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Andere interessante Themen => Zeitgeschehen => Thema gestartet von: MAS am 17.06.2026 09:45
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Gude zusammen!
Im "sooo-cool"-Thread sind wir auf vegetarische Fleischprodukte gekommen. Da fällt mir ein, dass ich neulich Plakate gesehen habe, auf denen zu lesen ist: "Iss was Dir schmeckt." Dazu gibt es auch eine Website: https://iss-was-dir-schmeckt.de/ (https://iss-was-dir-schmeckt.de/)
Nachdem ich herausgefunden habe, wer dahinter steckt, habe ich den Betreibern diese E-Mail geschickt:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
ich wurde neulich durch Plakate auf Ihre Website https://iss-was-dir-schmeckt.de/ aufmerksam gemacht und wollte wissen, von wem diese Seite stammt. Mein Verdacht wurde bestätigt: von der Fleischindustrie.
Ich erinnere mich an einen Besuch in einem Restaurant in der Pfalz, bei welchem ich mir das einzige Gericht aussuchte, bei dem auf der Speisekarte kein Fleisch erwähnt wurde. Es war ein Auflauf, der gut schmeckte, aber, obwohl nicht erwähnt, auch Speck enthielt. Ich beschwerte mich beim Kellner. Als der traurig guckte, meinte ich: „Aber geschmeckt hat es“, worauf sich sein Gesicht aufhellte und er meinte: „Das ist die Hauptsach!“
Ja, wenn man sämtliche andere Begründungen, nach denen man sich aussucht, was man isst, also gesundheitliche, ernährungswissenschaftliche, religiöse, ethische u.a. Gründe beiseiteschiebt, bleibt der Geschmack oder generell der Genuss als einzige Begründung übrig. Das nennt man dann Hedonismus.
Ich bin ja von klein auf als Fleischesser erzogen und erst als Erwachsener dazu gekommen, meinen Fleischkonsum drastisch zu reduzieren, aber eben nicht aus geschmacklichen Gründen. Würde mir Fleisch gar nicht schmecken – ich kenne Leute, bei denen das so ist – würde ich der Aufforderung zu essen, was mir schmeckt, in vielen deutschen Restaurants gar nicht nachkommen können, weil es einfach viel zu wenig fleischlose Hauptgerichte gibt. Insofern müsste Ihre Website sich also stark dafür machen, dass der Anteil fleischloser Hauptgerichte in Restaurants steigt, damit auch jeder findet, was ihm schmeckt. Dem ist aber nicht so. Denn eigentlich dient ihre Website ja der Fleischwerbung gegen die Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, lieber kein Fleisch essen. Die Anzahl der Vegetarier (inkl. Veganer) wächst ja allmählich oder eben derjenigen wie ich, die wenig Fleisch essen und dann am liebsten Wild, Bio-Fleisch und Fisch. Aber auch davon nur wenig, den Tieren, der Artenvielfalt, dem biologischen Gleichgewicht und der Gesundheit zu Liebe, also nicht aus geschmacklichen Gründen.
Eigentlich sollte Ihre Website heißen: iss-womit-wir-Geld-verdienen.de Und Sie verdienen Ihr Geld mit Fleischverkauf. Das wäre jedenfalls ehrlicher.
Mit freundlichen Grüßen,
Michael A. Schmiedel"
Ich bin mal gespannt, ob ich eine Antwort bekomme. Und wenn ja, welche.
LG, Micha
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Nun, eine höchst investigative Feststellung, die Du der Fleischindustrie mitteilst!
Schau Dir die Werbung an, die Reiseziele bewirbt:
Fahr da hin, wo wir Geld verdienen.
Fliege mit X, weil wir Geld verdienen.
Also ganz uneigennützige Werbung gibt es höchst selten.
Selbst 'Brot für die Welt' verdient mit ihren karitativen Spendenaufrufen Geld. Wäre das nicht der Fall, wäre 'Brot für die Welt' eine rein ehrenamtliche Organisation.
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Das ist richtig, lieber Wolfgang,
Diese Website erscheint vordergründig aber nicht als Werbung, sondern als eine Art Friedensseite, die die Nichtfleischesser:nnen dazu bringen will, das Fleischessen nicht zu kritisieren, sondern tolerant zu sein. Denn über Geschmack solle man ja nicht streiten.
Und um das zu erreichen, stellt sie den Geschmack als alleiniges Kriterium der Nahrungswahl hin und verneint andere Motivationen. Konsequent zu Ede gedacht, dürfte man dann auch Menschenfleisch essen oder Fleisch von bedrohten Tierarten, solange es einem schmeckt.
Zugleich werden Fleischessende als besser dargestellt, z.B. wenn von einem "selbstbewussten Bekenntnis zur Generation Steak" einer Tochter gegenüber der sich vegetarisch ernährenden Mutter gesprochen wird.
Die Seite tut also so, als sei der soziale Frieden ihr Hauptanliegen, aber in Wahrheit geht es um Werbung für Fleischkonsum und eine Minderbewertung von Motivationen, die nicht am Geschmack orientiert sind.
LG, Micha
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Natürlich versucht gute Werbung, Emotionen zu wecken...
Übrigens, ich hatte die Modebranche vergessen.
Deren Werbung will doch auch vermitteln:
"Zieh an, was ich verkaufe!"
Ich habe bewusst überall, wo es geht, die personalisierte Werbung zugelassen. Ich klicke am liebsten Modeanzeigen an. Vor allem, wenn ich einen interessant aussehenden Rock oder ein solches Kleid angezeigt bekomme, dann schaue ich mir das gerne mal ein bisschen näher an. Vielleicht gehe ich dann sogar auch mal gezielt in den betreffenden Laden und schaue es mir mal in natura, vielleicht sogar an mir dran an.
Mit personalisierter Werbung kriege ich eben überwiegend Werbung angezeigt, die Sachen mir zeigt, die mich interessieren. Und wenn mal kein Rock oder Kleid mir angezeigt wird, sondern ggf. Damenunterwäsche oder -bademode, was mich zum Kauf eigentlich nicht die Bohne interessiert, so schau ich mir eben die Menschen an, die darin stecken. Das finde ich ebenfalls einen reizenden Gewinn. Drum lasse ich personalisierte Werbung bewusst zu. Die merkt sich, was ich gerne sehe. :)
Übrigens begegnete mir im Bereich Bekleidung auch folgende Plakat-Botschaft:
"Sei wer Du bist!" (grammatikalisch müsste da ja noch ein Komma rein, theoretisch)
Freilich geht es da auch um das Bekleidungsangebot des betreffenden Karnevals- und Partyausstatters.