Autor Thema: Ungewollter Partnerlook  (Gelesen 4449 mal)

Offline Yoshi

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Ungewollter Partnerlook
« am: 02.03.2024 13:03 »
Es kommt ja zuweilen vor, dass man das gleiche Kleidungsstück wie eine andere Person trägt. Glaubt man den Klischee reagieren Frauen eher genervt und wollen sich am liebsten umziehen, wohingegen Männer es cool finden und sich einen Fistbump geben.

Bei mir kommt es recht selten vor, dass jemand genauso gekleidet ist wie ich, was natürlich an meinem recht ungewöhnlichen Kleidungsstil liegt. Wenn überhaupt, kommt es höchstens mal vor, dass jemand ein ähnlich aussehendes Kleidungsstück trägt, aber dass es das gleiche Kleidungsstück ist, ist dann doch recht selten. Das erste Mal passierte mir das in meiner Jugendzeit, dass ich am selben Tag den gleichen Pullover trug wie ein Klassenkamerad. Er kam stolz zu mir, gab mir einen Check und sagte: "Cooler Pulli." Ich war zwar nicht stolz oder fand es so cool wie er, aber es hat mich auch nicht sonderlich gestört, sondern es war mir völlig egal. Da war ich aber jünger, es war eine Person, die ich mochte und es war Männerkleidung, was natürlich alles in meine Emotionen reingespielt haben könnte.

Ähnlich aussehende Jeans sind bei Männern ja keine Besonderheit und keiner Rede wert. Mit den Röcken hat sich das allerdings bei mir geändert. Natürlich ist hier die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Anderes den gleichen Rock trägt sehr gering. Einem Mann im Rock zu begegnen ist schon äußerst selten, aber zufällig einen Mann im gleichen Outfit zu sehen, käme der Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns gleich.  Die Wahrscheinlichkeit einer Frau im gleichen Rock über den Weg zu laufen ist schon um einiges höher. Doch selbst da ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering, weil die meisten Frauen selten Röcke tragen, es eine große Auswahl an verschiedenen Rockmodellen gibt und selbst wenn wir den gleichen im Sortiment haben sollten, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass wir ihn am selben Tag tragen und unsere Wege sich kreuzen würden. Na ja, aber unwahrscheinlich heißt ja nicht unmöglich!

Wie ich im Thread "Im Rock auf der Arbeit" vor einigen Wochen beschrieb, hatte ich mal bei einer Hospitation einen ähnlichen Rock an wie die dortige Leitung.

Heute war ich in einer anderen Einrichtung zum Hospitieren. Ich bin natürlich auch im Rock hin, und zwar in einem dunkelblauen Faltenrock in Midilänge, der optisch schon sehr an einen Kilt erinnert. Die eine Leitung hatte lustigerweise auch einen dunkelblauen Faltenrock in Midilänge an, der allerdings etwas weiter und länger war als meiner, aber den exakt gleichen Farbton hatte. Beim Rausgehen aus dem Büro sagte sie zu mir: "Das ist ja lustig. Wir haben beide einen ähnlichen Rock an." Ich sagte: "Ja, das war mir vorhin auch schon aufgefallen.

Diesen Umstand empfanden wir beide als lustig. Sie wahrscheinlich nochmal umso mehr, weil es unerwartet kam, dass ein Mann Rock trägt und dann noch ein ähnliches Modell. Es hat mich auch nicht gestört, vielleicht weil es ein neutraler Rock war, den viele Frauen haben werden. Dies ist eventuell damit vergleichbar, wenn zwei Menschen in weißen Jeans aufeinandertreffen. Das ist zwar ein bisschen ungewöhnlich, aber es ist eben nicht ein ganz so krasser individueller Ausdruck. Das nächste Beispiel wird verdeutlichen, was ich damit genau meine und ist der eigentliche Grund, warum ich dies thematisiere.

Vor einiger Zeit hatte ich mir einen Rock bestellt, der ein auffallendes Muster hatte. Der Maxirock war weiß und hatte ein Muster mit Schnörkelungen und Rundungen, die an abstrakte Kunst des frühen 20. Jahrhunderts erinnerte. Die Farbe des Musters gab es sowohl in schwarz als auch in rot. Ich bestellte das schwarz-weiße Exemplar, aber schickte es zurück, weil mir in meiner Großbestellung andere Röcke besser gefielen und ich aus Kostengründen nicht alle behalten wollte. Jedenfalls sah ich einige Tage später eine junge Frau mit besagtem Rock in der U-Bahn sitzen. Sie trug allerdings die rot-weiße Variante. Ich freute mich im ersten Moment das zu sehen und betrachtete sie, die davon keine Notiz nahm, weil sie in ein Buch vertieft war. Irgendwie hatte ich ein Gefühl der Verbundenheit, weil sich bei diesem Kleidungsstück unser Geschmack überschnitt. Die Sympathie lag aber bestimmt auch an dem gebildeten und netten Eindruck der Trägerin, die womöglich eine Studentin gewesen sein könnte. Bei Menschen, von denen man annimmt, sie würden ähnlich "ticken" wie man selbst, projiziert man schließlich automatisch eine (noch) nicht vorhandene Connection hinein.

Meine Gedanken drehten sich während der Fahrt einzig um diesen Rock. Nach anfänglicher Sympathie und Freude kam ein anderer Gedanke in mir auf, und zwar stellte ich mir vor, wenn ich den Rock behalten hätte und ihn zufälligerweise jetzt in diesem Moment tragen würde. Der Gedanke war mir dann doch etwas unangenehm. Nicht aufgrund der Tatsache, dass ich Frauenkleidung trage, die im gleichen Moment eine weitere Frau trägt, sondern vielmehr das wir das gleiche Exemplar tragen würden. Doch warum war mir der Gedanke hier so unangenehm und wenige Wochen bei der Kita-Leitung mit dem blauen Faltenrock überhaupt nicht unangenehm? Lag es vielleicht daran, weil ich die junge Frau als attraktiv und potentielle Partnerin wahrnahm? Den Gedanken verwarf ich jedoch schnell, denn ich empfand zwar Sympathie für die junge Frau, aber fühlte mich nicht erotisch zu ihr hingezogen, weil sie optisch nicht mein Typ war. Dieses Argument fiel schon mal raus.

Damit greife ich den Punkt von vorhin wieder auf: Bei den ähnlich aussehenden dunkelblauen Faltenröcken ist der individuelle Charakter des Kleidungsstück relativ gering. Es ist ein "übliches", "gängiges" Kleidungsstück, das einige Frauen in ihrem Kleiderschrank haben werden. Dieser spezielle Rock der jungen Dame  war dann jedoch etwas sonderbares, ausgefallenes, abweichendes und charakteristisch für einen individuellen Stil, der durch zwei Träger, die aufeinander treffen, seine Einzigartigkeit verlieren würde. Das übertragt sich natürlich ebenso auf die Selbstwahrnehmung. Durch die verlorene Einzigartigkeit des Kleidungsstücks fühlt es sich an, als ob auch die Individualität der Persönlichkeit aufgelöst wäre. Man ist so eitel, dass der Kleidungsstil in der Fremdwahrnehmung nicht mehr so originell, kreativ und einzigartig angesehen werden könnte, da es eine weitere Person im Raum gibt, die den gleichen Stil pflegt. Mir kamen einige Fragen in den Sinn: Wie würde die Frau sich fühlen, wenn sie entdeckt, dass ein Mann den gleichen Rock wie sie trägt? Wie würden Außenstehende reagieren? Würden sie denken, wir sind ein Pärchen im Partnerlook? Sähen sie in mir eine Kopie der Dame? Bin ich diese Person in weiblich? Bin ich nur eine männliche Karikatur dieser Dame? Natürlich sind diese Fragen überspitzt und teilweise ein wenig lächerlich und gruselig zugleich, aber sie schwirrten in diesem Moment in meinem Kopf.

Ich konnte zum ersten Mal das unangenehme Gefühl nachempfinden, das Frauen haben, wenn eine andere Frau im gleichen Outfit auftaucht. Ein paar Tage später betrachte ich daraufhin meinen Kleiderschrank und überlegte, bei welchen Röcken wäre es mir unangenehm, wenn sie eine andere Frau gleichzeitig tragen würde. Meine These bestätigte sich: Je ausgefallener der Rock, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es mir unangenehm sein würde. Begegne ich jemand in "Standardröcken" (z. B. Minifaltenröcke oder Maxiröcke in schwarz oder dunkelblau) wäre es mir egal. Hat der Rock eine Farbe oder eine Form, die von den häufig gebräuchlichen Varianten abweicht, wäre es mir vielleicht ein wenig unangenehm, aber kein störender Faktor. Wenn der Rock allerdings ein bestimmtes Muster hat, einen auffälligen Print oder eine kreative Form wie überlappende Schichten, Volant oder asymmetrischer Schnitt, dann wäre es tatsächlich sehr störend für mich. Je mehr der Rock vom Standard abweicht und je kreativer sich dadurch der Ausdruck der Persönlichkeit sowie seine Einzigartigkeit symbolisiert, desto störender wäre es, wenn wir ihn gleichzeitig trügen.

Offline cephalus

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Antw:Ungewollter Partnerlook
« Antwort #1 am: 02.03.2024 14:13 »
Zu ungewollten Partnerlook habe ich mir noch nie wirklich Gedanken gemacht, ich glaube es wäre mir bei Männerkleidung absolut und bei Damenkleidung weitgehend egal.

Die Wahrscheinlichkeit ist zumindest im Sommer relativ hoch, dass es bei meiner Frau passiert, weil wir ein paar gleiche Kleider haben.
Bislang ist es noch nicht passiert, wir haben es auch nich nicht darauf angelegt, aber es wäre wohl für keinen von uns ein Problem - wir sind ja Partner.

Warum haben wir gleiche Kleider?
Mit einer Ausnahme daswegen, weil ich ein Kleid gekauft habe, das meiner Frau auch gefiel und es einer von uns nochmal in ihrer Größe gekauft hat, aber ohne die Absicht es gleichzeitig zu tragen.

Die Ausnahme war etwas witzig:
Ich habe ein Strickkleid aus den Schrank geholt und war überrascht, dass ich zwar rein passe, es aber ein wenig eng ist.
Wie ich nochmal einen Blick auf mein Regal werde, sehe ich es nochmal.
Meine Frau hatte das Kleid vor mir bestellt, ich kannte es aber nicht und ich habe unabhängig von ihr auch Gefallen am gleichen Kleid gefunden und es bestellt.

Ja, unser Geschmack ist sehr ähnlich - nur dass sie in der kühlen Jahreszeit deutlich weniger Röcke und Kleider trägt, als ich.
Sie hasst Strumpfhosen, ich nicht... ;)


 

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