Autor Thema: Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt  (Gelesen 515 mal)

Offline Zareen

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Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt
« am: 27.04.2022 13:59 »
Hei Leute,

Gestern habe ich mich mit einer jungen Mutter unterhalten.
Im Laufe des Gespräches kamen wir auf das Thema Nachhaltigkeit.

Ihre Eltern betreiben in einer Großstadt einen Supermarkt. Und sie erzählte Unglaubliches:
> Lebensmittel dürften nach Ablauf des MHD nicht einmal mehr an Tafeln gegeben werden
   (Na ja, so ganz scheint es nicht bundeseinheitlich zu sein, denn von der Tafel auf Rügen bekommt
    mein Bekannter regelmäßig - und sogar Fleisch- und Wurstwaren - jenseits des MHD.)

> Kleidung - und das ist ja unser Thema - wird ja in großem Maße überproduziert (wir denken nur an die
    geheimen Handelsbeziehungen zwischen Nordkorea und China, getarnt als "Made in China")
    https://www.businessinsider.de/wirtschaft/nordkoreas-handel-mit-china-trotzt-sanktionen-2017-11/

    Nur was geschieht mit den vollen Stangen Bekleidung?
    Die gehen ja nicht an Bedürftige, denn auch die sollen ihr Geld ja ausgeben.
    Nein, und das wollte ich nicht glauben, die Bekleidung wird in riesigen Anlagen
geschreddert und dann verbrannt.

Ich glaube den Menschen immer weniger, wenn sie laut Nachhaltigkeit postulieren.
Insgeheim, so glaube ich mir daraus schlussfolgernd meine Meinung bilden zu können, scheinen sich einige?, viele?, die meisten?  Konzerne und Firmen nur einen Pott grüne Farbe zu kaufen und mit diesem Pott vollmundig prahlen, sie täten alles Mögliche um jetzt auch grün zu sein.
Kleinen Firmen glaube ich es. Die produzieren eine bestimmte Anzahl Kleidung und wenn die verkauft ist, ist die Stange leer.

So war es früher auch beim Bäcker. Abends kurz vor 6 lagen da vielleicht noch 2, oder 3 Brote in der Auslage, keine Brötchen und noch etwas Dauergebäck. Und auch dort wird schon lange Verschwendung betrieben. Da sind am Abend die Regale so voll wie am Morgen, ein kleiner Teil geht an die Tafel, und der Rest? Das bleibt dunkles Geheimnis.
Ich war als Dienstleister bei einem kleinen Transportunternehmen der für eine BioBäckerei fuhr. Dort standen sehr viele Rollboxen im Lager mit allerlei köstlichen Backwaren, leider alles verschimmelt.

Deswegen hier mein Aufruf zu echter Nachhaltigkeit:
Abgelegte Kleidung verkaufen, oder verschenken,
"Neue" Kleidung möglichst von heimischen Produzenten, besser noch von Second-Hand-Läden, oder Kleiderbörsen aus dem Internet, oder selbst nähen - auch das ist erlernbar😄.
Ob Ihr Kleidung aus Fernost, z.B. "Made in China" kauft, wo auch namhafte Hersteller produzieren lassen, muss jeder für sich entscheiden.

Keinesfalls möchte ich einen "Rückschritt ins Mittelalter" postulieren.
Aber: Fortschritt hat nichts mit Verschwendung, Gier, Willkür und Raubbau zu tun. Und gerade diese Punkte führen zur Zeit dazu, daß wir in der westlichen Welt zwar einen hohen technologischen Scheinfortschritt haben, die Ressourcen der Erde dafür aberweitaus mehr verbrauchen, als das, was uns die Erde nachwachsend bietet.

Scheinfortschritt deswegen, weil echter Fortschritt sich nicht am finanziellen Gewinn orientiert, sondern an den langfristig verfügbaren Ressourcen und daran, daß Dinge nach Gebrauchsende mit geringstem Energieaufwand vollständig wiederverwertet werden können.

Nun unser Thema:
Wo kauft Ihr Eure Röcke? Laden, Second Hand?
Näht Ihr sie vielleicht zum Teil sogar selbst?
Wie seht Ihr Nachhaltigkeit beim Kleidungskauf?
Welche Ideen hättet Ihr zu Upcycling, also aus mehreren alten Kleidungsstücken ein neues zu nähen?
Geht das mit Röcken überhaupt, weil die sich ja kaum abnutzen?

Ich wünsche spannende Unterhaltung

Liebe Grüße
Zareen

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Offline cephalus

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Antw:Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt
« Antwort #1 am: 27.04.2022 14:57 »
Für manche Bereiche gibt es schon vielversprechende Lösungsansätze,  z.b. sowas wie "too good to go" als App. Funktioniert bei mir in der Gegend ganz gut.

Kleidung ist ein schwieriges Thema,  Kernproblem dürfte sein, dass Kleidung selten ausschließlich aufgrund der notwendigen Funktionen gekauft wird, wie z.B. ein Hammer. Das begünstigt überkaufen, und damit faktisch auch Ressourcenverschwendung.

Einen Hammer kauft man einmal oder so oft man ihn wirklich braucht, im passenden Gewicht, aber nicht in verschiedenen Farben und Mustern und wird erst bei Defekt ersetzt. 

Ein Durchschnittsbürger hat ca. 200 Kleidungsstücke an Oberbekleidung zuhause, wovon die wenigsten regelmäßig getragen werden.
Ein Viertel davon würde übers das Jahr reichen um passend zum Wetter gekleidet zu sein.

Offline high4all

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Antw:Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt
« Antwort #2 am: 27.04.2022 15:59 »
Ein Hammer? Als Haus- und Gartenbesitzer reicht ein Hammer nicht. So´n halbes Dutzend habe ich in Gebrauch. Für unterschiedliche Zwecke.

Wenn bei Kleidungsstücken z.B. die wirklichen Entsorgungskosten eingepreist wären, sähe die Sache schon anders aus. Dann wären die Klamotten nicht so billig für uns.

Ansonsten:
Kleidung kaufe ich oft im Gebrauchtwarenhandel, letztens in Wien eine Bluse und ein Kleid für jeweils 50 Cent (ich sach ja: viel zu billig für uns).

Aus mehreren defekten Langarm-Hemden/-Blusen (ein Ärmel war durchgescheuert) habe ich mir kurzämelige Exemplare gefertigt.

Selber nähe ich auch; jedoch ist das nur dann eine echte Alternative, wenn der Stoff aus dem Gebrauchtwarensegment stammt.
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Offline Lars

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Antw:Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt
« Antwort #3 am: 27.04.2022 20:40 »
Ich glaube den Menschen immer weniger, wenn sie laut Nachhaltigkeit postulieren.

Daß es NIEMANDEM, schon gar nicht unseren Politikdarstellern, um Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder unsere Gesundheit geht, sollte langsam jeder mitbekommen haben. Wer natürlich noch jeden Abend die Nachrichten schaut und die Inzidenzen beobachtet, der ist von dieser Erkenntnis sicher noch Lichtjahre entfernt ...
 
Nun unser Thema:
Wo kauft Ihr Eure Röcke? Laden, Second Hand?
Näht Ihr sie vielleicht zum Teil sogar selbst?
Wie seht Ihr Nachhaltigkeit beim Kleidungskauf?
Welche Ideen hättet Ihr zu Upcycling, also aus mehreren alten Kleidungsstücken ein neues zu nähen?
Geht das mit Röcken überhaupt, weil die sich ja kaum abnutzen?

Haben wir das hier nicht schon mehrfach diskutiert?
Es gibt hier Mitglieder, die jedes Kleid in jeder Farbe bei Takko, Tedi, H+M, C+A usw. bedenkenlos kaufen.
Dann gibt es welche, die auch mal was Gebrauchtes kaufen und dies teilweise auch noch nach ihren Gusto umschneidern.
Und dann gibt es noch ein paar wenige, die selber schneidern. Und davon gibt es gaaaanz wenige, die beim Stoffkauf auch noch achtsam sind und gute Bio-Stoffe kaufen. Und welche, die diese guten Stoffe auch mal zum Maßschneider ihres Vertrauens bringen, um sich eine schöne Klamotte anfertigen zu lassen.
Ich bin übrigens in der unteren Hälfte dieser Aufzählung angesiedelt.
 
Viele Grüße,
Lars
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Online Skirtedman

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Antw:Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt
« Antwort #4 am: 27.04.2022 22:11 »
Na, Lars, das ehrt Dich sehr!

Ich hingegen - ich bin bei Deiner Aufzählung woanders angesiedelt - mache mir in der Tat keinen allzu großen Kopf drum.

Ich verstecke mich hinter der großen Masse, die alle da und dort einkaufen. Die paar Teile, die ich letztendlich dort kaufe, würden ohnehin produziert werden. Und wenn nicht gekauft, wie hier geschrieben, dann halt geschreddert und bestenfalls recycelt oder eben verbrannt.

Ja, man hat viel schlechtes über Billigproduzenten gehört. Und drum kaufe ich eher auch nur im Einzelfall bei den größten Sozial- und Umweltverbrechern. Wobei viele sich ja auch nicht mehr ungemindert alles erlauben können, weil eben die viel gescholtenen Medien ja doch einiges aufgedeckt haben.

Es gibt, zum Beispiel und nicht nur, bei C&A ganze Produktlinien, die in verschiedenster Weise auf Recycling-Stoffe oder Öko-Richtlinen setzen - vielleicht mehr Augenwischerei als das Marketing dafür es wert ist, aber immerhin geschieht da ein zumindest kleiner Wandel - zum Teil auch bei z.B. Kik.

Ich mag zwar sehr viel Klamotten kaufen im Verhältnis zu den meisten hier, ja auch im Verhältnis zu einer durchschnittlichen Bundesbürgerin, dennoch gehe ich ziemlich pflegsam mit den Kleidungsstücken um. Seit ich selbständig meine Kleidung kaufe, das sind nun auch schon so gut drei Jahrzehnte, habe ich so gut wie keine Kleidungsstücke weggeworfen.

Ein paar Bananenkisten gingen in den Second-Hand-Handel, den Rest trage ich noch immer. Lediglich ein paar ganz wenige Kleidungsstücke habe ich wirklich entsorgt - und noch nicht mal in die Kleidercontainer eingeworfen -, und zwar die, die ich bis zum wirklichen Auseinanderfallen getragen habe.

Denn ausgesonderte Kleidungsstücke, falls eben nicht Second-Hand oder Altkleider-Sammlung (was letzteres auch sehr zwielichtig sein kann), trage ich als Zuhausekleidung, besonders für handwerkliche Tätigkeiten, Dreckstätigkeiten oder Gartenarbeit. Und wenn sie allmählich zerfleddern, so verwende ich sie - sofern geeignet - noch als Lumpen für diverse Einsätze.

Mein Sozial- und Öko-Rowdyismus beim Einkauf relativiert sich also so ein kleines Stückchen. Falls ich mal den ganzen Plunder, den ich gekauft habe, aus irgendwelchem Grund nicht mehr brauche, dann wird das meiste bedenkenlos in den Second-Hand-Kreislauf hineinfinden können, da ich eben sehr sorgsam mit meinen Kleidungsstücken umgehe.

Online Skirtedman

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Antw:Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt
« Antwort #5 am: 28.04.2022 03:23 »
Bei meinem derzeit ins Auge gefassten Goldkleid ('mal wieder was anprobiert, aber nichts gekauft') habe ich gerade mal die URL des Herstellers aufgerufen... ...und zufällig darin gefunden:

Die ganze Firma will CO2-neutral sein: Also: Kauft da Eure Kleider mit gutem Gewissen! SWING

Online Hanna

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Antw:Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt
« Antwort #6 am: 28.04.2022 18:28 »
Wenn ich auch meine kleidung bei C&A oder so kaufe kann ich trotzdem ruhig schlafen.
Denn es ist sehr wenig und da ich nicht nach der neusten mode gehe trage ich sie jahrelang.

Offline Zareen

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Antw:Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt
« Antwort #7 am: 28.04.2022 22:54 »
Ich lese schon, daß Ihr Nachhaltigkeit nicht als blinden Aktionismus macht. Genau den wollte ich damit auch nicht erreichen. Der Erkenntnis "Nachhaltigkeit" darf nicht dazu führen, sich plötzlich von allen China-Klamotten zu trennen. Wohin damit? Das brächte das nächste Problem der Entsorgung.

Deswegen ist 'Nachhaltigkeit' nicht nur ein Aktionsschlachtruf, sondern eher eine spannende Aufgabe für alle, die komplex genug ist um auch für alle eine Herausforderung zu sein.

Da finde ich Hannas Aussage durchaus ok, ich kaufe mir günstige Klamotten bei C&A und trage sie lange, lange, lange.
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Offline Zareen

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Antw:Nachhaltigkeit von Kleidung und überhaupt
« Antwort #8 am: 28.04.2022 22:56 »
.... Also: Kauft da Eure Kleider mit gutem Gewissen! SWING

WOW, tolle Röcke! Habe leider noch keinen Preis auf der Webseite gefunden.
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