11
Erfahrungsberichte / Antw:Phishing for Kompliments
« Letzter Beitrag von Skirtedman am Heute um 14:41 »Hatte ich eigentlich hier im Thread schon einmal Negativbeispiele?
Dann könnte es jetzt eine Premiere werden.
Denn ich ging über die Straße. Ordnungsgemäß. Geregelt durch die grüne Fußgängerampel an einer Kreuzung in einem Wohngebiet.
Da fuhr ein weißes kantiges Auto an die korrespondierende rote Ampel von der Seite heran. Von weitem war schon ziemlich viel Bass und Krach zu hören gewesen, was ich bei bestem Willen nicht als Musik hätte auffassen können. Das Auto bremst ordnungsgemäß ab, kommt zum Stillstand, während ich vor dessenMattscheibe Windschutzscheibe im sonnigen Gegenlicht vorbeilaufe.
Wie mein erster Fuß das rettende Ufer erreichte (naja, es war ja keine Gefahr in Verzug), ertönt aus einem von Beifahrerseite herausgelehnten weißen T-Shirt mit schwarzen Haaren und irgendwas so von um vielleicht 20-jährigem Inhalt eine junge rufende Männerstimme: "Entschuldigung! Wo haben Sie dieses Kleid gekauft?"
Meine erste Schrecksekunde zur Erfassung der Situation beschäftigte sich noch mit dem Antrag der Penibel-Fraktion meines Hirns, klarzustellen, dass das ein Oberteil und ein Rock ist - und kein Kleid. Die Opposition in meinem Hirn obsiegte mit der Begründung, dass das gerade nicht so wichtig wäre. Schon mischten sich Stimmen in die Hirndebatte ein, die besagten, die Herkunft der beiden Teile nicht an die große Glocke zu hängen, da signalisierte mein Kehlkopf bereits mit einem langgezogenen "Äääääh" und typischer Denker-Handgeste an den Kopf, dass die Pressestelle meines Hirns noch an der geeigneten Formulierung der offiziellen Verlautbarung feilte.
"Das habe ich irgendwann mal irgendwo gekauft!", war dann das Ergebnis der inneren parlamentarischen Debatten. Weitere Stimmen im Hirn deuteten an, dass die höchst detaillierte Beantwortung der Anfrage ohnehin keine Relevanz in dieser Situation gehabt hätte. Denn das ariel-weiße T-Shirt suchte ohne echtes sachliches Interesse nur nach einem Vorwand, um mit mir in Kontakt treten zu können, was sich dann sogleich auch erwies. Erstes Gebot der Sekunde war eben, möglichst viele potenziell im Spiel befindliche Vorurteile nach bestem Vermögen verhindern zu bestätigen, also in Wortwahl, Stimmhöhe, Duktus und Gestik möglichst authentisch und eben authentisch männlich und in sich ruhend rüberzukommen.
Eine hohe Bandbreite mit deutlicher Tendenz zu einer Seite gab es nun, was an Reaktion zu erwarten war. Aus zahllosen Erinnerungen z.B. der 90er-Jahre oder auch noch danach ließen nun Beschimpfungen, räudiges Gelächter, hochaggressives Hupen erwarten. Die Reaktion des weißen T-Shirts und dessen Inhalt war: "Jedenfalls, das Kleid steht Ihnen super!"
Musik. Übliche Lautstärke wie zuvor. Mir war beim Anfahren des Autos gar nicht aufgefallen, dass die Musik verstummte. Der Beifahrer hatte also die Aktion geplant, mit mir in Kommunikation zu treten, Musik leise gedreht, kommuniziert, Musik wieder aufgedreht. Naja, Krach. Musik ist zu schmeichelnd. War irgendeine Form von sehr desaströsem Deutsch-Hip-Hop, wie mir nun auffiel. Die Rotphase für das kantige weiße Auto mit vermutlich mindestens zwei gleichaltrigen ähnlich aussehenden jungen Männern, vermutlich szenetypisch schwarz-weiß-schwarz (von oben nach unten betrachtet), jedenfalls die Rotphase dauerte noch ein paar Sekunden an. Dann verflüchtigte sich in den folgenden 30 Sekunden das bassgeladene Kraftgebrüll samt Boxen und Auto.
Kann man nun davon halten, was man will, von "Jedenfalls, das Kleid steht Ihnen super!"
Ich jedenfalls fand sie sehr interessant, diese kleine Begegnung am Straßenrand.
"Kleid" (zwei Teile, es hätte das exakt matchende Oberteil zum Rock auch noch gegeben, war mir aber unter den Achseln zu eng.)
Beitrag zum "Kleid": da.
Dann könnte es jetzt eine Premiere werden.
Denn ich ging über die Straße. Ordnungsgemäß. Geregelt durch die grüne Fußgängerampel an einer Kreuzung in einem Wohngebiet.
Da fuhr ein weißes kantiges Auto an die korrespondierende rote Ampel von der Seite heran. Von weitem war schon ziemlich viel Bass und Krach zu hören gewesen, was ich bei bestem Willen nicht als Musik hätte auffassen können. Das Auto bremst ordnungsgemäß ab, kommt zum Stillstand, während ich vor dessen
Wie mein erster Fuß das rettende Ufer erreichte (naja, es war ja keine Gefahr in Verzug), ertönt aus einem von Beifahrerseite herausgelehnten weißen T-Shirt mit schwarzen Haaren und irgendwas so von um vielleicht 20-jährigem Inhalt eine junge rufende Männerstimme: "Entschuldigung! Wo haben Sie dieses Kleid gekauft?"
Meine erste Schrecksekunde zur Erfassung der Situation beschäftigte sich noch mit dem Antrag der Penibel-Fraktion meines Hirns, klarzustellen, dass das ein Oberteil und ein Rock ist - und kein Kleid. Die Opposition in meinem Hirn obsiegte mit der Begründung, dass das gerade nicht so wichtig wäre. Schon mischten sich Stimmen in die Hirndebatte ein, die besagten, die Herkunft der beiden Teile nicht an die große Glocke zu hängen, da signalisierte mein Kehlkopf bereits mit einem langgezogenen "Äääääh" und typischer Denker-Handgeste an den Kopf, dass die Pressestelle meines Hirns noch an der geeigneten Formulierung der offiziellen Verlautbarung feilte.
"Das habe ich irgendwann mal irgendwo gekauft!", war dann das Ergebnis der inneren parlamentarischen Debatten. Weitere Stimmen im Hirn deuteten an, dass die höchst detaillierte Beantwortung der Anfrage ohnehin keine Relevanz in dieser Situation gehabt hätte. Denn das ariel-weiße T-Shirt suchte ohne echtes sachliches Interesse nur nach einem Vorwand, um mit mir in Kontakt treten zu können, was sich dann sogleich auch erwies. Erstes Gebot der Sekunde war eben, möglichst viele potenziell im Spiel befindliche Vorurteile nach bestem Vermögen verhindern zu bestätigen, also in Wortwahl, Stimmhöhe, Duktus und Gestik möglichst authentisch und eben authentisch männlich und in sich ruhend rüberzukommen.
Eine hohe Bandbreite mit deutlicher Tendenz zu einer Seite gab es nun, was an Reaktion zu erwarten war. Aus zahllosen Erinnerungen z.B. der 90er-Jahre oder auch noch danach ließen nun Beschimpfungen, räudiges Gelächter, hochaggressives Hupen erwarten. Die Reaktion des weißen T-Shirts und dessen Inhalt war: "Jedenfalls, das Kleid steht Ihnen super!"
Musik. Übliche Lautstärke wie zuvor. Mir war beim Anfahren des Autos gar nicht aufgefallen, dass die Musik verstummte. Der Beifahrer hatte also die Aktion geplant, mit mir in Kommunikation zu treten, Musik leise gedreht, kommuniziert, Musik wieder aufgedreht. Naja, Krach. Musik ist zu schmeichelnd. War irgendeine Form von sehr desaströsem Deutsch-Hip-Hop, wie mir nun auffiel. Die Rotphase für das kantige weiße Auto mit vermutlich mindestens zwei gleichaltrigen ähnlich aussehenden jungen Männern, vermutlich szenetypisch schwarz-weiß-schwarz (von oben nach unten betrachtet), jedenfalls die Rotphase dauerte noch ein paar Sekunden an. Dann verflüchtigte sich in den folgenden 30 Sekunden das bassgeladene Kraftgebrüll samt Boxen und Auto.
Kann man nun davon halten, was man will, von "Jedenfalls, das Kleid steht Ihnen super!"
Ich jedenfalls fand sie sehr interessant, diese kleine Begegnung am Straßenrand.
"Kleid" (zwei Teile, es hätte das exakt matchende Oberteil zum Rock auch noch gegeben, war mir aber unter den Achseln zu eng.)
Beitrag zum "Kleid": da.

Neueste Beiträge