Autor Thema: Wie schneidere ich mir einen Rock?  (Gelesen 609 mal)

Offline Zareen

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Wie schneidere ich mir einen Rock?
« am: 22.04.2022 16:59 »
Schnittmuster gibt es viele.
ABER:
Jeder Körper ist ein klein wenig anders gebaut und deswegen ist ein individueller Schnitt auf den Körper angemessen vielleicht eine schicke Idee, eigene Maßkleidung zu tragen.

Ich habe vor 2 Jahren einen Schneiderkurs an einem Samstag besucht, der das "Entwickeln eines Rockgrundschnittes" vermittelte.

Ich habe die Schneiderin um Erlaubnis gebeten, ob ich meine Aufzeichnungen in einem Forum veröffentlichen darf.
Sie hat zugestimmt, auch ohne Nennung ihres Namens.

Trotzdem: Die 4 Seiten meiner Mitschrift beruhen auf dem (C) Copyright: Modedesignerin und Maßschneiderin Johanna von Frieling. Die private unentgeltliche Verwendung des Rockgrundschnittes ist gestattet, jedoch keine gewerbliche Verwendung.

Ich habe die 4 Seiten in meine Galerie gestellt.
Mann-sein hängt nicht vom Tragen einer Hose ab.
Warum dann nicht Rock tragen? Nur Mut....

Offline Albis

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Antw:Wie schneidere ich mir einen Rock?
« Antwort #1 am: 27.04.2022 21:16 »
Danke für die Schnittmuster, Zareen! Das scheint ein eher enger Rock zu werden, oder?

Die Röcke, die ich mal entworfen (nicht genäht) hatte, basierten alle auf einem Tellerrock. D.h. es ist de facto ein Kreis bzw. der Kreis wird aus mehreren Dreiecken (mit einer runden Seite) zusammengesetzt, da die Stoffe nur begrenzt breit sind.

Offline Zareen

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Antw:Wie schneidere ich mir einen Rock?
« Antwort #2 am: 28.04.2022 02:33 »
Danke für die Schnittmuster, Zareen! Das scheint ein eher enger Rock zu werden, oder?

Die Röcke, die ich mal entworfen (nicht genäht) hatte, basierten alle auf einem Tellerrock. D.h. es ist de facto ein Kreis bzw. der Kreis wird aus mehreren Dreiecken (mit einer runden Seite) zusammengesetzt, da die Stoffe nur begrenzt breit sind.
Hallo Albis,
Wie Du unschwer erkannt hast, ist der Grundschnitt praktisch ein Zylinder, der den Hüftumfang hat und sich zur Taillie verjüngt.
Bitte beachte die letzte Seite 4 in der Du die Anleitung findest, den Rock praktisch beliebig zu weiten und damit dann über eine schmale A-Sillouette auf eine immer weitere A-Sillouette kommst.

Ein Tellerrock ist eigentlich völlig unkritisch, was das Verhältnis Taillie zu Hüfte betrifft, jedoch bei einem schmalen Rock sehr ins Gewicht fällt, wenn er denn gut sitzen soll. Da ist eben etwas mehr Rechnerei und Zeichnerei nötig.

Viel Erfolg!
Zareen
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Offline Albis

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Antw:Wie schneidere ich mir einen Rock?
« Antwort #3 am: 02.05.2022 21:30 »
Hallo Zareen,

wir beide stehen wohl für die beiden Pole supereng (Du) und superweit (ich).

Deine Technik (gerade Streifen mit Keilen für die Weite) ist gut, wenn man Kellerfalten haben möchte. Das sieht gut aus und eignet sich sicher für eher derbere Stoffe wie Jeans. Und es wirkt insgesamt männlicher.

Mein Ansatz ist einfacher, die Falten fallen zufälliger. Er eignet sich eher für dünnere Stoffe und sieht dann durch das weichere Fallen des Stoffes eher weiblich aus.

Zwar meine ich, eine ganz gute geometrische Vorstellung zu haben, die es mir ermöglicht, mir gewisse Schnittmuster auszudenken. Allerdings fehlt mir sowohl die Zeit als auch das Talent, das alles selbst zusammenzunähen. Es gab mal einen Rock, den ich zusammen mit meiner Frau produziert habe. In letzter Zeit habe ich die Schneiderin meines Vertrauens beauftragt. Allerdings versuche ich die Zahl neuer Röcke auf maximal drei pro Jahr zu begrenzen, wobei da maximal eine Sonderanfertigung darunter ist. Daher bist Du wahrscheinlich viel eher der Nähprofi als ich.


Offline Zareen

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Antw:Wie schneidere ich mir einen Rock?
« Antwort #4 am: 03.05.2022 09:54 »
Hallo Zareen,

wir beide stehen wohl für die beiden Pole supereng (Du) und superweit (ich).
Hallo Albis,
Da habe ich mich dann etwas missverständlich ausgedrückt.
Nur weil der Rockgrundschnitt gerade ist, bin ich kein Fan von superengen Röcken. Im Gegenteil! Ich mag's bequem und weit.
Zitat
Deine Technik (gerade Streifen mit Keilen für die Weite) ist gut, wenn man Kellerfalten haben möchte. Das sieht gut aus und eignet sich sicher für eher derbere Stoffe wie Jeans. Und es wirkt insgesamt männlicher.
"Meine Technik" ist nicht gerade Streifen und Keile für die Weite, das würde nachher so was wie ein Godetrock werden.
Die Keile deswegen, weil der Bund gleich bleibt und sich nur die Saumweite ändert. Die "Keile" sind ja nur auf dem Papier, weil Änderungen und Ergänzungen immer auf dem Papier gemacht werden, nie am Stoff.
Und eine Vorlage mit eingeschnibbelten Keilen ist ja nur das Arbeitspapier, nicht der fertige Schnitt.
Nachher im endgültigen Schnittbogen hast Du nur eine erweiterte Fläche, nach der der Stoff zugeschnitten wird, und dann fällt der Stoff auch mit zufälligen Falten.
Stelle Dir das so vor:
1. Nach den eigenen Körpermaßen wird der Grundschnitt erstellt.
2. Vom Grundschnitt wird eine Kopie erstellt, in der dann Änderungen vorgenommen werden
    (Keile werden dann z.B. mit Malerkrepp eingeklebt, um sie verändern zu können)
3. Von der Kopie wird dann der Schnitt abgezeichnet, nach dem der Stoff zugeschnitten wird.

So hast Du nachher 3 Schnitte: den Grundschnitt (schmal, gerade, der die ewige Vorlage für alles ist), den Arbeitsschnitt (Kopie! des Grundschnittes), an dem Du beliebig schnippeln darfst, und den fertigen Schnitt (nach dem der Stoff zugeschnitten wird (an dem auch nichts geändert wird).

Für das Thema "Kellerfalten" musst Du ja auch Weite am Bund haben, das ist dann eine ganz andere Vorlage.
Zitat
Mein Ansatz ist einfacher, die Falten fallen zufälliger. Er eignet sich eher für dünnere Stoffe und sieht dann durch das weichere Fallen des Stoffes eher weiblich aus.
Mir geht es dann wiederum darum, Mann und Rock zu verbinden, ohne die Komponente "weilbliches Aussehen".
Was in den Köpfen anderer vor sich geht, ist nicht mein Ding.
Für mich ist entscheidend, wenn Frauen und Männer mich trotz Rock noch "männlich" ansehen und nicht beginnen, mich unsicher mit 'sie', oder 'er', oder mit 'Hallo Susi' anzusprechen.

Mit "Rock am Mann" will ich Zweifel an dem 'nur Hose tragenden Mann', nicht aber an der Genderidentität säen.
Daß die 'Ränder' sich dabei in 'Grau' verwischen, ist spätestens seit den Hose-Anzug-Krawatte-tragenden Frauen zur 'Normalität' geworden. Daß Männer sich immer noch als die stahlharten-hosetragenden Kerle präsentieren müssen, (ich übertreibe hier bewusst) um sich selbst als solche wahrzunehmen, ist einzig deren Problem.

Ich glaube, daß das eher damit zusammenhängt, daß das Bild "Mann" sich über die Jahrtausende mittels ihrer etwas größeren Körperkraft und damit vermeintlich einzigem Überlegenheitsfaktor gegenüber Frauen zusammenhängt.
Mann muß seine Überlegenheit jederzeit verteidigen. Schwäche macht ihn unterlegen und damit rutscht er in die unterlegene Frauenwelt ab und wird ein bisschen weiblich. 
Das ist meine Erklärung unr teils auch ein wenig meine Prägung durch meine Erziehung, nicht mehr meine persönliche Einstellung zu Mann und Frau.
Zitat
Zwar meine ich, eine ganz gute geometrische Vorstellung zu haben, die es mir ermöglicht, mir gewisse Schnittmuster auszudenken. Allerdings fehlt mir sowohl die Zeit als auch das Talent, das alles selbst zusammenzunähen. Es gab mal einen Rock, den ich zusammen mit meiner Frau produziert habe. In letzter Zeit habe ich die Schneiderin meines Vertrauens beauftragt. Allerdings versuche ich die Zahl neuer Röcke auf maximal drei pro Jahr zu begrenzen, wobei da maximal eine Sonderanfertigung darunter ist. Daher bist Du wahrscheinlich viel eher der Nähprofi als ich.
Ich bin da auch eher in der Riege der Hobbynäher 🙂
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Offline Albis

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Antw:Wie schneidere ich mir einen Rock?
« Antwort #5 am: 12.05.2022 21:12 »
Hallo Zareen,

danke für Deine ausführlichen Beschreibungen! Wie weit ist denn dann Dein weitester Rock? Und wie männlich sieht er noch aus? Grundsätzlich wünsche ich mir ja auch ein männliches Aussehen, aber manche Schnitte und Stoffe, insbesondere Satin, die ich mag, wirken eben immer weiblich. Männlich wirkende Stoffe sind ja eher die dickeren und festeren wie Jeansstoff. Ebenso sollte ein männlich wirkender Rock im Bereich der Hüfte wohl eher eng bzw. gerade sein, weil Faltenwurf am Bund auch eher kritisch ist. Insofern, wenn es einen weiten Schnitt mit einem weich fallenden, glatten Stoff gibt, der als Rock dennoch männlich aussieht, wäre ich sehr daran interessiert. Gerade jetzt im Frühjahr und dann im Sommer beneide ich die Frauen mit ihren langen, weiten, im Wind flatternden Röcke doch sehr. Vielleicht gucke ich mir Deinen Schnitt nochmal genauer an.

Und wenn ich was gefunden habe, stehe ich noch vor der Herausforderung, die oder den zu finden, die/der das ganze näht. Möglicherweise könnte ich die Schnittmuster in den drei Schritten, wie von Dir beschrieben, noch selbst herstellen und dann den dritten Schnitt der Schneiderin geben.

Offline Zareen

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Antw:Wie schneidere ich mir einen Rock?
« Antwort #6 am: 13.05.2022 10:49 »
Hallo Albis,

Ja, da sprichst Du etwas an, das in den Köpfen so verankert ist.
Für mich ist glänzender Stoff eher mit "festlich, nicht alltäglich" assoziiert, weniger mit weiblich.
Ich habe eine glänzende kupferfarbene lange Schürze über einem langen anthrazitfarbenen weiten Jerseyrock getragen, und darüber ein sehr grob gewirktes braunes Leinenhemd. Das ist 15 Jahre her und schon damals wurde diese Zusammenstellung eher als edel, denn als weiblich sogar von Frauen bewertet.

Glänzende Kleidung wird vielleicht bei Männern eher mit "Auftreten eines Künstlers" bewertet.
Ich sah mal eine junge Frau ganz sportlich daherkommen mit Jeansjacke, weißen Sportschuhen und einem sehr weiten und bodenlangen leichten Rock, der beim Gehen herrlich mitschwang. Die habe ich gefragt, woher sie den habe, leider in NewYork gekauft. Der war so was für heiße Tage und obwohl lang, trotzdem angenehm.

Wenn Du es ganz einfach haben willst, dann brauchst Du den Rockgrundschnitt nicht. Vielleicht gibt es bei Dir in der Nähe einen Stoffmarkt, Stofflager, oder ähnliches, oder schau mal dort: https://www.stoffmarktholland.de/termine/
Suche Dir einen Stoff aus, der leicht ist und gut fällt.
Als Maß benötigst Du die Rocklänge von der Taillie bis zur Wade, den Knöcheln, oder wie es Dir beliebt. Soll er auf der Hüfte sitzen, dann ein paar cm weniger. Bei Männern ist die Taillie ja nicht so weit über der Hüfte, wie bei Frauen.
Ich kaufe immer eine großzügigere Länge ein.

Die ermittelte Länge x 2 (für Vorder- und Rückseite) und dann kann's an die Schere gehen.
Wenn Du einen 140 cm breiten Stoff hast, Länge des Vorder und Rückenteiles zuzüglich 4,5 cm Saum oben und 2 cm Saum unten zuschneiden, dann rechts und links je einen Keil von 35 cm über die volle Höhe des Vorder- und des Rückenteiles abschneiden. Die Keile werden nun mit 1,5 cm Nahtzugabe umgekehrt rechts und links wieder angenäht. Das ergibt dann eine untere Saumweite von ca. 210 cm (Stoffbreite 140, 2 x Keil á 35 cm) und eine Taillienbreite von 70 cm.
Dann werden beide Teile rechts auf rechts gelegt und an den Seiten vernäht. Anschließend wird der Bundsaum 4,5 cm nach Innen umgeklappt und auf 3 cm festgenäht. Ein Stück muss offen bleiben. Dort ziehst Du ein 3 cm breites Gummi ein, das ca. 10 - 20 cm kürzer als Dein Taillienumfang ist. Das musst Du testen, wie locker Du es haben möchtest und wie schwer der Stoff zieht. Der Stoff wirft sich dann schon beim Einziehen in Falten. Die Enden des Gummibandes werden fest miteinander vernäht.
Dann der schwierigste Teil: Den Bund auf Stoffweite ziehen und gezogen halten. Und so im Abstand von 1,5 cm mittig einmal herumnähen. Damit ist das Gummi gut fixiert und der Stoff wirft ringsherum gleichmäßige Falten.

Knitterarm stellt man fest, indem man den Stoff zusammenknäult, ihn ca. 20 sek. in der Hand drückt und dann schaut, wie zerknittert er ist.

Du kannst einen leichten Leinenstoff nehmen, der auch bei Wärme sehr angenehm ist, oder einen Crepe de Chine, der sehr schön fällt und jede Bewegung mitmacht (der ist sehr fein und könnte weiblicher wirken)

Anbei mal eine grobe Übersichtszeichnung.
An dem Rock habe ich ohne Schnittmuster (frei Schnauze) glaube ich so 2-3 Stunden gesessen.
Siese Schnittführung ist sicher sehr ungewöhnlich, hat aber den Effekt, daß der Rock beim Stehen vorne und hinten relativ gerade fällt und beim Gehen an den Seiten sehr gut "aufgeht".
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