Aber es stimmt nicht, Gregor, dass die Frauen sich die Hose nicht wünschten. Darüber haben wir uns schon oft mit Dir ausgetauscht...
Durch vielfache Lebensberichte muss ich Dir deshalb widersprechen, Gregor: Frauen hatte das Verlangen nach Hosen.
Hallo Wolfgang,
Ich denke, es könnte auf nationale Unterschiede beruhen. Höchstwahrscheinlich haben Frauen in Ländern mit Schwerindustrie und höheren Berufsfrequenzen für Frauen sowie mit Beschäftigung mit dem Wiederaufbau des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg ein größeres Verlangen nach Hosen gehabt als zum Beispiel in Skandinavien.
Ich bin so alt, dass ich den Einzug der Hosen bei Frauen miterlebt habe, im Gegensatz zu so manchen, die ihr Wissen darüber nur von zweiter und dritter Hand haben können.
Dass Hosen Frauen praktischer waren/sind als Röcke und Kleider, liegt auf der Hand. Strumpfhosen waren in den 60er-Jahren des Typs FSH; sie gingen schnell kaputt und waren nicht warm. Kombiniert mit sehr kurzen Röcken und Kleidern wirkten sie suboptimal.
Aber nach einem direkten Verlangen seitens der Frauen nach Hosen, und die die Augen der Modeindustrie hätte öffnen können, war, meines besten Wissens, nicht die Rede. Wie hätte sie auch zum Vorschein kommen können? In den Medien wurde davon nicht berichtet. Die Frauen, die Hosen am meisten brauchten, wegen ihrer Arbeit, befanden sich nicht in einer sozialen Position, auf die die Gesellschaft damals Rücksicht nahm. Ich sah dann auch keine Frauen in den Straßen Hosen tragen. Nicht mal als Protest. Meine Frau, die damals noch ganz jung war, hat das auch nie gesehen. Auch erinnert sie sich nicht, je mit Freundinnen darüber diskutiert zu haben. Für sie und Freundinnen und Kolleginnen wurden Hosen erst aktuell, als es sie zu kaufen gab.
Doch ein
latentes Verlangen hat es bestimmt gegeben – weil Hosen ihnen praktisch (und neu).
Denn, nachdem es zuerst, wie oft bei total neuen Produkten, sehr langsam gegangen hatte, trauten sich plötzlich immer mehr Frauen in die Hose - als sie erkannt hatten, dass unter den Pionieren viele ganz normale Frauen wie sie selbst waren. Die „Damenhose“ war Realität und lebensfähig.
Doch ohne Modedesigner: innen, gute Vorbilder und eine Modeindustrie, die es Frauen ermöglichte, Hosen zu tragen, wäre es meiner Meinung nach nicht gelungen, sie an die Frau zu bringen, jedenfalls nicht damals.
Rock am Mann? Nichts verbietet UNS, Röcke zu tragen. Die Gesellschaft ist viel toleranter als zuvor. Männerröcke (wie damals Damenhosen) sind zu kaufen. Die Medien schreiben über einen baldigen Durchbruch Männern im Rock. Berühmtheiten zeigen sich im Rock und ziehen Überschriften wie einst Marlene Dietrich oder Katharine Hepburn, als sie sich öffentlich in Hosen zeigten. Soziale Medien stehen uns zur Verfügung. Was fehlt uns?
Ich kann mir nur zwei Gründe für den ausbleibenden Erfolg vorstellen: mutige Männer und generell gute Vorbilder, mit denen sich Männer im Allgemeinen identifizieren können und wollen.
Betreffend Frauen: Auch sie würden den Ehemann im Rock akzeptieren, trauten sich nur die Männer ihrer Freundinnen und Kolleginnen.