Autor Thema: MIGRApolis-Haus der Vielfalt  (Gelesen 6382 mal)

Offline MAS

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MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« am: 06.12.2019 11:14 »
Schaut mal: unter https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-bonn/video-lokalzeit-aus-bonn---398.html (Sendung vom 5.12.2019)
Ab ca. Minute 9.50 Uhr wird das MIGRApolis-Haus der Vielfalt in Bonn vorgestellt. Ich bin im Vorstand des Vereins, der das Haus trägt, komme aber im Film nicht vor. Hier unsere Website: https://migrapolis.de/

LG, Micha
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Offline Holger Haehle

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #1 am: 07.12.2019 03:40 »
Klasse Micha,

Engagement ist wichtig. Für dieses und andere Themen. Meckern tun Viele. Aber das verändert wenig. Wer sich auf die Politik verlässt, der ist schnell verlassen. Es braucht die ehrenamtliche  Initiative überall: im Fußballverein, Migrapolis, Kinderschutzbund usw..

Ist doch geil, selbst Teil einer Organisation zu sein, die anpackt. Eigentlich, finde ich, ist das sogar eine patriotische Aufgabe, wenn man etwas tut für das Land und die Leute, die hier leben.

Offline MAS

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #2 am: 07.12.2019 08:18 »
Eine patriotische Aufgabe, also eine vaterländische, lieber Holger? Mir ist eigentlich zu Zuschreibung "humane Aufgabe oder "gesellschafltiche Aufgabe" lieber.
"Patriotisch" klingt mir zu patriarchalisch und zu nationalistisch.
Aber ich denke, dass das, was Du meinst, es schon trifft.

Hier unser Siegburger Bürgermeister Franz Huhn zum Tag des Ehrenamtes:
https://www.youtube.com/watch?v=LoUmU1bdNoY&feature=youtu.be

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Offline high4all

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #3 am: 07.12.2019 09:08 »
Als ein humanistisch gebildeter Mensch solltest Du den Unterschied zwischen einem Patrioten und einem Nationalisten kennen, lieber Michael.

Und ein Patriot muss kein Patriarch sein. Ach wenn beide Worte mit "Patri" anfangen.
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Offline MAS

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #4 am: 07.12.2019 09:26 »
Als ein humanistisch gebildeter Mensch solltest Du den Unterschied zwischen einem Patrioten und einem Nationalisten kennen, lieber Michael.

Und ein Patriot muss kein Patriarch sein. Ach wenn beide Worte mit "Patri" anfangen.

So mancher Nationalist, lieber Hajo, nennt sich "Patriot", weil das besser klingt. Die Leute, die 1914 mit "Hurra!" in den Krieg zogen, nannten sich auch "Patrioten".
Und warum eigentlich nicht "matriotisch"?

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Offline Holger Haehle

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #5 am: 07.12.2019 09:33 »
Naja Micha,

ich habe eigentlich absichtlich den Patriotismus-Begriff gewählt, um deutlich zu machen, dass ein gesellschaftliches Engagement vielem dient. Die Arbeit von Migrapolis findet in Deutschland statt. Von den Ergebnissen profitieren die Menschen in den Grenzen Deutschlands und nicht international. Deutschland ist der Aktionsradius. Somit ist die Wirkung national, also auf die Fläche dieses Landes begrenzt. Und ich hatte den Eindruck, dass der Aktionsradius auch so bewusst abgesteckt ist, um hier vor Ort, quasi vor der eigenen Haustür etwas zu reißen.

Wahrscheinlich verfolgst du mit diesem Ehrenamt lediglich allgemeine humanistische Grundsätze, aber der Nutzen dieser Arbeit ist für Land und Leute wichtig.

Deine Skepsis gegenüber Patriotismus ist verständlich angesichts der Tatsache, dass es Patrioten immer wieder schaffen sich erst am Nationalismus zu besaufen, um danach eine Nation zugrunde zu richten.

Patriotismus sollte mehr mit der Liebe und der Wohlfahrt der Menschen zu tun haben, mit denen ich einen Lebensraum teile. Das jedenfalls ist die Sichtweise, wie es etwa die Taiwanische Präsidentin formuliert hat. Und Frau Merkel hat Deutschland mal als die Nation der Menschen bezeichnet, die hier sind. Gefällt dir der Gedanke besser, wenn wir das Matriotismus nennen?

Offline MAS

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #6 am: 07.12.2019 09:49 »
Lieber Holger,

statt "Vaterland" oder "Mutterland", also "Patria" oder "Matria" nenne ich es lieber "Heimatland", das weder nur einem Geschlecht, noch nur einer Generation (der von Vater/Mutter) gehört. Vielleicht ist es eher sogar ein Dienst am Land unserer Kinder, die es von uns erben.
Neulich hörte ich noch eine Frau wahrscheinlich auf einen Migranten schimpfen, und immer wieder von "unseren Großeltern" und "unseren Vorfahren" rufen. Ich denke tatsächlich, dass uns unsere Nachfahren wichtiger sein sollten als unsere Vorfahren, denn erstere haben es noch vor sich, letztere hinter sich. Und das haben wir mit den Migrant*innen gemeinsam, dass unsere Nachfahren hier leben werden, während die Vorfahren der Migranti*innen woanders lebten. Unser gemeinsames Land als das Land unserer Vorfahren hervorzuheben wäre irgendwie ausgrenzend.
Für mich ist z.B. auch das Rheinland Heimat, während mein Vater aus Sachsen(-Anhalt) stammt. Was von beiden wäre denn nun mein Vaterland? Deutschland als Ganzes? So gesehen ist die ganze Erde unser gemeinsamer Vaterplanet/Mutterplanet/Elternplanet/Vorfahrenplanet. Ja, das stimmt. Aber eben auch und hoffentlich noch lange der Planet unserer Nachfahren.

LG, Micha

Nachtrag: Holger, Taiwan ist ja das Elternland Deiner Frau, aber nicht Deines. Trotzdem ist Taiwan inzwischen doch Deine Heimat geworden, oder? Ist es nicht schöner, mit Deiner Frau und Deinen Kindern eine gemeisame Heimat zu haben, als immer Fremder im Vaterland Deiner Frau zu sein, während Dein Vaterland Tausende von Kilometern entfernt liegt?
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Offline cephalus

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #7 am: 07.12.2019 13:58 »
Hallo Holger,
vorweg, für mich sind Begriffe wie Patriotismus und Vaterland stark negativ belegt. Ursache sind zum einen die üblichen Auswirkungen, die zu allen Zeiten überall auf der Welt zu sehen waren, wenn diese Begriffe eine besondere Bedeutung gewonnen haben, zum anderen das Selbstverständnis, das mit ihnen einhergeht.

Patriotismus und Vaterland beziehen sich grundsätzlich auf einen beschränkten Kreis, in Form von Kulturen, Regionen, Ländern oder auch Geisteshaltungen, die sich vom Rest abgrenzen und nicht selten über sie stellen wollen, oder die eigene Sichtweise als einzig richtige propagieren.

Ich denke viel mehr, Ziel sollte eine Kooperation der Menschheit auf Augenhöhe sein, der Abbau von allem Abgrenzenden, von Grenzen und dem Suchen des eigenen Vorteils.

Ich persönlich sehe mich schlicht als Bürger der Erde.

VG
Cephalus

Offline high4all

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #8 am: 07.12.2019 14:26 »
Die Welt ist mein vorläufiger Aufenthaltsort. Ich bin auf der Durchreise in den Himmel. In dem Bemühen, möglichst wenig kaputt zu machen.
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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #9 am: 07.12.2019 14:39 »
Wir sollten jetzt aber nicht auf dem einen Wort herumreiten, sondern schauen, was Holger über das Wort hinaus geschrieben hat, und dem kann ich vollmfänglich zustimmen. Der direkte Wirkungskreis ist ja sogar noch kleiner als das Land, sondern auf die Stadt oder konkret auf die beteiligen Menschen beschränkt.

LG, Micha
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Offline Holger Haehle

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #10 am: 07.12.2019 17:37 »
Na klar Micha, können wir den Platz, wo wir wohnen auch Heimat nennen. Aber auch der Heimatbegriff hat radikal nationalistische bis faschistoide Auslegungen.

Und Hajo, richtig, die Welt ist wichtiger als jede Nation. Wir sind Bürger eines Landes und Bürger der Welt. Beides ist relevant.

Jedenfalls da wo man lebt, macht es besonders Sinn sich gesellschaftlich zu engagieren, weil man direkt betroffen ist. Bismarck sah in der Übernahme von Verantwortung für den eigenen Lebensraum einen patriotischen Akt.
Da unterschied er sich von Wilhelm dem II., der ihn wegen seines „soften“ Patriotismus feuerte und in den Ruhestand entließ. Wilhelm der II. entwickelte einen Patriotismus mit nationalchauvinistischer Coleur. Dieser präfaschistische Patriotismus hat Deutschland zerstört und Millionen Leben gekostet. Geläutert hat das wenige. Also ging es noch radikaler in die nächste nationalistische Katastrophe.

Nun könnte man sagen, reicht das nicht um zu erkennen, das eine Gesellschaft für ihre Wohlfahrt andere Werte braucht. So etwas wie ein Miteinander aller Weltbürger? Das wäre eine vernünftige Folgerung.

Erich Fromm und Theodor Adorno haben aber gezeigt, dass Menschen nur bedingt zur Vernunft fähig sind. Und der Nationalismus ist nach Yuval Noah Harari eine urmenschliche Emotion, die ihn prägt, seit er die Savannen Ostafrikas verlassen hat. Die Identifikation mit dem Clan und die Abgrenzung gegenüber anderen Stämmen gab es schon in der Steinzeit. Gerade die aktuellen nationalpopulistischen Bewegungen zeigen mal wieder, wie schwer es ist eine strukturelle Prägung zu überwinden.

Wie löst man das Problem? Da Patrioten und Nationalisten emotionale Überzeugungstäter sind, sind sie imun gegen rationale Argumente. Das führt nur zu noch mehr Aggression, Polemik (Lügenpresse) und Abschottung. Aktuelle Ansätze zielen ähnlich wie bei Bismarck darauf, den Patriotismus als ein Handeln zu definieren, das der Wohlfahrt der Heimat dient. Es geht also darum, ein Gefühl zu kanalisieren, das man nicht löschen kann. Im Prinzip ist das klassische Psychotherapie. Für Michas Arbeit bei Migrapolis bedeutet das, er tut etwas wovon die Menschen („Ureinwohner“ wie Migranten) in diesem Lebensraum profitieren. Das macht ihn nach dieser Definition mindestens zum Lokalpatrioten  ;D.

Offline MAS

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #11 am: 07.12.2019 18:17 »
Lieber Holger,

ich finde es gut, mit Dir über Wörter und ihre Bedeutungen zu diskutieren.

Goldie ging unsere Diskussion aber so an die Nieren, dass er ein geplantes Treffen abgesagt hat. Er wirft mir und Cephalus, die den Patriotismus-Begriff kritisieren, Intoleranz und Respektlosigkeit vor. Um diesen Vorwurf zu diskutieren, habe ich einen anderen Thread eröffnet: https://www.rockmode.de/index.php?topic=7575.msg118007#msg118007
Schau doch bitte mal, ob Du Dich von mir oder uns intolerant oder respektlos behandelt fühlst.

Wir sind gerade am Fernsehen, aber ich melde mich nochmal zur dieser Diskussion hier.

LG, Micha
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Offline MAS

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #12 am: 07.12.2019 19:42 »
So, der Film ist vorrüber, jetzt schreibe ich noch was.

Es gibt viele Wörter, die von den Nazis missbraucht wurden, so z.B. auch "Heimat". Und "Patriotismus" ebenso. Gehe ich aber jeweils an den vornazistischen Wortgebrauch zurück, dann fällt mir folgendes ein:

a) "Heimat" bezeichnet das Land oder die Gegend oder auch die Stadt oder das Haus, in dem oder der man daheim ist, sich heimisch fühlt usw.
b) "Patria" oder "Vaterland" bezeichnet das Land des Vaters oder der Väter.

Wenn ich beides eben auf unsere postmigrantische Gesellschaft übertrage, bleibt doch:
a) Heimat kann ein Land auch für Eingewanderte werden.
b) Vaterland kann es frühestens für die Kinder eingewanderter Männer werden.

zu a) "Heimat", so verwendet, schließt niemanden aus, außer denen, die woanders daheim sind, also Reisende, die nur zu Besuch sind.
zu b) "Vaterland", so verwendet, schließt die aus, deren Väter woanders daheim waren. Selbst wenn die Mutter aus dem Land kommt, reicht es nocht nicht aus, denn sonst wäre es das Mutterland.

Deswegen bevorzuge ich das Wort "Heimat". Es ist geschlechtsneutral und generationenneutral und schließt alle ein, die in der so benannten Region daheim sind.

Missbraucht werden können beide Wörter. Es gibt immer Leute, die anderen nicht gönnen, auch da daheim zu sein, denn wer da daheim ist, nimmt auch das Recht für sich in Anspruch, darüber mitbestimmen zu können, wie die Gesellschaft aussehen und in welche Richtung sie sich entwickeln soll. Darüber gibt es ja eh immer Streitereien, und jemanden als "Ausländer", "Imi", "Reigschmeckter" oder so zu bezeichnen, ist immer wieder eine Methode, ihm das Recht auf Mitsprache zu verwehren.

"Nationalismus" ist noch was anderes. Sicher kann man, wenn man ihn von "nasci" = "geboren werden" ableitet, auf jede Identitfikaton mit einer Gegend, in der man geboren ist, anwenden. Aber eine Nation im engeren, moderneren Sinne, ist eine Idee von einem Volk mit einer gemeinsamen Geschichte, Grenze, Sprache, allgemein Kultur usw. Mit dieser Idee wurden Länder im 19. Jh. im Inneren vereinheitlicht und gegenüber dem Äußeren abgegrenzt. Während die Menschen in der Steinzeit in Kleingruppen lebten, in denen jeder jeden kannte, sind die modernen Nationen viel größere Einheiten, oft aus mehreren Millionen Mitgliedern bestehend.

Nationalismus heute ist oft so was wie eine Übertragung der Kleingruppensolidarität auf die nationale Solidarität. Oft wird diese Nation genau wie früher die Kleingruppe gegen andere Nationen abgegrenzt.

Es gibt aber auch noch eine andere Entwicklungsmöglichkeit: So wie die Kleingruppen zu Stämmen, diese zu Stammesverbünden, diese zu Nationen wurden, so können die Nationen zu Nationenverbünden werden bis hin zu einer gobalen Gesellschaft. Diese Entwicklung haben wir ja seit 2000 Jahren zunehmend in Europa und darüber hinaus. Was z.B. meine Zugehörigkeit angeht, so kann ich sagen, dass hier im Rheinland nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches verschiedene keltische und germanische Stämme lebten. Später war das Rheinland Teil des Frankenreiches. Danach waren es verschiedene, einander abwechselnde Herrschaften im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, dann das Deutsche Reich in drei Aufzügen, dann Teil der Bundesrepublik Deutschland, zuerst als West-, dann als Gesamtdeutschland (ohne die ehemals deutschen Gebiete, die jetzt zu verschiedenen Nachbarstaaten gehören). Dieses Deutschland ist Teil der EU, die EU Teil Europas, und Europa ist Teil der gobalen Menschheit, vertreten durch die UN. Insofern kann man sagen, dass die Nationen so etwas wie Entwicklungsschritte darstellen. Das Ende wäre eine vereinte Menschheit. Oder es geht danach noch weiter, interplanetarisch, interstellar usw. aber das ist noch SF.

Allerdings gibt es auch auf der globalen Ebene Kämpfe um Ressourcen. Und diese Kämpfe bringen Verlierer mit sich, die z.T. ihr Heil wieder in kleineren Einheiten, die unabhängig sein wollen, suchen. Diese Bewegung kann zu Nationalismus führen oder zu Regionalismus oder aber zu Religionismus, wenn man die eigene Religionsgemeinschaft als die eigene Gruppe favorisiert. Manche Forscher verwenden hier gerne den Begriff "Stammesdenken", egal, ob dieser "Stamm" nun eine Nation, eine Regionalbevölkerung, eine Religionsgemeinschaft oder auch ein Fußballverein ist. Dieses Stammesdenken wird derzeit global sehr laut. Eine Ursache sehe ich in der ungerechten Verteilung der Ressourcen, in der Gewinnmaximierung privater Unternehmen, die global handeln, dann aber auch in der Migrationsbewegung von unfreien in freie und von armen in reiche Gesellschaften, die wiederum auch Folge der vorher beschriebenen Ursache ist.

Wo wäre jetzt Patriotismus im Holgerschen Sinne einzuordnen? Wo Heimatliebe in meinem Sinne?

LG, Micha    
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Offline Holger Haehle

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #13 am: 08.12.2019 11:09 »
Hm Micha,

ich bin etwas überrascht über Goldies Reaktion, schließlich ist der Diskussionsverlauf sehr moderat und sachlich. Das zeigt vielleicht wie sehr emotional der Diskussionsgegenstand ist. Und ich hatte ja darauf hingewiesen, dass die vornehmlich soziologische Forschung von einem manifesten Urverhalten spricht, das wegen seiner Emotionalität resistent ist gegenüber Argumenten. Wenn also rationales Verhandeln oder gar Einsicht unmöglich sind, dann braucht es einen anderen Ansatz für friedliche Koexistenz. Und da gibt es in der aktuellen Diskussion die Idee den Patriotismusbegriff nicht aufzugeben, sondern ihm eine allgemeinhumanistische Wendung zu geben. Und in dieses Schema passt dein gesellschaftliches Engagement. Du tust etwas für Land und Leute.

Zur Heimat. Ja, selbst beispielsweise die Australier betrachten das okkupierte und den Besitzern (Aboriginals) gestohlene Territorium als ihre Heimat. Und Us-amerikanische Nationalisten fühlen ihre Heimat sogar bedroht. Sollten nicht eigendlich die Indianer ihre Heimat als bedroht betrachten?
Ich denke aber trotzdem, dass wir keinen besseren Begriff als Heimat für den Lebensraum in dem wir leben finden werden. Aber auch deine Definition spiegelt nicht einfach nur die historischen Fakten, sondern enthält als Additiv bereits eine humanistische Geisteshaltung.

Das, was du als Stammesdenken bezeichnest, ist ein Nationalismus auf kleinerer Ebene, der z.B. dazu führte, dass die Amazonas-Indianer so verfeindet waren. Die Kopfjagd war Ausdruck eines hegemonialen lokalen Nationalismus. 

Du beschreibst Nationalismus ausgehend von nasci als auf den Geburtsort bezogen. Tatsächlich bekam der Nationalismus eine neue Dimension als Nomaden sesshaft wurden und nachfolgende Generationen sich auf ihr Geburtsrecht bezogen. So ging man gegen andere Nomaden vor, die weiterhin durch ihr Gebiet ziehen wollten. Weideflächen und Wasserstellen waren plötzlich im alleinigen Besitz der einen Gruppe und tabu für andere.

Bis hierher sprechen wir beim Nationalismus über ein ausgrenzendes Verhalten gegenüber anderen. Der Nationalismus grenzt aber auch nach innen aus. Der Nationalismus verlangt von den Sippenmitgliedern Loyalität und gegebenfalls den Kampf für die Gruppenziele bis zum Tod. Andersdenkende der eigenen „Rasse“ werden diskriminiert, ausgeschlossen, verbannt oder einfach getötet.

So hat Andreas Kalbitz mehrfach bei Reden eine Liste von Namen genannt, die man aus Deutschland rausschmeißen muss. Die Liste enthält nicht nur Namen mit Migrationshintergrund. Dabei ist auch Claudia Roth, eine waschechte Bayerin, aber aus seiner Sicht auf der falschen politischen Seite.

Also mein Patriotismusbegriff schließt niemand aus. Mein Patriot nimmt Anteil am Schicksal von Land und Leuten. Danach ist Patriotismus die Kraft vor der eigenen Haustür etwas zu verbessern – für alle, die hier leben. Ein solches Engagement kann im örtlichen Fußballverein anfangen.

Diese Konnotation will auch nur das Beste für Land und Leute. Sie macht aber einen entscheidenden Unterschied. Der radikale Nationalismus ist ein Verteilungskampf. Es wird festgelegt wer dazugehört und wer was kriegen darf. Sind Resourcen knapp, wird einfach die Zugehörigkeit strenger reglementiert oder unterlegene Nationen ausgebeutet. Dieser Nationalismus schafft nichts. Er löst kein Problem. Er verteilt nur bestehende Resourcen anders. Mein Patriotismus fordert auf anzupacken und mit Schweiß und Kreativität Probleme zu lösen. Mein Patriot sagt ganz solidarisch: Wir schaffen das. Und tut etwas, so wie Micha bei Migrapolis. 

Offline MAS

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #14 am: 08.12.2019 12:19 »
Danke, für die Blumen, lieber Holger, die ich auch gerne an unser ganzes Team weitergebe!

Und ja, klar, Wörter sind zunächst nur Codes, die erst durch uns Menschen mit Sinn gefüllt werden. Und manche Wörter werden von unterschiedlichen Menschen auch in total gegensätzlicher Bedeutung verwendet. "Sanktionieren" z.B. kann "verbieten", aber auch "erlauben" bedeuten. Der Ausruf "das ist ja Wahnsinn" kann postiv oder auch negativ gemeint sein. Und bei Wörtern wir "Patriotismus", "Humanismus", "Frömmigkeit", "Spiritualiität", "Heimatliebe", "internationale Solidarität" usw. usf. spielen so viele Wertungen mit, die sich auch im Menschen verkörpert haben, dass man da arg vorsichtig sein muss, wenn man sie friedlich kommunizieren will.

Ich bin auf dem Sprung zu einem Sonntagsausflug.

Ich wünsche allen, die ihn feiern, einen schönen 2. Advent und/oder Ro-hatsu und/oder einfach einen schönen Tag!

Ich melde mich nacher wieder.

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #15 am: 08.12.2019 13:05 »
Lieber Micha

Ich finde Du machst sehr gute Arbeit bei Migrapolis, solche Leute braucht unser Land. Heute hab ich endlich mal wieder Zeit gefunden, da etwas zu stöbern und auch Deine beiden letzten interreligiösen Rundbriefe hab ich gelesen.

Weiter so und alles Gute

Grüßle
Jürgen
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und genießt das Röcketragen

Offline cephalus

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #16 am: 08.12.2019 15:41 »
Hallo Holger,
Deine Definition von Patriotismus ist in meinen Augen eine schöne, aber sehr ungewöhnliche, leider nicht dem Verständnis der Mehrheitsgesellschaft entsprechend. Sie bedarf daher immer der Erklärung und läuft trotzdem Gefahr missverstanden zu werden.

Verständnis ist für mich eines der zentralen Themen und Probleme inner halb der Gesellschaft, das für mich subjektiv wächst. Im ganz Kleinen beginnt das Thema an der Stelle wenn sich Mitglieder, ohne direkten Konflikt lediglich aufgrund einer Definition eines Wortes verabschieden, und endet bei sich feindselig gegenüberstehenden Kulturen.

Hinreichend Stoff und Grund für eine eigene Diskussion...

Cephalus

Offline Holger Haehle

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #17 am: 08.12.2019 17:03 »
Lieber Cephalus,

deine Skepsis kann man leicht verstehen. Man braucht sich nur die Reden von A. Kalbitz bei den Landtagswahlen in Thüringen anhören, um Angst vor dem Mann zu bekommen. Aber ich bekomme dann auch Angst um Deutschland, weil diese Leute das kaputt machen könnten, was das heutige Deutschland attraktiv macht. Das meine ich umfassend, von der wirtschaftlichen Power bis hin zur Ehe für alle. Mein Deutschland ist nicht ihr Deutschland. Ich sehe es als patriotische Aufgabe das freiheitliche Deutschland vor den Angriffen von Kalbitz, Höcke und Konsorten zu verteidigen.

So neu ist mein patriotischer Ansatz nicht. Die Kanzlerin hat sich ähnlich geäußert und alle in diesem Land lebenden Menschen als Nation bezeichnet. Sie sieht die Wohlfahrt aller als nationale Herausforderung. Und bei meinen Aufenthalten in Frankreich und den USA präsentierten sich mir immer wieder Menschen, die sich als Patrioten ihres Landes sehen. Auf Nachfrage beschrieben sie ihren Nationalismus als Heimatliebe mit einer besonderen Verantwortung für das Staatsgebiet auf dem sie Bürger sind. Vor Kurzem erklärte mir ein US-amerikanischer Lehrer, das sich sein Patriotismus derzeit darin äußere, dass er sich für den schlechtesten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten schäme. Ich bin mir sicher, dass Barack Obama sich auch als Patriot bezeichnen würde und damit was ganz anderes meint als Trump.

Offline MAS

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #18 am: 08.12.2019 17:36 »
Hallo Ihr Lieben,

ich spreche Bernd ;D Höcke und Konsorten nicht ab, ihre bzw. unsere gemeinsame Heimat zu lieben. Nur wollen sie anderes mit ihr anstellen als ich. In meiner Heimat haben alle ein Daseinsrecht, die sich anständig benehmen, egal, wo sie geboren sind, welche Hautfarbe sie haben, ob und wenn ja woran sie religiös glauben oder ob nicht, welche Erstsprache sie haben usw. usf., und auch in Grenzen, welche poltische Meinung sie vertreten, solange diese politissche Meinung nicht demokratiefeindlich oder friedensgefährdend und nicht Menschen, die irgendwie anders sind diskriminieren.

Ich versehe nun, lieber Holger, was Du unter Patriotismus verstehst und teile das, was Du daruner verstehst. Nur in meinem aktiven Wortschatz spreche ich dann doch lieber von Heimatliebe, Humanismus, Philanthropie usw. Aber in meinen passiven Wortschatz nehme ich Deinen Patriotismus-Begriff auf und werde, wenn ich das Wort höre oder lese, ggf. nachfragen, was der- oder diejeinige darunter versteht. Denn, wie Cephalus schreibt, sind es oft eher die Xenophoben, die sich damit brüsten, Patrioten zu sein, also Leute wie eben Höcke oder Trump oder Erdogan oder Modi oder Putin und wie sie alle heißen. (Ob sich Höcke jetzt gebauchpinselt fühlen würde, wenn er läse, dass ich ihn mit Staatsführern in einer Reihe erwähne?).

So, genug parteipolitisch geschrieben. Aber tatsächlich empfinde ich es als demokratische Aufgabe, solchen Leuten nicht unsere Gesellschaften zu überlassen. Leider haben viele so Gesinnten Mehrheiten, wenn auch knappe, in ihren Ländern. Und mit das Schlimmste ist auch, dass sie eine Verantwortung für das Klima ablehnen und mehr auf kurzfristige Wirtschaftsprofite setzen als auf das langfristige Überleben.

Nochmal was zu Wortverwendungen: Ich denke, man muss wirklich immer nachfragen, wie was gemeint ist, wenn man sich auch nur ein bisschen unsicher ist. Es gibt Leute, die meinen, wenn man ein Wort austauscht, seien die Probleme gelöst. Ich erinnere mich daran, dass eine BIM-Kollegin (also in dem Verein, der das MIGRApolis-Haus trägt, wenn auch vor der Gründung dieses Hauses geschehen) eine Wortverwendung von mir kritisierte. Ich schrieb das Wort "helfen". Sie meinte, das klinge von oben herab, ich solle lieber "unerstützen" schreiben. Interessanterweise empfand ich es gerade umgekehrt, weil eine Holfskraft ja meistens rangniedriger ist, währen ein Unterstützer oft ranghöher ist. Wenn schon, denke ich, sollte man, wenn man Gleichrangigkeit ausdrücken will, das Wort "zusammenarbeiten" verwenden. Das wird ja nun auch getan: "Entwicklungszusammenarbeit", statt "Entwicklungshilfe". Beser wurde die so oder so bezeichnete aber deshalb auch nicht. Oder es wird propagiert, man solle statt "Sekten" lieber "Neue Religionen" und statt "Neger" lieber "Menschen dunkler Hautfarbe" sagen usw. usf. aber das nützt ja nur was, wenn auch das Verhalten den so bezeichneten Menschen und Menschengruppen postiver wird. Wenn man die neuen Begriff dann auch pejorativ benutzt, nützt es nichts.

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Offline Albis

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #19 am: 08.12.2019 23:05 »
Hmm, ich bin kein Freund davon, manche Wörter bewusst nicht zu verwenden, weil sie anscheinend vorbelastet sind. Gerade beim Wort Patriot beobachten wir doch, dass es von gewissen politischen Kräften missbraucht wird. Meiner Meinung nach wird es Zeit, dass sich die Demokraten solche Wörter zurückerobern und positiv belegen. Ich kann mir vorstellen, dass die eine oder andere Partei damit vielleicht auch ein paar Wählerstimmen zurückerobern kann von Leuten, die eben entsprechende Werte vertreten sehen wollen.

Offline MAS

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #20 am: 08.12.2019 23:43 »
Ha, das stimmt auch wieder! Das Wort "Autobahn" hat bislang jedenfalls keinen negativen Beigeschmack. Oder doch? Ja doch, aus umweltfreundlicher Sicht schon.

Ich gehe bei Wörtern oft gerne etymologisch vor, sofern ich weiß, was sie ursprünglich mal bedeuteten. Deswegen betonte ich so sehr den Vater in "Vaterland" bzw. "Patria" und wies darauf hin, das einerseits die Mutter fehle und andererseits die Nachkommen. Aber sicher verändern sich Wortbedeutungen im Laufe des Jahrhunderte währenden Wortgebrauchs.

Im Übrigen ist auch das Hakenkreuz, die Svastika, ursprünglich nichts Negatives, sondern ein Symbol für die Sonne, die wiederum für das Leben steht. Und das Kreuz dagegen war ursprünglich ein Hinrichtungsinstrument.

Und doch sehe ich es auch wie Albis, und verwende Wörter wie "Heimat" und auch "Volk", nur eben anders als die Nationalisten.

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Offline Holger Haehle

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #21 am: 09.12.2019 09:36 »
Du hast Recht Micha,

wenn du schreibst: „man muss wirklich immer nachfragen, wie was gemeint ist.“ Streit entsteht nach Gadamer da, wo zwei Parteien nicht das Gleiche wissen. Da beginnt die Krux. Wir bilden unsere Meinungen sehr schnell. Oft vertreten wir eine Position, ohne genauer Bescheid zu wissen. Das kann man schon bei Diskussionen hier im Forum gerade dann sehen, wenn man nur beobachtet, ohne sich am Diskurs zu beteiligen. Als Außenstehender hat man einen etwas nüchterneren Blick als die emotional Beteiligten.

Man kann die Welt nur miteinander dauerhaft verbessern. Das ist aber nicht das Interesse hegemonialer oder supremistischer Nationalisten. Vor denen müssen wir uns schützen. Zweimal haben es radikale nationalistische Bewegungen geschafft die deutsche Heimat total zu vernichten. Ist es nicht bemerkenswert, dass ausgerechnet die radikalsten Vertreter „deutscher Interessen“ die Heimat so in Schutt und Asche versetzt haben, wie keine andere Macht in der Geschichte? Hören wir also genauer hin, wenn wie aktuell wieder, Patrioten um unsere Gefolgschaft buhlen. Ein gesunder Patriotismus dient der Wohlfahrt der Heimat und der Heimat darum.

Und für Cephalus. Meine Definition erscheint hoffentlich weniger ungewöhnlich, wenn ich folgendes zur Differenzierung zu bedenken gebe. Der ursprüngliche Patriotismus war die Kraft, die den Urmenschen half Animositäten abzulegen und sich in einer Gruppe solidarisch zu verhalten, um so in der wilden Natur zu überleben. Als Gruppen anfingen, ihre gemeinschaftliche Stärke gegenüber unterlegenen Gruppen auszuspielen, entstand die Form des hegemonialen Patriotismus. Hören wir also genauer hin, was die Leute heute wollen. Das ist um so wichtiger, weil es in der Politik eine Menge Wölfe im Schafspelz gibt.

Offline high4all

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #22 am: 09.12.2019 10:38 »
Ha, das stimmt auch wieder! Das Wort "Autobahn" hat bislang jedenfalls keinen negativen Beigeschmack. Oder doch? Ja doch, aus umweltfreundlicher Sicht schon.

LG, Micha
Wenn Du in Hörweite an einer Autobahn wohnst, dürftest Du die Sache kritischer sehen. Das ist eine ganz andere Geschichte als so etwas Abstraktes wie Umweltfreundlichkeit. Weil es um Konkretes geht: eine permanente Ruhestörung.

Ähnlich kritisch sehen Menschen eine "umweltfreundliche" Bahnlinie, wenn ihre Schlafzimmer an ihr liegen und Züge im Minutentakt vorbei fahren.

Viele Dinge sind ambivalent.

Meine Haltung zu Autobahnen ist gespalten. Einerseits helfen sie beim Vorwärtskommen (wenn kein Stau ist), andererseits kann ich die zwei Kilometer entfernte A7 bei Ostwind (zu) deutlich hören.

LG
Hajo
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Offline MAS

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #23 am: 09.12.2019 11:09 »
Klar, lieber Hajo. Lärm ist ja auch Umweltverschmutzung, und bei Westwind leben wir in Hörweite der nächsten Autobahn. Und auch ohne Westwind wird das Siegtal zwischen Siegburg und Sankt Augstin von dem Lärm beeinträchtigt. Zudem haben wir 20-30.000 Autos direkt vor der Haustüre, und das auch deshalb, weil die Straße Zubringer der Autobahn ist.
Zu dem Lärm kommt noch das Mikroplastik durch den Reifenabrieb.
Ich habe kein Auto mehr und werde mit so schnell auch keines mehr anschaffen. Nötigstenfalls kann ich eines mieten.


Und lieber Holger, klar, es geht vor allem um zwischenmenschlich Solidarität, was Du als Pariotismus bezeichnest. Ist halt die Frage, ob diese Solidarität an irgendeiner Grenze stoppt, sei es an der Grenze der Familie, des Stadtteils, der Stadt, des Landkreises, des Bundeslandes, des Staates, der Staatenunion oder welche auch immer, oder ob es nicht doch grundsätzlich um globale, menschheitliche Solidarität geht.

LG, Micha

 
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Offline high4all

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #24 am: 09.12.2019 11:46 »
Mir scheint so, als ob es unterschiedliche Arten von Solidarität gibt.

Da gibt es die Solidarität, die mit zunehmender Entfernung (geografisch/gesellschaftlich/menschlich) abnimmt: Meine Familie, mein Dorf, mein Betrieb, mein Verein, mein Land findet uneingeschränkte Solidarität. Außerhalb von Familie, Dorf, Betrieb, Verein, Land wird es weniger damit bis gar nichts mehr da ist.

Und dann gibt's es die Art Solidarität, die mit abnehmender Entfernung abnimmt: Solange Flüchtlinge in Syrien hocken oder LGBTQ-Menschen außerhalb unserer Familie bleiben ist die Solidarität groß. Aber wehe, wenn sie näher kommen und gar bei uns im Dorf landen. Oder in Verein oder Familie (soll vorkommen).
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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #25 am: 09.12.2019 11:50 »
Lieber Hajo,

zu1: Das ist ganz natürlich. Da ist dann keine starre Grenze gesetzt, sondern eine Abstufung. Wir dürfen uns ja auch nicht überlasten.

zu2: Das ist auch natürlich, denn die Solidarität mit Leuten weit weg ist oft eher theoretisch und unverbindlich, während die mit Leuten in der Nähe konkret wird und Arbeit mit sich bringt. Davor scheut man oft. Da muss mann ggf. an sich arbeiten.

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Offline Luan

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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #26 am: 09.12.2019 22:48 »
Im Übrigen ist auch das Hakenkreuz, die Svastika, ursprünglich nichts Negatives, sondern ein Symbol für die Sonne, die wiederum für das Leben steht. Und das Kreuz dagegen war ursprünglich ein Hinrichtungsinstrument.
Und im Hinduismus ist wohl sagar ein "heiliges Symbol'
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Re: MIGRApolis-Haus der Vielfalt
« Antwort #27 am: 09.12.2019 23:30 »
Im Übrigen ist auch das Hakenkreuz, die Svastika, ursprünglich nichts Negatives, sondern ein Symbol für die Sonne, die wiederum für das Leben steht. Und das Kreuz dagegen war ursprünglich ein Hinrichtungsinstrument.
Und im Hinduismus ist wohl sagar ein "heiliges Symbol'

Überhaupt im indischen Kulturraum, auch bei Buddhisten. Leider auch bei den Hindutva-Extremisten.

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