Autor Thema: Im Rock im Dorf  (Gelesen 2446 mal)

Offline JoHa

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Antw:Im Rock im Dorf
« Antwort #30 am: 07.11.2021 11:37 »
Am späten Dienstagnachmittag, es dämmerte schon, ging ich kurz mit dem Hund raus, weil er offensichtlich "mal musste". Wir wohnen sehr abgelegen, auf mehrere hundert Meter sieht man jeden kommen.
Da bog ein LKW in unseren Weg ein. Ich stand im kurzen Rock und FSH im Scheinwerferkegel.
Ich dachte, man habe sich verfahren und wartete ab. Da hielt doch der Wagen, unser Nachbar stieg aus und rief: ich hab dir Pflastersteine mitgebracht!
Er schaute sich meine leichten Schuhe an, und fragte, ob ich ihm zeigen könne, wo er den Segen denn abladen solle. Er dachte wohl wie ich, der Matsch neben dem Weg sei Gift für meine Wildlederschuhe.
Ich wies ihn ein, er lud mit dem Kran ab, wir sprachen noch kurz über die Bezahlung, er fuhr winkend davon.
Kein Kommentar zu meinem Rock.
Nix.
Ich glaube, das war ein weiterer Impuls für mich, den Rock nicht nur in der Stadt, sondern auch im Dorf ankommen zu lassen.
Nicht Johannes. Joachim!

Offline Skirtedman

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Antw:Im Rock im Dorf
« Antwort #31 am: 07.11.2021 11:57 »
Daumen hoch!

(Geht auch ohne Button, wenn man sonst nichts weiter schreiben möchte...)

Offline Holger Haehle

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Antw:Im Rock im Dorf
« Antwort #32 am: 07.11.2021 16:16 »
Lieber JoHa,

und der Nachbar war während der Situation auch entspannt und bemühte sich nicht krampfhaft um Normalität? Noch weißt du nicht , was er zu Hause oder anderen Nachbarn erzählt hat.

Andererseits, war er in der Situation wohl schlimmstenfalls darauf aus die Situation zu akzeptieren, was auf eine gewisse Bereitschaft hindeutet, den Mann im Rock zu tolerieren. Und das ist ein guter Anfang.

Wenn du jetzt nachlegst, dann zeigt das jedenfalls, dass er dich nicht bei einem heimlichen Hobby überrascht hat.

Ich frage mich, warum sollten die Leute im Dorf anders reagieren als die in der Stadt. Die Städte auf dem Hümling sind doch von der Sozialstruktur her tendenziell dörflich, und voller Menschen aus den Dörfern, die dort einkaufen.

Offline JoHa

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Antw:Im Rock im Dorf
« Antwort #33 am: 07.11.2021 18:05 »
Da nun einige Tage dazwischen liegen, denke ich, er hat kein Aufhebens darum gemacht. Mit seiner Frau hatte ich bereits ein kurzes Schwätzchen.
Und wenn ich Angst hätte, zum Tratschthema zu werden, hätte ich nicht schon Post und Pakete in meinem bevorzugten Aufzug entgegengenommen.
Ich betrachte mittlerweile meine nähere Umgebung, 300-500m, als mein "home and castle".
Nicht Johannes. Joachim!


Offline Holger Haehle

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Antw:Im Rock im Dorf
« Antwort #34 am: 08.11.2021 10:12 »
Klasse, dann mach es. Geh einen Schritt weiter.

Wenn die Beziehung zu den Leuten im Dorf gut ist, dann wissen sie was sie an dir haben. Das werden sie nicht wegen deiner Beinkleider aufgeben.

Meine eigene Erfahrung im südlichen Emsland (Clusorth, mittlerweile nach Lingen eingemeindet) ist, dass die Anerkennung sogar wachsen kann, weil man sich besonders macht. Man fand mich anfangs etwas schräg aber interessant. Und einige Zeit später war es völlig normal. Da bekam ich sogar Empfehlungen, die mir selbst zu femin waren.

Offline Zareen

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Antw:Im Rock im Dorf
« Antwort #35 am: 20.11.2021 20:35 »
Kein Kommentar zu meinem Rock.
Nix.
Ich glaube, das war ein weiterer Impuls für mich, den Rock nicht nur in der Stadt, sondern auch im Dorf ankommen zu lassen.
Keine Reaktion zu bekommen kann heißen:
- ist bereits 'normal' geworden = beste Situation
- der/die Gegenüber hat dem Rockträger gegenüber keinen Mut (zuwenig Selbstbewusstsein?)
   Das würde dann in unserer Abwesenheit im Kreise seines-/ihresgleichen zu Hause/Kneipe/usw. 'besprochen'
   werden. UND: das ist dann nicht mehr unser Ding. Warum?
   Weil niemand für das verantwortlich ist, was im Kopf eines anderen vor sich geht.
Aber ich glaube, die zweite Variante würde man spüren

Meine Erfahrung ist: authentisch bleiben! Dann funktioniert es auch auf dem Dorf.
Mann-sein hängt nicht vom Tragen einer Hose ab.
Warum dann nicht Rock tragen? Nur Mut....

Offline JoHa

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Antw:Im Rock im Dorf
« Antwort #36 am: 20.11.2021 21:37 »
Danke für eure ermutigenden Kommentare.
Mittlerweile waren wir (meine Frau und ich) beim Hausarzt, im Elektroladen, im Supermarkt und in der Apotheke im Dorf. Zweite Blicke gab es nur im Wartezimmer und bei der Kasse im Gemüseshop des Supermarktes. Im Elektroladen hörte ich beim zweiten Besuch, um eine Bestellung abzuholen, von dem jungen Verkäufer: "Hallo, der Mann im Rock ist wieder da!"  Bemerkt und nicht bewertet. Gut so.
Nicht Johannes. Joachim!

 

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