Ich meinte eigentlich nicht so sehr eine Unzufriedenheit mit manchen Merkmalen der männlichen Rolle, sondern mit der männlichen Rolle überhaupt, also anders gesagt, den Wunsch nach einer nicht-männlichen Rolle, sei sie weiblich, geschlechtsneutral oder sonst wie.
Lieber Micha,
ich habe jetzt eine Weile darüber nachgedacht was du da schreibst, daher die späte Antwort.
Vermutlich haben wir ein anderes inneres (selbst)verständnis im Bezug auf Geschlechterrollen.
Für mich ergibt die Summe der Eigenschaften die gesamte Rolle. Ich kann mich daher nicht rundum darin wohlfühlen wenn etwas nicht passt.
Im weiblichen Rollenmodell gibt es durchaus Einzelstücke die mir mehr entsprechen würden. Als Ganzes wollte ich es jedoch auch nicht.
Es ist natürlich schwierig das Rollenmodell unabhängig von objektiven Vor- und Nachteilen zu betrachten.
Ich versuche, soweit es möglich ist, mir von beiden Seiten das anzueignen, das mir entspricht.
Das funktioniert natürlich nur begrenzt, weil bei sozialen Kontakten andere, gemäß ihren Erwartungen, den Standard zuweisen.
In der Praxis sind es viele Kleinigkeiten, die leicht erklärt oder korrigiert werden können, aber bei neuen Menschen nervt es mich trotzdem, mit welcher Selbstverständlichkeit Zuordnungen getroffen werden.
Zwei schöne Beispiele von unserer letzten Firmenfeier:
Neuer Kollege steht plötzlich freundlich und hilfsbereit vor mir und reicht mir eine Flasche Bier

Ich stehe bei eine Gruppe junger Frauen und langsam verschiebt sich das Gesprächsthema in Richtung Mode und Fingernägel. Eine entschuldigt sich, dass sie mich jetzt langweilen würden.

Belanglosigkeiten, aber quer durchs Leben immer wieder - nervig.
Nein, ich mag die männliche Rolle nicht, nicht so wie sie derzeit bei uns ist.
Vermutlich wollte ich die weibliche aber noch weniger.
Um auf einen gemeinsamen Punkt zu kommen: Ich bin damit zufreiden als Mann gelesen zu werden, und habe auch keine Ambitionen das zu ändern.