ach wie Cephalus ein echter Münchner in 3. Generation, von mir aus kann jeder eine Tracht tragen, solange sie nicht ein Billigprodukt ist, die sehen einfach furchtbar aus. Ich gehe übrigens schon seit Jahren nicht mehr aufs Oktoberfest, ist mir zu kommerziell geworden, da gehe ich lieber in einen schönen Biergarten.

LG Peter

Offline Zwurg

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Ich bin auch echter Bayer, es sind so viele Generationen das man nicht sagen kann, wieviele. Ich war früher öfter dienstlich auf der Münchner Wiesn. Entweder von der Firma eingeladen oder zur Kundenbespaßung. Auf den Volksfesten hier in der Gegend, war ich lange nicht mehr. Mir gefällt die Musik nicht, in den Bierzelten versteht man sein eigenes Wort nicht mehr, ich habe altersbedingt keine Freude mehr an Fahrgeschäften. Bier und Essen finde ich wesentlich überteuert. Wenn ich mit dem Auto hinfahre kann ich auch kein Bier trinken, wegen dem Alkohol.

Ich habe noch nie eine Lederhose oder ein Trachtenhemd, noch Haferlschuhe besessen. Ein Dirndl auch nicht. Tracht fand ich von früher her immer altbacken und uncool. Vor allem wenn irgendwelche Politiker oder Versicherungsvertreter sie getragen haben, um ihre Volksnähe zu demonstrieren.

Mir waren sie damit bestimmt nicht näher.

Mir ist eigentlich scheißegal wer Dirndl und Tracht trägt. Eine echte Münchner Tracht trägt heute ohnehin keiner mehr. Im Grunde ist es mehr eine Art Themenfasching. Es ist sowohl kulturelle Aneignung als auch kulturelle Wertschätzung, denn meiner Meinung nach gibt es keine kulturelle Aneignung.

Ich ging vor 30 Jahren, wenn dann in Jeanshosen, wie die meisten Menschen meiner Generationn damals.

Ich betreibe Brauchtumspflege älterer Art. Dort übernachte ich im Zelt, solange ich noch kämpfen kann, ist Bier und Essen für mich dort kostenlos. Das finde ich schön.

Wiesn und Volksfeste sind mir eher ein Graus geworden.
Den größten Mut erfordert es den eigenen Weg zu gehen

Offline sharpals

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wenn besagt byrische trcht noch genuin wäre könnte man von kultureller aneignung sprechen.
Aber eigendlich sind die ,,Trachten", die auf der wiesn anzutreffen sind eher eine art trachtensimulation und eher unter der rubrick landhausmode zu verbuchen.

Ich persönlich binn immer in meiner gesellentracht unterwegs, weil sich dann dementsprechende gespräche und gelegenheiten ergeben. Das war früher auch der sinn der wiesn.
Das reslich bier aussaufen ( hielt nicht übem winter ) und schauen , was sich so ergibt.

https://www.flickr.com/photos/sharpals/6861781758/in/dateposted-public/



Was ich absolut gruselig finde, ist die ,,sauftracht", die hat es schon bis hamburg geschafft:

https://www.flickr.com/photos/sharpals/6288303164/in/dateposted-public/

Wobei es richtig übel wird, wenn noch die waden fehlen.

Ach ja , da hat noch jemand was zu sagen :
https://www.youtube.com/watch?v=SDY2ooWSw-c

/\__/\
(=^.^=)      Meow , im so cute help me to dominate the world
 (")  (")_/


 

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