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« Letzter Beitrag von MAS am Gestern um 20:30 »
Lieber Wolfgang,
ich wollte gar nicht kritisieren, dass Du monokausal argumentierst, sondern nur darauf hinweisen, dass es nicht genügen würde, wenn wir es täten. Einen Strang zu verfolgen und andere vorübergehend beiseite zu lassen, ist selbst noch nicht monokausal. Das wäre es erst, wenn wir meinten, mit einer Begründung alles erfasst und erklärt zu haben, was zu erfassen und zu erklären ist.
Was die Augenhöhe angeht (wobei ich lieber von gleicher Augenhöhe rede, denn Augenhöhen verschieden großer Personen sind sehr ungleich), so meine ich schon, dass es einen Unterschied macht, ob ich auf internationaler Ebene mit Vertreter:innen eines anderen demokratischen Landes rede oder mit Vetreter:innen einer Diktatur. Bei aller Unvollkommenheit unserer Demokratie, so gilt es hier doch, Standards zu verteidigen, wie z.B., dass wir in Deutschland und in der EU keine Straflager für politische Gegner haben, dass wir keine Genozide durchführen, dass wir die Würde des Menschen hochachten und die Verantwortung für den Planeten als wichtige Agenda haben. Das könnte alles noch besser sein. Da einfach ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe zu führen mit Vertreter:innen von Staaten, in denen diese Standards nicht gelten, ist schwierig. Man muss auch unterscheiden zwischen unterschiedlichen kulturellen Mentalitäten und grundsätzlich unterschiedlichen politischen Systemen. Kulturell mental unterschiedlich zu uns ist z.B. Taiwan und ist Japan, aber die VRC bildet zudem ein grundverschiedenes politisches System. Kulturell mental unterschiedlich zu Westeuropa ist auch die Ukraine, aber die Russische Föderation ist zudem ein grundverschiedenes politisches System. Auch die USA sind kulturell mental unterschiedlich zur EU, aber bilden (noch) ein ähnliches politisches System, das aber gerade droht, zu kippen. Auch in der EU gibt es Staaten, die gerade in Gefahr laufen, ins Undemokratische zu kippen wie Tschechien aktuell. Und das obwohl die kulturelle Mentalität nicht so sehr anders ist als die anderer EU-Staaten.
Aber es ist nichts fest, sondern alles im Fluss.
Du hast recht damit, dass wir mit der Mentalität des Gegeneinander von Familien, Firmen, Staaten und damit auch der Feindschaft gegenüber Menschen, die für die Selbsterhaltung der jeweiligen Gruppe unnütz oder gar schädlich zu sein scheinen, noch eine Weile leben müssen. Dir von mir angesprochene universalreligiöse Ethik hat sich auch nach 2000 und mehr Jahren noch nicht überall durchgesetzt, auch nicht in den Kulturen, in denen die betreffenden Religionen kulturprägend sind. Das Kleingruppendenken hat sich ja auch in Jahrhunderttausenden vorher gebildet und in Teilen auch bewährt, da kommen neue ethische Konzepte nicht so gut gegen an.
Ich habe aber Hoffnung, dass diese Konzepte weiter reifen und immer mehr Menschen überzeugen werden. Erfindungen wie die UNO und die EU weisen in die richtige Richtung. Sie stehen für Menschenrechte und für Mitweltverantwortung. Auch sie sind nicht fehlerfrei. Wären sie das, wären sie nicht menschlich.
Und da wir davon ausgehen müssen, dass es immer wieder Angriffe auf die UNO und die EU und ähnliche Entwicklungen geben wird - wirtschaftliche, militärische, politische, auch von innen - müssen wir auch verteidigungsbereit und -fähig sein. Wir kommen im Inneren ja leider auch nicht ohne Polizei aus. Allerdings sollten wir auch aufhören, auf wirtschaftlicher Ebene andere Weltgegenden und die Menschen dort auszubeuten, indem wir sie unterbezahlen und sonst wie übervorteilen. Solches wirtschaftliches Handeln unterminiert die ethische Glaubwürdigkeit der EU. Und sie bewirkt - bitte auch nicht monokausal verstehen - dass viele Menschen ihr Glück darin versuchen, aus armen und instabilen Ländern in den friedlichen und reichen EU-Bereich einzuwandern. Ginge es ihnen zu Hause gut kämen sie nicht auf diese Idee.
Frieden hat so viele Facetten. Wir sollten uns vor allem den armen Ländern gegenüber friedlich verhalten und ihnen helfen, sich gegen eine Bevormundung durch Länder wir die VRC zu behaupten. Oder gegen jedes Land mit einer Regierung, die eine My-country-first-Politik praktiziert. Statt dessen sollte es heißen "Our planet first" und "Humanity first".
Und dann haben auch Homosexuelle und Transgender ihren respektierten Platz in der Gesellschaft. Und wir Freund:innen der Kleidungsfreiheit auch, ganz unabhängig von unserer sexuellen Orientierung und Genderidentität.
LG, Micha