Lieber Bernd,
ich habe ihm nichts unterstellt, sondern ihn sogar gelobt für sein Outing und seinen Mut. Die Verbindung mit "Frausein", "Travestie", dem "Spielen mit dem Geschlecht" deute ich auch nicht als beleidigend. Ebensowenig halte ich es für beleidigend, wenn ich diesen femininen Kleidungsstil für mich persönlich ablehne, aber bei anderen toleriere. Bei meiner Interpretation habe ich anscheinend sein Genderkonzept anders verstanden, als er mir das versucht hat zu erklären. Das ist aber keine Boshaftigkeit oder Queerfeindlichkeit von mir, sondern reine Unwissenheit.
Leider kann ich es also doch noch nicht ganz ruhen lassen:
Ja, manches liest sich, vielleicht gerade wenn es nicht vorsichtig formuliert ist, so, dass man es als potenzielle Unterstellung auffassen kann.
"Reine Unwissenheit" indes kann es nicht gewesen sein, denn als Du schriebst:
Vielen Dank für die weiteren Willkommensgrüße!
Und es geht hier im Forum tatsächlich darum, sich vom ewigen Hosentragen zu befreien.
Denn warum soll ein Mann weniger Kleidungsvielfalt haben als eine Frau? Nur weil etwas als weiblich gilt? Mit welchem Recht soll das Recht, sich an Kleidungsvielfalt zu bedienen, nur Frauen zustehen?
Ist doch schön, dass du deine feminine Seite entdeckt hast und den Mut findest, dein Frausein auszuleben. Allerdings verwirren mich diese ganzen Identitäten. Deswegen lässt mich ein Mann, der sich als Frau präsentiert, aber trotzdem als Mann fühlt, eher mit einem großen Fragezeichen zurück. Früher war das mit Trans irgendwie einfacher. Heute gibt es da tausend Unterkategorien: nicht-binär, genderfluid, queer etc. Ich kann mit diesen Genderkonzepten leider nicht so viel anfangen, aber ich toleriere es.
...da hatte ich 11 Stunden zuvor bereits beteuert:
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Das war übrigens kein Outfit, das ich zu einem CSD getragen hätte. Ich brauche keinen CSD, um mich nach meinem freien Willen kleiden zu können. Und ich kann mit den Outfits, in die CSD-Teilnehmer steigen, auch für mein Leben nicht wirklich viel anfangen, denn sie drücken etwas anderes aus, als ich mit meiner Kleidungswahl verbinde.
Ich ringe nicht um eine Definition, die mich jenseits von Männlichsein führt, um freie Kleidungswahl realisieren zu können. Ich realisiere freie Kleidungswahl, obwohl ich ein Mann bin, mich als ein solcher fühle und auch danach lebe.
Denn warum soll ein Mann weniger Kleidungsvielfalt haben als eine Frau? Nur weil etwas als weiblich gilt? Mit welchem Recht soll das Recht, sich an Kleidungsvielfalt zu bedienen, nur Frauen zustehen?
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Und mit meiner Präsenz in der Öffentlichkeit - weit jenseits eines CSD-Ausnahmetags, sondern im Alltag - und auch visuell im Forum will ich ein klein wenig an diesen Merkmalen das exklusiv weibliche aufweichen und meinen kleinen Teil dazu beitragen, dass Sehgewohnheiten und vielleicht auch mal Zuordnungen sich ändern können. Auch wenn es für viele zunächst eine visuelle Herausforderung darstellen kann.
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Du hast ja selbst geschrieben, dass es eine Herausforderung für Dich sei, siehe oben: "Deswegen lässt mich ein Mann, der sich als Frau präsentiert, aber trotzdem als Mann fühlt, eher mit einem großen Fragezeichen zurück."
Ist ja in Ordnung, wenn ein Mann in 'traditionellen Frauenkleidern' noch verwirrend sein kann. Aber da bin ich ganz bei Bernd,
dass es keinerlei non-binäre Genderkonzepte braucht, um dieses Gebahren zu erklären. Das zu erfassen, mag landläufig schwierig sein, da hat es die LGBTQI+...-Community einfacher, sie ist gesellschaftlich bereits bekannter, als Männer, die einfach nur ihre Garderobenvielfalt erweitern wollen, wie das ihrerzeit die Frauen vor mittlerweile schon langem getan haben - und die Welt sich bislang noch weiterdreht.
Würde ich mich übrigens als Frau präsentieren, dann hätte ich mir die Brusthaare geschnitten, die Bartstoppeln rasiert (was an jenem Morgen nicht der Fall war), die Beine rasiert (was noch nie der Fall war), mir einen BH angezogen mit irgendwas inhaltlichem drin, und mir wenigstens die Haare lang wachsen lassen oder stattdessen morgens eine Perücke aufgezogen, und sonstwie noch vieles versucht, um möglichst gut als Frauenerscheinung durchzugehen (was bei mir alles noch nie der Fall war). Sowas gibt es auch, Crossdresser nennt sich das dann. Und darunter gibt es welche, die sich auch als ganz normale Männer deklarieren (außer in der Zeit in Verkleidung). Sowas liegt mir aber völlig fern. Und entspricht auch nicht meinem Anspruch,
als Mann und Männererscheinung im Alltag vergleichbare Kleidungsfreiheiten zu haben, wie Frauen sie sich nehmen.