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Ja, ich kann mich der Sichtweise von Bernd voll und ganz anschließen.
Auch ich entspreche in vielen Dingen wie Charakter, Verhalten, Interessen nicht dem, was man gemeinhin als "typisch männlich" darstellt und eine gewisse Typisierung von "was ein Mann so macht" vornimmt "und was nicht". Und dennoch kann ich so unbehelligt mein Leben führen. Ja, und auch mit meiner Kleidung kann ich das ebenso. Das finde ich toll. Freilich sieht man mein Uninteresse an Fahrzeugtypen, Sportergebnissen und meine nicht ausgeprägten Grillvorlieben meistens mir nicht auf Anhieb an. Meine Kleidungsvorlieben aber sofort.
Ich finde es richtig und wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wie andere Menschen, besonders Männer, zu unserem Kleidungsstil stehen und inwieweit das noch eine breitere Welle in der Gesellschaft nehmen könnte, und woran es liegt, dass es noch immer nicht eine breitere Masse von uns als Inspirationsgeber adaptiert hat.
Wir haben schon vielfach hier im Forum uns Gedanken dazu und zu den Rollenbildern bzw. Rollenerwartungen von Männern gemacht. Vielleicht hatten wir es bisher noch nie so schön ausgedrückt, wie Ihr das in den letzten Tagen hier gemacht habt.
Ich weiss, wie wünschenswert für viele von uns es wäre, wenn wir zahlenmässig mehr in der Gesellschaft sichtbar wären. Es würde auch die tatsächliche oder virtuelle Last von uns einzelnen nehmen, uns immer wieder erklären zu müssen oder uns mit falschen Zuordnungen konfrontiert zu sehen. Um noch selbstverständlicher Rock und Kleid im Alltag tragen zu können, ist es am wichtigsten, dass in der Gesellschaft allgemein bekannt wird, dass es eben auch Männer gibt, die sich voll und ganz als Männer sehen und trotzdem Röcke bzw. Kleider tragen möchten. So, wie es sich herumgesprochen hat, dass Frauen Hosen, Kleider oder Röcke tragen, ohne damit eine darüber hinaus gehende Botschaft ausdrücken zu wollen.
Die einzige Möglichkeit, das zu vermitteln, ist (abseits einer potenziell forums- oder vereinsbasierten Öffentlichkeitsarbeit) dass das jeder von uns in seinem eigenen Lebensbereich vorlebt und in Begegnungen mit anderen Menschen verbal oder non-verbal vermittelt, dass der Rock am männlichen Mensch nichts weiter zu bedeuten hat, wie eine Hose am weiblichen Mensch.
Frauen haben viele Rollenerwartungen, die man in den 50er Jahren noch an eine Frau hatte, inzwischen abgelegt. Es käme heute wahrscheinlich niemand in der Mehrheitsgesellschaft mehr auf die Idee, die Rollenerwartung an Frauen beim Punkt Kleidung wieder auf nur noch Rock oder Kleid zu verengen. Rein formal gibt es heute eigentlich keine Rollenerwartung an die Frau mehr, was Bekleidung betrifft (wenn man von Details absieht).
Vielleicht müssen wir in unseren eigenen Köpfen auch erst einmal den Gedanken streichen, dass wir mit unserer freien Kleidungswahl nicht den Erwartungen entsprechen. Ich hege ja auch keine Gedanken in meinem Kopf, wie Person X oder Y sich zum nächsten Zusammentreffen kleiden wird. Warum sollen andere an mich Erwartungen haben, wie ich mich kleide?