Autor Thema: Gendergerechte Sprache für Diverse - pro und kontra  (Gelesen 330 mal)

Offline Holger Haehle

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Im Thread "Gendersprech für alle" wurde von Doppelrock behauptet: "Also, die Befürworter des Gender-Neusprech wollen einer kleinen, willkürlich definierten Gruppe gegenüber der Mehrheit ein Wahlrecht einräumen, das die Mehrheit ausdrücklich nicht hat..."

Dem möchte ich entgegenen, dass die Gruppe der Diversen biologisch wie medizinisch exakt definiert ist. Das ist unter den Fachleuten international völlig unumstritten. Ein  Mensch mit xxy kann biologisch keine Frau sein. Ein Mensch mit xxy kann biologisch kein Mann sein. Das widerspricht den molekularbiologischen Naturgesetzen. Naturgesetze gelten auch, wenn man sie nicht mag.

Das Urteil des Verfassungsgerichts verlangt gendergerechte Sprache für Diverse, weil die zur Verhandlung vorgelegten Fachgutachten die Diversität eindeutig nahelegen. 

Wenn es also jetzt ein juristisch legitimiertes drittes Geschlecht gibt, ist es folglich diskriminierend sie anders zu behandeln als andere Geschlechter. Bisher hatten aber nur Frauen und Männer einen Anspruch auf eine geschlechtlich korrekte Ansprache. Dieses Recht, das bisher nur die Mehrheit hatte, ist nun auch auf Minderheiten und somit auf alle Geschlechter ausgedehnt worden. Damit soll die Unterdrückung einer Minderheit durch die Mehrheit unterbunden werden.

Auf dieser Grundlage ist es zwingend notwendig eine sprachliche Regelung zu finden. Noch gibt es sie nicht. Es gibt lediglich Vorschläge. Wenn die aktuellen Ideen nicht zusagen, dann müssen eben andere Vorschläge auf den Tisch. Aber keine Regelung zu finden setzt die bisherige Diskriminierung fort.

Es ist enttäuschend, dass im Thread "Gendersprech für alle" von manchen Personen versucht wird die Forderung des Gerichts zu unterlaufen und eine sprachliche Regelung schlicht zu verweigern, indem die Legitimität der Betroffenen angezweifelt wird und Minderheiten nicht als gleichberechtigt in Bezug auf Mehrheiten gesehen werden. Das widerspricht elementaren humanistisch demokratischen Prinzipien unseres Grundgesetzes.


Offline MAS

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Antw:Gendergerechte Sprache für Diverse - pro und kontra
« Antwort #1 am: 28.05.2021 08:18 »
Lieber Holger,

das stimmt meines Wissens so nicht, denn es gibt Diverse, die rein psychisch nicht einem geschlecht angehören. Gentisch und phänotypisch wären sie männlich oder weiblich, aber identifizieren sich nicht mit einer der beiden Seiten.

Sie möchten auch nicht medizinisch definiert werden, da sie nicht krank sind.

Aber das tut nichts zu Sache bei der Frage, ob sie ein Selbstbestimmungssrecht haben.

LG, Micha
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Offline Holger Haehle

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Antw:Gendergerechte Sprache für Diverse - pro und kontra
« Antwort #2 am: 28.05.2021 08:36 »
Micha,

Menschen, die psychisch nicht einem Geschlecht angehören, gehören zum transidenten Formenkreis. Das hat nichts mit Intersexualität zu tun. Intersexualität ist immer genetisch oder epigenetisch oder physiologisch prädisponiert. Transidentität ist das andere , die ausschließlich psychisch manifeste Identitätsinkongruenz. Dazu gibt es übrigens eine bundeseinheitliche Richtlinie, die auch deswegen wichtig ist, weil es bei transfromativen Therapien auch um Abrechnungsschlüssel für die Krankenkassen geht.

Es ist vielleicht estwas verwirrend, weil Intersexuelle und Transidente oft zusammenarbeiten, wie z.B. bei der "Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V."

Offline MAS

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Antw:Gendergerechte Sprache für Diverse - pro und kontra
« Antwort #3 am: 28.05.2021 08:54 »
Lieber Holger,

Intersexuelle sind meinem Verständnis nach nur ein Teil der Diversen. Genderfluide sind z.B. auch Diverse, auch wenn sich das nicht geno- oder phänotypisch zeigt.

Mit den Krankenkassen hat das nichts zu tun, den eine genderfluide Identität ist keine Krankheit. Transident sind sie auch nicht, denn dann würden sie ja eindeutig dem gegenüberliegenden Geschlecht angehören. Sie sind wirklich dazwischen bzw. wechseln häufiger hin und her, aber eben nicht körperlich, sondern psychisch oder psychosozial.

Ja, es ist nicht so einfach mit den Begriffen: https://www.bedeutungonline.de/was-bedeutet-genderfluid-bedeutung-definition-erklaerung/

Wobei ich gerade mal offline nachlas, dass z.B. Genderqueere und Genderneutrois tatsächlich als Untergruppen der Transgender gezählt werden. Meinem Sprachverständnis nach passt das aber nicht so ganz.

Aber gehen wir mal zu den biologisch Intersexuellen zurück, da hast Du natürlich vollkommen recht. Bisher wurden diese Menschen nach der Geburt einfach in eindeutig weiblich oder männlich umoperiert, was nicht nur körperliche, sondern auch seelische Folgen mit sich brachte.

Und doch nochmal aber: Auch wer sich psychosozial nicht als eindeutig männlich oder weiblich definiert gehört zu den Diversen. "Divers" ist eben ein Sammelbegriff.

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Offline Holger Haehle

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Antw:Gendergerechte Sprache für Diverse - pro und kontra
« Antwort #4 am: 28.05.2021 09:07 »
Klar,

Divers ist ein Sammelbegriff, Das Urteil wurde aber von Intersexuellen angestrengt. Intersexualität und Transidentität sind zwei  glasklar zu trennende Gruppen. Die sind definiert, weil das auch wichtig ist, um anpassende OP's zu einer Kassenleistung machen zu können. Ein Intersexueller  hat es bei der Krankenkasse viel leichter sich, wie von Doppelrock gewünscht, auf die eine oder andere Seite zu schlagen. Das ging in der Vergangenheit sogar ohne psychologische Gutachten. Transsexuelle brauchen zusätzlich u. a. Alltagsnachweis und Psychotherapie, bevor ein Chirurg agieren kann.

Offline MAS

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Antw:Gendergerechte Sprache für Diverse - pro und kontra
« Antwort #5 am: 28.05.2021 09:13 »
Soweit einigt, lieber Holger!

Wobei es eben nicht mehr sein darf, dass ein intersexueller Mensch als Säugling in eines der beiden Geschlechter zwangsoperiert wird.

LG, Micha
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Offline Holger Haehle

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Antw:Gendergerechte Sprache für Diverse - pro und kontra
« Antwort #6 am: 28.05.2021 09:31 »
Lieber Micha,

zwangsweises operieren, kastrieren uns Sterilisieren war schon im Dritten Reich unsäglich und sollte erst Recht in einer Demokratie tabu sein. Um so schockierter bin ich, hier die unantastbaren Persönlichkeitsrechte von Individuen verteidigen zu müssen.

Wenn es ein biologisch angeborenes drittes Geschlecht gibt, und das auch noch juristisch bestätigt wird, schockiert es, wenn bei einigen Menschen kein Wille besteht, das zu respektieren und eine angemessene sprachliche Regelung dafür anzubieten.

Statt eine verhunzungsfreie Sprachregelung zu offerieren, werden von einigen Leuten ausschließlich Versuche unternommen ein zugesprochenes Recht wieder abzusprechen. Der Thread zum Gendersprech, der über viele Seiten geht, enthält von diesen Leuten keine einzige Idee für eine sprachliche Regelung.


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Antw:Gendergerechte Sprache für Diverse - pro und kontra
« Antwort #7 am: 28.05.2021 09:41 »
Lieber Holger,

das ist wohl noch anders zu erklären: Konstruktivistisch gesehen ist es energiesparsamer, bestehende Konstrukte zu bewahren statt sie zu ändern. Menschen sind kognitiv konservativ.

Nicht alle gleichermaßen. Manchen macht es auch Freude, dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln.

Und so ist es der immerwährende Kampf zwischen Konservativen und Progressiven. (Umd es grob zu formulieren. Realiter ist es natürlich komplexer.)

Hinzu kommt dann noch der Egoismus, aus dem heraus man versucht, die Gesellschaft alleine nach den eigenen Interessen zu gestalten.

LG, Micha

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« Antwort #8 am: 28.05.2021 09:54 »
Ja, die Leute sind bequem. Änderungen werden nur begrüßt, wenn man davon selbst profitiert, ansonsten bleibt es egal. Wie es hinter dem eigenen Kiez aussieht interessiert oft nicht. Oft fühlen sich Mehrheiten sogar als Opfer, wenn sie von ihren diskriminierenden Privilegien Abstand nehmen sollen.

Deswegen habe ich auch den Verdacht, dass es bei der sogenannten Sprachverhunzung bei gendergerechter Sprache, gar nicht um ästhetische Probleme geht, sondern um den Unwillen mit einer Gewohnheit zu brechen.

Uns gefällt, was wir gewohnt sind. Alles Neue hat es immer schwer.

Als Frauen anfingen Hosen zu tragen, wurde das auch als Verhunzung des Frauenkörpers empfunden. Aber heute, wo jeder sich daran gewöhnt hat, hat keiner mehr ein ästhetisches Problem mit Frauen in Hosen.

Das ist doch das Gleiche mit Männern in Röcken. Als man in der Renaissance an Männern in Röcken gewohnt war,  hatte niemand ein Problem damit. Skandalös waren dagegen die ersten Hosen für Männer, und dann auch noch mit Schamkapseln, weil das wiedermal mit liebgewonnenen Gewohnheiten brach.

Deswegen glaube ich auch nicht, dass es Doppelrock gelingen wird eine verhunzungsfreie Sprachregelung zu finden, einfach weil jede Änderung als Veränderung ungewohnt und damit als verhunzend empfunden wird.

 

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