Autor Thema: Ohne Hosen auf Sylt  (Gelesen 679 mal)

Offline Lars

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Ohne Hosen auf Sylt
« am: 28.08.2022 22:01 »
Moin zusammen!
 
Vor wenigen Tagen war ich mit meiner Frau an der Nordseeküste unterwegs, und einen Tag haben wir spontan beschlossen, mit dem Zug von Niebüll aus nach Sylt rüberzufahren. Kurz hatte ich überlegt, mit dem Autozug zu fahren, mir dann aber gedacht, daß man das Auto auf der Insel sicher überhaupt nicht gebrauchen kann. Genauso war es auch, und so war ich froh, daß wir die 120€ für die Überfahrt nicht verbrannt haben und das Auto auf dem Festland gelassen haben. Ein 9-Euro-Ticket hatten wir eh in der Tasche und so sind wir mit dem normalen Regionalzug nach Westerland übergesetzt.
Es war mein einziger Rock-Tag in diesem Urlaub, weil ich diesen Tag als einen ohne ein praktisches Outfit erfordernde Aktivitäten wähnte. Dies änderte sich jedoch schnell, als wir in Westerland an der Strandpromenade ankamen: Allerfeinster Sandstrand, kein Wind und trotzdem ziemlich gute Wellenbrandung, Sonnenschein und gefühlte 30 Grad (es waren derer nur 22). Keine Badesachen dabei, ein unpraktisches Outfit an .... scheißegal, ich wollte ins Wasser. Da muß die Unterbüx eben als Badehose herhalten. Also habe ich flugs T-Shirt, Rock und Unterrock ausgepellt und ab ging es in die Fluten. So weit, so schön ...
Der Spaß ging nach dem erfrischenden Bad erst richtig los. Ohne Handtuch ist es aussichtslos, schnell trocken zu werden. Also hab ich versucht, nach der unvollständigen Lufttrocknung meines Körpers das T-Shirt und den Rock überzustreifen. Die Füße voller Sand, war ich bemüht, jenen beim Einsteigen in den Rock nicht an letzterem abzustreifen. Allein diese Übung hat etwas gedauert und so langsam Blicke auf sich gezogen. Zwei Damen in meinem Alter saßen unweit auf ihrer Decke und haben sich sichtlich amüsiert. Ich hab den Unterrock erstmal zusammengeknüllt und mir unter den Arm geklemmt und bin hoch auf die Promenade. Es ist nicht zu glauben, aber ich habe tatsächlich einen halbwegs uneinsehbaren Winkel gefunden, wo ich mich entsanden konnte und in den Unterrock klettern konnte. Meine Frau hat sich als Sichtschutz positioniert und so hat niemand was gesehen .... so glaubte ich zumindest.
Das Ganze spielte sich zwischen auf der Promenade stehenden Strandkörben und der Rückseite einer muschelförmigen Bühne ab, auf der gerade ein Orchester spielte. Als ich wieder stadtfein hergerichtet war, sind wir um die Musikmuschel herum und haben uns am Rand der unteren Reihe der Zuschauerränge postiert, um ein wenig dem Orchester zu lauschen. Zwischen Bühne und den Rängen liegt die Promenade mit dem querenden Fußgängerstrom. Jener förderte eine Dame zu mir, die mich fragte, ob ich auch gleich auf der Musikmuschelbühne auftreten werde .... Mein Gesichtsausdruck lieferte wohl so etwas wie eine Antwort und sie fragte, warum ich denn so einen wunderschönen Rock anhabe. Ich habs ihr erklärt und nach einem kurzen Gespräch darüber sind wir dann alle vergnügt unserer Wege gegangen. Unserer führte wieder zurück zum Bahnhof, und genauso wie auf dem Hinweg gab es wieder einige Kommentare zu meinem Outfit. Die meisten äußerten dabei ein "Schön" oder "Sehr schön".
Und, bevor ich es vergesse .... meine Unterwäsche hat als Badehose fungiert und war dementsprechend nicht mehr trocken. Also .... ist sie nach dem Bade und dem Anziehen des Rocks in meiner Tasche verschwunden .... und mich hat ausgerechnet jetzt niemand gefragt, was ich denn unter dem Rock anhabe ....  ;D ;D ;D
So habe ich, dank des ausreichend langen Rocks, ausnahmsweise mal die volle Luftigkeit genossen auf dem Rückweg ans Festland ...
 
Viele Grüße,
Lars
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Offline radix

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Antw:Ohne Hosen auf Sylt
« Antwort #1 am: 28.08.2022 22:29 »
Hallo Lars,

ganz herzlichen Dank für diesen köstlichen, im wahrsten Sinne des Wortes erfrischenden Bericht von deinen Abenteuern auf der Insel Sylt. Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und mir die jeweilige Situation lebhaft vorgestellt.

Besonders die Rückfahrt war sicher aufgrund der Luftigkeit "unten herum" ein ganz besonderes Erlebnis ...

Viele Grüße

Radix


Offline cephalus

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Antw:Ohne Hosen auf Sylt
« Antwort #2 am: 28.08.2022 22:31 »
Sehr schön  ;D ;D

Danke für die Geschichte :)

Offline Asterix

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Antw:Ohne Hosen auf Sylt
« Antwort #3 am: 29.08.2022 01:18 »
Schönes Erlebnis hattet ihr
"Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" (Giovanni Bosco)


Offline Holger Haehle

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Antw:Ohne Hosen auf Sylt
« Antwort #4 am: 29.08.2022 04:51 »
Und Lars,
macht die volle Luftigkeit einen deutlichen, erstrebenswerten Unterschied aus?

Ich selbst trage immer einen langen, weiten Rock, wenn ich an den Strand gehe, einfach weil das Umziehen in der Öffentlichkeit darin so viel leichter ist.

Offline Lars

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Antw:Ohne Hosen auf Sylt
« Antwort #5 am: 29.08.2022 20:12 »
... macht die volle Luftigkeit einen deutlichen, erstrebenswerten Unterschied aus?

Nein, macht sie nicht. Zumindest für mich nicht.
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Offline Ludwig Wilhem

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Antw:Ohne Hosen auf Sylt
« Antwort #6 am: 29.08.2022 22:48 »
Danke für diese schöne Geschichte. Rocktragen ist m.E. am Strand super bequem und Rock ohne Unterhose kein Problem, außer beim MiniRock. Mittlerweile geht es im Sommer ohne Rock gar nicht mehr, im Kleid leider noch zu selten. LG Ludwig
Ich trage Röcke oder Kleider gerne, denn es sind Kleidungsstücke für uns alle.

Offline hirti

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Antw:Ohne Hosen auf Sylt
« Antwort #7 am: 30.08.2022 09:52 »
Danke für diese SUPER Geschichte, Lars!

Ich stelle mir bei deinem Rock-Geschmack Reisen ohnehin sehr herausfordernd vor.
Bei dem Volumen das deine bevorzugten Röcke haben, können sie ja kaum in einen Koffer passen?! Oder trägst du auch mal "einen normalen schmalen Rock" wie Otto Normal-Rockmode-Verbraucher?

Jedenfalls macht es in all deinen Berichten Freude zu lesen welch positives Feedback du erhältst. Scheinst auch so ein "Glas halb voll" Typ zu sein der die guten Kommentare freudig aufnimmt und eventuell weniger gute einfach an sich vorbeisäuseln lässt.

Ich finde das umso schöner weil du nicht der Bequemlichkeit halber zu Kompromissen greifst, sondern wirklich das trägst was du möchtest - und sei es noch so außergewöhnlich.

 

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