Nun eine ausführlichere Reaktion auf Deine Einwände von vorhin:
Lieber Wolfgang,
die genaue Formulierung der Antwortmöglichkeiten ist das eine, aber noch kritikwürdiger ist m.E. die normative Tendenz der Fragestellung. ... ... ... ...
Ich habe nicht alles aus Deinem Beitrag nun hier zitiert, worauf ich mich beziehe...
Du unterstellst mir, eine bestimmte Präferenz meinerseits herausbekommen zu wollen.
Erste Antwort, haben wir inzwischen schon festgestellt: Eine neutrale Fragestellung ist kaum möglich, wenn man vom Thema selbst betroffen ist.
Zweite Antwort: Ich empfinde es als eine Unterstellung, dass ich mich von einer bestimmten Gruppe "distanzieren" wolle. Und dass es sich gravierend auf die Fragestellung der Umfrage auswirke.
Zum einen vermischst Du immer "seine eigene Identität gegen andere Identitäten abgrenzen" mit "Menschen anderer Identitäten nicht mögen". Beides ist etwas völlig anderes und kann unabhängig voneinander so oder anders in Kombination miteinander existieren.
Zum anderen beinhalten 4 meiner 6 Antworten die Gruppe LGBTQ+, zwei enthalten sie nicht.
Diese 4 Antworten beinhalten jeweils 2 "pro" bzw. "contra".
"Contra" bedeutet aber nicht, diese Gruppe abzulehnen. Es bdeutet nur, dass sie nicht aktiv förderlich ist bei dem, was abgefragt wurde.
In gleichem Gewicht beinhalten die "Pro"-Antworten eine Zustimmung, dass diese Gruppen aktiv förderlich sind bei dem, was abgefragt wurde. Ziemlich neutral, im Grunde. (mit einer kleinen Ausnahme, dazu später)
Die beiden Antworten, die nicht LGBTQ+ enthalten, sind neutral, im Gegenteil: sie implizieren sogar eine gewisse LGBTQ+-Freundlichkeit.
Und überhaupt: Die Umfrage fragt nicht nach der LGBTQ+-Freundlichkeit des Teilnehmenden, sondern sie fragt nach dem Einfluss von LGBTQI+, der beim Fragekomplex eine positive oder negative Auswirkung beinhalten kann (hilft mir / hilft mir nicht).
Drum, Micha, verwechselst Du da einiges und siehst es mit Deiner persönlich vorgetrimmten Brille.
Sehr wohl - und hier liegt der eklatanteste Schwachpunkt meiner Antwortoptionen - hat die eine "contra"-Option eine Formulierung (oder einen Bedeutungsschwerpunkt), der als fundamental LGBTQ-kritisch/feindlich gelesen werden kann. Muss es aber nicht bedeuten, denn Abgrenzung von X muss nicht Ablehnung von X bedeuten, siehe oben.
Dass genau aus Sicht von X die Formulierung der Antwortoption 5 die ganze Umfrage als X-ablehnend gedeutet werden kann, mag sein, ist so aber nicht gemeint.
Die größte Schwachstelle meiner Umfrage aber ist im Umfeld der Antwort 5, dass sie sehr eng sich im Spektrum der denkbaren Antwortbandbreite auf einen kleinen Bereich verdichtet und drumrum andere Antwortkonstellationen nicht anbietet. Das habe ich erkannt, war mir vor dem Abschicken schon unterschwellig bewusst, und das räume ich ein. Aus bereits erwähnten Gründen habe ich da nicht mehr nachjustiert.
Um kurz noch eine Analyse des Umfrage-Designs abzugeben bzgl. Intention:
Ja, ich wollte eine Lagebestimmung im Forum vornehmen. Ich denke, das haben viele Umfragen hier so im Sinn.
Bei der Fragestellung kreuzen sich zwei Komplexe:
Komplex LGBTQ+, Komplex Familie (repräsentiert durch eigene Kinder, eigene Eltern, eigene Partnerin)
Welche Wechselwirkungen sind da bei unseren Forumskollegen zu beobachten?
Quasi von zwei Skalen durchzogen: Gut bis schlecht. Stark bis gar nicht.
Jeweils gepaart mit der Tendenz 'völlig egal' bis 'ich weiß doch auch nicht'.
Bewusst habe ich die Abstimmungsergebnisse nur freigegeben für Teilnehmer der Umfrage. Es hatte aber ziemlich schnell jede Option schon mindestens eine Stimme erhalten, soviel sei schon mal verraten.
Und jetzt noch ein letztes:
Wieso hat mir noch niemand eine Tendenz unterstellt, ich habe andere Beziehungen nicht mit eingeschlossen,
denn ich rede immer nur von "Partnerin".
Ja, habe ich. Bewusst. Weil das Konfliktpotential Partnerin / LGBTQ+ sicherlich ein anderes ist, als wenn es sich um einen Partner handelt.
Wer daraus mir eine Ablehnung von Männer-Beziehungen ableiten will, der liegt falsch. Ich grenze mich von diesem Beziehungswunsch für mich ab, aber ich lehne solche Beziehungen anderer Menschen nicht ab. Warum sollte ich?
Genau so geht verhält es sich zwischen mir und LGBTQ+, nicht anders.