Autor Thema: Eurovision Song Contest 2024  (Gelesen 6320 mal)

Offline Skirtedman

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Antw:Eurovision Song Contest 2024
« Antwort #15 am: 13.05.2024 01:44 »
Also ich fand Nemo auch musikalisch gut. Das traf aber ungefähr auf 2/3 aller Teilnehmenden zu.

Dennoch stelle ich die These auf, dass queere Menschen größere Chancen auf gute Platzierungen beim ESC haben, als der Durchschnitt. Ich erinnere an Conchita. Das mag daran liegen, dass der ESC vor allem bei der queeren Community sehr beliebt ist und entsprechend viele queere Personen abstimmen.

Auch wenn Nemo sich als nonbinär bezeichnet, so hat er*sie doch einen männlichen Phänotyp. Und somit haben Millionen Zuschauende, die vielleicht nicht so genau hingehört haben, gestern im Fernsehen einen Mann im Rock wahrgenommen. Und das finde ich gut.

LG, Albis

Das ist sachlich durchaus richtig, lieber Albis. Frauen (also biologische) treten kaum mal so nonbinär auf. Mag aber sein, dass es bei Frauen nicht auffällt, wenn sie sich nicht binär identifizieren. Eine recht komplexe Thematik!

LG, Micha

Da gebe ich Dir vollkommen recht, Micha: Eine sehr komplexe Thematik!

Zunächst kann ich Albis so ziemlich in allem, was er schreibt, zustimmen.

Zum anderen aber - und mich freut es total, dass Nemo den ESC gewonnen hat! - finde ich schade, dass erneut diese Botschaft gesetzt wurde: Du musst queer oder trans sein, um als Manngeborener einen Rock tragen zu dürfen!

Wieder die Chance verpasst, als "ganz normaler Mann" einen Rock tragen zu dürfen.

Ja, Micha, ein sehr komplexes Thema. Ich habe heute morgen mich mal durch ein paar andere ESC-Teilnehmer ausschnittsweise durchgezappt. Und ja, ich meine, ich bin auch non-binären Frauen dabei begegnet. Und ja, ich glaube, es gibt auch non-binäre Fraugeborene.

Ich nehme es derzeit in meinem Umfeld wahr, dass es immer "moderner" wird, sich als "bi" zu outen. "Bi" zu sein, ist eine Spielart der Gefühle, hat aber mit "queer-sein" nicht notwendigerweise zu tun. "Bi" zu sein, ist eher die Bestätigung einer "binären" "Geschlechterordnung".

Vielleicht fallen "queere" Frauen in der Tat weniger auf, was vielleicht auch daran liegt, dass Frauen mehr zugestanden wird - auch, dass sie mehr unter der Festlegung ihrer Frauenrolle leiden dürfen als Männer. Vielleicht aber ist der Druck, "queer" zu sein, bei Frauen auch geringer als bei Männern. Und genau hier - unser Kollege man_in_time hat das ähnlich findich schön ausgedrückt - trifft das den Nerv unserer tendenziell aufgeklärten, aber leider männerfeindlichen Gesellschaft.

Zwar leben wir in einer Zeit, wo die Reste des "Patriarchats" noch längst nicht alle beseitigt sind. Ich verstehe auch, dass trotz Emanzipation Frauen oftmals noch immer einer stärkeren Doppelbelastung ausgesetzt sind als Männer, so von wegen Haushalt, eventuell Kinder-Versorgungsarbeit und so. Andererseits halte ich diese Equal-Pay-Day-Thematik, die rund um den Weltfrauentag am 8. März angesiedelt ist, für eher eine Chimäre. Frauen verdienen sonstwie durchschnittlich berechnet vielleicht weniger pro Stunde als Männer, dafür arbeiten sie im Durchschnitt auch eher Teilzeit als Vollzeit. Und ich verstehe, dass eine Teilzeitkraft für ein Unternehmen im Schnitt weniger hochkarätig entlohnt wird als eine Vollzeitkraft.

Und in meinem persönlichen Umfeld sehe ich unter den Spitzenverdienern mehr Frauen als Männer - vielleicht liegt es auch daran, dass ich mehr Frauen als Männer kenne...? Abseits dieser kleinen Einschränkung nehme ich wahr, dass die Frage des Verdienstes kaum merklich oder gar nicht mehr daran geknüpft ist, welchem Geschlecht man angehört. Die noch immer achso patriarchale Gesellschaft ist in meiner Wahrnehmung schon längst Geschichte.

Was treibt heute noch eine Frau dazu, sich als Mann zu fühlen? Die Sehnsucht nach Chancengleichheit kann es glaubich nicht mehr sein. Die Identitätsfrage hat meines Erachtens nichts mit einer noch immer "patriarchalen" Gesellschaft zu tun.

Männer sind Männer, egal zu wem sie sich hingezogen fühlen. Ob "bi" oder "homo", sie sind einfach Männer, da braucht es nix "queeres". Und wer sich als Frau fühlt, der ist halt "trans". "Queer" oder "genderfluid" und all diese Spielarten erscheinen mir - Ausnahmen mag es geben - eher wie eine Flucht weg von den konventionellen Rollenerwartungen.

Und Forumskollege man_in_time hat es scharf, prägnant und vielleicht etwas unempathisch ausgedrückt, aber genau meine Gedankengänge der letzten Tage getroffen. Es mag vielleicht ein paar andere Gründe geben, sich als "queer" zu identifizieren, aber ein Großteil der "Queerness" ist m.M.n. doch ganz einfach, lediglich aus diesen konventionellen Rollenerwartungen auszubrechen.

Und je mehr diese "Queerness-Schiene" bedient wird - ich gönne es jedem, sich auf diese Weise selbst zu finden -, zementiert dies aber jene offensichtliche, jedoch unterhalb der gesellschaftlichen Wahrnehmungsgrenze liegenden Männerfeindlichkeit unserer achso zivilisierten Gesellschaft.

Du darfst Dir als Mann nur bestimmte Facetten von Freiheiten gönnen, um noch als ganzer Mann durchgehen zu können. Frauen haben sehr viel mehr Freiheitsräume in wesentlich mehr Lebensfacetten. Und wehe, Du erlaubst Dir als Mann zu viele Freiheiten auf einer dieser Facetten, oder auf zuvielen Facetten gleichzeitig, dann bist Du disqualifiziert und Du hast nur noch die Chance, dank unserer aufgeklärten liberalen Gesinnung jenseits einer Männerdefinition als "genderfluid" oder "queer" oder "non-binär" Deine Freiheiten auszuleben.

Dieser Auftritt von Nemo beim ESC und die dazu abgegebenen Erklärungen -  z.B. "ich fühle mich weder als Mann noch als Frau" - hat mich ganz besonders in meiner Erkenntnis bestärkt, dass wir Männer noch eine Menge Arbeit vor uns haben, uns zu emanzipieren (man_in_time sieht es so ähnlich).

Ich gönne Nemo und der Schweiz diesen Erfolg. Aber am Ende müssen erst die meisten Männer "queer" sein, ehe wir einfach als Mann auch mal emanzipiert sein dürfen. Und da geht es nicht nur um die Kleidung. Aber die Kleidung gehört ganz wesentlich dazu.

Siehe die Beiträge von man_in_time: 1 (dieser Thread), 2 (anderer Thread)

Offline Skirtedman

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Antw:Eurovision Song Contest 2024
« Antwort #16 am: 13.05.2024 02:40 »
schade, dass es in der Veranstaltung lange nicht mehr um Musik geht, was ja der Name suggeriert.
Der Auftritt dieses Sängers erinnert mich eher an eine Travestie-Show und erschwert damit das unbefangene rocktragen von Männern in der Öffentlichkeit. Wie schon mehrfach geschrieben, finde ich, dass Männer, die einfach nur ein weiteres Kleidungsstück ins Sortiment aufnehmen wollen, durch diese Ideologisierung daran gehindert werden.
Ich wünsche mir einen unpolitischen, ideologiefreien Musikwettbewerb, bei dem die besten Interpreten auch die Chance haben zu gewinnen. Kunst kommt von Können, nicht von Freak-show.

Im Mittelteil stimme ich Dir zu, Doppelrock.

"Freak-Show" finde ich zu hart ausgedrückt. Sicher, dem Titel nach geht dieser Wettstreit um Musik, aber die Umsetzung dieses Wettstreits ist weit mehr als nur Musik.

Sehr viele Künste sind daran beteiligt, angefangen von den teils akrobatischen Darbietungen der musizierenden Künstler. Über die Licht- und Bühnebildgestaltungen. Bis hin zu den sekundiös ausgearbeiteten Choreografien von Künstlern, Kamerabedienern und Bildregisseuren.

Also es sind weit mehr Künste daran beteiligt als nur das Trallala-Trällern. Und auch "Ein Männlein steht im Walde" war nicht ganz frei von Hintergedanken, die jenseits von Trallala liegen.

Irgendwo las ich von Dir, Doppelrock, dass Du den ESC als Verschwendung von Gebührengeldern wahrnimmst. Über die Verschwendung von Gebührengeldern kann man vortrefflich diskutieren - und hoffentlich machen wir das jetzt hier nicht schon wieder -, aber ich finde gerade den ESC als eine Veranstaltung, die genau diese Verschwendung rechtfertigt. Es lässt Europa schon ein wenig zusammenrücken - auch wenn wir jahrelang über die neuen Balkan- und Ostländer und so mit ihrem Abstimmverhalten und der Verteilung der Sympathisanten (woandershin zugewanderten) geschimpft haben.

Es bleibt natürlich nicht aus, dass da auch zweifelhafte politische Absichten bei der Durchführung des ESC mit im Spiel sind, also Musik und die Künste nicht einzig im Fokus stehen. Das haben die Organisatoren (letztlich die EBU) aber inzwischen deutlich reduzieren können.

Ich bin nur froh, dass die Beiträge von Israel oder der Ukraine - aus welcher politischen Sicht auch immer - nicht zum Platz 1 gekürt wurden, obwohl auch die (wie viele andere) interessante Beiträge lieferten.

Und der Winner-Song überraschte mich auch zunächst. Ich fand ihn in seinen ersten Zügen megaschräg. Irgendwelche Vorredner hier oder im anderen Thread meinten, dass sie dem Song nix abgewinnen konnten. Aber schlecht finde ich ihn inzwischen wirklich nicht mehr. Dieses Lied - mal ganz jenseits der Performance - finde ich ziemlich innovativ. Und es ist relativ erstmals nicht so ein typisches ESC-taugliches Geplätscher. Ja, ich finde ihn innovativ, innovativer als vieles anderes in der Musik der letzten 20 Jahre.

Denn ich hatte das Gefühl, dass seit Nirvana und Techno sich musikalisch nicht mehr wirklich viel entwickelt hat. Das meiste klingt so, wie Musik seit rund um 1990 schon immer geklungen hat.

Mich erinnert Nemos Lied eher an eine Szene in Star Trek oder war es Enterprise oder so, wo irgendwelche ausserirdischen Trillinge auf der Bühne standen und Musik der fernen Zukunft zum Besten geben mussten. Das hatte mit Musik in unserem Verständnis so irgendwie gar nichts mehr zu tun - kein Wunder, 200 Jahre nach heute. Die letzten 20 Jahre traten musikalisch in meinen Ohren immer auf der gleichen Stelle. Keine Fortentwicklung. Nemos Song "The Code" ist meiner Meinung nach eine wirkliche Weiterentwicklung der Musik.

Offline Holger Haehle

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Antw:Eurovision Song Contest 2024
« Antwort #17 am: 13.05.2024 03:21 »
Ich bin nicht überrascht, dass viele den Begriff nonbinär nicht mögen, denn der bedeutet sich hinsichtlich des sexuellen Geschlechts irgendwo zwischen den zwei (deswegen bi) Polen zu verorten.

Wie gefällt denn die Bezeichnung Gender-Nonconforming. Ein deutsches Synonym kenne ich noch nicht.
In diesem Fall bleibt ihr Weiblein oder Männlein und stimmt einfach nur der euch zugewiesenen konventionellen Genderrolle nicht zu.

Es geht also nicht mehr um sexuelle Identität, sondern um den kulturellen Ausruck derselben und dessen Beschränkungen durch eine Gesellschaftsordnung.

Damit sind wir bei dem Sex (biologisches Geschlecht) und Gender (kulturelles Geschlecht) Ding. Dieses Konzept der Psychologen, Soziologen, Anthropologen, Biologen und Ärzte besagt, dass das kulturelle Geschlecht im Gegensatz zum biologischen Geschlecht von Menschen gemacht, also konstruiert ist und der Dynamik sozialen Wandels unterliegt. Die kulturelle Interpretation des biologischen Geschlechts ist somit wandelbar. Deswegen gab es ja auch immer Röcke für Männer - aber eben nicht zu jeder Zeit und in jeder Kultur.

Wer das Genderkonstrukt seiner Zeit und Kultur nicht mag, weil gerade Hosen angesagt sind und er lieber wie die alten griechischen Kerle in superkurze Miniröcke schlüpfen will, der ist gender-nonconforming. Das Verhalten eines solchen cis-Kerls ist dann weiterhin biologisch binär aber eben kulturell nicht mit der aktuellen Genderrolle übereinstimmend.

Seid ihr solche Gender-Nonconformer?

Hat jemand eine Idee für einen deutschen Begriff, der weniger verhunzt und vor allem griffiger ist als der einer "das aktuelle kulturelle Konstrukt seines Geschlechts ablehnenden Person"?

Offline Skirtedman

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Antw:Eurovision Song Contest 2024
« Antwort #18 am: 13.05.2024 05:09 »
Wie wäre es mit "unkonform"?
Oder mit "unangepasst"?

Oder medizinisch wird das auch gerne als "abweichendes Verhalten" bezeichnet.

Aber wieso suchen wir nach einem neuen Begriff, sofern die bestehenden Begriffe überhaupt irgendwem unbequem sein sollten.
Wir ändern auch mit einem nochmal neuen Begriff in dieser Identitätsthematik nicht den Gebrauch der bestehenden Begriffe.

Ich kann mich nicht erinnern, dass hier jemand diese Begriffe verdammen wollte, sondern ichglaub wir haben nur das Wesen der damit ausgedrückten Inhalte ansatzweise hinterfragt.

Wer sich mit den Inhalten dieser Begriffe identifizieren kann, der soll sich darin zuhause fühlen.

Ich für mich bin Rockträger oder Kleidträger. Den einzigen Begriff, den ich für mich geschaffen habe, ist Freedresser. Ja, ich bin Freedresser. Und das ist gut so.


Offline MAS

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Antw:Eurovision Song Contest 2024
« Antwort #19 am: 13.05.2024 11:05 »
"Nonbinär" bedeutet, dass man nicht nur zwei ("bi") sondern mehr Geschlechter sieht, in bezug auf das biologische Geschlecht eben mehr Genotypen als xx und xy und mehr Phänotypen als typisch weibliche und typisch männliche und in Bezug auf das kulturelle/gesellschaftliche Geschlecht mehr als eindeutig männliche und eindeutig weibliche Rollenverständnisse mit allem, was dazu gehört. Oder verstehe ich es falsch?

Da ich Nemos Genotyp nicht kenne, sein Phänotyp mir aber normal männlich vorkommt, scheint Nemos Nonbinarität sich eher auf das kulturelle/gesellschaftliche Geschlecht zu beziehen, also Nemos Rollenverständnis. Man sah es bei dem Auftritt an der Kleidung und an seinem sehr extrovertiert emotionalem Verhalten, die gemeinhin beide eher weiblich besetzt sind, aber auch nicht unbedingt, jedenfalls nicht typisch männlich.

Wenn wir aber Kleidung, emotionales Verhalten usw. als auch typisch männlich ansehen würden, bräuchten wir das Wort "nonbinär" dafür nicht mehr. Aber vielleicht gibt es noch mehr Merkmale ins Nemos Selbstkonzept, die das Wort "nonbinär" rechtfertigen.

Alternativ zu "nonbonär" könnte man auch "unisex" verwenden oder "genderneutral", wobei "unisex" eher auf das biologische Geschlecht bezogen ist. Aber wir könnten die als nicht typisch männlichen Merkmale Nemos als genderneutral ansehen. Nur: sind sie es auch wirklich?

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Offline Skirtedman

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Antw:Eurovision Song Contest 2024
« Antwort #20 am: 13.05.2024 11:43 »

Alternativ zu "nonbinär" könnte man auch "unisex" verwenden oder "genderneutral", wobei "unisex" eher auf das biologische Geschlecht bezogen ist. Aber wir könnten die als nicht typisch männlichen Merkmale Nemos als genderneutral ansehen. Nur: sind sie es auch wirklich?


Ich frage mich noch immer, weshalb wir ein anderes Wort für das - tschuldigung! - Konstrukt "non-binär" brauchen.
"Unisex" taugt da recht wenig, weil es ausdrückt, dass ein Artikel für beiderlei (binär gedachtes) Geschlecht tauglich ist.
Viele Socken sind eigentlich unisex. Oder mancher Schmuck. Oder Deos. Oder Fahrräder. Einen Menschen als "unisex" zu bezeichnen, halte ich für reichlich unpassend.

"Genderneutral" ist sicherlich ein Wort, das das "non-binär" gut ersetzen könnte. Aber all diese Worte zeigen mir, das wir Männer uns einfach noch mehr selbst Freiheiten gönnen müssen, dann werden diese Begriffskategorien auch längst nicht mehr so wichtig.

Offline Skirtedman

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Antw:Eurovision Song Contest 2024
« Antwort #21 am: 13.05.2024 12:02 »
Oh, Schittie! Im vorherigen Beitrag ging die erste Hälfte total verloren. Da oben steht eigentlich nur die zweite Hälfte von dem, was ich bereits im Editor geschrieben hatte. Ich versuche es nochmals neu nachzuformulieren:

Wenn wir aber Kleidung, emotionales Verhalten usw. als auch typisch männlich ansehen würden, bräuchten wir das Wort "nonbinär" dafür nicht mehr.

Das sage ich doch auch. Jedenfalls ganz ähnlich.  Und wir reden jetzt nicht über die seltenen Fälle von genetischer Intersexualität.

Das non-binäre Erklärungskonstrukt taugt doch vor allem dazu, sich von dem Erwartungsdruck lösen zu können, typisch männliche oder weibliche Rollenmuster erfüllen zu müssen.

Frauen werden allerdings wesentlich mehr Freiräume zugestanden, sich selbst zu verwirklichen, sich selbst auszudrücken. Männern werden ähnlich breite Freiräume vorenthalten. Wer damit nicht konform geht, zieht z.B. "non-binäre" Erklärungen zu Hilfe.

Ausser Fitnessstudio, Grillfreude, schicke Autos und ein teures Hobby bleibt einem "echten Mann" ja kaum mehr Freiraum, sich privat selbst zu verwirklichen. Wie eng der Entwicklungsspielraum für Männer ist, zeigt mir gerade aktuell die Klage eines Freundes.

Er beklagt sich infolge des ESC bei mir, dass "es leider keine Männerröcke für echte Kerle" gebe, "sowas wie Kilts für die Schotten". Meine Antwort darauf könnte sein: "Echte Kerle können tragen was sie wollen" (natürlich neben all den anderen Fakten in puncto Männerröcke, die ihm halt nicht bekannt sind, und etc.)

Aber diese Klage zeigt mir, wie eng die gesellschaftlich gesetzten Rahmen für "echte Männer" sind. Und wie sehr "echte Kerle" doch letztlich Memmen sind, sonst würden sie sich ihre Freiheiten selber nehmen.

Offline MAS

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Antw:Eurovision Song Contest 2024
« Antwort #22 am: 13.05.2024 12:11 »
Lieber Wolfgang,

"unisex" muss nicht binär gemeint sein.

Wenn wir von "echten Kerlen" reden, muss es wohl auch "unechte Kerle" geben. Was aber trennt die echten von den unechten Kerlen? Wollen wir diese Trennung überhaupt. Würde es nicht reichen, ein Kerl zu sein oder eben keiner? Und wenn man kein Kerl ist, kann man alles mögliche andere sein, also nicht nur Weib, sondern auch alles Nonbinäre oder Diverse.

LG, Micha
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Offline Skirtedman

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« Antwort #23 am: 13.05.2024 12:31 »
Was soll schlecht daran sein, sich als "echter Kerl" zu fühlen?
Finden wir im Gegenzug es auch schlecht, wenn Frauen sich als "richtige Frau" fühlen?

Ein "echter Kerl" macht nichts, was seine Männlichkeit infrage stellt. Drum meidet er alles, was seine Männlichkeit ankratzen könnte. Ein "echter Männerrock" (dessen vermeintlich fehlende Existenz als Mangel beklagt wurde von diesem Freund) würde ja an der Männlichkeit nicht kratzen.

Flamingo-Bauschweste und rosa A-Mini zählen halt nicht dazu, die Männlichkeit des Trägers nicht infrage zu stellen.

Offline Holger Haehle

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« Antwort #24 am: 13.05.2024 14:56 »
Wie wäre es mit "unkonform"?
Oder mit "unangepasst"?

Oder medizinisch wird das auch gerne als "abweichendes Verhalten" bezeichnet.

Aber wieso suchen wir nach einem neuen Begriff, sofern die bestehenden Begriffe überhaupt irgendwem unbequem sein sollten.
Wir ändern auch mit einem nochmal neuen Begriff in dieser Identitätsthematik nicht den Gebrauch der bestehenden Begriffe.

Ich kann mich nicht erinnern, dass hier jemand diese Begriffe verdammen wollte, sondern ichglaub wir haben nur das Wesen der damit ausgedrückten Inhalte ansatzweise hinterfragt.

Wer sich mit den Inhalten dieser Begriffe identifizieren kann, der soll sich darin zuhause fühlen.

Ich für mich bin Rockträger oder Kleidträger. Den einzigen Begriff, den ich für mich geschaffen habe, ist Freedresser. Ja, ich bin Freedresser. Und das ist gut so.

Erwischt Wolfgang, den Freedresser hast du bei Markus Muth geklaut. Aber ich wünschte auch, ich hätte ihn geschaffen. Tatsächlich benutzt Markus den Begriff im Beitrag des BR.

Den Nonkonformisten gibt es auch schon. So nannten sich viele Hippies, die mit gesellschaftlichen Konventionen brachen. Der Unkonformist geht da wohl in die gleiche Richtung. Geht es noch genderspezifischer?

Offline Rainman

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« Antwort #25 am: 13.05.2024 16:01 »
Es gibt noch mehr Begriffe wie Genderqueer, genderfluid, queer die auch verwirrend sind

Offline Uckermärker

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Antw:Eurovision Song Contest 2024
« Antwort #26 am: 13.05.2024 20:01 »

... Flamingo-Bauschweste und rosa A-Mini zählen halt nicht dazu, die Männlichkeit des Trägers nicht infrage zu stellen.

Aber es zeugt von großem Heldenmut - sich zu trauen in diesem Outfit in den Ring zu steigen - da hätten 99,99% der Männer die Hosen voll.
Wenn eine Frau der Ansicht ist, ihr steht ein Anzug, so trägt sie ihn einfach.

Wir können für uns selbst entscheiden, was uns steht - nur Mut zur Emanzipation... lieber Rock-Star als Hosen-Träger  ;)

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« Antwort #27 am: 13.05.2024 20:08 »
Kann nicht weit her sein mit der Männlichkeit, wenn diese durch Klamotten in Frage gestellt wird. ::)

Ein "echter Kerl" bleibt unabhängig von der Hülle ein "echter Kerl". ´Ne "echte Frau" auch.
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Offline MAS

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« Antwort #28 am: 13.05.2024 20:47 »
Was soll schlecht daran sein, sich als "echter Kerl" zu fühlen?
Finden wir im Gegenzug es auch schlecht, wenn Frauen sich als "richtige Frau" fühlen?

Ein "echter Kerl" macht nichts, was seine Männlichkeit infrage stellt. Drum meidet er alles, was seine Männlichkeit ankratzen könnte. Ein "echter Männerrock" (dessen vermeintlich fehlende Existenz als Mangel beklagt wurde von diesem Freund) würde ja an der Männlichkeit nicht kratzen.

Flamingo-Bauschweste und rosa A-Mini zählen halt nicht dazu, die Männlichkeit des Trägers nicht infrage zu stellen.

Gar nichts ist schlecht daran, sich zu fühlen, wie man sich fühlt oder fühlen möchte. Aber ich empfinde es so, dass auf Männern ein Erwartungsdruck lastet, ein echter Kerl zu sein und sich auch so zu fühlen. Diesem Erwartungsdruck halte ich entgegen, dass es doch auch reicht, ein Kerl zu sein und sich so zu fühlen, auch wenn man in den Augen anderer oder auch in den eigenen kein echter Kerl sein muss.

LG, Micha
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« Antwort #29 am: 13.05.2024 20:55 »
Kann nicht weit her sein mit der Männlichkeit, wenn diese durch Klamotten in Frage gestellt wird. ::)

Ein "echter Kerl" bleibt unabhängig von der Hülle ein "echter Kerl". ´Ne "echte Frau" auch.

Das hast Du falsch verstanden, Hajo.

Es ging nicht darum, dass der Träger seine Männlichkeit infrage stellt, sondern dass die Gesellschaft die Männlichkeit des Trägers infrage stellt. Ein wirklich "echter Kerl" ließe sich von den Klamotten an seinem eigenen Leib eigentlich nicht abhalten, ganz gleich, was andere von ihm halten.


Aber es zeugt von großem Heldenmut - sich zu trauen in diesem Outfit in den Ring zu steigen - da hätten 99,99% der Männer die Hosen voll.

Na, da gehe ich bei Deiner Prozentzahl nicht konform mit Dir. Das wären also nur 0,01 % der Männer, die diesen Mut aufbrächten.
Ich glaube, es wären deutlich mehr, wenn ihnen die Chance gegeben würde.

Nach meinem Eindruck schätze ich, dass mindestens ca. 3 bis 5 Prozent der Männer sich mit queeren Konzepten identifizieren können. Und davon würde so jeder Hundertste für die gute Sache, die Queerness, so in die Arena steigen, wenn man ihm die Chance geben würde.

Dann landen wir bei mindesten 0,03 Prozent mit Heldenmut. Und dann landen wir für die ohne Heldenmut bei höchstens 99,96 Prozent der Männer.

Okay, Jens, so ganz unrecht hast Du nicht...  ;)


Gar nichts ist schlecht daran, sich zu fühlen, wie man sich fühlt oder fühlen möchte. Aber ich empfinde es so, dass auf Männern ein Erwartungsdruck lastet, ein echter Kerl zu sein und sich auch so zu fühlen. Diesem Erwartungsdruck halte ich entgegen, dass es doch auch reicht, ein Kerl zu sein und sich so zu fühlen, auch wenn man in den Augen anderer ... kein echter Kerl sein muss.


Bingo, Micha! Davon red ich doch auch!


 

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