Autor Thema: „Ich kleide mich so, wie andere das von mir erwarten.“  (Gelesen 2949 mal)

Offline cephalus

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„Ich kleide mich so, wie andere das von mir erwarten.“
Diese, als provokant gedachte Aussage, von mir hat gestern im erweiterten Kreis der Verwandtschaft meiner Frau ihre Wirkung nicht verfehlt.

Auf irgendwelchen Wegen kam das Thema auf Kleidung, in einem Kreis mit dem ich wenig zu tun und wenig Gemeinsamkeiten habe, und der mich ausschließlich in traditioneller Männerkleidung kennt.

Für die eingangs genannte Aussage bekam ich unmittelbar, wie geplant, heftigen Widerspruch:
Der Tenor war, man kleidet sich für sich selbst, andere hätten sich nicht einzumischen und, dass  man sich zur Meinung anderer keinen Kopf machen sollte, weil das ja nur deren „Problem“ wäre.
Einstimmigkeit…

Daraufhin habe ich der Runde erzählt, dass ich häufig Röcke und Kleider trage, es aber heute gelassen habe, in Rücksicht auf die Runde und auf mein daraus resultierendes eigenes Wohlbefinden.

Es gab eine kurze Phase der Erkenntnis und der Verifikation des Wahrheitsgehalts, dann wurde es ruhig, bis sich die Lager teilten in die „Ja super!“ Fraktion und die „schon gut, aber das geht doch zu weit“ Fraktion.

Manchen war offensichtlich peinlich, wie sie sich in ihren Aussagen widersprachen und versuchten thematisch oder physisch das Weite zu suchen.  ;D

Cephalus

PS: Falls ich wieder mal genau auf diese Runde treffen werde, wird meine Kleidung zur Provokation gereichen - egal wie sie ausfällt ::)

Offline Olivier

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Oh Mann. Das kann ich mir gerade bildhaft vorstellen. Das eine oder andere Gesicht wäre sicher ein Foto wert gewesen.

LG, Olivier
"The presence of those seeking the truth is infinitely to be preferred to the presence of those who think they’ve found it." - Terry Pratchett

Offline high4all

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Zitat
Der Tenor war, man kleidet sich für sich selbst, andere hätten sich nicht einzumischen und, dass  man sich zur Meinung anderer keinen Kopf machen sollte, weil das ja nur deren „Problem“ wäre.

Diese Aussage gilt nur uneingeschränkt, wenn die "exotisch" gekleideten Menschen nicht zum unmittelbaren Umfeld gehören.

Die Toleranz/Akzeptanz gegenüber Ungewohntem nimmt bei vielen Menschen mit zunehmender Nähe im Quadrat ab. Nicht nur bei Kleidung.
Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

Never be limited by other people's limited imaginations. (Dr. Mae Jemison)

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Offline Albis

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Super gemacht, Cephalus. Den Spruch versuche ich mir mal zu merken...


Offline JoHa

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Ich kleide mich tatsächlich der erwarteten Gesellschaft entsprechend; bei meinen Lieben trage ich Röcke, bei Menschen, denen ich Vertrauen entgegenbringe, auch. Bei Fremden kommt es darauf an, ob ich auffallen will. Nicht unbedingt provozieren aber Flagge zeigen, vielleicht sogar missionieren will. Ohne die solidarische Unterstützung meiner Frau liefe ich wohl heute noch in Jeans und Sweatshirt herum.
 
Nicht Johannes. Joachim!

Online hirti

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Das ist ja eine spannende Geschichte, cephalus!

Es hat bestimmt einiger Mut dazu gehört, sich so zu "outen". Obwohl du viel Routine in Rock und Kleid hast, hat du diese Gruppe ja bestimmt nicht ohne Grund bisher damit "verschont".
Die daraus resultierende Diskussion stelle ich mir jedenfalls sehr spannend vor, getreu dem  Motto "Wasser predigen und Wein saufen".


@JoHa,
deine Ehrlichkeit in dem Thema ist schön.
Lügner im Gegensatz dazu erkennt man meist daran dass sie "immmer und überall ihr Ding durchziehen, nie auf Gegenwind stoßen und dabei noch von allen bewundert werden".

Offline cephalus

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Routine lieber Hirti, habe ich nur in der engeren Familie und der Öffentlichkeit,  soweit ich auf Fremde treffe.
Eben gerade nicht im weiteren Freundes- Bekannten- und Verwandtschaftskreis. :-\

Mut war das auch nicht,  weder geplant noch durchdacht. Es war fast eine Verzweiflungstat  >:( :

Die gingen mir allesamt so auf die Nerven, dass - ich kann es nicht genau beschreiben - ich irgendwie Distanz erzeugen musste.

Ich bereue es jedenfalls nicht.

skortsandtights

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Für mich als frau ist es selbstverständlich das ich mich so kleide wie es mir persönlich gefällt.
Das heisst die lange hose kommt nur selten aus dem schrank mit den arbeitsklamotten.
Ich habe mich heute auch entschlossen die personenstandsänderung zu machen so das ich auch amtlich eine frau bin.
Den neuen vornamen kann man ja frei wählen und so werde ich in zukunft eine englische form von Johanna, nähmlich den namen Joan tragen.
Natürlich auch hier im forum, wie auf instagram oder wo auch immer.
Klar ist es manchmal unpassend in shorts oder mini zu erscheinen und so werde ich auch etwas längere röcke in meine garderobe aufnehmen.
Den anfang habe ich ja schon gemacht und so wird sicher auch noch das einte oder andere elegante stück dazukommen so das ich dann wirklich für jede gelegenheit etwas passendes habe.
Ob nun zu einer hochzeit oder leider auch zu einer beerdigung.

Lg, Joan




Offline MAS

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Na dann, tschö Johanna, willkommen Joan!

LG, Micha
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Online hirti

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Oh, na dann gratuliere ich dir wenn du einen Weg gefunden und Entscheidungen getroffen haben die noch etwas mehr Freude in dein Leben bringen, Joan!
Die Hauptsache ist auf jeden Fall dass du das  machst und trägst woran du Spaß hast.

Offline JoHa

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Good bye Sam, hello, Samantha? Nee, das hat Sir Cliff Richard anders gemeint....
Liebe Joan, wird sich dein Alltag durch die standesamtliche Eintragung ändern?
Nicht Johannes. Joachim!

skortsandtights

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Vielen dank!

Es muss sich gar nicht so viel verändern aber ich will einfach mal ne klare sache.
Nicht das ewige hinundher privat eine frau, im job ein mann und rechtich natürlich auch.
Wenn ich noch jung wäre müsste ich zum beispiel keinen militärdienst machen aber den habe ich hinter mich gebracht, also ist das kein thema mehr, was noch ein mitgrund sein könnte für eine personenstandsänderung.
Wo sich was ändern wird ist bei der arbeit.
Das heisst ich komme endlich aus der herrengarderobe raus  :)
Wobei ich meinen kollegen ein kränzchen winden darf, trotz femininer bekleidung, weiblichen, aber eher neutralen undies und natürlich strumpfhosen hat niemand negativ reagiert.
Trotzdem fühlte ich mich irgendwie im falschen film und einfach nicht wohl.
Natürlich kommt das für den arbeitgeber nicht aus heiterem himmel der chef weiss es schon seit meinem eintritt in die firma das ich eine transfrau bin.
Es wissen auch alle kolleginnen nur die herren könnten etwas überrascht sein.
Ich habe gestern bei meinem chef noch mal nachgefragt und so werden wir am montag gemeinsam schauen wo ich mich in zukunft umziehen werde.
Durch die anpassung meines personenstandes ist er rechtlich auch in der pflicht mir eine ensprechende möglichkeit zu bieten.
Das meine ich eben mit rechtlich in bin keine bittstellerin und ich bin überzeugt wir werden eine pragmatische lösung finden.
Mit der toilette ist das sowieso kein problem da gehts einfach zu den ladies :laugh:
So komisch das kllngen mag gerade der toilettenbesuch ist natürlich ein problem.
Gehe ich zu den herren fühle ich mich nicht wohl und bei den damen könnte ich hinausgeworfen werden.
Aber ich bin da zuversichtlich denn fas alle öffentlichen toiletten sind in Luzern genderneutral und das setz sich immer mehr an anderen orten durch.
Auf was ich mich freue das ich endlich auch in sachen undies bei der arbeit tragen kann was mir gefällt.
Das mag banal klingen aber es ist mir wichtig und ich muss nicht mehr darauf achten ob im ausschnitt ein wenig spitze zu sehen ist.
Natürlich gibt es auch jede menge papierkram aber sehr viele sachen lassen sich auch online erledigen und natürlich gibts endlich das F statt dem M in der identitätskarte.

See you later, Joan


Offline Zwurg

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Ich kleide mich auch so wie man es von mir erwartet, also meist in Hose.
Rock ist etwas für Tage an denen ich mich wohlfühle, unter Menschen, die ich mag und die mich mögen.

Ich sehe mich nicht als Frau oder Frauenähnliches Wesen, sondern als Mann mit eben auch mehr Möglichkeiten sich zu kleiden.

Ich finde es gut, wenn es genderneutrale Toiletten gibt.

Diese Ganze Eingruppierung in Mann und Frau, trennt die Geschlechter, als sie zusammenzuführen. Das gilt auch für Umkleideräume finde ich.
Den größten Mut erfordert es den eigenen Weg zu gehen

Offline Wolkenkobold

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@Joan Glückwunsch zu diesem Schritt, freut mich sehr  :)

Online JJSW

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Hallo Joan, Glückwunsch, du hast Dein Ziel erreicht.

Ich hab ein anderes Ziel, das ich auch weitgehend verwirklicht habe. Als Mann die Klamotten zu tragen, die mir gefallen. Röcke und Kleider. Auch wenn es nicht allen gefällt.

Grüßle
Jürgen
Laßt Euch nicht von Zweifeln plagen
und genießt das Röcketragen

 

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