Autor Thema: Rockverbot  (Gelesen 6387 mal)

Offline Ben

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Rockverbot
« am: 14.08.2003 11:29 »
Hallo,

ich war vergangene Woche mit einer meiner Klientinnen auf Ferienfreizeit. (Zur Erklärung: Ich arbeite mit teilweise schwerst mehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen zusammen, die teilweise vollkommen auf fremde Hilfe angewiesen sind).

Ich habe mich einer anderen Gruppe unserer Einrichtung angeschlossen, so daß wir eine Gruppe von 12 Personen waren.

Unter den Klienten war auch einer dabei, der "nur" geistig behindert ist, und deshalb auch recht selbständig ist. Leider ist ist er auch psychisch recht auffällig und wird auch mit Psychopharmaka behandelt, was man auch recht schnell bemerkt.

Sein sehnlichster Wunsch ist, so wie ich das im Verlauf der Freizeit mitbekommen habe, und was mir auch im Vorfeld von meinem Kollegium erzählt wurde, ist es, eine Frau zu sein.
Er rasiert sich regelmäßig die Beine (so ziemlich das einzige, worauf er sich länger konzentrieren kann) - das Gesicht allerdings nicht, weil das Frauen nicht machen. Der Flaum sprießt also...
Ebenso beneidet er Frauen um ihren langen Haare, und auch ich kam nicht umhin, ihm meine langen Haare zu erklären.

Um das noch einzuschieben: das ist nicht das Kernproblem, welches das Team mit ihm hat. Da gibt es genug andere Frontenh, an denen das Team mit ihm zu kämpfen hat. Das auszuführen, würde allerdings den Rahmen sprengen.

Im Vorfeld dieser Freizeit wurde ich von meinen Kollegen gebeten, auf den Rock zu verzichten. Das ist mir zwar nicht leicht gefallen, aber ich wollte den jungen Mann und auch das Team nicht unnötig in Unruhe versetzen.
Ich habe das auch gemacht, wei8l ich über sein Krankheitsbild zu wenig weiß, und auch das Team Probleme hat, ihm gerecht zu werden (das ist eine Aussage der Kollegen).

Ich habe natürlich auch in Frage gestellt, ob man sein Ansinnen, eine Frau zu sein / werden, nicht ernst nehmen soll. Da aber wir als Erzieher keine Entscheidungsbefugnis haben, kann diese Frage nicht abschließend geklärt werden. Wie gesagt, er ist auch in psychologischer Behandlung.

Was ich jetzt eigentlich damit zum Ausdruck bringen wollte: Es gibt nun einmal Situationen, wo0 der Rock nicht opportun ist.
In solche Situationen gerate ich allerdings selten. Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz und in ihrem privaten Umfeld keinerlei Problem mit dem Rock am Mann haben.

Gruß

Collantix

Offline Gatito

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Re:Rockverbot
« Antwort #1 am: 14.08.2003 13:25 »
ich kann das sehr wohl verstehen. In gewisser Weise denkt sich das mit Ferdis Ausführungen zum Thema "Arbeitssicherheit" oder besser Richtlinien am Arbeitsplatz.

Gatito
Vielleicht müssen wir erst das loslassen was wir waren um das zu werden was wir sein werden. Carrie Bradshaw

Offline Ferdi

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Re:Rockverbot
« Antwort #2 am: 14.08.2003 14:47 »
Hallo ihr beiden,

ja richtig. Wenn man eine solche Bitte logisch nachvollziehbar begründen kann, dann wäre ich der letzte, der auf sein Recht pochen würde. Unbegründbare, lediglich auf persönlichen Ablehnungen beruhende Ansinnen dieser Art weise ich aber entschieden und strikt zurück und beachte sie nicht.

Schöne Grüsse,
Ferdi
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Offline Matthias

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Re:Rockverbot
« Antwort #3 am: 15.08.2003 00:00 »
Hallo allerseits,

nehmen wir mal den umgekehrten Fall an. Eine Frau möchte gerne ein Mann sein. Da würde mit Sicherheit keine Frau auf die Idee kommen, auf ihre Hose zu verzichten. Aber an dieser Sache arbeiten wir ja unter anderem auch mit dieser Forum ein Stück weit.
Kleidung hat grundsätzlich nichts mit dem Geschlecht zu tun. Es gibt nur Kleidung, die sieht an der Frau oder am Mann besser aus, sie schliesst sich aber nicht gegenseitig aus. Der Rock wird eben als weibliches Kleidungsstück angesehen, er ist es aber grundsätzlich nicht.
Der Mann, der gerne eine Frau sein möchte, verbindet den Rock als weiblich, weil ihm seine Lebenserfahrung und seine Mitmenschen gesagt haben, es sei ein weibliches Kleidungsstück, das nur Frauen tragen dürfen. Dies ist aber ein Trugschluss, der keiner vernünftigen Argumentation standhalten kann.
Ein Rock macht aus einem Mann nicht eine Frau, genausowenig wie das umgekehrt der Fall ist.
Ich darf keinen Rock, aber eine Hose tragen, weil ich ein Mann bin. Ich darf einen Rock oder eine Hose tragen, weil ich eine Frau bin.
Ich denke, bei Menschen, die gerne die Rolle des anderen Geschlechts übernehmen wollen, liegen ganz andere Ursachen vor. Die Kleidung ist da nur der äussere Einfluss, der aber nicht wirklich für deren Beweggründe zählt.

Gruss
Matthias
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Offline Ferdi

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Re:Rockverbot
« Antwort #4 am: 16.08.2003 09:57 »
Hallo Matthias!

Zitat
Ich darf keinen Rock, aber eine Hose tragen, weil ich ein Mann bin. Ich darf einen Rock oder eine Hose tragen, weil ich eine Frau bin.

Genau das  [/u]ist es, was mich immer so tierisch aufregt und was mich manchmal auch richtig aggressiv macht. Abgesehen davon, dass immer von "dürfen" geredet wird. Ich darf alles, was ich will, was niemandem anderen schadet und was nicht gegen Gesetze verstösst. Genau das hat mich auch veranlasst, in die Genderkampfforen zu gehen und dort gegen die anderen Privilegien und Bevorzugungen von Frauen vorzugehen. Dadurch ist mir seinerzeit überhaupt erst mal bewusst geworden, wie benachteiligt Männer auf fast allen Gebieten sind, und wieviel Lebensqualität und Lebensfreude ihnen dadurch verloren geht. Schlaglichtartig ist mir das damals klar geworden und seitdem führe ich ein selbstbestimmtes und glückliches Leben.

Schöne Grüsse,
Ferdi
Freiheit heißt, sich von anderen unterscheiden zu dürfen.

 

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