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Röcke und mehr... => Erfahrungsberichte => Thema gestartet von: MAS am 10.05.2026 13:23

Titel: Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 10.05.2026 13:23
Gude zusammen!

Neulich trafen wir uns mit einem Freund aus meiner Grundschulzeit und seiner Frau. Den Freund hatte ich vor ein paar Monaten seit über 40 Jahren erstmals wieder gesehen. Zum Rock meinte er da, das sei ihm egal, solange ich nicht versuchen würde, ihn zu bekehren.

Und nun bei dem Treffen fragte er, ob ich auch manchmal negative Reaktionen bekäme. Ich antwortete, dass das schon vorgekommen sei, aber nun schon länger nicht mehr. Seine Frau meinte, die Leute seien eben doch toleranter und offener geworden. Es sei ja auch egal, was einer anhabe, solange die inneren Werte stimmten. Auf die komme es ja an. Ihnen mache es ja auch nichts, dass ihre Tochter mit einer Frau zusammen sei.

Natürlich war das eine schöne, angenehme, tolerante Reaktion.
Andererseits fühle ich mich nicht ganz so wohl dabei, wenn man mich trotz des Rockes mag, weil ja meine inneren Werte stimmen. Ich will mit meinen Röcken nicht trotzdem toleriert, sondern auch wegen meines Rocktragens respektiert werden, denn ich trete und wir alle hier treten ja damit auch für die Gleichberechtigung der Menschen ein.

Was meint ihr dazu?

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: cephalus am 10.05.2026 15:15
Hier geht es um Feinheiten der persönlichen Intentionen und Ansichten.

Ich will weder aufgrund, noch trotz Rock irgendwie behandelt, wahrgenommen oder toleriert werden. Nicht mehr jedenfalls als mit einer Jeanshose.

Ich habe das Gefühl, dass das auch zu 99% so ist. Ich erhalte faktisch keine Reaktionen, in letzter Zeit nicht mal Blicke, die ich bemerken würde.

Auch wenn es vielleicht widersprüchlich ist, würde ich mich über einen gelegentlichen Kommentar zum Rock freuen - nicht zu der Tatsache, dass ich einen Rock trage, aber gerne zu Muster, Stil oder Zusammenstellung oder irgendwas.

Sogar das passiert nie.
Nichtmal wenn es perfekte Gesprächsaufhänger gäbe, wie einen Rockkauf (https://www.rockmode.de/index.php?topic=10375.msg208123#msg208123)
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: high4all am 10.05.2026 17:55
Tolerieren bedeutet "ertragen". Keine besondere Leistung und eine Vorstufe zur Akzeptanz. Immerhin besser als Ablehnung.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: JoHa am 10.05.2026 20:56
Lieber Cephalus,
" würde ich mich über einen gelegentlichen Kommentar zum Rock freuen"
Dieses rare Erlebnis hatte ich kurz nach Weihnachten in einer Veranstaltungspause. Ich wurde auf ein stimmiges Ensemble, das ich trug, von anderen Gästen angesprochen.
In etwa:
Sie sind gut gekleidet. Warum tragen wir Frauen nicht öfter Röcke? Dieser Tweedrock ist auch im Winter angenehm warm. etc
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 10.05.2026 22:22
Also ich hätte gerne Reaktionen wie:
"Ja, genau, Männer haben das selbe Recht, Röcke zu tragen, wie Frauen, Hosen zu tragen!"
Oder:
"Ja, das ist ein Fortschritt der Gleichberechtigung, dass alle Menschen, gleich welchen Geschlechts, tragen dürfen, was sie wollen. Und dafür trittst Du ein. Klasse!"

Ich kenne solche Reaktionen, aber sie sind nicht so häufig, wie ich sie mir wünsche.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Skirtedman am 11.05.2026 01:12
Hm.
Ich hatte gestern mehrere solcher Zustimmungen bekommen, ungefragt, einfach so aus der Laune heraus, wie gesagt: mehrere:
"Jeder soll tragen (anziehen), was er will!"

Also in meinem Verständnis schliesst solch eine Aussage auch Männer ein.

Zudem bekam ich gestern auch mindestens zweimal attestiert, ich sei immer so geschmackvoll/gut angezogen. Ja, auch sowas widerfährt mir immer mal wieder.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 11.05.2026 11:50
Ja, manchmal bekomme ich solche Rückmeldungen. Komplimente vor allem auch von zwei Nachbarinnen im Dorf - richtig, im Dorf, nicht in der Stadt.

Und das jeder anziehen soll, was er will, höre ich auch öfter. Das ist aber oft auch so gleichgültig dahingesagt.

Ich will mich auch nicht beschweren, zumal ich mich im Rock so frei und zumindest toleriert bewege wie andere Männer in ihren Hosen. Ich werde nirgends ausgegrenzt oder dumm angemacht oder fast nirgends. Ich trage Röcke bei der hauptamtlichen Arbeit, bei Ehrenämtern, in der Freizeit, bei Familie und Verwandtschaft, Nachbarn, Bekannten, Freunden und bei fremden Leuten gleichermaßen. Alles ohne Probleme und kann das auch aus vollen Zügen genießen.

Aber so richtig den Sinn unseres Unterfangens sehen m.E. doch zu wenige Leute.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Skirtedman am 11.05.2026 12:07
Also ich hätte gerne Reaktionen wie:
"Ja, genau, Männer haben das selbe Recht, Röcke zu tragen, wie Frauen, Hosen zu tragen!"
Oder:
"Ja, das ist ein Fortschritt der Gleichberechtigung, dass alle Menschen, gleich welchen Geschlechts, tragen dürfen, was sie wollen. Und dafür trittst Du ein. Klasse!"

Und genau das wurde mir 'gestern'  (inzwischen vorgestern) (siehe Beitrag von mir hier zuvor) gleich zweimal unabhängig voneinander gesagt.

Und dieses Outfit war daran beteiligt:

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Und an den Aussagen war z.B. genau diese Dame beteiligt.

Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Skirtedman am 11.05.2026 12:15
Hier geht es um Feinheiten der persönlichen Intentionen und Ansichten.

Ich will weder aufgrund, noch trotz Rock irgendwie behandelt, wahrgenommen oder toleriert werden. Nicht mehr jedenfalls als mit einer Jeanshose.

Ja, es geht um Feinheiten der persönlichen Intention und Ansicht, was man in diese Worte hineinlegt. Oder aus ihren heraus interpretiert.

Ich glaube, die meiste Leute verwenden in den meisten Fällen 'Toleranz', 'Akzeptanz' und 'Respekt' ziemlich synonym. Sie differenzieren im schnellen, allgemeinen Sprachgebrauch da nicht diese Feinheiten, die man aus diesen Wörtern herauslesen könnte.

Sie reden von Toleranz, schließen aber eigentlich den Respekt dabei genauso mit ein.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: cephalus am 11.05.2026 12:19
Eine solche Reaktion, in der Richtung jeder soll tragen was er will, womit er sich wohlfühlt, habe ich genau einmal erhalten.

Von meiner Frau.

darüber hinausgehende, mit oben genannten Tenoren
(Tenöre ist was anderes, was der korrekte Plural von Tenor ist mir jetzt zu blöd zu erforschen  ;))
sind mir noch nicht untergekommen.
Entweder die Menschen in meinem Umfeld denken weniger darüber nach und nehmen einen Rock als selbstverständlich wahr, oder man ist einfach nicht so gesprächig wie in andern Regionen.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 11.05.2026 12:25
Das ist auch bei mir so, lieber Cephalus, dass die meisten Menschen gar nichts kommentieren. Das nehme ich dann als normale Toleranz war, sei sie aus Gleichgültigkeit oder aus Respekt geboren.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Skirtedman am 11.05.2026 12:58
... darüber hinausgehende, mit oben genannten Tenoren (https://de.wiktionary.org/wiki/Tenor#:~:text=Anmerkung%3A,unterschiedliche%20Bedeutungen%20tragen.) sind mir noch nicht untergekommen.

Entweder die Menschen in meinem Umfeld denken weniger darüber nach und nehmen einen Rock als selbstverständlich wahr, oder man ist einfach nicht so gesprächig wie in andern Regionen.

So wird das sein. Wahrscheinlich alles zusammen.

Es spielt aber auch durchaus eine Rolle, in welche Menschengruppen man in der Regel eintaucht und oft auch auf der Zusammenhang, der diese Menschen zusammengeführt hat. Es gibt Anlässe, da ist die Kommunikation unter den Leute einfacher, auch wenn man sich gegenseitig bislang noch nicht kannte.

Und sicher, von Region zu Region gibt es auch noch mal generelle Unterschiede. In meiner Nachbarstadt z.B. gilt es noch als ein Verbrechen, sich an einen nicht vollbesetzten Tisch noch als Fremder / Fremde dazu zu setzen. In meiner Stadt ist es hingegen quasi eine Selbstverständlichkeit.
Und ich persönlich finde es meistens schöner, mit den Menschen zu reden als über sie zu reden. Miteinander reden erweitert eher mal den eigenen Tellerrand.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Ludwig Wilhem am 11.05.2026 13:11
Kann mich fast allen Kommentaren anschließen, in unserer Stadt 80.000 EW trage ich jetzt seit ca. 5 Jahren nur noch weitgehend Rock und gelegentlich Kleider, diese mehr ins Theater o.ä. Orte, auch zu Familienfeiern. Was meine Umgebung denkt, bekomme ich nie mit, ganz selten hat eine gute Bekannte nette würdigende Kommentare zu meinem Outfit. Ob es Toleranz oder Ignoranz ist, interessiert mich nicht, schön ist es aber wenn Mann gelegentlich gelobt wird; dieses möchte -  glaube ich - jeder gerne.
Gestern war mal wieder eine Familienfeier mit 40 Gästen zu einer Konfirmation, alle waren festlich gekleidet, ich mit Kleid, keiner hat es kommentiert/wahrgenommen? Ev. weil alle mich so schon kennen. (Bild leider etwas älter und hatte dunkelblaue Strumpfhose mit schwarzen Schuhen)
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  LG Ludwig
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 11.05.2026 15:56
Mir geht es dabei gar nicht so sehr um Komplimente für meine Gewandung, als um eine Würdigung der Idee, uns Männer auch kleidungsmäßig mit den Frauen gleichzuberechtigen.

Männer könnten doch mal sagen: "Recht hast Du! Wir Männer können auch Röcke tragen. Warum bin ich da nur nicht selbst drauf gekommen?"

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 12.05.2026 19:48
Heute sagte eine junge Frau in der Stadtbahn in Bielefeld zu mir:
"Schöner Rock!"
Ich: "Danke!"
Sie: "Schön luftig für den Sommer!"
Ich: "Im Sommer darf es noch luftiger werden."
Sie: "Ja, aber jetzt ist der gut!"

Es ist ein langer Jeansrock, den ich hier auch schon gezeigt hatte.

Ich muss sagen, so ein Kompliment, das einem so einfach nebenher gegeben wird, hat auch was. So wie ich gerne einer Frau sage, wenn sie einen schönen Röck trägt, so kann Frau es auch mir sagen.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Zwurg am 12.05.2026 23:20
Cephalus und MAS ich beneide euch um euer Umfeld.
Oder um eure persönliche Freiheit.
Da ich seltener Rock trage bekomme ich vor allem in meinem persönlichen Umfeld durchaus negative Rückmeldungen.
Vor allem von sehr alten Freunden.
Da tue ich mir nicht immer leicht.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 12.05.2026 23:40
Das tut mir sehr leid, lieber Zwurg.

Wenn Du aber meinst, dass Du negative Reaktionen bekommst, weil Du selten Röcke trägst: Wäre es eine Option öfter Röcke zu tragen? Ich meine, dann sähen die "Freunde", dass es für Dich normal ist und kein Ab-und-zu-mal-auffallen-Wollen.

Aber wie sehen denn diese negativen Reaktionen aus? Was sagen Deine "alten Freunde"?

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Skirtedman am 13.05.2026 01:28
So ähnlich waren meine Gedanken auch, wie Micha es formuliert hat.

Für mich sind Röcke bzw. Kleider alternativlos. Also gibt es mich auch nur so. Wem das schwerfällt, hat die Wahl, mir aus dem Weg zu gehen. Ich bilde mir ein, dass inzwischen auch jene Menschen mit den größten Vorbehalten das irgendwie akzeptiert haben und mir scheinbar auch keiner aus meinem Umfeld mehr aus dem Weg geht. Auch sehr alte Freunde, die man zwischenzeitlich aus den Augen verloren hatte (Wegzug, Studium, Familie gründen etc., wie es halt so geht, die nur irgendwann mal zunächst vom Hörensagen mitbekamen, dass ich Röcke trage und bestimmt zunächst mehr als verwundert waren), habe ich das Gefühl, dass sie keine Berührungsängste mehr mit mir haben. Demzufolge nehme ich auch aus dem fernen Rand meines Umfeldes schon längst keine negativen Reaktionen mehr wahr.

Aber immerhin hatten die ja mehrere Jahre bis mehrere Jahrzehnte Zeit, sich daran zu gewöhnen. Mein 'Mätzchen' gehört eben zu mir, wie meine Augenbrauen.

Wer mit seinem Rocktragen noch nicht soviel zeitlichen Vorlauf hatte, stößt vielleicht noch auf die verwunderten Leute, die mit bissigen Kommentaren glauben, Dich noch davon abbringen zu können.

Manchmal findet sich verbal mein Bekleidungsverhalten in der Kommunikation wieder - z.B. nennt mich jemand immer mal wieder bei anderen Leuten " ´s Röckche " -, in solchen Fällen erkenne ich aber das Bissige darin nicht, sondern ich halte das für eine liebgemeinte Floskel zum Schmunzeln, so wie man bei jemandem manchmal irgendwelche Typ-typischen Merkmale, z.B. seine Glatze, spaßeshalber verbalisiert.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 13.05.2026 07:46
Was aber diese Menschen, die es ein "Mätzchen" nennen oder Dich "Röckche", lieber Wolfgang, nicht verstanden haben, ist, dass Du eine gesellschaftliche Vorreiterrolle einnimmst. Sie kämen nicht auf die Idee, sich von Dir inspirieren zu lassen und Dein Rocktragen als Befreiung von einer unsinnigen gesellschaftlichen Konvention, Tradition und Gewohnheit anzusehen.

Neulich kamen mir ein paar Jungs entgegen, deren einer, als er mich kurz vor sich sah, sichtbar erschrak und extra einen weiteren Bogen machte, um nicht zu nah an mir vorbei zu gehen. Das war sicher eine unbewusste Reaktion auf einen Reiz, von dem für ihn eine Gefahr ausging. Dieser Junge war so konditioniert und kann nichts dafür. Aber ich befürchte, er wird dieses Konditionierung an seine Kinder weitergeben, wenn sich nicht endlich mal ein grundsätzliches Umdenken auftut. Ich denke, das wird schon noch kommen, aber momentan sind wir noch im Stadium des Mit-unseren-Mätzchen-toleriert-Werdens. Damit lässt es sich zwar leben, aber ganz zufrieden bin ich damit nicht.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Skirtedman am 13.05.2026 11:54
Der eine Junge von neulich aus Deiner geschilderten Begegnung wird vermutlich das an seine Kinder, speziell seinen Sohn weitergeben, oder auch sonst seine ablehnende Grundhaltung an seine Umgebung weitergeben und andere Menschen damit beeinflussen, die dafür empfänglich sind.

So, wie ein anderer Junge, der Dir momentan aufgeschlossen gegenübersteht, ggf. mit seiner offenen Grundhaltung andere erreichen kann bishin zu seinen späteren Kindern (eventuell).

Ich kann nun schwer einschätzen, was Du in Deinem Zusammenhang mit "paar Jungs" meinst, also in welchem Alter die waren. Falls unter 12, dann hat er sich wirklich schwergetan mit Deiner für ihn überraschenden Erscheininungsweise. Falls aber älter - und je älter solche Jungs sind - desto eher wahrscheinlich ist es, dass dieses Dir-ganz-sichtlich-aus-dem-Weg-Gehen eher gespielt war, und entweder wirklich seine Engstirnigkeit zum Ausdruck bringt, oder aber er das eher spaßeshalber vor Dir und/oder vor seinen Kumpels so getan hat. Letzteres ist mir auch schon untergekommen. Jedenfalls übertrieben, überzeichnet.

Die genaue Absicht kann man dann bei einer flüchtigen Begegnung nicht genau erkennen, und wieviel Ernsthaftigkeit dieses Gebahrens dahintersteckt. Egal, wie ernsthaft das gemeint war, signalisiert es doch mehr als nur eine "Überraschung", sondern Dir - vermutlich noch mehr seinen Kumpels -, dass er mit dem, was er mit Dir verbindet, nichts zu tun haben will, eben im wahrsten Sinn des Wortes sich von Dir distanziert. Wenn man, dem das passiert, das in jedem Fall der Fälle nicht schafft, gütlich für sich wegzuschmunzeln, so hinterlässt das freilich ein demütigendes Gefühl. Und so muss das wohl auch sich angefühlt haben, wie man früher in Indien mit der Kaste der Unberührbaren umgegangen ist. Dass alleine der Schatten ausreichte, jemanden "zu beschmutzen".



Mir ist primär egal, ob mich jemand toleriert, akzeptiert oder voll und ganz hinter mir steht. Primär ist mir wichtig, dass ich mein Leben so führen kann, wie es sich für mich richtig anfühlt, ohne mir von anderen sagen zu lassen, was ich besser zu tun hätte. Somit habe ich mein primäres Ziel erreicht.

Freilich würde ich gerne als Botschafter fungieren, um noch mehr Männer in die Röcke zu bringen. Mit Hau-Ruck scheint das aber nicht zu funktionieren. Demgegenüber finde ich es schön, in einer Gemeinschaft mit ähnlichem Interesse - also hier im Forum -, durch meine Schilderungen, Gedanken und Bildern andere Mitinteressenten ein klein wenig zu bestärken, für sich auch an diesem Ziel zu zu streben, anzuziehen, was sie wollen.

Und mit jedem einzelnen von uns, der das Ziel verfolgt, steigt die Zahl derer, die in unserer Gesellschaft sichtbar sind, von diesem ewigen Hosengelübde der Männer Abstand zu nehmen. Das ist viel wichtiger, als jeden männlichen Passanten von unserer Idee überzeugen zu wollen. Denn wenn wir ein paar Alternativmänner sind, so steigt die Zahl derer, die mehr als nur uns einzelnem, sondern auch mal einem anderen von uns begegnen. Nur so kann ein allmähliches breiteres Umdenken in der Bevölkerung gelingen.




Ich weiß, Micha, neben meinem "primären Ziel", quasi einem egoistischen, dass ich ungestört meine Kleidung tragen kann,
empfinde ich auch eine gewisse Ungeduld, dass andere Männer bei mir auf der Straße in meiner Stadt nicht auch irgendwann mal auf die Idee kommen, sich ebenfalls für einen Rock zu entscheiden.

Gefühlt war die Hose für Frauen sehr viel schneller in der Gesellschaft angekommen. Und das Ärgernis, dass wir Männer damals nicht gleichgezogen haben, bleibt. Und das Ärgernis, dass wir Männer so viele Jahrzehnte noch immer nicht in die Puschen kommen, ebenfalls.

Andererseits kamen die ersten Frauen in Hosen so in den 1920er Jahren auf. Wenn man bedenkt, dass erst in den 1960ern in der breiten Gesellschaft die Hose für Frauen ihren Durchbruch feierte, so liegt da die Zeitspanne von 2 Generationen dazwischen. (Eine Generation damals mit 20 bis 25 Jahren gerechnet.) Man bedenke allerdings noch, dass zumindest in Deutschland und Umkreis ggf. ein Jahrzehnt an potentieller Entwicklung ausgefallen ist. Zwar wird zumindest in Deutschland der Mythos hochgehalten, dass das Ende des zweiten Weltkriegs ein maßgeblicher Treiber für die Frau in Hosen war (was in Teilen zwar stimmt), so war aber in den 50ern die Frau in Hosen noch eher verpönt. Also ziehen wir von der Zeitspanne '2 Generationen' noch ein Jahrzehnt 1000-jähriges Reich ab, so landen wir ungefähr bei 1,75 Generationen Zeitspanne, die die Hose an der Frau brauchte, sich zu etablieren.

Vielleicht ist das eine Zeitspanne, die wir auch für den Rock am Mann erwarten müssen.

Wann könnte man denn definieren, dass eine Art Männerrockbewegung entstanden ist?

Also, ich trage seit den 80ern Röcke öffentlich. Bin ich Maßstab? Nein. Ich war damals ein einzelner "Irrer" in den Augen der anderen. Ist ja auch nicht wegzudiskutieren, dass damals zwangsläufig auch noch 'Mann im Rock' unverrückbar mit 'ist schwul' assoziiert wurde. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass in den 80ern noch alleine der Verdacht, ein Mann könne homosexuell sein, ausreichte, um Amt- und Würdenträger zurücktreten zu lassen. Damals war kaum vorstellbar, dass heute, 45 Jahre später, schon homosexuelle Männer u.U. als Kanzlerschaftsanwärter gehandelt werden.

Darf man auch nicht vergessen, dass in den 80ern mit dem Ausbruch von AIDS, die schwule Szene exorbitant als gesellschaftlich aussätzig gebrandmarkt wurde. Auch dieses Ablehnungspotential musste der Rock am Mann erst einmal überwinden.

Insofern glaube ich, dass erst nach diesem AIDS-Schock ein Anfang einer 'Männerrockbewegung' eher wirklich im Bereich der Vernetzung per Internet zu suchen ist. Hinzu kam die PEACE-Bewegung der Technoszene, die anders als PEACE in den 80ern nun eher LOVE der 68er (aber mehr im platonischen Sinne) meinte: Party-, Spaß-, Wir-lieben-uns-alle-Gesellschaft, die auch im Bereich rund um Y2K, quasi als fin-du-siècle-Phänomen auf einmal den (Polyester-)Rock am Mann hervorbrachte. Leider nur eine ziemliche Eintagsfliege, aber das fiel in etwa zusammen, als sich weltweit in Foren u.ä. Männer mit Rockambitionen gefunden und vernetzt haben - und gemerkt haben - ich bin nicht der einzige.

Drum können wir vielleicht als den Beginn einer 'Männerrockbewegung' grob das Jahr 2000 festlegen - also rund 75 Jahre nach der Hose an der Frau. Nehmen wir nun die Zeitspanne von 1,75 Generationen, bis der Rock am Mann gesellschaftlich auf einer breiten Basis akzeptiert wird, so sind wir im Moment eben noch mitten im Prozess, den Rock am Mann zu etablieren.

Inzwischen liegt die Generationenabfolge bei 30 Jahren. So kommen wir auf etwa das Jahr 2050, bis der Rock am Mann sich im breiten gesellschaftlichen Konsens etabliert haben wird. Sofern der Rock für den Mann eine ähnliche Entwicklung nimmt wie die Hose für die Frau. Vielleicht geht es auch viel schneller, wenn auch so manche Unbillen der jüngsten Weltgeschichte da nicht primär dafür sprechen.

Aber letztlich liegt es an uns - wir hier im Forum - selbst, zur Akzeptanz / Etablierung mitzuwirken. Weil ohne uns wird 2050 Utopie bleiben. Und mit uns wollen die wenigstens hier mit Sicherheit bis 2050 warten. Ich sagte mir das in den 80ern auch, dass ich nicht warten möchte, bis irgendwelche anderen Menschen für mich den Rock etablieren. Ich habe für mich den Rock etabliert.

Und je mehr das von uns jeder für sich selbst tut, desto eher gelingt es uns auch irgendwann, dahergelaufene Männer oder Jungs davon zu begeistern.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Skirtedman am 13.05.2026 13:05
B.T.W. möchte ich hier nur kurz noch einflechten...

Ich hatte die Polyesterröcke der Technoszene rund um 2000 angesprochen. Vielleicht erinnern sich ja noch einige von Euch daran. Passendes Bildmaterial, wie die Röcke aussahen, habe ich auf die Schnelle im Internet nicht gefunden.

Dennoch dies:

Beispiel, das die Stimmung bei solch einem Rave wiedergibt:
https://www.onelastpicture.com/wp-content/gallery/25-Jahre-Streetparade/IMG_157720.jpg
Rock, der zumindest von der Form her in die Richtung geht der damals üblichen Röcke:
https://www.walaulta.ch/data/l372_80.jpg

In der Regel waren sie entweder uni, oft helle Farben oder oft in mittelkräftigen Pastellfarben,
oder zumeist mit geometrischen sich wiederholenden Mustern,
schmal geschnitten, knöchellang, wenig bis gar nicht tailliert, Gummizug.
Solche Röcke waren damals auch bei Frauen beliebt.

Das machte es für viele damals einfacher, sich solch einen Rock von der Freundin auszuleihen. Und meistens wurden diese Röcke auch in einem erkennbaren hetero-orientierten Umfeld getragen, als Gegengewicht zur früheren 'Homo'-Verortung von Röcken am Mann.

Solche Röcke habe ich selbst in meiner eher provinziellen Stadt vor allem im Rahmen von Events an Männern gesehen. Vielfach aber im Umfeld von markanten Raves, zwei, drei Jahre z.B. auch bei der Streetparade in Zürich. Oder bei Bildern / Live-Übertragungen der Loveparade.

Ich habe diese Röcke gerne im Alltag getragen. Zu besagten techno-basierten Events hatte ich sie aber nicht an, da hatte ich anderes getragen. Und um abschließend zu diesem Meilenstein der Männerrockgeschichte noch einen passendsten Eindruck zu geben, hier ein neulich aus dieser Gruppe von Röcken reaktivierter beispielhafter Rock an mir selbst: (Typisierung siehe weiter oben im Beitrag)

Bitte einloggen oder registrieren um das Bild zu sehen.

https://up.picr.de/50806162bb.jpg
Beitrag dazu: Link (https://www.rockmode.de/index.php?topic=4676.msg207837#msg207837)





P.S. (off-topic): Im Zuge der obigen Bildrecherche begegnete mir noch ein anderer Rocktyp an einem Typ im Rock in der Gruppe eines Skiclubs aus Uri bei der Streetparade 2025: Bild (bei Watson.ch) (https://www.watson.ch/imgdb/a850/Qx,B,0,0,2000,1500,833,625,333,250/7239813761552931)
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 13.05.2026 23:22
Wie alt der Knabe war, weiß ich nicht, Wolfgang, vielleicht war er um die 12 oder so. Die anderen Jungs schienen etwas älter zu sein, mich aber nicht zu bemerken. Kann sein, dass hinter mit hörte, wie er sie auf mich aufmerksam machte, aber ich war da auch schon wieder weiter und drehte mich nicht um.

Und ja, so zwischen der Zufriedenheit mit meiner privaten Situation als Rockträger nahezu genau so toleriert, respektiert und/oder akzeptiert zu werden wir die hosentragenden Menschen allerlei Geschlechts und der Unzufriedenheit damit, dass die emanzipatorische Seite des männlichen Rocktragend so wenig beachtet und gewürdigt wird.

Wenn Du den Beginn unserer Männerrockbewegung auf ungefähr 2000 ansetzt, ist das die Zeit, in der ich damit anfing in unserer deutschen Öffentlichkeit  Röcke zu tragen. Das war nämlich 1999.

Aber über die weitere Geschwindigkeit der Normalisierung des männlichen Rocktragens wage ich keine Prognosen. 1999 jedenfalls dachte ich, es sei ein Viertel Jahrhundert später sicher ganz normal, dass Männer auch Röcke tragen. Weit gefehlt!   Aber immerhin ist es für mich normal, und für Dich und für einige mehr, was, wie gesagt, auch schön ist!

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Zwurg am 14.05.2026 14:28
Das tut mir sehr leid, lieber Zwurg.

Wenn Du aber meinst, dass Du negative Reaktionen bekommst, weil Du selten Röcke trägst: Wäre es eine Option öfter Röcke zu tragen? Ich meine, dann sähen die "Freunde", dass es für Dich normal ist und kein Ab-und-zu-mal-auffallen-Wollen.

Aber wie sehen denn diese negativen Reaktionen aus? Was sagen Deine "alten Freunde"?

LG, Micha

Ich kenne die Jungs seit über 40 Jahren.
Wir sind damals um die Häuser gezogen, Disco, Urlaube, usw. Fast alle sind verheiratet und haben mittlerweile erwachsene Kinder.
Wir sehen uns nicht mehr so häufig wie früher, aber ab und an gehen wir alle zusammen zum Essen und natürlich hab ich sie auch zu meinen runden Geburtstagen eingeladen. seit meinem 40. trage ich Dabei Rock.
Und einer dem ich früher sehr nahe war,  ist sehr konservativ eingestellt und er kann es überhaupt nicht fassen, dass ich Rock trage und das sagte er mir immer wieder. Ein anderer sieht das ähnlich, unsere Mütter waren bis vor kurzem im gleichen Altersheim, und wir haben uns oft bei dem Besuch unserer Mütter getroffen. Einmal war ich in meinem neuen Kilt. Und er meinte: Das passt aber nicht! Und ich meinte: doch das passt schon.
Ich laufe seltener bei alltäglichen Gelegenheiten im Rock durch die Gegend.
Somit das nicht so sichtbar.

In der Arbeit war ich an meinem 59. Geburtstag in der Arbeit im Rock, mit verschiedenen Reaktionen, auch eher lächerliche Reaktionen von Menschen denen ich mich ansonsten sehr Nahe fühle.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: cephalus am 14.05.2026 17:10
Cephalus und MAS ich beneide euch um euer Umfeld.
Oder um eure persönliche Freiheit.
Da ich seltener Rock trage bekomme ich vor allem in meinem persönlichen Umfeld durchaus negative Rückmeldungen.
Vor allem von sehr alten Freunden.
Da tue ich mir nicht immer leicht.

Hallo Zwurg,
vermutlich würde ich es weitgehend bleiben lassen, Einröhriges zu tragen, würde ich reihenweise negative Reaktionen ernten.
Ich finde es schade, eine wirkliche Lösung habe ich für Dich auch nicht.
Bleibt eigentlich nur, dein Umfeld inhaltlich und räumlich zu erweitern.
Eine sehr bunte Großstadt macht doch einen großen Unterschied aus - selbst diejenigen, die damit weniger zurecht kommen, haben eher gelernt die Klappe zu halten, weil es einfach nicht mehr üblich oder akzeptiert ist, andere Menschen zu kommentieren.

Von den alten Kumpels aus jungen Jahren sind bei mir nicht mehr viele übrig, zu denen ich noch Kontakt habe, aber das sind genau die, die nicht konservativ sind, alles gebildete Kosmopoliten. Der Kontakt zum Rest ist auf meinem Lebensweg langsam eingeschlafen.
Genau diejenigen die übrig sind, haben andere Themen, als meine Kleidung, egal ob sie gefällt ode auch nicht.

Auch wenn es sehr schwierig ist, bleibt für angenehmes Rocktragen nur, sich neue Kontakte und Umfelder zu suchen - sagt der der zwar voll akzeptiert ist, aber zu wenige Gelegenheiten findet Chices auszuführen ::)
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Timper am 14.05.2026 21:51
Das tut mir sehr leid, lieber Zwurg.

Wenn Du aber meinst, dass Du negative Reaktionen bekommst, weil Du selten Röcke trägst: Wäre es eine Option öfter Röcke zu tragen? Ich meine, dann sähen die "Freunde", dass es für Dich normal ist und kein Ab-und-zu-mal-auffallen-Wollen.

Aber wie sehen denn diese negativen Reaktionen aus? Was sagen Deine "alten Freunde"?

LG, Micha

Ich kenne die Jungs seit über 40 Jahren.
Wir sind damals um die Häuser gezogen, Disco, Urlaube, usw. Fast alle sind verheiratet und haben mittlerweile erwachsene Kinder.
Wir sehen uns nicht mehr so häufig wie früher, aber ab und an gehen wir alle zusammen zum Essen und natürlich hab ich sie auch zu meinen runden Geburtstagen eingeladen. seit meinem 40. trage ich Dabei Rock.
Und einer dem ich früher sehr nahe war,  ist sehr konservativ eingestellt und er kann es überhaupt nicht fassen, dass ich Rock trage und das sagte er mir immer wieder. Ein anderer sieht das ähnlich, unsere Mütter waren bis vor kurzem im gleichen Altersheim, und wir haben uns oft bei dem Besuch unserer Mütter getroffen. Einmal war ich in meinem neuen Kilt. Und er meinte: Das passt aber nicht! Und ich meinte: doch das passt schon.
Ich laufe seltener bei alltäglichen Gelegenheiten im Rock durch die Gegend.
Somit das nicht so sichtbar.

In der Arbeit war ich an meinem 59. Geburtstag in der Arbeit im Rock, mit verschiedenen Reaktionen, auch eher lächerliche Reaktionen von Menschen denen ich mich ansonsten sehr Nahe fühle.
Wer dich nicht so nimmt wie du bist den brauchst du nicht.
Mach dein Ding so wie es für dich gut und richtig ist.
Und vor allem such dir die richtigen Events wo du dich entspannt ausleben kannst.
Dein Leben musst du bei niemanden rechtfertigen!
So handhabe ich das.
Wer meinen Weg nicht teilt geht eben einen anderen.
Da mache ich mich von niemanden abhängig.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 14.05.2026 22:25
Also - ohne Deine Freunde und Deine Beziehung zu ihnen wirklich zu kennen - würde ich doch so verfahren:

Frage sie, was am Hosentragen für sie so wichtig ist, dass sie Dich wegen Deines Rocktragens andauernd anfeinden.
Sage ihnen, es sei ihre Sache, Hosen zu tragen, wenn sie meinen, sie tragen zu müssen. Du aber habest Dich von diesem Zwang befreit.
Sage ihnen, Dein Bild von Männlichkeit (und wenn das Wort für Dich wichtig ist, von Manneswürde) sei für Dich unabhängig davon, ob ein Beinkleid eine Röhre oder zwei Röhren habe.
Sage ihnen, Du hieltest es für kleingeistig, Männlichkeit davon abhängig zu machen, welches Beinkleid (oder allgemeiner, welche Kleidung) am trägt.
Und sage ihnen, dass es die Lebensqualität erhöhe, mehr Kleidungsauswahl zu haben. Darauf verzichten dürfe jeder, aber jemanden blöd anzumachen, der seine eigene Lebensqualität erhöht hat, ohne damit jemand anderem zu schaden, sei ein geistiger Tiefflug sondergleichen.

Mag sein, dass Du dadurch "Freunde" verlierst. Da musst Du selbst sehen, ob es Dir das wert ist.
Konservative sind ja oft Leute, die einfach bewahren möchten, woran sie sich gewöhnt haben. Daran ist nichts verwerflich. Aber es anderen aufzuzwingen geht gar nicht! (Es wir so vieles durch andere Menschen, vor allem durch Bauherren und Bauunternehmer, zerstört, was ich gerne unverändert hätte, aber da fragt mich niemand. Wenn jemand aber eine Kleidung trägt, die ich für mich nicht wählen würde, ficht mich das überhaupt nicht an.)

Was hältst Du von meinem Vorschlag, Zwurg?

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: JJSW am 15.05.2026 06:15
Hallo, ich bin auch noch da.

Sehr interessant, was ihr da schreibt. Nur ich kann leider nicht viel berichten.

Bei Nachbarn, Freunden und Kollegen ist das Thema lange durch. Die haben es akzeptiert, toleriert oder hingenommen. Es blieb ihnen wohl auch nix anderes übrig  ;)

Bin jeden Tag im Rock draußen unterwegs. Es interessiert aber niemanden. Vielleicht mal ein Blick, aber ansonsten nix. Weder negativ noch positiv.
Fast schon langweilig...

Moment mal, gestern als ich am Nachmittag mit meiner Frau einen kurzen Spaziergang machte (kurz, wegen windigen und recht kühlem Wetter, das immer so aussah, als wollte es gleich losregnen), da gabs mal wieder eine kurze Reaktion. Im Dönerladen am Eck sah ich paar Leute sitzen, eine der Frauen, die dort am Tisch in der Ecke saßen, sah mir durch die große Fensterscheibe hinterher. Als sie bemerkte das ich zurückschaute, lachte und winkte sie und reckte den Daumen nach oben.

Getragen habe ich eine kurze schwarze Jacke und meinen langen Rock mit Leopardenmuster.

Gruß
Jürgen
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 15.05.2026 08:27
Ja, lieber Jürgen, ab und zu gibt es positive Reaktionen, vor allem von Frauen, wir sind als Rockträgere toleriert bis akzeptiert und respektiert, aber es interessiert niemanden oder kaum jemanden, warum wir denn Rock tragen, und von den meisten Männern wird der Rock nicht als Möglichkeit für sich selbst akzeptiert, noch nicht mal theoretisch. Die meisten verstehen nicht, dass wir ihnen eine Möglichkeit vorleben, dem Leben eine neue Qualität zu geben. Sie stehen einfach auf dem Schlauch.

LG, Micha 
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Zwurg am 15.05.2026 10:28
Cephalus und MAS ich beneide euch um euer Umfeld.
Oder um eure persönliche Freiheit.
Da ich seltener Rock trage bekomme ich vor allem in meinem persönlichen Umfeld durchaus negative Rückmeldungen.
Vor allem von sehr alten Freunden.
Da tue ich mir nicht immer leicht.


Hallo Zwurg,
vermutlich würde ich es weitgehend bleiben lassen, Einröhriges zu tragen, würde ich reihenweise negative Reaktionen ernten.
Ich finde es schade, eine wirkliche Lösung habe ich für Dich auch nicht.
Bleibt eigentlich nur, dein Umfeld inhaltlich und räumlich zu erweitern.
Eine sehr bunte Großstadt macht doch einen großen Unterschied aus - selbst diejenigen, die damit weniger zurecht kommen, haben eher gelernt die Klappe zu halten, weil es einfach nicht mehr üblich oder akzeptiert ist, andere Menschen zu kommentieren.

Von den alten Kumpels aus jungen Jahren sind bei mir nicht mehr viele übrig, zu denen ich noch Kontakt habe, aber das sind genau die, die nicht konservativ sind, alles gebildete Kosmopoliten. Der Kontakt zum Rest ist auf meinem Lebensweg langsam eingeschlafen.
Genau diejenigen die übrig sind, haben andere Themen, als meine Kleidung, egal ob sie gefällt ode auch nicht.

Auch wenn es sehr schwierig ist, bleibt für angenehmes Rocktragen nur, sich neue Kontakte und Umfelder zu suchen - sagt der der zwar voll akzeptiert ist, aber zu wenige Gelegenheiten findet Chices auszuführen ::)
In den letzten 25 Jahren habe ich mir verschiedene Umfelder und Interessengruppen gesucht, die standen teils meinem Rocktragen zwar toleranter gegenüber, haben sich aber wieder aufgelöst. Manch Fokus und manche Vorlieben änderten sich in den letzten Jahren. Ich werde älter und müder, die Lebensenergie und den Optimismus von vor 25 Jahren habe ich nicht mehr, ich verliere körperliche Leistung und Form und bin viel schneller genervt. Was mir bleibt ist mein zu Hause und die alten Freunde denen es schon wichtig dass ich dabei bin, auch wenn es schwer akzeptieren können, dass meine Kleidungswahl sich in den letzten 40 Jahren erweitert hat. Ich wollte früher ein anderes, freieres Leben führen, aber dennoch bin ich hier geblieben, im oberbayrischen Dorf (nun fast eine Kleinstadt). Wenn ich ehrlich bin habe ich ja größtenteils die gleichen konservativen Ansichten. Da ticken wir immer noch gleich.
Ich werde mich örtlich wahrscheinlich nicht mehr verändern, ich bin kein wagemutiger Mensch der alles aufgibt, um irgendwo in eine unbekannte Fremde zu ziehen. Vielleicht ändert sich noch etwas wenn ich in ein paar Jahren von der Arbeit befreit bin und in Rente gehen kann. Viel wird es nicht sein.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Zwurg am 15.05.2026 10:38
Also - ohne Deine Freunde und Deine Beziehung zu ihnen wirklich zu kennen - würde ich doch so verfahren:

Frage sie, was am Hosentragen für sie so wichtig ist, dass sie Dich wegen Deines Rocktragens andauernd anfeinden.
Sage ihnen, es sei ihre Sache, Hosen zu tragen, wenn sie meinen, sie tragen zu müssen. Du aber habest Dich von diesem Zwang befreit.
Sage ihnen, Dein Bild von Männlichkeit (und wenn das Wort für Dich wichtig ist, von Manneswürde) sei für Dich unabhängig davon, ob ein Beinkleid eine Röhre oder zwei Röhren habe.
Sage ihnen, Du hieltest es für kleingeistig, Männlichkeit davon abhängig zu machen, welches Beinkleid (oder allgemeiner, welche Kleidung) am trägt.
Und sage ihnen, dass es die Lebensqualität erhöhe, mehr Kleidungsauswahl zu haben. Darauf verzichten dürfe jeder, aber jemanden blöd anzumachen, der seine eigene Lebensqualität erhöht hat, ohne damit jemand anderem zu schaden, sei ein geistiger Tiefflug sondergleichen.

Mag sein, dass Du dadurch "Freunde" verlierst. Da musst Du selbst sehen, ob es Dir das wert ist.
Konservative sind ja oft Leute, die einfach bewahren möchten, woran sie sich gewöhnt haben. Daran ist nichts verwerflich. Aber es anderen aufzuzwingen geht gar nicht! (Es wir so vieles durch andere Menschen, vor allem durch Bauherren und Bauunternehmer, zerstört, was ich gerne unverändert hätte, aber da fragt mich niemand. Wenn jemand aber eine Kleidung trägt, die ich für mich nicht wählen würde, ficht mich das überhaupt nicht an.)

Was hältst Du von meinem Vorschlag, Zwurg?

LG, Micha

Ich hab ja keine Lust groß zu diskutieren, ich mag Röcke tragen (+Strumpfhosen, wenn es kalt ist) und sie nicht.
Mir sind Jeans halt zu wenig Auswahlmöglichkeit, auch wenn ich gerne Jeans trage.
Mehr gibt es ja hierzu nicht zu sagen.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 15.05.2026 20:45
Ich hab ja keine Lust groß zu diskutieren, ich mag Röcke tragen (+Strumpfhosen, wenn es kalt ist) und sie nicht.
Mir sind Jeans halt zu wenig Auswahlmöglichkeit, auch wenn ich gerne Jeans trage.
Mehr gibt es ja hierzu nicht zu sagen.

Dann sag Deinen Freunden das so, und entweder kapieren sie es oder nicht. Auf jeden Fall kannst Du ihnen, sollten sie weiter an Deiner Kleidungsvorliebe herummeckern, sagen, dass Dir das unangenehm ist und sich das unter Freunden nicht gehört.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: JoHa am 15.05.2026 21:18
Da pflichte ich euch bei. Ewiges Palavern über Äußerlichkeiten kostet viel Zeit und fordert Nachsicht bei uns "Angemeckerten".
Sofern man einen Rückhalt hat, ob in Familie, Freundeskreis oder Rockmode.de, sollte man irgendwann in sich selbst ruhen und die Hunde bellen lassen, während man als Karawane weiter zieht.
Was heute noch als Tabubruch gilt, ist übermorgen schon ein alter Hut.
Wir werden mehr oder weniger intensiv, -jeder für sich-, dicke Bretter bohren müssen, um unserer Umgebung zu vermitteln, daß unser Wohlempfinden nicht den Gipfel der  Provokation darstellen muß.
Dicke Bretter liegen rum, Bohrer sind rege!
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 17.05.2026 09:53
Gude zusammen!

In dem Thread zur Öffentlichkeitsarbeit sind wir auch wieder mal auf die Frage des Zusammenhangs zwischen männlichem Rocktragen und dem geschlechtlichen Selbstverständnis gekommen:
https://www.rockmode.de/index.php?topic=10316.msg208207#msg208207 (https://www.rockmode.de/index.php?topic=10316.msg208207#msg208207)

Dort heißt es, dass wir einerseits von der gewachsenen Toleranz (oder auch Respekt und Akzeptanz) von LGBTQ+ in der Mehrheitsgesellschaft profitieren, andererseits aber viele Männer dieser Toleranz doch nicht so trauen und Angst haben, im Rock in die falsche Genderschublade einsortiert zu werden. Dass man nämlich männlich, cisgender und heterosexuell sein kann und zugleich gerne Röcke und Kleider trägt, ist vielen Menschen unbekannt. Und deshalb kommen sie nicht auf den Gedanken, unser Rocktragen als Beitrag für die Gleichberechtigung aller Menschen und die Emanzipation der Männer vom Hosenzwang anzusehen und zu würdigen.

Und so werden wir eben von der Mehrheitsgesellschaft genau so toleriert, respektiert und/oder akzeptiert wie Menschen des LGBTQ+-Spektrums oder sogar als Mitglieder dieser Gruppen, aber nicht als Vorreiter der Gleichberechtigung und Emanzipation von Männern, unabhängig von LGBTQ+ angesehen.

Es könnte schlimmer sein, nämlich wenn LGBTQ+-Menschen nicht toleriert würden und wir mit ihnen zusammen auch nicht.
Es könnte besser sein, nämlich wenn unser Gleichberechtigungs- und Emanzipationsansatz von der Mehrheitsgesellschaft als solcher erkannt und gewürdigt würde, zusätzlich zu der oben genannten neutralen bis positiven Haltung LGBTQ+-Menschen gegenüber.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Zwurg am 17.05.2026 10:13

Es könnte schlimmer sein, nämlich wenn LGBTQ+-Menschen nicht toleriert würden und wir mit ihnen zusammen auch nicht.
Es könnte besser sein, nämlich wenn unser Gleichberechtigungs- und Emanzipationsansatz von der Mehrheitsgesellschaft als solcher erkannt und gewürdigt würde, zusätzlich zu der oben genannten neutralen bis positiven Haltung LGBTQ+-Menschen gegenüber.

LG, Micha
Ehrlich gesagt sind mir die  LGBTQ+ Menschen egal. Kann jeder leben wie er will. Das ist eine Toleranz.
Ich rechne mich nicht zur  LGBTQ+ Gemeinde dazu. Ich will nur als Mann Rock tragen.Mir gehts nur um die Erweiterung der Kleidungsmöglichkeiten.

Mit diesem politisch hoch aufgeladenen  LGBTQ+ Thema will ich eigentlich nichts zu tun haben, weil es dann automatisch heißt, dann bist du doch automatisch politisch für dies und jenes, während ich doch eigentlich anderer Meinung bin.

Vielleicht ist es in Großstädten in denen die Masse sehr gut verdient und die politischen Einstellungen sich etwas anderes gestalten, als in Gegenden wo die Menschen ständig strampeln müssen, um den Kopf über Wasser zu halten, einfach leichter sich zu der  LGBTQ+ Gemeinde zu bekennen.

Ich hab mich früher eigentlich kaum mit politischen Themen beschäftigt. Ich mag mich nicht zu der einenn oder anderenSeite bekennen. Ich will einfach in Frieden ein gutes Leben leben.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 17.05.2026 17:20
Lieber Zwurg,

ich frage aber mal zurück:

Meinst Du, in Frieden leben zu können, wenn die Rahmenbedingungen das nicht zulassen?
Und wer meinst Du, ist für die Schaffung und Pflege von Rahmenbedingungen, die ein friedliches Leben ermöglichen, zuständig?

Und, auch wenn ich nicht glaube, dass Du das so meinst: Kannst Du wirklich in Frieden leben - also auch in einem inneren Frieden - wenn eine Gruppe in der Gesellschaft, der Du nicht angehörst, nicht in Frieden leben kann? Auch wenn wir derzeit zum Glück nicht solche Zustände haben, denke ich an eine schlimme Zeit zurück, in der viele Gruppen der Gesellschaft verfolgt und ermordet wurden, während viele Menschen wegschauten, weil sie in Frieden leben wollten, und dieses Wegschauen für unpolitisch hielten.

Aber ja, Toleranz kann auch Gleichgültigkeit bedeuten. Toleranz ist die Duldung von Menschen oder von Zuständen, die man eigentlich nicht mag. Was man mag, braucht man nicht zu dulden. Was man nicht mag, erduldet man notgedrungen. Sollte es aber verschwinden - also auch: sollten die tolerierten Menschen verschwinden - trauert man ihm/ihnen nicht nach. Und evtl. toleriert man sie auch nur so lange, wie man muss, unterstützt aber auch Kräfte, die daran arbeiten, diese Menschen zu bekämpfen. Deswegen meine ich, dass Toleranz ein Anfang ist, der aber in Respekt und Akzeptanz übergehen muss, wenn man will, dass alle in Frieden miteinander leben können.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Zwurg am 17.05.2026 19:13
Lieber Zwurg,

ich frage aber mal zurück:

Meinst Du, in Frieden leben zu können, wenn die Rahmenbedingungen das nicht zulassen?
Und wer meinst Du, ist für die Schaffung und Pflege von Rahmenbedingungen, die ein friedliches Leben ermöglichen, zuständig?


Ich habe seit über 30 Jahren Homosexuelle in meinem Freundeskreis. Auch in den 90igern gab es keine Probleme.
Transsexuelle habe ich in den letzen 20 Jahren kennengelernt. Ich nehme die Menschen wie sie sind.
Früher wie heute haben sie s nicht unbedingt leicht, wenn sie sich outen.
Mit den Röcken am Mann ist es ähnlich. Ich fand es in den 2000ern einfacher, weil es da ein Thema für sich war.

Mit diesem LGBTQ+ und der Wokeness Themenkreis wird alles in einen Topf geworfen, zack, die Schublade öffnet sich und schon steckt man drin.
Ich finde diese Themen haben die Gesellschaft nicht geeint, sondern im Gegenteil,  die Gesellschaft wurde gespalten.
Und vermehrt reagieren viele Menschen extrem allegisch.
Ich mag mich nicht entscheiden. Ich kenne und mag Menschen von allen Seiten.
In meinem Fall gehts nur um Klamotten, um nichts anderes. Und anscheinend gibt es sehr wenig Mitstreiter in meinem/unserem Thema.
Ich würde Einigung und Freiheit lieber sehen, als ständige weitere Spaltungen und ideologische Grabenkämpfe.

Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Peter58Muc am 17.05.2026 19:29
Ich war heute mit Rock und heller Strumpfhose im KFC und habe einen Burger gegessen.
Es war auch eine größere Gruppe Türken anwesend und haben da gegessen.
Es gab weder eine Reaktion auf meine Gewandung von ihnen, auch sonst schien sich niemand dafür zu interessieren was ich anhabe.
Scheinbar ist man ab einem gewissen Alter unsichtbar für die Mitmenschen.

LG Peter
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 17.05.2026 22:45
Wer aber, lieber Zwurg,  schmeißt die verschiedenen Themen alle in einen Topf und hat ein Interesse daran, die zur Spaltung der Gesellschaft zu verwenden?

Wer z.B. verwendet Begriffe wie "LGBTQ" und "Wokeness" in einem Atemzug? Und "Klimawahnsinn" und "Genderwahnsinn" usw. usf.?

Wer sorgt dann dafür, dass viel Menschen geradezu allergisch auf diese Themen reagieren?

LG, Micha
 
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: JoHa am 17.05.2026 22:57
Die Verquickung dieser Themen und Begriffe hat Methode, weil sie wirkt.
Leider wirkt sie unter anderem auch deshalb, weil jeder Drecksack, der diese wichtigen Bereiche mit seinen Auswürfen besudelt, sofort von den betroffenen Kreisen wie von einem Bienenschwarm angegriffen wird.
Ich wünsche mir eine sachlichere, entspanntere Klärung der Konflikte.
Klärung, nicht Zuspitzung.
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 18.05.2026 00:25
Da hilft vielleicht ein Rat eines buddhistischen Freundes. Ein anderer hatte erzählt, wie er den Kontakt zu seinem Vater abgebrochen habe, weil diese ihn mir AfD-Parolen zugetextet habe und er, der Sohn, das nicht mehr ausgehalten habe. Der andere meinte, er habe umgekehrt früher jeden totdiskutiert, der mit solchen Parolen gekommen sei, das habe er gut gekonnt. Aber seit de den Buddhismus kennengelernt habe, sei er dazu gekommen, den Menschen mit Mitgefühl zu begegnen. Jeder habe seine Geschichte und Gründe, die ihn zu seiner Einstellung gebracht haben. Er sei nun dazu gekommen, den Menschen einfach und offen zuzuhören, ohne "sich das seine zu denken" und ohne den Menschen ändern zu wollen. Und im Ergebnis hätten sich schon einige mehr geändert, als vorher, als er sie mit guten Argumenten zu überzeugen versucht habe. Es tue den Menschen gut, wenn ihnen jemand zuhöre. Dann seien sie auch offen für Selbstkritik. Die dürfe man ihnen aber eben nicht nahelegen.

Sehr komplex, ich weiß.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: ChrisBB am 19.05.2026 22:55
Micha,

so komplex ist das gar nicht. Es gibt sehr viele, die nie oder zumindest zu selten das Gefühl erleben, dass ihnen zugehört wird. Wir sehen das in der Männerarbeit regelmäßig und bieten dort genau das an.

Gruß,
ChrisBB
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 20.05.2026 00:16
Ja, lieber Chris, in "Momo" geht es ja auch darum, dass die, die einem zuhören, manchmal von selbst darauf kommen, wie sie ihr Problem lösen können. Komplex finde ich es trotzdem. Wichtig ist ja auch, dass die, denen man zuhört, sich in ihren Meinungen, die man nicht teilt, nicht durch einen gestärkt fühlen, nur weil man zuhört.

LG, Micha
Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: Mann im Rock am 14.06.2026 16:42
Ich schreibe eigentlich nur ganz selten noch, und auch dann nur, wenn mir gerade danach ist.

Also ich hätte gerne Reaktionen wie:
"Ja, genau, Männer haben das selbe Recht, Röcke zu tragen, wie Frauen, Hosen zu tragen!"
Oder:
"Ja, das ist ein Fortschritt der Gleichberechtigung, dass alle Menschen, gleich welchen Geschlechts, tragen dürfen, was sie wollen. Und dafür trittst Du ein. Klasse!"

Ich kenne solche Reaktionen, aber sie sind nicht so häufig, wie ich sie mir wünsche.

Schon mal einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann geschickt? Nee echt, im Ernst. Wer wünscht sich nicht gern mal ein Kompliment, egal weshalb, egal welches Alter, egal welches Geschlecht.  Komplimente im Alltag gibt es viel zu wenig. Warum? Wir werden angeblich zu "kritischen" Menschen erzogen. Wir werden erzogen, um zu mäkeln, zu meckern, aber nicht um uns an Wunder der Welt zu erfreuen, um uns neugierig und unbefangen auf Neues und Unbekanntes einzulassen. Das ist schon mal ein wesentliches gesellschaftliches Problem.

Ich für meinen Teil ziehe Röcke in der Öffentlichkeit an. Es geht morgens nur darum, welchen Rock ich trage. Ferner gibt es Phasen, da trage ich Damenleggins, am liebsten mit Camouflage. Das liegt einerseits daran, dass ich fast täglich Sport draußen treibe, joggen, radfahren, tretrollern oder auch nur Power Walking. Da ziehe ich nur manchmal einen Rock vor. Und auch nach getätigtem Sport greife ich dann oft zur Leggins.

Alles in allem frage ich mich, warum ganz bestimmte Geschlechtsorgane notwendig sein sollten, um einen Rock tragen zu dürfen. Eine plausible Erklärung dafür hat mir noch niemand liefern können. Diejenigen, die einen Rock am Mann verurteilen, gehören offenbar derselben Fraktion an, die an Frauen keine Hosen sehen wollten, die Frauen in die Küche und an den Herd verbannen, die behauptet haben, Frauen könnten nicht Auto fahren usw. usw. All diese Frauen, die sich über diesen ganzen Mist hinweg gesetzt haben, hätten sich sicherlich auch bestärkt gefühlt, wenn sie öfter mal Komplimente bekommen hätten. Ich bin sicher, dass nur ein kleiner Teil tatsächlich von Komplimenten beglückt wurde.

Immer wieder finde ich es absurd, dass Frauen, nachdem sie Hosen tragen durften, inzwischen eine wesentlich größere Palette an unterschiedlichen Arten von Hosen haben als Männer. Ich finde es absurd, dass Frauen ihre Haare kurz oder lang tragen dürfen, wie es ihnen gefällt. Dass aber für Männer immer noch Kurzhaarfrisuren Standard sind. Betrachtet man mal Aufnahmen von Gruppen hochrangiger Politiker, so kommen Farbkleckse immer nur von Frauen. Die Männer wirken so, als wären sie in einer Fabrik vom Fließband gelaufen, alles einheitlich, halt Null-Acht-Fuffzehn.

Alles in allem ist es schon ein Gewinn, wenn man als Mann Rock oder Kleid in der Öffentlichkeit trägt, ohne dass man irgendwelche Reaktionen von Mitmenschen wahrnimmt, weil es keine gibt. Das ist ja schon irgendwo eine tolerante Reaktion. Und mehr kann ich nicht unbedingt erwarten. Erwarte ich dennoch mehr, wie positive Reaktionen, kann dies andersherum wieder in Frust umschlagen, wenn sich explizite positive Bemerkungen nicht einstellen wollen. Oder auch in Kampfeslust, anderen mitteilen zu wollen, dass auch Männer Röcke tragen können. Ich hab aber keinen Bock mehr drauf, zu kämpfen, irgendwen zu überzeugen. Es reicht mir einfach schon, wenn ich zufrieden und im Einklang mit mir selbst sein kann.

Schöne Grüße
Matthias

Titel: Antw:Tolerante Reaktionen
Beitrag von: MAS am 14.06.2026 16:53
Das mit den Politikern erlebte ich neulich - wie anderswo schon erzählt - indem ich meinte, der Politiker im Fernsehen, könnte doch auch mal Gelb tragen, so wie die Reporterin, die ihn gerade interviewte. Da regte sich mein Freund furchtbar auf, dann würden sie Leute ihm nicht mehr zuhören, sondern sich nur über seine Kleidung unterhalten, und er sähe dann ja auch aus wie ein Clown. Als ich fragte, warum Männer und Frauen hier so unterschiedlich beurteilt würden, meinte er, das sei jetzt doch gar nicht das Thema, sondern es gehe um die Abstimmung über einen Parteivorsitz. Und als ich meinte, dass es nur dann kein Thema wäre, wenn er, ohne dass sich Menschen dadurch abgelenkt fühlen würden, auch Gelb tragen könnte, wollte mein Freund davon gar nichts wissen und verneinte meine Logik und hielt sie für Unsinn. Dabei war ein Parteigenosse des gemeinten Politikers damals bekannt dafür, dass er immer gelbe Pullover trug. Da ließ sich doch auch niemand von ablenken. Er gilt immer noch als sehr beliebter Politiker, nicht nur unter den Wähler:innen seiner Partei.

Da schreibe ich eben auf meinen Wunschzettel, dass Politiker genau wie Politikerinnen tragen dürfen, was sie wollen, ohne dass das dann ein Aufregerthema wird.

LG, Micha