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Andere interessante Themen => Spass und Allgemeines => Thema gestartet von: MAS am 04.11.2014 23:39

Titel: Äußerlichkeit ritueller Korrektheit vs. Innerlichkeit moralischen Handeln
Beitrag von: MAS am 04.11.2014 23:39
Gudde miteinander!

Heute las ich einen interessanten Textbestandteil:

„Die Unterscheidung zwischen der 'Äußerlichkeit' ritueller Korrektheit und der 'Innerlichkeit' moralischen Handelns ist den meisten Kulturen fremd. Das geforderte Ethos umfasst beide Dimensionen, und in vielen Fällen ist noch nicht die regelwidrige Tat an sich gravierend, sondern erst die ruchbar gewordene Tat. Die Schärfung des Gewissens als einer internalisierten Kontrollinstanz erfolgt erst in Gesellschaften, in welchen der Individualismus einen erhöhten Stellenwert hat.“
(aus: Fritz Stolz. Grundzüge der Religionswissenschaft. Göttingen 1988 (Vandenhoeck), S. 126.)

Das passt doch sehr gut zu manchen Diskursen hier um die Wichtigkeit von "korrekter" Kleidung für manche Menschen und die Wichtigkeit innerer Werte für andere, gell? Diesem Zitat zufolge ist erstere Wertung häufiger als letztere und letztere eine Folge geschichlich neuerer Entwicklungen menschlicher Kultur.  Bzg. viele verwechseln äußere Korrektheit mit innerem Wert, und meinen, ein innerer Wert zeige sich zwangsläufig in äußerer Korrektheit. So z.B. Cephalus Schwiegermama, die meint, ein Junge könne innerlich nur in Ordnung sein, wenn auch seine Frisur korrekt sei. Das auseinanderzuhalten ist demgegenüber ein höheres Autonomielevel.

LG, Michael