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Rund um den Rock / Antw:Vorsorge beim Arzt im Rock , Strumpfhose und Höschen
« Letzter Beitrag von MAS am Gestern um 08:50 »Guten Morgen, lieber Wolfgang und alle anderen!
Es ist ja so, dass ich manchmal auch ironisch schreibe. Deswegen hier der Zusatz, dass das nicht ironisch ist.
"Ambiguitätstoleranz" kam mir zuerst bei Thomas Bauer vor die Augen: https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Bauer_(Arabist) In einem kleinen Reclambändchen namens "Die Vereindeutigung der Welt" bedauert Bauer, dass unsere Kultur immer mehr an Vielfalt verliert, dass im Zuge industrieller Massenproduktion alles immer einheitlicher wird usw. Er geht dabei auch auf das Artensterben ein. Und er meint, wir sollten es wieder lernen, mit Widersprüchen und Mehrdeutigkeit umzugehen. Das eben nennt er Ambiguitätstoleranz. In dem Buch "Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islam" zeigt er, wie die klassischer islamische Theologie und überhaupt überhaupt die islamische Kultur viel vielseitiger war als heute. Theologen sprachen Koranversen mindestens sieben verschiedene Bedeutungen zu. Homosexualität wurde in islamischen Gesellschaften geduldet bis offen ausgelebt. Der Islamismus - wie auch Nationalsozialismus oder Faschismus, wobei das Theodor Adorno wohl schon herausgearbeitet hat - sei eine Folge der Aufklärung, die immer mehr nach eindeutigen und einheitlichen Wahrheitsverständnissen strebe und die islamische Welt auch erfasst habe.
Und wenn ich das auf unsere heutige Gesellschaft übertrage sehe ich genau das: Menschen wollen Eindeutigkeit. Aber sie glauben an verschiedene Eindeutigkeiten. Und deshalb verstehen sie einander schlecht oder nicht. Und wollen nur noch in ihrer eigenen Blase leben.
Natürlich kann man auch das Wort "Ambiguitätstoleranz" unterschiedlich verstehen. Das merkte ich neulich im Gespräch mit Kolleg:innen. So wie ich es verstehe ist Ambiguität Mehrdeutigkeit im positiven Sinne, also so, dass die unterschiedlichen Deutungen einander nicht widersprechen, sondern ergänzen. Das im Gegensatz zur Amivalenz. Da schließen sich die unterschiedlichen Deutungen einander aus.
Das war jetzt aber vielleicht auch wieder zu wissenschaftlich? Didaktische Reduktion - also das Widergeben von komplexen Sachverhalten in leicht verständlicher Form - ist nicht so leicht. Unsere Studierende lernen das, weil sie auf Grundschullehramt studieren. Mir wird indes in wissenschaftlichen Kreisen schon mal gesagt, meine Sprache bzw. Schreibweise sie leicht verständlich. Manchem zu leicht.
Ich schreibe meistens so, wie es mir am eingänglichsten ist. Ich bin aber nicht böse, wenn mir jemand sagt, er habe es nicht verstanden. Dann versuche ich es anders zu erklären. (Es gibt auch Leute, die würden nie zugeben, etwas nicht verstanden zu haben, sondern schieben die Schuld alleine dem zu, den sie nicht verstanden haben. Ein solcher hat uns gestern verlassen.)
So, ich mache jetzt mal Yoga und Tee.
LG, Micha
Es ist ja so, dass ich manchmal auch ironisch schreibe. Deswegen hier der Zusatz, dass das nicht ironisch ist.
"Ambiguitätstoleranz" kam mir zuerst bei Thomas Bauer vor die Augen: https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Bauer_(Arabist) In einem kleinen Reclambändchen namens "Die Vereindeutigung der Welt" bedauert Bauer, dass unsere Kultur immer mehr an Vielfalt verliert, dass im Zuge industrieller Massenproduktion alles immer einheitlicher wird usw. Er geht dabei auch auf das Artensterben ein. Und er meint, wir sollten es wieder lernen, mit Widersprüchen und Mehrdeutigkeit umzugehen. Das eben nennt er Ambiguitätstoleranz. In dem Buch "Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islam" zeigt er, wie die klassischer islamische Theologie und überhaupt überhaupt die islamische Kultur viel vielseitiger war als heute. Theologen sprachen Koranversen mindestens sieben verschiedene Bedeutungen zu. Homosexualität wurde in islamischen Gesellschaften geduldet bis offen ausgelebt. Der Islamismus - wie auch Nationalsozialismus oder Faschismus, wobei das Theodor Adorno wohl schon herausgearbeitet hat - sei eine Folge der Aufklärung, die immer mehr nach eindeutigen und einheitlichen Wahrheitsverständnissen strebe und die islamische Welt auch erfasst habe.
Und wenn ich das auf unsere heutige Gesellschaft übertrage sehe ich genau das: Menschen wollen Eindeutigkeit. Aber sie glauben an verschiedene Eindeutigkeiten. Und deshalb verstehen sie einander schlecht oder nicht. Und wollen nur noch in ihrer eigenen Blase leben.
Natürlich kann man auch das Wort "Ambiguitätstoleranz" unterschiedlich verstehen. Das merkte ich neulich im Gespräch mit Kolleg:innen. So wie ich es verstehe ist Ambiguität Mehrdeutigkeit im positiven Sinne, also so, dass die unterschiedlichen Deutungen einander nicht widersprechen, sondern ergänzen. Das im Gegensatz zur Amivalenz. Da schließen sich die unterschiedlichen Deutungen einander aus.
Das war jetzt aber vielleicht auch wieder zu wissenschaftlich? Didaktische Reduktion - also das Widergeben von komplexen Sachverhalten in leicht verständlicher Form - ist nicht so leicht. Unsere Studierende lernen das, weil sie auf Grundschullehramt studieren. Mir wird indes in wissenschaftlichen Kreisen schon mal gesagt, meine Sprache bzw. Schreibweise sie leicht verständlich. Manchem zu leicht.
Ich schreibe meistens so, wie es mir am eingänglichsten ist. Ich bin aber nicht böse, wenn mir jemand sagt, er habe es nicht verstanden. Dann versuche ich es anders zu erklären. (Es gibt auch Leute, die würden nie zugeben, etwas nicht verstanden zu haben, sondern schieben die Schuld alleine dem zu, den sie nicht verstanden haben. Ein solcher hat uns gestern verlassen.)
So, ich mache jetzt mal Yoga und Tee.
LG, Micha

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