Manche von uns distanzieren sich möglichst weit von der queeren Community und CSDs, weil sie das eher hinderlich finden, wenn sie doch einfach nur "normale" Männer sein wollen, die eben Rock oder Kleid tragen.
Und andere von uns fühlen sich der queeren Community ziemlich nahe; das gilt auch für mich, obwohl ich als cis-hetero Mann, der Kleider und Röcke auch nur aus Kleidungsgeschmack und ohne Bedeutung für meine Geschlechtsidentität trägt, in keine der üblichen queeren Kategorien passe.
Ich finde, beides hat seine Berechtigung, und wir sollten das nicht gegeneinander ausspielen, sondern lieber gemeinsam schauen, wie wir als Röcke/Kleider tragende Männer dafür Akzeptanz fördern und uns gegenseitig ermutigen und unterstützen können.
Meine gefühlte Nähe zur queeren Community kommt z.B. daher, dass ich das Gefühl habe, queere Leute kämpfen mit ähnlichen Vorbehalten und Herausforderungen wie wir. Und die Anfang der 2020er Jahre zunehmende queere Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit hat mich erst dazu ermutigt, auch selber öffentlich Kleider und Röcke zu tragen. Tatsächlich war auch für mich eine der ersten Gelegenheiten, ein Kleid nicht nur irgendwo draußen in der Natur, sondern in der Innenstadt zu tragen, wo Viele mich sehen und Etliche mich kennen, die Teilnahme an einem CSD-Demozug. Ab und zu habe ich Diskussionen mit transidenten Personen, denen es manchmal schwer fällt zu verstehen, warum ich ein Kleid trage, obwohl ich mich nicht als Frau verstehe (verständlich, da für sie als Transfrauen oder Transmänner die Kleidung einen wesentlichen Teil ausmacht, um ihr Geschlecht nach außen auszudrücken). Aber trotzdem fühle ich mich unter queeren Leuten immer noch am leichtesten verstanden und akzeptiert.
Nachdem ich in den letzten zwei Jahren jeweils als Teilnehmer beim ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt des CSD in Aachen war, hat sich nun die Gelegenheit ergeben, dass ich mich dem Vorbereitungskreis für den diesjährigen CSD-Gottesdienst angeschlossen habe. Das erste Vorbereitungstreffen war vor ein paar Tagen. Und weil mich noch nicht alle in diesem Kreis kannten, habe ich mich da nochmal vorgestellt und auch gesagt, dass ich als cis-hetero Mann nicht typisch "queer" bin. Sie haben mich aber trotzdem in ihrem Kreis akzeptiert, obwohl der Gottesdienst dezidiert von queeren Leuten vorbereitet werden soll und nicht-queere Unterstützer*innen ("Allies") erst später hinzustoßen. Das wird bestimmt eine schöne Sache, zu der ich nochmal einen ganz eigenen Blickwinkel beitragen kann.