Autor Thema: Unterstützung für den Mann im Rock durch Forumsmitglieder  (Gelesen 1160 mal)

Offline Janna

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Extra einen thread zu eröffnen um ein mitglied anzuprangern, nur weil mir sein aussehen und seine ansichten nicht gefallen, ...
Das habe ich - glaube ich - nicht ausgedrückt. Was, Janna, erzeugt in Dir diesen Eindruck, dass das so sei?

Und mich würde immer noch brennend eine Antwort auf meine Frage an Dich interessieren:

Und es war auch keine frau sondern ein crossdresser.
Der gerne mal em femme unterwegs ist und das auch mit andern teilt.
Das sind für mich menschen mit courage 👍

Und was sind für Dich Männer, die mal im Rock unterwegs sind, ohne sich als Frau zurechtzumachen, und diese Bilder und Themen mit anderen teilen?

Du hast heute morgen sehr früh im thema wo es ums alter ging einen link gesetzt auf dieses thema hier wo du für mich freundlicherweise einen pranger errichtet hast wie du selber sagst.
Ich dachte zuerst ich bin im falschen film aber als ich dann deine vorwürfe gelesen habe war mir klar das war kein witz.
Natürlich sehe ich das anders als du und deine mitstreiter.
Aber nehmen wir einfach mal an ihr hättet recht.
Ich wüsste nicht das ich beim eintritt in dieses forum irgend einen eid geleistet oder ein vereinbahrung unterschrieben hätte die mich verpflichtet mich für den männerrock oder den rock für den mann einzusetzen.
Also ist dein hauptvorwurf schon mal nichtig.
Nun um zu deiner frage zu kommen was für mich männer sind die mal im rock unterwegs sind.
Ganz einfach männer im rock nicht mehr und nicht weniger.
Keine modischen revoluzzionäre noch trendsetter aber auch keine helden.
Denn wie du und Lars zwar als einzige immer wieder berichten finden das alle einfach nur toll wie ihr das macht.
Bei Lars wenn ich mich recht entsinne sogar einmal 50 mal an einem nachmittag.
Nehmen wir für einen nachmittag mal fünf stunden diese zeitspanne würde ich als nachmittag bezeichnen denn wenigstens bei uns wünscht man sich ab 17 uhr einen schönen abend.
Das sind 300 minuten also hatte er im schnitt alle sehs minuten eine ein so tolles ereigniss, da ist er vor lauter händeschütteln ja kaum mal zu einem päuschen gekommen.
Er hat ja kaum wie der papst eine audienz gehalten sondern war wohl zu fuss unterwegs.
Einem crossdresser hingegen kann  es passieren das man ihn nicht nur belästigt oder beschimpft sondern das man ihn sogar körperlich attakiert, darum braucht es eben courage.









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Mary Quant

Offline Lars

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Vielen dank für die offenen und ehrlichen antworten
Mal schauen wies weitergeht.
Die segel streichen werde ich nicht.
Ich werde auch weiterhin posten denn bei den gefühlten 1000000 beiträgen wo es immer gebetsmühlenartig nur um den rock geht  schaden ein paar andere gedanken gar nichts.
Bis später😄

Und wenn du uns weiter gebetsmühlenartig mit den gleichen Phrasen wie bisher nervst, werden wir dich sicher auch noch eine Million mal drauf aufmerksam machen. Verlass dich drauf  ;D

Bei Lars wenn ich mich recht entsinne sogar einmal 50 mal an einem nachmittag.
Nehmen wir für einen nachmittag mal fünf stunden diese zeitspanne würde ich als nachmittag bezeichnen denn wenigstens bei uns wünscht man sich ab 17 uhr einen schönen abend.
Das sind 300 minuten also hatte er im schnitt alle sehs minuten eine ein so tolles ereigniss, da ist er vor lauter händeschütteln ja kaum mal zu einem päuschen gekommen.
Er hat ja kaum wie der papst eine audienz gehalten sondern war wohl zu fuss unterwegs.

Ich trage meine Sachen so, wie solche Sachen eben getragen werden wollen: mit großer Lebensfreude! Und das sehen die Menschen nun mal. Daraufhin sprechen mich die, die von ebensolcher Lebensfreude erfüllt sind, dann ganz spontan und ehrlich an. Und grad in diesen verrückten Zeiten stimmt es mich sehr froh, daß es immernoch sehr viele Menschen gibt, die sich ihre Lebensfreude erhalten haben. Es passiert dann sogar, daß mich zwei oder mehrere (sich gegenseitig unbekannte) Menschen zeitglich ansprechen und ich ein kleines Grüppchen um mich versammelt habe. Es sind einfach Begegnungen, von der alle Beteiligten etwas haben und wonach dann jeder mit einem freudigen Grinsen im Gesicht seiner Wege geht und das Erlebte lange in Erinnerung behält.
 
Falls ich mal in Luzern bin (da kommst du doch her, gell?) sag ich dir bescheid :D Ich kenne die Schweizer, mit einzelnen Ausnahmen, als ein sehr angenehmes, liebenswürdiges und ehrliches Völkchen. Sicher würde es da zu ähnlichen Begegnungen kommen wie hierzulande.
 
Einem crossdresser hingegen kann  es passieren das man ihn nicht nur belästigt oder beschimpft sondern das man ihn sogar körperlich attakiert, darum braucht es eben courage.

Sicher die seltsamste Definition von Courage, die ich bisher gelesen habe ...
 
Viele Grüße,
Lars
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Offline Skirtedman

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Zumal, @Lars, ich gerade gelesen habe, dass es einem rocktagenden Mann, einem ausdrücklichen Nicht-Crossdresser, neulich passiert ist, dass man mit Kastanien nach ihm geworfen hat.

Trotz diesem noch weiterhin sein Ding durchzuziehen, hat das nicht auch etwas mit Courage zu tun?

Verdient das nicht auch Respekt? Den Du, Janna - Danke noch mal für Deine erneut bestätigende Antwort - nicht bereit bist zu zeigen.

Du musst "uns" nicht permanent huldigen. Du musst nicht alles toll finden, was "wir" tun. Aber kommt es Dir nicht so langsam auch nur im Schimmer etwas unfair vor, wiederholt demonstrativ "uns" die kalte Schulter zu zeigen? Was macht Dir Freude daran, uns unterschwellig bis plakativ Reißnägel auf den Weg zu streuen? - um es mal kurz mit diesen Worten zusammenzufassen, wie Du hier Dich wiederholt verhältst.

Edit: (noch nachgeschobene Ergänzung) Und Männer, die riskieren, ihr Eheglück und Familienleben aufs Spiel zu setzen, hat das nicht auch was mit Courage zu tun? Ein bisschen Mitgefühl ist Dir wohl nicht zu entlocken.

Offline Lars

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Fällt mir grad ein:
Ich fahre einen alten Mercedes W202 ... vielleicht sollte ich mich mal im Forum der Freunde des BMW E36 anmelden und ihnen gebetsmühlenartig die Vorzüge meines Autos nahebringen und ihnen immer wieder erzählen, daß ich mit einem E36 absolut gar nix anfangen kann und NUR der W202 ein richtiges Auto ist ;D und immer frisch gewaschen, da darf nie ein Körnchen Staub drauf sein .... das passt absolut nicht zu den immer frisch rasierten Beinen des Fahrers ...
 
Ich denke, die Zeitspanne zwischen meiner Anmeldung in dem genannten Forum und meinem Rausschmiss könnte ich in Stunden angeben, nicht in Tagen  ;D ;D ;D
 
 
So oder ähnlich kommt mir das Verhalten von Janna vor. Und offensichtlich nicht nur mir ...
 
Viele Grüße,
Lars
 
PS: dies dient nur als bildhaftes Beispiel. Der E36 ist in Wahrheit ebenso ein Klassiker wie mein altes Benz-Modell ...
 
PPS-Nachtrag:
Das ist meine EHRLICHE Meinung, ungeschönt und ungeschminkt, bewusst etwas überspitzt dargestellt. Aber warum soll ich sie weichspülen und damit die Aussage verwässern?
Es ist schade, daß Janna unsere Worte bisher geflissentlich ignoriert. Wahrscheinlich ist in der "Findungsphase", in der du dich, Janna, offensichtlich gerade befindest, die Gefühls- und Wahrnehmungswelt leicht durcheinander. Im Interesse des Forums wünsche ich mir allerdings, daß wir wieder zu einem angenehmen Umgang miteinander finden.
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Offline Asterix

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Hallo,

vorneweg: zu den Dissonanzen zwischen einigen Forenmitglieder kann und will ich nichts sagen. Sie ziehen sich von Anfang an mit unterschiedlichen Protagonisten wie ein roter Faden durch dieses, andere thematisch gleiche und Foren allgemein. Das ist auch ein Grund, warum ich mich aus Foren weitgehend zurückgezogen habe. (Hier lese ich am meisten noch verlinkte Medien mit Gewinn; die kann ich in Social Media auch teilen und so zur Verbreitung des Themas beitragen.)
Ich ziehe aus den Diskussionen hier auch nichts mehr, was mich in meinem Tun bestärkt. Meine Art der Bekleidung ist für mich Alltag. Ich schreibe auch nicht in Essensforen, was ich warum esse (teile aber beides ab und zu auf Social Media).

Ich weiß auch nicht, wie ich dazu beitragen kann, dass sich mehr Männer trauen, Röcke, Kleider, Strumpfhosen, etc. offen zu tragen. Ich kenne die Personen und ihre Umfelder zu wenig, um gute Ratschläge geben zu können. Das ist im sogenannten richtigen Leben etwas einfacher, wenn man darauf angesprochen wird.
Letztlich kann ich nur mit Ich-Botschaften operieren. Die lassen sich bekanntlich nicht verallgemeinern und ich finde es ermüdend, immer nur von mir zu sprechen, um Andere zu bestärken. Ich bin auch kein Freund von öffentlicher Stilkritik, weil Photos häufig nur einen Ausschnitt darstellen.
Einige legen die Vermutung nahe, dass noch jemand seinen Stil, in dem er sich wohlfühlt, sucht, was vollkommen in Ordnung ist und zum Prozess dazugehört. Eine Ernährungsumstellung ist schließlich auch keine Angelegenheit, die innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen ist. Ich habe einige Jahre dafür gebraucht – und experimentiere immer noch. Das aber eher aus Neugier. Seit diesem Sommer nach rund 15 Jahren wieder mit Kleidern.
Andere strahlen so viel Selbstbewusstsein in ihrem Tun bzw. Tragen aus, dass ich jegliche Kritik daran obsolet finde. (Hier möchte ich stellvertretend Hajo erwähnen, der auf Photos und in realiter im Dirndl so viel Überzeugung und Selbstsicherheit ausstrahlt, dass ich davor nur den Hut ziehen kann, obwohl es nicht mein Stil ist.)
Ob das jedoch lediglich meine Interpretation oder Tatsache ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Und manchmal ist man verleitet, seinen Geschmack über den des Gegenübers zu stellen, was für den auch nicht hilfreich ist.

Vielleicht ist es hilfreich, sich mit Menschen abseits der Forenblase zu unterhalten, also Menschen, die mit dem Thema erst einmal nichts tun haben. Ich habe mich, als ich vor 20 Jahren damit begonnen habe, mit anderen Menschen aus meinem privaten Umfeld darüber unterhalten; mich teilweise auch erklärt. Vielleicht sogar gerechtfertigt, wobei mir dieses ungute Gefühl sehr schnell genommen wurde. Und ja, ich musste mich gefühlt mehr erklären, als wenn ich statt schwarzen Jeans plötzlich pinke Leinenhosen getragen hätte. Es ist mir nicht bekannt, dass sich mir wichtige Menschen wegen meiner damals neuen Art der Bekleidung von mir abgewendet hätten. Ich wurde auch nie gebeten, mich doch bitte „normal“ anzuziehen, weil man nicht auf mich angesprochen werden wolle.
Inzwischen kennen mich die meisten Menschen nur noch so, was vieles erleichtert. Es hat manchmal auch den Nachteil, aufgrund meines Kleidungsstils sofort wiedererkannt zu werden, das Gesicht einer Sache zu sein, obwohl die Würdigung für eine gelungene Sache Andere, die daran mindestens genauso ihren Anteil haben, verdient haben, die mit meiner Kleidung nichts zu tun hat.

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Moi 2002

Zur Wahrheit gehört auch, dass ich anfangs ein Role Model hatte: Ferdi.
Weniger wegen seines Kleidungsstils (uns unterscheiden da Tag und Nacht), sondern wegen seiner Art. Wie er es verkauft hat: mit einer Inbrunst, Selbstbewusstsein und, ja, auch Stolz. War ich mit ihm unterwegs, auffälliger bekleidet als er und meinen Stil noch suchend, ist er begeistert angesprochen worden – hauptsächlich von Frauen. Das ging so weit, dass er im hohen Norden von unbekannten Damen gefragt wurde, ob er in Bonn ab und zu an den Rheinauen sei. Große Begeisterung, als er das bestätigte. (Er hätte sie alle haben können.)
Und er hat nie an Outfits anderer Rockträger herumgekrittelt sich lautstark davon distanziert, sondern sie darin bestärkt. Seinen Geschmack hat er nicht als Maßstab genommen. Ferdi hat sich einfach nur ehrlich gefreut, wenn es wieder einer geschafft hatte.

Ich kann für mich nur bilanzieren, dass ich für meine Art mich zu kleiden, sehr viel positive Rückmeldung bekomme. Hätte man mir das zu Beginn prophezeit, hätte ich vehement mit dem Kopf geschüttelt. Und ich bin ein Mensch, dem nicht viel Selbstbewusstsein in die Wiege gelegt wurde, an dem viel kritisiert wurde und der sich ständig Vergleiche mit Anderen (vermeintlich Besseren) anhören durfte. Das ging hin bis zu Mobbing in der Schule. Inzwischen bin ich so weit, dass ich mir keine Gedanken darüber mache, was hinter meinem Rücken eventuell über mich gesprochen wird. Es interessiert mich nicht.
Ich glaube, dass ich darüber auch in anderen Bereichen des Lebens zu wesentlich mehr Selbstbewusstsein gefunden habe. (Hätte gerne ein paar Jahre früher kommen können.) Und ich bin den letzten Jahren durch einige tiefe Täler gegangen, die aber mit dem Thema nichts zu tun hatten.
Ich könnte jetzt mantra-artig wie ein Motivationscoach oder Lebensberater behaupten: „Das kann jeder schaffen! Sei Du selbst!“ Nein, das kann ich nicht. Ich finde so etwas auch übergriffig, weil es die Umstände meines Gegenübers ignoriert. Es ist mir auch bewusst, dass ich Zwänge wie Familie, Job (die letzten Vorstellungsgespräche habe ich alle in „meinem“ Outfit geführt; sie führten alle zur Anstellung), Hobbys, die Andere haben, nicht habe. Also kann ich auch hier keine Ich-Botschaft verallgemeinern.
Und wer ein Problem damit hat, auf der Straße unregelmäßig und unvorbereitet für ein paar Sekunden im Mittelpunkt des Interesses zu stehen, sollte es bleiben lassen. Das meine ich überhaupt nicht böse, denn nicht jeder ist mit dem Rampensau-Gen ausgestattet, das dafür manchmal notwendig ist und das ich gewiss habe (Sohn einer Schauspielerin – machste nix).
Natürlich erlebe ich negative, unangenehme Reaktionen auf der Straße. Zuletzt auf der Bauma. Aber die Einordnung, es dort mit 95% zur Schau gestelltem Testosteron in Kombination mit Alkohol zu tun zu haben, hilft mir. Nach 20 Jahren haut mich auch nicht mehr viel um. Vor zwei Monaten von Banlieue-ähnlichen Jugendlichen beim Trambahn-Photographieren in Straßburg mit Kastanien beworfen zu werden, war eine gänzlich neue Erfahrung für mich. (Sie haben nicht getroffen.)
Dennoch erlebe ich weitaus mehr positive Reaktionen als negative. Die meisten Reaktion sind übrigens – gar keine Reaktion.

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Moi 2022

Andererseits habe ich oft den Eindruck, dass es für Viele einfacher ist, einen Opfermythos zu pflegen und sich dahinter zu verstecken, anstatt es einfach mal für mehr als einen Tag auszuprobieren. Es muss ja  am Anfang nicht gleich das Jahresgespräch mit dem Vorgesetzten sein...
„Es gibt nix für Männer!“ Ja, stimmt. Oder man muss sehr intensiv danach suchen. Womit wir auch schon beim Henne-Ei-Problem wären, für das ich nach 20 Jahren immer noch keine schlüssige Lösung habe. Ich suche nicht speziell nach Sachen für Männer. In Bekleidungsgeschäften wurde ich vom Personal auch nie schief angeschaut, wenn ich über den Tellerrand gegriffen habe. Im Gegenteil. Dort, wo es noch Personal gibt, wurde ich immer sehr zuvorkommend behandelt.
„Die Frauen lassen uns nicht!“ Das halte ich größtenteils für aus der Luft gegriffen. Nun habe ich von Ehe mangels Erfahrung keine Ahnung. Aber wenn der plötzlich gerne Rock tragen wollende Gatte eine Ehekrise hervorruft, liegen meiner These nach andere, tiefer liegende Probleme in der Partnerschaft zugrunde. Oder der Mann will insgeheim eine Frau sein, was natürlich speziell Auswirkungen auf das nicht unwesentliche Sexualleben haben kann. (Wir hatten schon einige Männer, die übers Rocktragen ihrer wahre Geschlechtsidentität gefunden haben.)
„In der Arbeit geht das nicht!“ Das gilt sicher für einige Jobs, speziell für die mit qua Tätigkeit vorgeschriebener Bekleidung nach Arbeitssicherheitsschutz, aber bestimmt nicht für alle. Ich komme aus einem klassischen Frauenberuf mit überwiegend weiblichen Vorgesetzten. Ich hatte zumindest wegen meines Outfits nie Probleme. (Natürlich gibt es auch unter weiblichen Vorgesetzten nahezu unverdauliche Bissgurken.) Vielleicht liegt der Schlüssel darin, dass es noch zu viele männliche Vorgesetzte mit einer, vorsichtig ausgedrückt, konservativen Vorstellung von angemessener Bekleidung am Arbeitsplatz, die sie dann auch vorleben. Warum z. B. im Einwohnermeldeamt ein Angestellter im Rock ein Problem sein soll, erschließt sich mir nicht.
„Was ist, wenn ich plötzlich ins Krankenhaus eingeliefert werde?“ Nichts. Pfleger*in Helga/Jochen und Dr .Hollmann haben den Notfall im Blick, nicht meine Bekleidung. Sie fluchen höchstens hinter vorgehaltener Hand, wenn sie mir umständlich die Strumpfhose ausziehen müssen. Das tun sie aber bei einer Notfallpatientin auch. (Die Strumpfhose ist halt hinterher kaputt.)
„Meine Freunde akzeptieren das nicht!“ Sicher? Ich bin sehr intensiv in zwei Vereinen tätig, in denen das Gros männlich, über 50 und in seinen Vorstellungen sehr eingefahren ist. Selbst da habe ich kein Akzeptanzproblem. Am Anfang schauen’s vielleicht komisch, fragen irritiert. Spätestens nach ein paar Wochen is der Kas bissen, wie man in Bayern so schön sagt. Im Privatumfeld würde ich (erneut) damit beginnen.

Ich bin schon länger überzeugt davon, dass zuvorderst wir Männer uns im Weg stehen, um „die Sache“, die optisch so vielfältig sein kann, voranzubringen. Ich halte es für kontraproduktiv, refelexartig einem nicht genehme, scheinbar zu feminine Outfits Anderer für „die Sache“ allgemein auszuschließen, nur um es sich einfacher zu machen.
Das macht das Helfen hier übrigens nicht einfacher. Im Gegenteil. Es erschwert mir, mich sinnvoll an Diskussionen zu beteiligen, wenn Outfits wegen scheinbar falscher Konnotation diskreditiert werden. Ich bin nicht der Andere. Du bist auch nicht der Andere. Der Andere steht nicht für alle Rockträger. Ich distanziere mich auch nicht von Jedem, dem ich auf der Straße in verwaschenen und ausgebeulten Jogginghosen begegne. (Da hätte ich viel zu tun.)
Ich lebe mit meinen unterschiedlichen Outfits auch nicht meine feminine oder maskuline Seite aus, wenn ich zum Rock oder Kleid pinke Strumpfhosen trage. Ich lebe bestenfalls mich aus – mit all meinen unterschiedlichen, Geschlechter übergreifenden Facetten und Launen.
Ich mache zudem die Erfahrung, dass vor allem junge Menschen mit meiner Art der Bekleidung überhaupt kein Problem haben. Meine Outfit ist im öffentlichen Raum, in dem ich u. a. Arbeite, häufig ein guter, niederschwelliger Gesprächseinstieg meiner jungen Gegenüber, um dann zum eigentlichen Thema (das hier nichts zur Sache tut) überzuleiten.

Eigentlich wollte ich nur ein paar Sätze dazu schreiben. Nun ist es ein langer Sermon mit sehr viel Ich geworden, der mit ein paar Korrekturen sogar einen Text für meinen Blog hergibt.
Ich habe nur eine Bitte: Ihr könnt meinen wahrscheinlich zu lange geratenen Aufsatz gerne diskutieren, scheiße finden oder für gut halten. Ich möchte aber nicht, dass meine Ansichten und Erfahrungen, sinnentstellend und manipulativ für die eigene Agenda verwendet werden. Ich möchte nicht zum Problem Anderer gemacht werden, nur weil’s bei einem selbst in der Beziehung (noch) nicht rundläuft.
Ich bedanke mich fürs Durchhalten!

tl;dr: Ich weiß nicht, wie ich anderen Forenmitgliedern in die Röcke, Kleider, Strumpfhosen etc. verhelfen kann. Jeder muss seinen Weg finden, den er gehen kann. Es ist einer mit vielen Abzweigungen. Er kann auch in einer Sackgasse enden.

Viele Grüße
Ben

Schöner Beitrag. LG
"Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" (Giovanni Bosco)

Offline Skirtedman

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Ja, Danke, Ben, für Deinen wunderbaren Beitrag.

Mit all den vielen, nachvollziehbaren Aspekten trägst Du nicht nur hier im Thread dazu bei, sondern auch bei der Verbreitung und Festigung der Idee hier im Forum, was das Kernanliegen angeht.

Aber auch draussen bist Du mit Deiner Präsenz sicher ein Botschafter ziviler Courage. Ausser Du hast es gerade mit Saharastaub zu tun... ;) (Insider).

Schön, von Dir mal wieder etwas gelesen zu haben. Gerne auch zweimal. Und gerne wieder!

Offline Janna

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Zumal, @Lars, ich gerade gelesen habe, dass es einem rocktagenden Mann, einem ausdrücklichen Nicht-Crossdresser, neulich passiert ist, dass man mit Kastanien nach ihm geworfen hat.

Trotz diesem noch weiterhin sein Ding durchzuziehen, hat das nicht auch etwas mit Courage zu tun?

Verdient das nicht auch Respekt? Den Du, Janna - Danke noch mal für Deine erneut bestätigende Antwort - nicht bereit bist zu zeigen.

Du musst "uns" nicht permanent huldigen. Du musst nicht alles toll finden, was "wir" tun. Aber kommt es Dir nicht so langsam auch nur im Schimmer etwas unfair vor, wiederholt demonstrativ "uns" die kalte Schulter zu zeigen? Was macht Dir Freude daran, uns unterschwellig bis plakativ Reißnägel auf den Weg zu streuen? - um es mal kurz mit diesen Worten zusammenzufassen, wie Du hier Dich wiederholt verhältst.

Edit: (noch nachgeschobene Ergänzung) Und Männer, die riskieren, ihr Eheglück und Familienleben aufs Spiel zu setzen, hat das nicht auch was mit Courage zu tun? Ein bisschen Mitgefühl ist Dir wohl nicht zu entlocken.

Wer sagt dir das ich kein mitgefühl habe und mir die andern völlig egal sind.
So habe ich mein ganzes leben lang bis 60 als ich nicht mehr durfte blut gespendet.
Bin registriert um eventuell mal einem menschen stammzellen spenden zu können und habe einen organspenderausweis.
Einen materiellen vorteil habe ich damit nicht aber es ist mir wichtig menschen in not zu helfen und sie nicht allein zu lassen.
Ausserdem unterstütze ich aktuell noch einen jungen transmann auf seinem wahrlich nicht einfachen weg.
Das macht aus mir keine heilige aber ich versuche mich für das gute einzusetzen so gut ich kann.
Meine outfits trage ich weil sie mir gefallen und ich mich darin wohl aber auch frei fühle.
Also lasse ich mir von niemandem vorschreiben was ich zu tragen habe oder was ich gut finden soll.
Ich habe aber diesen frühling einen mann bei seinen ersten gehversüchen im rock begleitet weil er sich alleine nich so recht traute.
Für mich zählen taten nicht worte.
Ich könnte es mir ganz einfach machen und dauernd bilder von mir in röcken einstellen um ja nicht anzuecken.
Aber das ist nicht meine art.
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Mary Quant

Offline Skirtedman

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Dein Engagement für andere Menschen mag Dich ja ehren, ich kann nur davon sprechen, wie Du hier im Forum Dich gibst.

Und das zeugt selten von Mitgefühl, leider eher wie Ohrfeigen. Vielleicht habe ich Deine Auffassungsgabe auch überschätzt und Du tust das nicht mit Absicht...

Offline high4all

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Unterstützung für den Mann im Rock durch Forumsmitglieder...

Ist aktuell im Forum schwierig, weil sich einige User im Hauen und Stechen befleißigen. Seit dem Start der Coronawellen ist offensichtlich Dünnhäutigkeit angesagt.

Findet wirksamer außerhalb des Forums statt. Im persönlichen Kontakt mit Menschen.

@Ben
Im Dezember 2016 haben wir uns in München getroffen. Erinnerst Du Dich noch?
Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

Never be limited by other people's limited imaginations. (Dr. Mae Jemison)

Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern. (Heinrich Heine

Offline Janna

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Dein Emgagement für andere Menschen mag Dich ja ehren, ich kann nur davon sprechen, wie Du hier im Forum Dich gibst.

Und das zeugt selten von Mitgefühl, leider eher wie Ohrfeigen. Vielleicht habe ich Deine Auffassungsgabe auch überschätzt und Du tust das nicht mit Absicht...

Nee wegen der auffassungsgabe mach dir keine gedankem.
Das einzige das auf der welt gerecht verteilt ist ist die intelligenz.
Denn jeder und jede findet sie hätten besonders viel davon abbekommen 😁
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Offline cephalus

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Eigentlich wollte ich nur ein paar Sätze dazu schreiben. Nun ist es ein langer Sermon mit sehr viel Ich geworden, der mit ein paar Korrekturen sogar einen Text für meinen Blog hergibt.


Danke Ben, dass es nicht nur ein paar Sätze geblieben sind, ich habe deinen Beitrag wirklich genossen!

LG Cephalus

Online JJSW

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Hallo Ben
Sehr schöner und guter Beitrag. Da verblasse ich vor Ehrfurcht. Es ist eine Bereicherung für das Forum, das Du wieder dabei bist. Auf ein Vollquote verzichte ich aber.

Grüßle
Jürgen
Laßt Euch nicht von Zweifeln plagen
und genießt das Röcketragen

Offline Skirtedman

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Das einzige das auf der welt gerecht verteilt ist ist die intelligenz.
Denn jeder und jede findet sie hätten besonders viel davon abbekommen 😁

Für diese Feststellung würde ich jetzt am liebsten auf der Stelle mit Dir gemeinsam zwei Entlebucher Striizi leeren... 🤗

Offline Janna

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Ich bin gerne dazu bereit wenn es dich mal in meine heimat ziehen sollte.
Darum reiche ich dir gerne und mit freude meine hand zur versöhnung.
Ich denke mal gerade durch diese sache hier haben wir uns auch ein wenig näher kennen gelernt.
Wir haben wohl beide unsere ecken und kanten aber wer hat das schon nicht.
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Offline Stadtneurotiker

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Vielen Dank für die freundlichen Rückmeldungen! Sie erfreuen mich sehr.

Bevor ich auf die eine oder andere Antwort eingehe, noch das:
Ich habe nur eine Bitte: Ihr könnt meinen wahrscheinlich zu lange geratenen Aufsatz gerne diskutieren, scheiße finden oder für gut halten. Ich möchte aber nicht, dass meine Ansichten und Erfahrungen, sinnentstellend und manipulativ für die eigene Agenda verwendet werden. Ich möchte nicht zum Problem Anderer gemacht werden, nur weil’s bei einem selbst in der Beziehung (noch) nicht rundläuft.
Ihr deaft's mi fei aa wos frogn, gej?

Aber auch draussen bist Du mit Deiner Präsenz sicher ein Botschafter ziviler Courage. Ausser Du hast es gerade mit Saharastaub zu tun... ;) (Insider).
Hehe. Da fühlte ich mich wirklich wieder an meine Zeit als Langhaariger erinnert, in der ich als Fußgänger, der ich im Verkehr überwiegend bin, relativ regelmäßig von der Polizei auf den Besitz das Bewusstsein beeinflussender Substanzen (da Bayern: nicht Bier!) kontrolliert wurde. Das hörte mit kurzen Haaren schlagartig auf.
Also auch ein Beleg dafür, wie wenig Wahrnehmung Rock, Kleid, Strumpfhose, etc. im öffentlichen Raum erfahren.

Findet wirksamer außerhalb des Forums statt. Im persönlichen Kontakt mit Menschen.
Wiederholt letztlich nur meine Erfahrung. Aber: JA!
Es ist in meinen Augen hilfreicher und vielleicht auch einfacher (für mich auf alle Fälle), sich draußen zu "stellen", als sich hier intern zu zerfleischen, wie ich es z. B. in diesem Thread wahrnehme.
Ich bewege ich viel in Social Media, wo ich regelmäßig wenig anonym unser Thema bzw. mein Tun anspreche. Ich habe tatsächlich noch nie offene Ablehnung erfahren. Frauen antworten mir auf Fragen zu bestimmten Strumpfhosen oder weisen mich ungefragt auf Sonderangebote hin. Hallo? Das halte ich für Glück.
Andererseits bewege ich mich viel zu Fuß in meiner Stadt (irgendwoher muss der Stadtneurotiker ja kommen). Man kann mich also sehen und ansprechen. Gerade die direkte Ansprache wildfremder Menschen in Form von Fragen, die gerne auch mal Irritation ausdrücken, erlebe ich als unheimlich bereichernd. Das bezeichne ich nicht als Glück. Denn es gehört schon ein wenig Schneid dazu, jemanden auf der Straße anzusprechen. Muaß ma megn. Dabei geht es mir gar nicht mal darum, sie von meinem Tun zu überzeugen. Nicht mein Ding. Aber mir Zeit zu nehmen, Irritationen aufzugreifen, in Kontexte zu setzen, zuzuhören, auch mal abzuschweifen, empfinde ich auch für mich als bereichernd. Gut, um das zu packen, sollte man auch gerne reden, kein Problem damit haben, darauf angesprochen zu werden oder seinem Gegenüber mit seinen vielleicht konträren Ansichten zuzuhören, solange sie nicht beleidigend sind. Aber es ist wirklich schön zu beobachten, wie es gegenüber oben rattert. (Und manchmal rattert es bei mir auch. Das ist ja auch der Sinn eines Dialogs.) Was dabei herauskommt, ist zweitrangig. Ich bin kein Missionar.
Es ist auch nicht so, dass ich mich immer gleich verhalte. Jeder Jeck is anders, und ich bin auch nicht immer gleich gut drauf. Und wenn ich keinen Bock auf Ansprache habe, signalisiere ich das auch. Oder verlasse in Hosen das Haus.
Aber das Leben findet dann doch in diesem Draußen statt.

Im Dezember 2016 haben wir uns in München getroffen. Erinnerst Du Dich noch?
Klar. Darauf bezog ich mich, als ich Dich in meinem Text erwähnte.
Dass Du in einer vermeintlichen Hochburg der Tracht (oder das, was dafür gehalten wird) keinen Anstoß erregt hast, spricht auch für Deine Kombination aus Selbstbewusstsein und Authentizität.

Da verblasse ich vor Ehrfurcht. Es ist eine Bereicherung für das Forum, das Du wieder dabei bist.
Es gibt keinen Anlass dazu. Ich nehme Dich aus der Distanz als jemanden wahr, der seit einigen Jahren seinen Weg gefunden hat und geht. Und Du gehst dabei mit dem inzwischen von mir vermissten Motto Johannes Raus „Versöhnen statt spalten“ vor.

Viele Grüße
Ben.
Lieb doch, wen Du willst! Und trag doch, was Dir gefällt!

 

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