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Erfahrungsberichte / Antw:Tolerante Reaktionen
« Letzter Beitrag von Skirtedman am Gestern um 11:54 »Der eine Junge von neulich aus Deiner geschilderten Begegnung wird vermutlich das an seine Kinder, speziell seinen Sohn weitergeben, oder auch sonst seine ablehnende Grundhaltung an seine Umgebung weitergeben und andere Menschen damit beeinflussen, die dafür empfänglich sind.
So, wie ein anderer Junge, der Dir momentan aufgeschlossen gegenübersteht, ggf. mit seiner offenen Grundhaltung andere erreichen kann bishin zu seinen späteren Kindern (eventuell).
Ich kann nun schwer einschätzen, was Du in Deinem Zusammenhang mit "paar Jungs" meinst, also in welchem Alter die waren. Falls unter 12, dann hat er sich wirklich schwergetan mit Deiner für ihn überraschenden Erscheininungsweise. Falls aber älter - und je älter solche Jungs sind - desto eher wahrscheinlich ist es, dass dieses Dir-ganz-sichtlich-aus-dem-Weg-Gehen eher gespielt war, und entweder wirklich seine Engstirnigkeit zum Ausdruck bringt, oder aber er das eher spaßeshalber vor Dir und/oder vor seinen Kumpels so getan hat. Letzteres ist mir auch schon untergekommen. Jedenfalls übertrieben, überzeichnet.
Die genaue Absicht kann man dann bei einer flüchtigen Begegnung nicht genau erkennen, und wieviel Ernsthaftigkeit dieses Gebahrens dahintersteckt. Egal, wie ernsthaft das gemeint war, signalisiert es doch mehr als nur eine "Überraschung", sondern Dir - vermutlich noch mehr seinen Kumpels -, dass er mit dem, was er mit Dir verbindet, nichts zu tun haben will, eben im wahrsten Sinn des Wortes sich von Dir distanziert. Wenn man, dem das passiert, das in jedem Fall der Fälle nicht schafft, gütlich für sich wegzuschmunzeln, so hinterlässt das freilich ein demütigendes Gefühl. Und so muss das wohl auch sich angefühlt haben, wie man früher in Indien mit der Kaste der Unberührbaren umgegangen ist. Dass alleine der Schatten ausreichte, jemanden "zu beschmutzen".
Mir ist primär egal, ob mich jemand toleriert, akzeptiert oder voll und ganz hinter mir steht. Primär ist mir wichtig, dass ich mein Leben so führen kann, wie es sich für mich richtig anfühlt, ohne mir von anderen sagen zu lassen, was ich besser zu tun hätte. Somit habe ich mein primäres Ziel erreicht.
Freilich würde ich gerne als Botschafter fungieren, um noch mehr Männer in die Röcke zu bringen. Mit Hau-Ruck scheint das aber nicht zu funktionieren. Demgegenüber finde ich es schön, in einer Gemeinschaft mit ähnlichem Interesse - also hier im Forum -, durch meine Schilderungen, Gedanken und Bildern andere Mitinteressenten ein klein wenig zu bestärken, für sich auch an diesem Ziel zu zu streben, anzuziehen, was sie wollen.
Und mit jedem einzelnen von uns, der das Ziel verfolgt, steigt die Zahl derer, die in unserer Gesellschaft sichtbar sind, von diesem ewigen Hosengelübde der Männer Abstand zu nehmen. Das ist viel wichtiger, als jeden männlichen Passanten von unserer Idee überzeugen zu wollen. Denn wenn wir ein paar Alternativmänner sind, so steigt die Zahl derer, die mehr als nur uns einzelnem, sondern auch mal einem anderen von uns begegnen. Nur so kann ein allmähliches breiteres Umdenken in der Bevölkerung gelingen.
Ich weiß, Micha, neben meinem "primären Ziel", quasi einem egoistischen, dass ich ungestört meine Kleidung tragen kann,
empfinde ich auch eine gewisse Ungeduld, dass andere Männer bei mir auf der Straße in meiner Stadt nicht auch irgendwann mal auf die Idee kommen, sich ebenfalls für einen Rock zu entscheiden.
Gefühlt war die Hose für Frauen sehr viel schneller in der Gesellschaft angekommen. Und das Ärgernis, dass wir Männer damals nicht gleichgezogen haben, bleibt. Und das Ärgernis, dass wir Männer so viele Jahrzehnte noch immer nicht in die Puschen kommen, ebenfalls.
Andererseits kamen die ersten Frauen in Hosen so in den 1920er Jahren auf. Wenn man bedenkt, dass erst in den 1960ern in der breiten Gesellschaft die Hose für Frauen ihren Durchbruch feierte, so liegt da die Zeitspanne von 2 Generationen dazwischen. (Eine Generation damals mit 20 bis 25 Jahren gerechnet.) Man bedenke allerdings noch, dass zumindest in Deutschland und Umkreis ggf. ein Jahrzehnt an potentieller Entwicklung ausgefallen ist. Zwar wird zumindest in Deutschland der Mythos hochgehalten, dass das Ende des zweiten Weltkriegs ein maßgeblicher Treiber für die Frau in Hosen war (was in Teilen zwar stimmt), so war aber in den 50ern die Frau in Hosen noch eher verpönt. Also ziehen wir von der Zeitspanne '2 Generationen' noch ein Jahrzehnt 1000-jähriges Reich ab, so landen wir ungefähr bei 1,75 Generationen Zeitspanne, die die Hose an der Frau brauchte, sich zu etablieren.
Vielleicht ist das eine Zeitspanne, die wir auch für den Rock am Mann erwarten müssen.
Wann könnte man denn definieren, dass eine Art Männerrockbewegung entstanden ist?
Also, ich trage seit den 80ern Röcke öffentlich. Bin ich Maßstab? Nein. Ich war damals ein einzelner "Irrer" in den Augen der anderen. Ist ja auch nicht wegzudiskutieren, dass damals zwangsläufig auch noch 'Mann im Rock' unverrückbar mit 'ist schwul' assoziiert wurde. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass in den 80ern noch alleine der Verdacht, ein Mann könne homosexuell sein, ausreichte, um Amt- und Würdenträger zurücktreten zu lassen. Damals war kaum vorstellbar, dass heute, 45 Jahre später, schon homosexuelle Männer u.U. als Kanzlerschaftsanwärter gehandelt werden.
Darf man auch nicht vergessen, dass in den 80ern mit dem Ausbruch von AIDS, die schwule Szene exorbitant als gesellschaftlich aussätzig gebrandmarkt wurde. Auch dieses Ablehnungspotential musste der Rock am Mann erst einmal überwinden.
Insofern glaube ich, dass erst nach diesem AIDS-Schock ein Anfang einer 'Männerrockbewegung' eher wirklich im Bereich der Vernetzung per Internet zu suchen ist. Hinzu kam die PEACE-Bewegung der Technoszene, die anders als PEACE in den 80ern nun eher LOVE der 68er (aber mehr im platonischen Sinne) meinte: Party-, Spaß-, Wir-lieben-uns-alle-Gesellschaft, die auch im Bereich rund um Y2K, quasi als fin-du-siècle-Phänomen auf einmal den (Polyester-)Rock am Mann hervorbrachte. Leider nur eine ziemliche Eintagsfliege, aber das fiel in etwa zusammen, als sich weltweit in Foren u.ä. Männer mit Rockambitionen gefunden und vernetzt haben - und gemerkt haben - ich bin nicht der einzige.
Drum können wir vielleicht als den Beginn einer 'Männerrockbewegung' grob das Jahr 2000 festlegen - also rund 75 Jahre nach der Hose an der Frau. Nehmen wir nun die Zeitspanne von 1,75 Generationen, bis der Rock am Mann gesellschaftlich auf einer breiten Basis akzeptiert wird, so sind wir im Moment eben noch mitten im Prozess, den Rock am Mann zu etablieren.
Inzwischen liegt die Generationenabfolge bei 30 Jahren. So kommen wir auf etwa das Jahr 2050, bis der Rock am Mann sich im breiten gesellschaftlichen Konsens etabliert haben wird. Sofern der Rock für den Mann eine ähnliche Entwicklung nimmt wie die Hose für die Frau. Vielleicht geht es auch viel schneller, wenn auch so manche Unbillen der jüngsten Weltgeschichte da nicht primär dafür sprechen.
Aber letztlich liegt es an uns - wir hier im Forum - selbst, zur Akzeptanz / Etablierung mitzuwirken. Weil ohne uns wird 2050 Utopie bleiben. Und mit uns wollen die wenigstens hier mit Sicherheit bis 2050 warten. Ich sagte mir das in den 80ern auch, dass ich nicht warten möchte, bis irgendwelche anderen Menschen für mich den Rock etablieren. Ich habe für mich den Rock etabliert.
Und je mehr das von uns jeder für sich selbst tut, desto eher gelingt es uns auch irgendwann, dahergelaufene Männer oder Jungs davon zu begeistern.
So, wie ein anderer Junge, der Dir momentan aufgeschlossen gegenübersteht, ggf. mit seiner offenen Grundhaltung andere erreichen kann bishin zu seinen späteren Kindern (eventuell).
Ich kann nun schwer einschätzen, was Du in Deinem Zusammenhang mit "paar Jungs" meinst, also in welchem Alter die waren. Falls unter 12, dann hat er sich wirklich schwergetan mit Deiner für ihn überraschenden Erscheininungsweise. Falls aber älter - und je älter solche Jungs sind - desto eher wahrscheinlich ist es, dass dieses Dir-ganz-sichtlich-aus-dem-Weg-Gehen eher gespielt war, und entweder wirklich seine Engstirnigkeit zum Ausdruck bringt, oder aber er das eher spaßeshalber vor Dir und/oder vor seinen Kumpels so getan hat. Letzteres ist mir auch schon untergekommen. Jedenfalls übertrieben, überzeichnet.
Die genaue Absicht kann man dann bei einer flüchtigen Begegnung nicht genau erkennen, und wieviel Ernsthaftigkeit dieses Gebahrens dahintersteckt. Egal, wie ernsthaft das gemeint war, signalisiert es doch mehr als nur eine "Überraschung", sondern Dir - vermutlich noch mehr seinen Kumpels -, dass er mit dem, was er mit Dir verbindet, nichts zu tun haben will, eben im wahrsten Sinn des Wortes sich von Dir distanziert. Wenn man, dem das passiert, das in jedem Fall der Fälle nicht schafft, gütlich für sich wegzuschmunzeln, so hinterlässt das freilich ein demütigendes Gefühl. Und so muss das wohl auch sich angefühlt haben, wie man früher in Indien mit der Kaste der Unberührbaren umgegangen ist. Dass alleine der Schatten ausreichte, jemanden "zu beschmutzen".
Mir ist primär egal, ob mich jemand toleriert, akzeptiert oder voll und ganz hinter mir steht. Primär ist mir wichtig, dass ich mein Leben so führen kann, wie es sich für mich richtig anfühlt, ohne mir von anderen sagen zu lassen, was ich besser zu tun hätte. Somit habe ich mein primäres Ziel erreicht.
Freilich würde ich gerne als Botschafter fungieren, um noch mehr Männer in die Röcke zu bringen. Mit Hau-Ruck scheint das aber nicht zu funktionieren. Demgegenüber finde ich es schön, in einer Gemeinschaft mit ähnlichem Interesse - also hier im Forum -, durch meine Schilderungen, Gedanken und Bildern andere Mitinteressenten ein klein wenig zu bestärken, für sich auch an diesem Ziel zu zu streben, anzuziehen, was sie wollen.
Und mit jedem einzelnen von uns, der das Ziel verfolgt, steigt die Zahl derer, die in unserer Gesellschaft sichtbar sind, von diesem ewigen Hosengelübde der Männer Abstand zu nehmen. Das ist viel wichtiger, als jeden männlichen Passanten von unserer Idee überzeugen zu wollen. Denn wenn wir ein paar Alternativmänner sind, so steigt die Zahl derer, die mehr als nur uns einzelnem, sondern auch mal einem anderen von uns begegnen. Nur so kann ein allmähliches breiteres Umdenken in der Bevölkerung gelingen.
Ich weiß, Micha, neben meinem "primären Ziel", quasi einem egoistischen, dass ich ungestört meine Kleidung tragen kann,
empfinde ich auch eine gewisse Ungeduld, dass andere Männer bei mir auf der Straße in meiner Stadt nicht auch irgendwann mal auf die Idee kommen, sich ebenfalls für einen Rock zu entscheiden.
Gefühlt war die Hose für Frauen sehr viel schneller in der Gesellschaft angekommen. Und das Ärgernis, dass wir Männer damals nicht gleichgezogen haben, bleibt. Und das Ärgernis, dass wir Männer so viele Jahrzehnte noch immer nicht in die Puschen kommen, ebenfalls.
Andererseits kamen die ersten Frauen in Hosen so in den 1920er Jahren auf. Wenn man bedenkt, dass erst in den 1960ern in der breiten Gesellschaft die Hose für Frauen ihren Durchbruch feierte, so liegt da die Zeitspanne von 2 Generationen dazwischen. (Eine Generation damals mit 20 bis 25 Jahren gerechnet.) Man bedenke allerdings noch, dass zumindest in Deutschland und Umkreis ggf. ein Jahrzehnt an potentieller Entwicklung ausgefallen ist. Zwar wird zumindest in Deutschland der Mythos hochgehalten, dass das Ende des zweiten Weltkriegs ein maßgeblicher Treiber für die Frau in Hosen war (was in Teilen zwar stimmt), so war aber in den 50ern die Frau in Hosen noch eher verpönt. Also ziehen wir von der Zeitspanne '2 Generationen' noch ein Jahrzehnt 1000-jähriges Reich ab, so landen wir ungefähr bei 1,75 Generationen Zeitspanne, die die Hose an der Frau brauchte, sich zu etablieren.
Vielleicht ist das eine Zeitspanne, die wir auch für den Rock am Mann erwarten müssen.
Wann könnte man denn definieren, dass eine Art Männerrockbewegung entstanden ist?
Also, ich trage seit den 80ern Röcke öffentlich. Bin ich Maßstab? Nein. Ich war damals ein einzelner "Irrer" in den Augen der anderen. Ist ja auch nicht wegzudiskutieren, dass damals zwangsläufig auch noch 'Mann im Rock' unverrückbar mit 'ist schwul' assoziiert wurde. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass in den 80ern noch alleine der Verdacht, ein Mann könne homosexuell sein, ausreichte, um Amt- und Würdenträger zurücktreten zu lassen. Damals war kaum vorstellbar, dass heute, 45 Jahre später, schon homosexuelle Männer u.U. als Kanzlerschaftsanwärter gehandelt werden.
Darf man auch nicht vergessen, dass in den 80ern mit dem Ausbruch von AIDS, die schwule Szene exorbitant als gesellschaftlich aussätzig gebrandmarkt wurde. Auch dieses Ablehnungspotential musste der Rock am Mann erst einmal überwinden.
Insofern glaube ich, dass erst nach diesem AIDS-Schock ein Anfang einer 'Männerrockbewegung' eher wirklich im Bereich der Vernetzung per Internet zu suchen ist. Hinzu kam die PEACE-Bewegung der Technoszene, die anders als PEACE in den 80ern nun eher LOVE der 68er (aber mehr im platonischen Sinne) meinte: Party-, Spaß-, Wir-lieben-uns-alle-Gesellschaft, die auch im Bereich rund um Y2K, quasi als fin-du-siècle-Phänomen auf einmal den (Polyester-)Rock am Mann hervorbrachte. Leider nur eine ziemliche Eintagsfliege, aber das fiel in etwa zusammen, als sich weltweit in Foren u.ä. Männer mit Rockambitionen gefunden und vernetzt haben - und gemerkt haben - ich bin nicht der einzige.
Drum können wir vielleicht als den Beginn einer 'Männerrockbewegung' grob das Jahr 2000 festlegen - also rund 75 Jahre nach der Hose an der Frau. Nehmen wir nun die Zeitspanne von 1,75 Generationen, bis der Rock am Mann gesellschaftlich auf einer breiten Basis akzeptiert wird, so sind wir im Moment eben noch mitten im Prozess, den Rock am Mann zu etablieren.
Inzwischen liegt die Generationenabfolge bei 30 Jahren. So kommen wir auf etwa das Jahr 2050, bis der Rock am Mann sich im breiten gesellschaftlichen Konsens etabliert haben wird. Sofern der Rock für den Mann eine ähnliche Entwicklung nimmt wie die Hose für die Frau. Vielleicht geht es auch viel schneller, wenn auch so manche Unbillen der jüngsten Weltgeschichte da nicht primär dafür sprechen.
Aber letztlich liegt es an uns - wir hier im Forum - selbst, zur Akzeptanz / Etablierung mitzuwirken. Weil ohne uns wird 2050 Utopie bleiben. Und mit uns wollen die wenigstens hier mit Sicherheit bis 2050 warten. Ich sagte mir das in den 80ern auch, dass ich nicht warten möchte, bis irgendwelche anderen Menschen für mich den Rock etablieren. Ich habe für mich den Rock etabliert.
Und je mehr das von uns jeder für sich selbst tut, desto eher gelingt es uns auch irgendwann, dahergelaufene Männer oder Jungs davon zu begeistern.

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