Zitat: "Daneben passt die Ausgrenzung von Menschen und Menschengruppen überhaupt nicht zur sonstigen biblischen Botschaft,
weder im ersten - jüdischen - noch im zweiten - christlichen - Testament der Bibel."
Moin,
das "lese" und versteh ich auch genau so
Ja, so muss man das eigentlich auch verstehen. Eigentlich führt da gar kein Weg dran vorbei.
Aber, uns ist allen klar, auch unter Christen gibt es fundamentalistische Strömungen. Jemand, der sich gerne in seinem Glaubensverständnis daran orientiert, wird im Volksmund gerne als 'fromm' oder 'sehr fromm' bezeichnet.
Ich habe etliche solcher Menschen kennengelernt. Beeindruckend oft ist deren tiefe Überzeugung und ihre Verwurzelung darin. Zweifeln ist oft Bestandteil im Alltag dieser Menschen, aber durch entsprechende Predigten, Schriften und andere Medien lassen sie sich wieder mit ihren Gedanken 'auf den rechten Weg' oder 'in den wahren Glauben' leiten. Das befähigt diese dann auch, ihrem Grübeln mit eigenen liniengetreuen Gedankenschlüssen zu begegnen.
So wird eine Krankheit oder ein früher Tod eines Menschen als eine Glaubensprüfung für den Betreffenden und seine Angehörigen gewertet - "Gott hat ihn zu sich geholt", oder ähnlich werden dann einschneidende Ereignisse kommentiert. Oder die Geburt eines schwerkranken Kindes oder eines behinderten Kindes wird als 'Prüfung' bezeichnet, die vor allem den Eltern und Angehörigen auferlegt wird, eine 'von Gott gewollte Glaubensprüfung'.
Diese Sichtweise ist soweit nichts schlimmes und ermöglicht zumeist auch Mitgefühl mit dem betroffenen Kind selbst.Es wird alles, was geschieht, in Bezug auf Gott gestellt (eigentlich verständlich, weil Religion ja eine Orientierung fürs Leben geben sollte). Mit ziemlich 'frommen' Sichtweisen entstehen freilich Konflikte mit der Realität des Alltags, was wiederum zum besagten Zweifeln und Grübeln führt. Aber alles, was im realen Alltag nicht zur Botschaft der harmonischen Nächstenliebe passt, wird als 'Prüfung' gesehen.
Genau genommen hat mit dieser Sichtweise, dass Gott alles lenkt, er ja auch alles so gewollt. Der frühe Tod, das kranke Kind, die Gotteslästerer, ja auch die anderen 'Abtrünnigen'. Wenn man es genau überlegt, dürfte es eigentlich gar keine anderen Religionen geben, wenn 'Gott, der Allmächtige' alles geschaffen hat und gewollt hat, dass er mit seinen Regeln z.B. der Nächstenliebe ein auskömmliches Miteinander in der Welt gewollt hätte. Geschweige denn andere Konfessionen. Das sind wohl alles extreme Prüfungen.
Micha würde wohl einen fundierten historischen Abriss geben können, wie schwer sich z.B. die kath. Kirche getan hat, andere Religionen mit ihrer Existenz anzuerkennen.Und so fühlen sich fundamentalistisch orientierte gläubige Christen oftmals auch herausgefordert, diese Prüfungen zu bestehen. In Gedanken, manchmal auch mit Aktionen, so wie der genannte Herr im Gottesdienst. Er hat seinem Gott gezeigt, dass er für seinen wahren Glauben eintritt. Aus dieser Gedankenhaltung heraus kommt ja dann oft auch das Bestreben, 'Abtrünnige' wieder auf den rechten Weg zu bringen, z.B. Menschen, die sich als homosexuell zu erkennen geben, durch gezielte Maßnahmen wieder 'zu heilen', sich 'behandeln zu lassen'.
Vergessen wird dabei schnell, dass ja eigentlich Gott alles, was ist, so gewollt hat. Die wahre Botschaft der Nächstenliebe bleibt da auf der Strecke. Zu sagen, "Gott hat Dich so gewollt", ist wohl kein Lösungsansatz, mit unerwünschten Situationen umzugehen.
Abschließend: Der genannte Herr aus dem Gottesdienst hat mit Sicherheit auch schon Darstellungen biblischer Personen bewundert und (zumindest deren Aussagen) verehrt mit seinem tiefsten Verständnis von Glauben, auf denen Männer nicht in Hosen gekleidet waren. Eigentlich kommt Dein Auftreten, Bernd, diesen Darstellungen deutlich näher als vermutlich das Erscheinungsbild des fraglichen Herrn...
