Ich mag eigentlich dieses pseudo-intellektuelle und hochgradig ignorante "Weniger ist oftmals Mehr" nicht.
Immerhin wissen wir spätestens jetzt, dass Blumenrock sich freut, mit speziell gewählter Unterwäsche und mit Rock sich untenrum weiblich zu fühlen, und seine Freude darüber mit uns zu teilen. Vielleicht verbinden damit andere Mitforisten ja ähnliche Gedanken oder Gefühle.
Ich bin auch einer der "Cis-Männer" hier, der dieses Feminine dabei eher nicht sucht oder braucht. Im Gegenteil: eigentlich will ich ja genau diesen weiblichen Kontext der betreffenden Bekleidung nehmen. Ich kann aber ein bisschen mit Blumenrock mitfühlen, denn es erinnert mich an ähnliches, was ich mit Kleidung gerade untenrum manchmal gedanklich verbinde. Ich spreche von der "Verletzlichkeit", die manche Kleidung aus der Damenabteilung begleitet. Wenn ich in einem kurzen Rock und saisonbedingt mit Strumpfhosen irgendwo blickexponiert dasitze, dann rückt mich das Erleben dieser Verletzlichkeit nahe an "weibliches Empfinden". Diese Exponiertheit, diese Verletztlichkeit kennt man eben nicht aus der gängigen Männerbekleidung.
Ich bin z.B. nahezu täglich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, da ist mir gerade in den letzten Tagen und Wochen - auch außerhalb des
karnevalistischen Kontextes - immer mal wieder genau diese "Verletztlichkeit" bewusst geworden. Das fängt beim Sitzen auf Vierersitzen an. Oftmals aber gibt es andere Sitzgelegenheiten, wo man noch anderen Blicken von weiter weg ausgesetzt ist. Ich meide diese Sitzplätze meistens nicht mehr, wenn sie als einzige Sitzgelegenheiten verfügbar sind. Auch ist es mir inzwischen ziemlich egal, wer denn nun mich mit meinem Sitzverhalten im Blick haben könnte.
Aber klar ist, je mehr der Saum - spätestens im Sitzen - am Oberschenkel nach oben rutscht, desto größer die Gefahr, dass man irgendwelche Einblicke bietet. Je nach Saumverauf gibt es freilich verschiedenes Vermeidungsverhalten, bis hin zum Beine-übereinanderschlagen. Aber auch in letzterer Haltung kann man eventuell an anderer Stelle (entlang des unteren Oberschenkels) wiederum neue potentielle Einblicke eröffnen. Ich bin nicht so ignorant, dass ich sage: "Whatever - man sieht längst nicht so viel wie im Schwimmbad"; ich versuche schon, sittsam da zu sitzen. Gleichwohl bin ich immer wieder erstaunt, wenn ich Mädels oder Frauen in ähnlicher Kleidung da an diesen Stellen so souverän sitzen sehe. Diese Souveränität einzuüben, bin ich schon seit Jahren, Jahrzehnten dabei. Und doch ist es eine Situation, die ich mit der Erfahrungswelt von Frauen teile. Auch wenn ich weit davon entfernt bin, durch Höschenblitzen oder einfach nur so aufreizend wirken zu wollen, so schwingt in diesem Erfahrungshorizont doch ein gewisses "weibliches Element" in der Psyche mit. Ich glaube, in einem fortgesetzten Maße trifft das dann auch auf auf die Empfindungen von Blumenrock zu.
Für mich ist es eben nur ein souveräner Umgang mit Kleidung. Und dazu gibt es eben nur Beispiele aus der Damenwelt. Wäre ich in Schottland aufgewachsen, hätte ich da ggf. einen anderen Zugang zu diesem Thema.
Freilich gibt es auch eine ganz einfache Möglichkeit, diese Verletzlichkeit zu vermeiden: die Wahl längerer Kleidungsstücke.