Autor Thema: Vorsorge beim Arzt im Rock , Strumpfhose und Höschen  (Gelesen 19659 mal)

Offline Kim70

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Antw:Vorsorge beim Arzt im Rock , Strumpfhose und Höschen
« Antwort #210 am: Gestern um 11:42 »
Ich finde es übel, dass sich nach einem Outing, egal welcher Richtung, tatsächlich häufig das Umfeld ändert.
Die Person bleibt ja die gleiche.
Ich habe, in den letzten 25Jahren, tatsächlich aus meinem Freundeskreis eine Frau verloren, nachdem sie sich als lesbisch geoutet hat, und einen Mann, der sich als trans geoutet hat.

Bei beiden gab es nicht Negatives und es war den meisten Leuten jeweils sowiso klar, aber die Betreffenden haben sich in eine queere Bubble zurückgezogen. Das finde ich schade :'(

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Antw:Vorsorge beim Arzt im Rock , Strumpfhose und Höschen
« Antwort #211 am: Gestern um 11:55 »
Bei beiden gab es nicht Negatives und es war den meisten Leuten jeweils sowiso klar, aber die Betreffenden haben sich in eine queere Bubble zurückgezogen. Das finde ich schade :'(

Einerseits ist es ein Unterschied, ob jemand ausgestoßen oder gemieden wird oder ob er:sie sich selbst zurückzieht. Aber der Rückzug hat sicher einen Grund in entweder negativen Erfahrungen oder Angst vor solchen mit den Menschen, die cis und hetero sind. Wichtig ist es, diesen Menschen zu signalisieren, dass sie genau so willkommen sind wie vor dem Outing. Das kann man natürlich nur, solange man Kontakt zu ihnen hat.

LG, Micha
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Offline Skirtedman

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Antw:Vorsorge beim Arzt im Rock , Strumpfhose und Höschen
« Antwort #212 am: Gestern um 13:28 »
Nun, Kim sprach davon, dass die Betreffenden sich selbst zurückgezogen haben.
Aber ich denke, es ist auch für uns - in diesem Fall - Aussenstehenden durchaus auch ein Stück weit nachvollziehbar.

So bunt und vielfältig die meisten von uns sich die Gesellschaft oder uns unser Umfeld auch wünschen mögen, so sehr ist es auch immer mal wieder entspannend, sich unter Seinesgleichen aufzuhalten.

Sei es die eigene Sippe / Familie, sei es unter Menschen mit denselben Interessen / Hobbys, unter Menschen aus dem eigenen Ort, unter Menschen mit einer ähnlichen Gesinnung, oder gar entspannt in seiner Zweierbeziehung, sofern da nicht zu viele offene Themen sind, die die Beziehung gerade belasten.

Gerade bei Eintritt in eine neue Zweierbeziehung ziehen sich viele Leute aus ihrem bisherigen Umfeld etwas (bis deutlich) zurück. Aber das ist auch nachvollziehbar, denn nun gilt es, eben Zeit und Aufmerksamkeit für die neue Orientierung (Beziehung) zu widmen.

So ähnlich ist es nachvollziehbar, wenn wie Kim es beschreibt, sich die betreffenden Personen ebenso zurückziehen. In welchem Maße das dann stattfindet, ist sicherlich auch Typsache. Und Micha hat auch bestimmt ein bisschen Recht, dass es auch darin zu suchen ist, dass eben die vorauseilende Furcht ist, in seinem bisherigen Umfeld nicht mehr die breite Geborgenheit zu finden.





Ich finde es übel, dass sich nach einem Outing, egal welcher Richtung, tatsächlich häufig das Umfeld ändert.
Die Person bleibt ja die gleiche.

Das stimmt ("Person bleibt die gleiche"), dieses Argument bemühen wir ja auch immer wieder gerne, wenn wir rund um "nur Rock statt Hose" argumentieren.
Andererseits stimmt es auch wieder nicht.

Denn hat man sich erst einmal getraut mitzuteilen, was man sich wünscht und seinen Wunsch eventuell auch realisiert, so fühlt man sich viel befreiter. Ja, so ein Outing - kann ich mir vorstellen - fühlt sich an wie eine Befreiung, auch wenn ab jetzt negative Folgen zu befürchten sind.

Mein Outing bestand darin, dass ich es durchgezogen habe, als Mann einfach Röcke zu tragen. Aber behutsam. Das ist in meinem Umfeld erst ganz ganz langsam eingesickert, manche erfuhren es erst Jahre später, manche dementsprechend ein paar Jahre früher - es ging nicht Schlag auf Schlag, nicht von eben auf den nächsten Monat hat es jeder gewusst. Ich habe nicht wirklich meine Freunde verloren, die meisten von damals sind auch jetzt 35, 40 Jahre später noch immer da. Allerdings habe ich mich vor meinem Outing auch aus bestimmten Kreisen zurückgezogen, nicht zuletzt um Zeit zu gewinnen, mich mit meiner Rockzukunft zu beschäftigen und somit über viele Jahre mein "Outing" vorzubereiten. Gut, es waren andere Zeiten. Und eine Bubble für mich gab es damals noch nicht. Erst 15 Jahre später entdeckte ich "Bubbles" für mich - Foren im Internet.

Aber mein - langgezogenes - "Outing" hat bewirkt, dass ich (obwohl nur Hose gegen Rock getauscht wurde) trotzdem ein anderer wurde als zuvor. Und so wird das auch bei den Beispielen von Kim gewesen sein, dass deren Outing doch etwas mit den betreffenden Personen gemacht hat.

Nämlich nach dem Outing ist man mehr "ich". Man muss nicht mehr krampfhaft sich den Erwartungen seines Umfeldes anpassen. Man steht mehr zu sich selber und traut sich nun, auch Dinge zu machen, die man vorher gemieden hat, um diese Anpassung nicht zu gefährden. Und wenn es da "Bubbles" gibt, so traut man sich da nach dem Outing mehr hin. Und die Menschen dort werden interessanter und die Berührungsängste zu der "Bubble" schwinden.

Ich finde, das alles ist nachvollziehbar. Aber sicher ist es schade, wenn die Priorisierung der Aufmerksamkeit und der Zeit sich woanders hin verlagert, und eventuell gar keine mehr übrig bleibt für das bisherige Umfeld.

Für mich gab es nach meinem "Rock-Outing" noch immer ein paar weitere Stufen, die quasi ein neues Outing waren, oft ebenso behutsam in mein Umfeld eingebracht. Die wichtigsten Stufen waren: Rock - Minirock - Strumpfhosen - Kleider - Blumenmuster - Spaghettiträger. Alles immer ein neues, kleines Outing sozusagen. Und für den, der das in diesem Maße nicht mehr mittragen kann, soll sich halt von mir zurückziehen, wenn ich ihn damit überfordere. Dafür bringe ich mich in mein Umfeld ein - mit meinen Wünschen, mit dem, was ich bin, eben ich echt und nicht den Erwartungen vorauseilend angepasst, dafür unverkrampft und nicht immer nur mit meinen Unzulänglichkeiten beschäftigt.

Ja, und manchmal ziehe ich mich ja auch vorübergehend zurück, mit meiner Zeit und meiner Aufmerksamkeit, in meine Bubble - in dieses Forum eben.  ;)
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline MAS

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« Antwort #213 am: Gestern um 15:15 »
Nun bist Du, Wolfgang, aber alles andere als ein zurückgezogener Mensch. Du bist extravertiert, gesellig, menschenfreundlich, gehst sogar auf Lästerer zu und lachst mit ihnen.

Aber ja, die Änderung der Kleidungsgewohnheiten ist eine Mischung aus "derselbe bleiben" und "sich verändern", vielleicht gar "sich weiter entwickeln".

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« Antwort #214 am: Gestern um 18:30 »
Das alles, was ich jetzt angeblich nicht mehr bin, war ich aber definitiv noch, als ich mich noch schön brav in Hosen verpackte.

"Outing" bedeutete für mich 'Aufleben'.
Könnte mir vorstellen, dass das bei manch anderen Outings auch so ähnlich ist.
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« Antwort #215 am: Gestern um 18:38 »
Das alles, was ich jetzt angeblich nicht mehr bin, war ich aber definitiv noch, als ich mich noch schön brav in Hosen verpackte.

Bezieht sich das auf das, was ich vorher schrieb:

Zitat
Nun bist Du, Wolfgang, aber alles andere als ein zurückgezogener Mensch. Du bist extravertiert, gesellig, menschenfreundlich, gehst sogar auf Lästerer zu und lachst mit ihnen.
Das warst Du mal, aber bist es nicht mehr? ???

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« Antwort #216 am: Gestern um 19:28 »
Bingo.

Oder doch nicht bingo!

Eh Du mich wieder falsch verstehst: Da hast mir Eigenschaften zugesprochen, die ich jetzt hätte oder nicht hätte. Und davon genau das Gegenteil war ich jedenfalls tatsächlich mal zu meiner alten Hosenzeit.
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Bingo.

Oder doch nicht bingo!

Eh Du mich wieder falsch verstehst: Da hast mir Eigenschaften zugesprochen, die ich jetzt hätte oder nicht hätte. Und davon genau das Gegenteil war ich jedenfalls tatsächlich mal zu meiner alten Hosenzeit.

Ah so, jetzt hast Du sie, damals hattest Du sie nicht. Hätte mich auch gewundert, wenn es andersrum gewesen wäre. Das war dann jedenfalls eine gute Entwicklung!

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Ja, eine gute Entwicklung.

Jedenfalls habe ich jetzt mehr von diesen Eigenschaften, die Du mir zugesprochen hattest, die ich in diesem Maße "vor dem Rock-Outing" definitiv nicht hatte.

Und genau das hatte ich als Beispiel aus meinem eigenen Werdegang für meinen längeren Beitrag rund ums "Outing" herangezogen; rund ums "Outing" und rund um "derselbe Mensch wie vorher".

Nein, nach einem Outing ist man nicht komplett derselbe Mensch wie vorher. Ein Outing macht was mit einem. Es ist befreiend, auch wenn man sich damit zunächst vielleicht noch Probleme, z.B. Gegenwind einhandelt.

Ich halte es für nachvollziehbar, wie im längeren Beitrag geschrieben, wenn Menschen sich nach einem Outing mit ihrer Zeit und Aufmerksamkeit anderen Richtungen als zuvor zuwenden, auch wenn aus ihrem alten Umfeld kein Gegenwind gekommen wäre.

Mit meinem Beispiel von mir hatte ich untermauert, dass ich nach meinem - laaangsamen - "Outing" ebenso nicht mehr "derselbe Mensch wie vorher" war. Dieses Beispiel aus meinem Werdegang steht aber nicht für den Rest meines langen Beitrags, also sich neuen Menschen zuzuwenden und sich von den zuvorigen Freunden abzuwenden. Mein unmittelbares Umfeld von vorher habe ich beibehalten, und seitdem aber auch viele neue "Leute" dazugewonnen - eben welche, die vermutlich besser zu mir passen, als hätte ich "neue Leute" ohne "Outing", also ohne Rock um mich geschart.



P.S.: Wie in meinem längeren Beitrag ebenso erwähnt, hatte ich auf dem langen Weg zu meinem Outing bereits frühzeitig alte Freunde aus meinem Umfeld verlassen (es gab da aber viele Gründe, z.B. eben nach dem Abi, Studium, Ortswechsel von mir und von anderen, etc., aber auch weil ich mich den "Hosen-Erwartungen" entziehen wollte), was aber für mich wohl notwendig war, um überhaupt die Erfahrungen und Willensstärke "für Rock" aufzubauen, und letztlich mein späteres langes, behutsames "Outing" vorzubereiten. Jetzt, rund 40 Jahre später, haben aber die, die ich damals 'verlassen' habe, weil ich deren 'Gegenwind' befürchtete, haben also diese aber inzwischen offensichtlich auch kein Problem mehr mit mir. Deshalb habe ich weiter oben auch das Wort 'zunächst' verwendet, und zwar in jenem Passus:
"Ein Outing macht was mit einem. Es ist befreiend, auch wenn man sich damit zunächst vielleicht noch Probleme, z.B. Gegenwind einhandelt."
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Nach dem Abstand einer Nacht möchte ich zusammenfassend noch einmal allen sagen:

Drum ermutige ich jeden, der beim Erfüllen aller Erwartungen der Anderen an sich Unbehagen verspürt, sich zum "Coming Out" zu trauen.
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Offline BerlinerKerl

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Nach dem Abstand einer Nacht möchte ich zusammenfassend noch einmal allen sagen:

Drum ermutige ich jeden, der beim Erfüllen aller Erwartungen der Anderen an sich Unbehagen verspürt, sich zum "Coming Out" zu trauen.

Danke
Ich emanzipiere mich, wer kommt mit?

Offline MAS

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Das "coming out" zum Eigensinn!

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Was meinst Du, Micha?

Ist Rocktragen am Mann für Dich Eigensinn?
Oder ist Bekenntnis zu einer bestimmten Sexualität oder geschlechtlichen Zugehörigkeit für Dich Eigensinn?
Ist "Coming Out" für Dich Egoismus?

P.S.: Etwas mehr Hintergrundinformation würde so manchem Beitrag gut tun.
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Was meinst Du, Micha?

Ist Rocktragen am Mann für Dich Eigensinn?
Oder ist Bekenntnis zu einer bestimmten Sexualität oder geschlechtlichen Zugehörigkeit für Dich Eigensinn?
Ist "Coming Out" für Dich Egoismus?

P.S.: Etwas mehr Hintergrundinformation würde so manchem Beitrag gut tun.


Den Text müsstest Du kennen, lieber Wolfgang:
https://michael-alwis-schmiedel.blogspot.com/2005/03/sozialverantwortlicher-eigensinn.html
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Offline Skirtedman

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Nun, dieser Text gehörte zugegebenermaßen bislang noch nicht zu meinen persönlichen Billboard Hot 100 unerlässlicher Standardwerke, vermutlich allerdings aufgrund meiner groben Unkenntnis dieses Aufsatzes.

Zu gegebener Zeit werde ich diese unendliche Geschichte aber bei einer Revision der Standardwerke für ein künftiges Ranking mit berücksichtigen.
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