Autor Thema: Pride  (Gelesen 11952 mal)

Online Skirtedman

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Antw:Pride
« Antwort #15 am: 17.08.2025 02:37 »
Für mich ist es selbstverständlich, die Situationen mitzubedenken, in denen Männer sich nicht so leicht freimachen können von den Sichtweisen ihrer Familienmitglieder oder von der Sichtweise ihrer Freundin bzw. Ehefrau. Besonders hier liegt ja das Dilemma begraben, nein blank, dass man nicht ungehindert vom "freien Willen" sprechen kann, wenn ein Mann eine Hose trägt, wie cephalus das in seinem Post allerdings tituliert hatte.

Dass ich in den letzten 35 Jahren fast nie, jedenfalls nur selten erwähnenswerte Einschränkungen in meinen Beziehungen erleben brauchte, macht mich nicht vergessen, dass etliche andere Männer nicht in dieser komfortablen Situation sind. Und seit ich nach meiner letzten wirklich bemerkenswert liberalen Beziehung nun derzeit überzeugter Single bin, mag mich zwar "gut reden machen" erscheinen lassen, aber ich versuche mich in die meisten Männer hineinzuversetzen und meine zu wissen, dass längst nicht bei jedem es so easy wie bei mir ist, seinen "freien Willen" durchzusetzen.

Weil ich auch die Ängste und Befürchtungen von Familienmitgliedern oder Partnerinnen kenne, wage ich einzuschätzen, dass jede Verbundenheit zur Queerness kaum bis gar nicht geeignet ist, diese Ängste und Befürchtungen abzubauen.

Um Deine weitere Frage, Peter, zu beantworten: ja, in meinem Erwerbsleben trage ich seit Mitte der 90er Jahre fast keine, bzw. de facto keine Hosen mehr.

In meinem Privatleben auch nicht. Und mein Bedürfnis, Hosen zu tragen, ist maximal Null, insofern ist es für mich auch kein Zwang, Röcke oder Kleider zu tragen. Meine Kleidung ist für mich genau das, was ich will. So, wie es vereinzelt Frauen gibt, die partout nur Hosen tragen.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline cephalus

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« Antwort #16 am: 17.08.2025 10:32 »
Hallo Peter,
mir scheint es hängt tatsächlich viel von der Partnerin ab:

Meine Frau käme nicht auf die Idee Röcke für Männer zu fordern, oder hätte mich von sich aus dazu gebracht Röcke zu tragen.

Aber:
Sie kennt mich, meine Bedürfnisse und Wünsche, manchmal schon, bevor sie mir selbst klar sind.   Sie unterstützt mich und motiviert mich meine Wünsche zu verfolgen, und wenn ich gerade mal wieder unangebrachte Zweifel habe und hatte, zerstreut sie sie und gibt mir bei Gelegenheit auch einen Fußtritt mehr zu wagen wenn sie es für richtig hält - aber auch mal den Hinweis bei Gelegenheit auch etwas zu überdenken.

Ohne meine Frau wäre ich definitiv nicht da wo ich bin, sondern hätte viel mehr Zweifel.
In der Praxis fühlt sich ein gewagtes Kleid in der Öffentlichkeit an der Seite meiner Frau wesentlich besser an, als alleine.

Nein, Frauen müssen nicht immer das Problem sein, ganz im Gegenteil...

Online Skirtedman

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« Antwort #17 am: 17.08.2025 11:06 »
Aber auch die Frau, wie sie reagiert, ist nicht von völligem "freien" Willen bestimmt.

Es liegt auch sehr viel daran, wie sie eingebettet ist in familiäre und andere nahe Strukturen und welche Stimmungen dort zu finden sind oder vermutet werden.

Die Frau ist quasi auch ein Kristallisationspunkt der Umgebung und das Ausmaß ihres "freien" Willens ist nicht einzig und alleine ein Ausdruck ihres Charakters.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline Skirt-Man

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« Antwort #18 am: 17.08.2025 13:03 »
Hallo Peter,
mir scheint es hängt tatsächlich viel von der Partnerin ab:

........

Ohne meine Frau wäre ich definitiv nicht da wo ich bin, sondern hätte viel mehr Zweifel.
In der Praxis fühlt sich ein gewagtes Kleid in der Öffentlichkeit an der Seite meiner Frau wesentlich besser an, als alleine.

Nein, Frauen müssen nicht immer das Problem sein, ganz im Gegenteil...

Wenn man in einer Partnerschafft ist, hängt es auf jeden Fall von der Partnerin ab, wie sie drauf reagiert.

Ohne meine jetzige Lebensgefährtin, die mich dabei unterstützt, wäre ich auch noch nicht soweit und ja, es fühlt sich neben Ihr wesentlich besser an.
Sie ist auch so, dass sie es sagt, wenn Ihr meine Rock Wahl nicht gefällt. Es aber dann trotzdem an mir zulässt.

Das bestärkt einen für die alleinigen Momente.
Mfg Andi

Du lebst heute, also nutze das Leben.


Offline Albis

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« Antwort #19 am: 17.08.2025 19:56 »
Gestern war ich beim CSD in Naumburg im Süden Sachsen-Anhalts. Über die Frage, ob ich queer bin, habe ich schon oft nachgedacht, bin aber immer noch der Meinung, dass ein Mann, der gern Röcke anzieht, noch lange nicht queer sein muss. Auch finde ich keinen wirklichen Zugang zur queeren Community. Dennoch gehe ich gern zu CSDs, denn
1. die queere Community freut sich über und braucht sog. Allys, d.h. Heteros, die sich solidarisieren.
2. es sind Demonstrationen für Liebe, Selbstbestimmung und Toleranz und gegen Hass, Einschüchterung und Uniformität.
3. es herrscht immer eine sehr positive Stimmung.
4. es sind jedes Mal sehr interessant und gut aussehende Menschen zu sehen.
5. Man trifft auch sehr intelligente Menschen, mit denen man gute Gespräche führen kann.

Unter den knapp 1000 Teilnehmenden (meine Schätzung) waren auch mehrere Männer im Rock oder Kleid. Einen Herrn im Kleid habe ich angesprochen ("Schön, dass Du im Kleid da bist"). Ich wollte ihn auch auf unser Forum aufmerksam machen, da es mir das entsprechende Selbstbewusstsein gegeben hat. Er sagte, er trage auch im Alltag überhaupt keine Hose mehr und braucht dafür keine Unterstützung durch ein Forum... Wir haben auch noch über ein paar andere Themen gesprochen, war sehr angenehm.

Am kommenden Samstag, 23.08.2025 ist übrigens CSD in Magdeburg. Hat jemand Lust?

LG, Albis

Offline MAS

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« Antwort #20 am: 17.08.2025 22:23 »
Wie weit lässt man sich beeinflussen?

Wenn zufällig eine CSD Veranstaltung in meiner Nähe ist, flüchte ich nicht, sondern erfreue mich ab bunten Treiben. Den Weg dorthin suche ich nicht. In meiner Kleidung lasse ich mich nicht beeinflussen.

Rechnet man mich dazu, ist mir das egal.

Vielleicht gehört man als Rockträger auch wirklich dazu?
Wer als Mann einen Rock trägt, ist auf jeden Fall heutzutage "gendernonconforming".
GNC - wird häufig zum queeren Spektrum gerechnet.

Möge doch jeder tun, definieren zuordnen, denken und sagen was er will - egal, das ändert für die Person die ich bin, nichts.

Ich habe noch nicht alles gelesen, was in diesem Thread steht, aber von dem, was ich gelesen habe, gefällt mir dieser Dein Beitrag, lieber Cephalus, am besten.

Ich suche auch keine CSD-Veranstaltungen auf. Manches von dem, wie sich Menschen da kleiden, gefällt mir auch gar nicht. Es ist mir zu bunt und zu schrill. Aber wenn ich mal in so eine Parade geraten sollte oder sonst wie eine solche Gruppe, distanziere ich mich auch nicht von ihnen, indem ich mich schnell umziehe. (Lieber Gregor, ich überspitzte Deinen Startbeitrag jetzt etwas, mit allem Respekt vor und Sympathie mit Dir.)

Ich war am Wochenende bei einer ganz anderen Veranstaltung, nämlich bei einem 130-jährigen Geburtstag eines Männergesangvereins im dörflichen Umfeld - selbstverständlich im Rock. Und T-shirt und abends die Jeansjacke waren auch aus der Damenabteilung. Ah ja, die Sandalen auch. Sollte mich jemand für queer gehalten habe, so erlebte ich doch Toleranz und Freundlichkeit überall. Nur ein etwas angetrunkener Musiker einer Brassband (Blaskapelle) fragte ob ich auch wie die Schotten nichts darunter trüge.

Man kann die queere Community auf verschiedene Weise unterstützen. Gregor tut es auf seine Weise, Canda auf seine, Cephalus auf seine. Ihnen jedoch verbieten zu wollen, sich Gehör zu verschaffen, ist das Gegenteil von Unterstützung. So ein schriller CSD genügt natürlich noch nicht. Erst wenn Identität allgemein gesellschaftlich pluralistisch und solidarisch zugleich gedacht wird, ist das Ziel erreicht. Dann braucht es auch so einen Tag nicht mehr. Soweit sind wir aber noch lange nicht.

Und wer meint, ihm:ihr würde etwas aufgezwungen und nicht sieht, wie sehr Heteronormativiät unter gesellschaftlichem Zwang ausgeübt wurde ohne Rücksicht auf andere Menschen, und vielfach noch wird, der:die ist blind auf einem Auge. 

Aber wie gesagt, auf dem dörflichen MGV-Jubiläum hatte ich keine Probleme im Rock und ein im Dorf wohnender und darüber hinaus bekannter Travestiekünstler hat auch keine. Zumindest nicht, sofern ich es wahrnehmen konnte. Was sonst in den Köpfen der Menschen vor sich geht oder getuschelt wird, weiß ich nicht. Die Bewohner:innen des Dorfes sind weder ethnisch, noch politisch, noch religiös/weltanschaulich über einen Kamm zu scheren. Aber das mach Vielfalt ja eben auch aus, sofern zumindest gegenseitige Toleranz vorherrscht.

LG, Micha
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Offline hirti

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« Antwort #21 am: Gestern um 08:01 »
Hallo!

Die Pride Zeit ist wieder eingeläutet!
Neben den großen Pride Paraden in Wien und den Landeshauptstädten gibt es bei uns auch viele kleine Prides, mit so klingenden Namen wie "Pongau Pride", "Deutschlandsberg Pride" oder "Innviertel Pride"  ;)

Vergangenen Sastag war die erste davon, und zwar die Wels Pride.
Wels ist eine kleine Bezirksstadt in meiner Nähe und die Parade hat hier heuer zum ersten Mal stattgefunden.

Ich war auch dabei.
Warum?
Nicht unbedingt, weil ich mich der LGBT Community so sehr zugehörig fühle, aber so ganz fern sind mir die Themen mit meiner Freude daran, mich nicht geschlechtskonform zu kleiden, doch nicht. Auch ein gewisses Mitgefühl verspüre ich gerade den sehr jungen Menschen gegenüber, die es vermutlich noch immer nicht leicht haben, einfach sie selber sein zu dürfen. Zumindest habe ich auch viele leise Menschen mit kleinen Schildern gesehen, die ihre Sehnsucht danach ausgedrückt haben.
Da reihe ich mich doch gerne in den Zug ein und mache ihn ein bisschen länger, damit er ein bisschen besser gesehen wird.

Außerdem sind solche Paraden eine schöne Gelegenheit, mal ein Outfit auszuführen, das Mann für andere Gelegenheiten nicht so trägt.

Es hat während der ganzen Parade geschüttet wie aus Kübeln und war relativ kühl. Aber man liest ja den Wetterbericht und so habe ich mich entsprechend wasserfest ausstaffiert und überaus wohl gefühlt.
Alles in allem war es eine nette Veranstaltung und ich habe mich gefreut, dabei zu sein.

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Offline MAS

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« Antwort #22 am: Gestern um 09:14 »
Danke für den Bericht, lieber Hirti!

In Wels bin ich mal auf dem Weg nach Salzburg umgestiegen und hatte Zeit für einen Spaziergang. Das hat mir gefallen.
Dar war ich natürlich auch im Rock unterwegs.

Wenn ich so Deine Bilder sehe, kann ich noch weniger verstehen als sonst, wir man diesen Menschen feindselig begegnen kann!

LG, Micha
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Offline high4all

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« Antwort #23 am: Gestern um 11:09 »
Ein Büro-Outfit trägst Du nicht unbedingt, lieber Hirti! ;)

Verglichen mit den Looks anderer Teilnehmer bist Du echt auffällig. Bei besserem Wetter wäre es wohl nicht so augenfällig gewesen. So schauen die meisten Teilnehmenden auf den Bildern völlig normal aus. Wenn nicht die Regenbogenflaggen wären, könnte wohl niemand eine Pride Parade vermuten.

Das könnte für Leute, die gerne mit der Moralkeule schwingen und ihre Abneigung gegen Gendern und Wokeness (=Achtsamkeit gegenüber Benachteiligung von Minderheiten) wie ein Panier vor sich her tragen, in Nöte bringen. Weil die äußerlich sichtbare Abgrenzung schwerer fällt.

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Hajo
Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14)

Never be limited by other people's limited imaginations. (Dr. Mae Jemison)

Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unsern Kleidern. (Heinrich Heine

Offline MAS

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« Antwort #24 am: Gestern um 11:16 »
Apropos "Moralkeule": https://www.rockmode.de/index.php?topic=10316.msg208312#msg208312.

Ähnlich wie bei dem Buchtitel "Ungläubig sind immer die anderen" und meiner Variation "Ideologisch sind immer die anderen" könnte man hier fortsetzen: "Moralisch sind immer die anderen". Was mich daran aber stört ist, dass das Wort "Moral" dadurch einen negativen Beigeschmack erhält, ähnlich dem von "Unglauben" und "Ideologie". Wobei letzteres ja auch mal eher positiv gemeint war.

Und zu "Gendern": Das meint ja, die verschiedenen Geschlechter sichtbar zu machen. Demzufolge ist die Anrede "Meine Damen und Herren gegendert, im Unterschied zu "Liebe Mitmenschen". Und die Aufteilung in Männer- und Frauenkleidung ist auch gegendert, im Unterschied zur Unisexkleidung

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Offline hirti

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« Antwort #25 am: Gestern um 14:02 »
Das ist richtig, Hajo, ein Büro Outfit ist das fürwahr nicht.
Wobei... die Jacke eigentlich schon, die ist nämlich Teil eines Kostüms mit Rock das ich schon im Büro getragen habe. (=> hier)
Und die Stiefel laden dazu ein, irgendwann mal als Stilbruch zu einem all zu biederen Maxirock probiert zu werden.

Das Kleid fühlt sich toll an (wenn man es mag dass es nicht nur außen, sondern sogar innen aus glattem Plastik ist), aber es ist auch verflixt kurz. Beim Einkaufen hab ich schon mal festgestellt dass es damit gaaaaanz schwierig ist, etwas aus der hinteren Kofferraumecke zu holen ohne dem gesamten IKEA Parkplatz seinen bloßen Hintern zu präsentieren.

Offline doppelrock

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« Antwort #26 am: Gestern um 16:28 »
Heute hängen zwar Regenbogenflaggen über der Straßenkreuzung, aber weder die DGB-Gewerkschaft noch Kollegen aus der Gruppe schwul/lesbisch haben das irgendwie thematisiert. sie haben einfach nur über Arbeit und allgemeine Dinge gesprochen und diese eindeutig nicht sexualisiert. Genau wie an den anderen 364 Tagen eines Jahres. Das sollten die moralisch schwer bewegten Menschen bitte einfach berücksichtigen. Es ist Privatsache und es in den Vordergrund drängen ist den Betroffenen eher unrecht.
Deshalb wünsche ich mir weiterhin, alle Mensch mit gleicher Wertschätzung zu beachten und nicht manche wenige als sexualisierte Objekte auf dieses eine Thema zu reduzieren.

Offline MAS

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« Antwort #27 am: Gestern um 18:13 »
Sexualisiere Objekte sind noch was anderes. Da hat eher was mit Porno zu tun. Das wird jetzt auch viel diskutiert in Bezug auf KI-generierte Fakes. Darum geht es aber bei der Regenbogenflagge nicht. Bitte nicht durcheinanderwerfen!

Die Regenbogenflagge steht auch generell für eine vielfältige, bunte Gesellschaft, nicht nur für LGBTQ+.

Und ja, allen Menschen mit Respekt begegnen. Da bin ich auch für.

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Online Bernd

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« Antwort #28 am: Gestern um 23:17 »
Manche von uns distanzieren sich möglichst weit von der queeren Community und CSDs, weil sie das eher hinderlich finden, wenn sie doch einfach nur "normale" Männer sein wollen, die eben Rock oder Kleid tragen.
Und andere von uns fühlen sich der queeren Community ziemlich nahe; das gilt auch für mich, obwohl ich als cis-hetero Mann, der Kleider und Röcke auch nur aus Kleidungsgeschmack und ohne Bedeutung für meine Geschlechtsidentität trägt, in keine der üblichen queeren Kategorien passe.
Ich finde, beides hat seine Berechtigung, und wir sollten das nicht gegeneinander ausspielen, sondern lieber gemeinsam schauen, wie wir als Röcke/Kleider tragende Männer dafür Akzeptanz fördern und uns gegenseitig ermutigen und unterstützen können.

Meine gefühlte Nähe zur queeren Community kommt z.B. daher, dass ich das Gefühl habe, queere Leute kämpfen mit ähnlichen Vorbehalten und Herausforderungen wie wir. Und die Anfang der 2020er Jahre zunehmende queere Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit hat mich erst dazu ermutigt, auch selber öffentlich Kleider und Röcke zu tragen. Tatsächlich war auch für mich eine der ersten Gelegenheiten, ein Kleid nicht nur irgendwo draußen in der Natur, sondern in der Innenstadt zu tragen, wo Viele mich sehen und Etliche mich kennen, die Teilnahme an einem CSD-Demozug. Ab und zu habe ich Diskussionen mit transidenten Personen, denen es manchmal schwer fällt zu verstehen, warum ich ein Kleid trage, obwohl ich mich nicht als Frau verstehe (verständlich, da für sie als Transfrauen oder Transmänner die Kleidung einen wesentlichen Teil ausmacht, um ihr Geschlecht nach außen auszudrücken). Aber trotzdem fühle ich mich unter queeren Leuten immer noch am leichtesten verstanden und akzeptiert.

Nachdem ich in den letzten zwei Jahren jeweils als Teilnehmer beim ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt des CSD in Aachen war, hat sich nun die Gelegenheit ergeben, dass ich mich dem Vorbereitungskreis für den diesjährigen CSD-Gottesdienst angeschlossen habe. Das erste Vorbereitungstreffen war vor ein paar Tagen. Und weil mich noch nicht alle in diesem Kreis kannten, habe ich mich da nochmal vorgestellt und auch gesagt, dass ich als cis-hetero Mann nicht typisch "queer" bin. Sie haben mich aber trotzdem in ihrem Kreis akzeptiert, obwohl der Gottesdienst dezidiert von queeren Leuten vorbereitet werden soll und nicht-queere Unterstützer*innen ("Allies") erst später hinzustoßen. Das wird bestimmt eine schöne Sache, zu der ich nochmal einen ganz eigenen Blickwinkel beitragen kann.

Offline MAS

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« Antwort #29 am: Heute um 01:02 »
Ein schöner Beitrag, lieber Bernd.

Ich muss zugeben, dass diese ansozialisierte Scheu, als queer angesehen werden immer noch ein bisschen in mir steckt. Ich schäme mich ihrer. Aber teilweise habe ich mich aber auch von dieser Scheu emanzipiert. Am wenigsten Scheu oder gar keine, habe ich davor, von Queeren selbst als zu ihnen gehörig angesehen zu werden, sondern eher vor den anderen, den "Normalos".

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