Autor Thema: Die Geburt der Mode  (Gelesen 567 mal)

Offline sebaldus

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Die Geburt der Mode
« am: 05.05.2022 01:15 »
"... Dass es ein Mann war, der ein solches Modealbum führte, ist nicht weiter erstaunlich. Laut Rublack konnten in der frühen Neuzeit beide Geschlechter gleichermassen Interesse an Kleidung entwickeln, ja Männer taten sich damals «vielleicht sogar öfter als Sachverständige in Fragen des guten Geschmacks hervor als Frauen». Erst später, im 19. Jahrhundert, als die bürgerlichen Männer uniforme Anzüge zu tragen begannen, konnte die weiterhin aufwendig und bunt gekleidete Frau zum Inbegriff der Modepuppe werden. ..."
Ulinka Rublack: Die Geburt der Mode. Eine Kulturgeschichte der Renaissance. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2022. 534 S., Fr. 67.90.
https://www.nzz.ch/feuilleton/mode-ihre-geschichte-reicht-in-die-renaissance-zurueck-ld.1681456?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

"... Als der hohe Absatz schliesslich die Alte Welt erreichte, war er zunächst ausschliesslich Männerschuhen vorbehalten. Denn es war klar: Der High Heel der historischen Art stand für Macht und Prestige. Der französische König Ludwig XIV. zählte zu den ersten und ganz grossen Absatz-Fetischisten. Je weiter er sich auf seinen Absätzen vom Rest der Welt entfernte und vom Schmutz der Strasse abhob, umso machtvoller schien sein Einfluss. Im englischen Ausdruck well-heeled für die Bezeichnung eines gut betuchten Mannes, lebt diese alte Bedeutung fort. ..."
Christian Louboutin; L’Exhibition[niste], Palais de la Porte Dorée, Paris, bis 26. Juli.
https://12ft.io/proxy?ref=&q=https://www.nzz.ch/feuilleton/blut-ist-am-schuh-warum-die-feministin-high-heels-traegt-ld.1543467?reduced=true

Offline Zareen

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Antw:Die Geburt der Mode
« Antwort #1 am: 05.05.2022 10:31 »
Das ist interessant. Danke für diese Beiträge.

Was vielleicht eine Absicht ausdrückt, muss nicht unbedingt der Gesundheit zuträglich sein. Ein König, der sich mit HighHeels möglichst weit vom "Dreck" abheben will, kann sich auch in einer Sänfte tragen lassen, wenn es mit den Füßen und Gelenken ein frühzeitiges Ende nimmt.
Das ist dem "Otto-Normal-Bürger" nicht vergönnt, weshalb dieser dann schon auf seine Gesundheit achten sollte.

Was die Farbigkeit der Kleidung betrifft bin ich auf einer Linie. So bunt wie die Welt ist, so bunt darf auch die Kleidung sein. Der bewusst dunkel-braune, -blaue, -graue, oder gar schwarze Anzug  erscheint mir eher als Instrument der Unterdrückung und Entindividualisierung des Mannes, der nur so einheitlich gekleidet noch meint, sein Schicksal lenken zu können.

Vielleicht meint man ja, mit uniformem Aussehen Betrügern vorbeugen zu können. Aber ich mutmaße, gerade diese Uniformität lockt Betrüger an.
Zu Zeiten öffentlicher Hinrichtungen von Dieben wurde vor Taschendieben in Kreisen der Zuschauer gewarnt. Im Moment höchsten Schreckes über das Ableben des Delinquenten war der 'perfekte' Moment, sich des fremden Geldes anzunehmen. Die zur Abschreckung gedachte Todesstrafe war also eher eine Einladung.

Auch früher, als ich noch in einer Kirchengemeinde aktiv war, und es für die aktiven Herren angesagt war, Referate möglichst im dezent dunklen Anzug zu halten, war ich der bunte Außenseiter. Mir widerstrebte, mittels Kleidung etwas darstellen zu müssen, was ich im Herzen gar nicht war. Und so leistete ich es mir, meine Kurzreferate in einer silbergrauen Breitcordhose, türkisem Pullover mit V-Ausschnitt aus Glanzgarn und darunter ein weißes Hemd mal mit, mal ohne Krawatte vorzutragen. Das blieb natürlich nicht unkommentiert.

Und auch heute bin ich lieber
Zitat
der weiterhin aufwendig und bunt gekleidete Inbegriff der Modepuppe
als der bürgerliche Mann, der uniforme Anzüge trägt
Mann-sein hängt nicht vom Tragen einer Hose ab.
Warum dann nicht Rock tragen? Nur Mut....

Offline Ludwig Wilhem

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Antw:Die Geburt der Mode
« Antwort #2 am: 05.05.2022 12:31 »
Danke für dieses neue Thema, dem ich voll beipflichten kann, die Farbigkeit für Männer ist weg, die tristen Anzüge und Jeans mag ich auch nicht. Leider wage ich es aber nicht, mit extrem farbigen Röcken und Kleidern rauszugehen, schön finde ich die afrikanischen/indischen/südamerikanischen Farben und Muster. Wie schaffen wir Farbe auf uns Männer?
LG Ludwig
Ich trage Röcke oder Kleider gerne, denn es sind Kleidungsstücke für uns alle.

Offline doppelrock

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Antw:Die Geburt der Mode
« Antwort #3 am: 05.05.2022 12:38 »
Mode konnte natürlich nur in den oberen Schichten entstehen, wo Geld vorhanden war, um feine Materialien zu kaufen, die nicht nur dem einfachen Zweck des Schutzes zu dienen. Entsprechend bunt bis protzig war die Mode in den mittelalterlichen Herrenhäusern.

Die aktuelle Mode für (fast) alle konnte nur entstehen durch den wachsenden Wohlstand der mittleren und unteren Schichten sowie Sinken der Erzeugerpreise durch Globalisierung und Ausbeutung in afrikanischen und asiatischen Staaten, verbunden mit Subventionen und anderen Finanz-Tricks.

Von daher ist es wahrscheinlich, dass die Vielfalt der Mode für Normalbürger jetzt stark abnimmt. Bekanntes Ziel ist ja, 2030 nichts mehr zu besitzen und trotzdem glücklich zu sein. Für die Miete ständig wechselnder Fummel wird die Mehrheit aber nicht mehr das Budget bekommen, es wird maximal zu einer schmalen Grundversorgung reichen. Während die Vermieter in Saus und Braus leben, zum Mars reisen, 10 Jachten besitzen... natürlich klimaneutral. Mancher wird sich an die schönen bunten Zeiten zurückerinnern. Die plötzlich so weit weg sind wie 100 Jahre. aber mit den regelmäßigen updates gerät auch das schnell in Vergessenheit.


Online Skirtedman

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Antw:Die Geburt der Mode
« Antwort #4 am: 05.05.2022 13:11 »
Naja,

ganz so obertrist, wie das sich hier gerade liest, ist es ja auch wieder nicht.

Aber ja, mehr Farbigkeit gibts bei und an den Damen. Und ja, da gibt es zum Beispiel Farbtöne, die an einem Mann techt fragwürdig wahrgenommen werden - untenrum sogar schnell fragwürdiger als obenrum.

Und, Ludwig, Du hast doch auch einiges an Farben zu bieten. Aber ja, Du traust Dich auch nicht mit allem raus an die Öffentlichkeit. Haupthinderungsgrund scheint in diesen Fällen ja die Haltung Deiner Frau hierzu zu sein. Verständlich.

Die etwas konkretere Frage scheint mir also zu sein:

Wie schaffen wir es, dass Männer sich mehr Farbigkeit selbst erlauben?

(Ich glaube, das ist ein Stück weit ähnlich gelagert wie die Frage: "Wie schaffen wir es, dass Männer Röcke sich selbst erlauben?")

Offline ikm4799

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Antw:Die Geburt der Mode
« Antwort #5 am: 05.05.2022 13:26 »
@sebaldus: vielen Dank für die zwei interessanten Artikel!

Es ist immer wieder verblüffend und für viele Zeigenossen (w/w/d) heutzutage kaum vorstellbar,
dass Modethemen mal ganz anders besetzt waren - und noch weniger, dass manch ein Kerl dies wieder für sich beanspruchen möchte.

Interessant ist ja auch, dass die ZIVILE Uniform der Männer eine völlige Reduktion von Farben und Schnitten darstellte und bis heute darstellt -
im Gegensatz zu den damals sehr farbenfrohen Uniformen des Militärs.
Letztere - zumindest die Felduniformen - änderten sich ja mit dem Ersten Weltkrieg in einheitlich langweilige Farben
und glichen sich damit dem Businesskasper-Kostüm an.
Einigkeit und Recht auf Freizeit.

Offline sentinel

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Antw:Die Geburt der Mode
« Antwort #6 am: 05.05.2022 14:09 »
Die etwas konkretere Frage scheint mir also zu sein:

Wie schaffen wir es, dass Männer sich mehr Farbigkeit selbst erlauben?

(Ich glaube, das ist ein Stück weit ähnlich gelagert wie die Frage: "Wie schaffen wir es, dass Männer Röcke sich selbst erlauben?")

Moin ..

öhm nee, ....... Farbe ist mir sowas von Schnuppe ...

Rock verbinde ich mit angenehmer Luftigkeit und Farbe nur im Sinne von > Was helles in der prallen Sonne ... sonst mag ich eigentlich eh nur dunkel ....

Graue Maus? .... Ja, mag sein .... iss aber nunmal so ...

Allerdings bin ich grade relativ fasziniert von sowas >>

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Offline Luan

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Antw:Die Geburt der Mode
« Antwort #7 am: 05.05.2022 22:36 »
Was die Farbigkeit der Kleidung betrifft bin ich auf einer Linie. So bunt wie die Welt ist, so bunt darf auch die Kleidung sein. Der bewusst dunkel-braune, -blaue, -graue, oder gar schwarze Anzug  erscheint mir eher als Instrument der Unterdrückung und Entindividualisierung des Mannes, der nur so einheitlich gekleidet noch meint, sein Schicksal lenken zu können.
Im letzten Jahrtausend gab es einen popúlären Buchtitel: Nieten in Nadelstreifen. Auch da ist wieder der Anzug irgendwie Thema.
Gib deine Ideale nicht auf! Ohne sie bist du wohl noch, aber du lebst nicht mehr. (Mark Twain)

Offline Ludwig Wilhem

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Antw:Die Geburt der Mode
« Antwort #8 am: 10.05.2022 17:50 »
Naja, ganz so obertrist, wie das sich hier gerade liest, ist es ja auch wieder nicht. Aber ja, mehr Farbigkeit gibts bei und an den Damen. Und ja, da gibt es zum Beispiel Farbtöne, die an einem Mann techt fragwürdig wahrgenommen werden - untenrum sogar schnell fragwürdiger als obenrum.
Und, Ludwig, Du hast doch auch einiges an Farben zu bieten. Aber ja, Du traust Dich auch nicht mit allem raus an die Öffentlichkeit. Haupthinderungsgrund scheint in diesen Fällen ja die Haltung Deiner Frau hierzu zu sein. Verständlich.
.. Wie schaffen wir es, dass Männer sich mehr Farbigkeit selbst erlauben?
(Ich glaube, das ist ein Stück weit ähnlich gelagert wie die Frage: "Wie schaffen wir es, dass Männer Röcke sich selbst erlauben?")
Hallo, da kann ich zustimmen, mit Rock in der Öffentlichkeit hat sich ein großes Selbstvertrauen aufgebaut, im bunten Kleid sieht Mann eh auch Frauen kaum im Alltag.
Leider ist bei mir auch eine latente innere Sperre, aber kommt Zeit kommt Farbe!
Daher mein Verweis auf südliche Länder, wo Farben viel mehr vertreten sind. LG Ludwig
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