Man kann den Gewöhnungsprozess, der zur Änderung der Normen führt, kaum durch Diskussionen beschleunigen. Das geht eher durch angemessenes, wiederholtes Handeln.
Da gebe ich Dir überwiegend Recht. Überwiegend.
Dennoch füttere ich gerne die wabernde Wolke des Geredes über mich mit ein paar, meine Intention unterstützende Fakten (Meme) an Stellen, die Bereitschaft zum Wissenwollen signalisieren (an mich gerichtete Fragen).
Geredet wird ja sowieso über mich, bestimmt nicht immer (so wichtig bin ich den meisten nicht), aber gelegentlich. Und in dieses Gerede möchte ich schon ein paar Impulse meiner Intention mit einwirken lassen. Das wird die Redenden vielleicht nicht abhalten, trotzdem andere Inhalte mit mir zu verknüpfen, aber ich lasse deren Phantasien nicht völlig freien Lauf.
Dass cephalus kaum Nachfragen über seine Intention erreichen, mag eventuell an seiner anders gestalteten Freizeitstruktur liegen im Gegensatz zu mir. Ich hatte vor Jahrzehnten vor allem auch aus der Verwandtschaft und dem Bekanntenkreis diese Fragen, parallel aber auch von mir unbekannten sprichwörtlich dahergelaufenen Menschen. Meist habe ich gerne Frage und Antwort gestanden. Inzwischen bin ich seit Jahren, ja Jahrzehnten häufig bei Gelegenheiten anzutreffen, die als offene Begegnungspunkte fungieren. Ich gehöre also nicht nur zum Stadtbild, bin oft auch anzutreffen und auf lockerem Niveau unverbindlich anzusprechen. Da ergeben sich für mich vielleicht deutlich mehr Möglichkeiten, Rede und Antwort zu stehen.
Freilich eröffnet mein Freizeitverhalten auch deutlich mehr Menschen die Chance, über mich zu reden, nicht zuletzt, weil sich auch schon ein persönlicher Kontakt mit mir ergeben hat.
Ganz frisch zuletzt am vorherigen Wochenende. Versehentlich kam ich mit einem mir Fremden ins Gespräch (ich hielt ihn im Halbdunkeln und im Augenwinkel für meinen Kumpel, der einen Moment zuvor noch an dieser Stelle hinter mir stand). Er würde mich seit Jahren, ja Jahrzehnten kennen, und konnte mich auch meinem aktuellen Stadtviertel zuordnen. Er hätte mit mir auch schon geredet (und wahrscheinlich getrunken), Jahre her, sagte der mir Fremde. Und meinen Vornamen wusste er auch aus dem Effeff. Er gab sich gleich als guten Kumpel einer meiner lockeren Bekannten aus. Und er spulte "die Leier" ab: "Was ich schon immer mal fragen wollte, ..." ... ... ...
Seine Zunge war nicht mehr ganz so unberührt von - zu diesem Zeitpunkt - Bier. Und er deklinierte 10, 15 Minuten lang alle die Themenbereiche durch, die ich vorhin angerissen habe (siehe
Link). Ohne diese lockere Atmosphäre hätte er es vielleicht bei einer einzigen Frage belassen, oder gar nicht erst gefragt. So sprudelten aber seine Gedankengänge etwas ungehindert über seine Lippen.
Ich gab vertiefende Antworten und beließ es nicht bei "Weil ich es mag. Punkt."
Mein Kumpel stieß dann nach einer Weile hinzu und bewunderte mein Durchhaltevermögen. Aber das ist, wenn es passt, meine Herangehensweise, Meme ins Gerede zu setzen.
Und mit Sicherheit wird der betreffende Fremde irgendwann unserer gemeinsamen Bekannten von unserem Zusammentreffen erzählen. Und mit Sicherheit wird es nicht bei der Info bleiben: "Ich habe den Wolfgang getroffen. Punkt."
P.S., da Yoshi zwischenzeitlich noch was beitrug: Ich rede nicht von langen Erklärungen, ich rede von Antworten. Und ich erlaube mir, auf eine ehrlich gemeinte Frage eine Antwort zu geben, die sieben Worte übersteigt.
Und Yoshi: klar müssen Antworten, auch lange Antworten immer noch nicht ausreichend sein, ein Gegenüber zu überzeugen. Es gibt aber dem Gegenüber die mögliche Chance, sich mit den Inhalten der Antwort auseinanderzusetzen. Ob das Gegenüber das macht, seine Sache.