Gut, Micha, dass Dir mit ein wenig Distanz eine Selbstreflektion gelingt.
Dass Du nicht alleine bist, Deine eigene Meinung für eine bessere zu halten, ist eine gute Selbstbeobachtung. Dein Satz: "Der andere soll schließlich nicht dumm sterben!" ist allerdings in der Lage, Dich für arrogant halten zu können. Ein Mensch mit anderer Meinung muss nicht dümmer sein als Du, er hat eben z.B. aus den von Dir gerade beschriebenen Gründen nur eine von Dir abweichende Haltung dazu.
Vielleicht meinst Du diesen Satz eher so, was mir dazu für mich einfällt: "Ich will nicht dumm sterben!" Und deswegen interessieren mich oft andere Meinungen, besonders solche, die für mich nicht nachvollziehbar erscheinen. Das Wissen um die andere Meinung ist bereichernd. Bereichernd ist für mich vor allem, wenn die andere Meinung umfassend dargelegt wird mit weiteren Hintergründen und Begründungen. Wenn ich dann noch Ansätze für mich finde, dies nachzuvollziehen, dann ist das für mich die größte Bereicherung.
Wir beide jedoch, Micha, geraten häufig nicht in Diskussion, weil neben Dir auch ich meine Meinung für die bessere halte. Meine Diskussion mit Dir beruht meiner Beobachtung nach fast immer darauf, dass Du neben dem geschriebenen Wort (von mir z.B.) immer noch eine große Sphäre der Meta-Ebene aufmachst, in die Du Eigeninterpretationen dort einlässt, die mit dem geschriebenen Wort nichts zu tun haben. Zudem schwelt in dieser Meta-Ebene Dein oftmals gut gemeintes großes Herz für alle und alles mit noch einmal vielen Kristallisationskeimen für Interpretationen, die Dein Nebelsensor schnell Deine Alarmglocke kräftig auslösen lassen. Wenn ich z.B. über über den "sich als Mann fühlenden Mann" sprechen möchte und diskriminierende Ausdrücke wie "normaler Mann" oder "richtiger Mann" versuche zu vermeiden, schrillt bei Dir die Alarmglocke, weil nicht gleichzeitig auch der Teebauer im oberen Nepal mitgemeint ist. Und sie schrillt, weil Du in meinen Satz oder Absatz sofort "toxische Männlichkeit" witterst und hineininterpretierst, die die Absicht habe, alles andere zu verdammen, obwohl keine Spur davon in dem Text vorhanden ist, oder bereits längst ausgeräumt wurde.
Meine Diskussionen mit Dir rühren zumeist genau daher, weil ich über die Aussage der Wörter meines Satzes / Absatzes / Beitrags rede, Du aber über Deine prallgefüllte Metaebene redest. Darum reden wir sehr oft und zumeist auch furchtbar bis nicht selten unfruchtbar aneinander vorbei.
Nicht meine Meinung ist es, die ich für die bessere halte und darum verteidigen wollte, sondern worüber ich diskutiere, ist über den Text und seine Aussage, während Du über Deine Metaebene diskutierst. Eine nüchterne sachbezogene Diskussion mit Dir ist zumeist erst nach etlichen Seiten und Beitragsstunden möglich; zumeist reden wir dennoch bis zum Schluss noch aneinander vorbei, weil Deine Wolke von der Metaebene undurchdringlich ist und sich stetig aus weiteren frischen scheinbaren Indizien ernährt. Gegen Deine Metaebene ist selbst mit mit viel Mühe meistens nicht anzukommen.
Das fühlt sich dann für mich an, wie gegen Windmühlen zu kämpfen. Und diese Signale sendet Dir Deine Metaebene auch, begleitet von beständigem Alarmglockenschrillen.

Und genau das hat sich auch hier wieder in diesem Thread ereignet.
Deine Metaebene ist voll von Deiner Meinung. Mein Text ist eine Aussage, die oftmals noch nicht mal meiner Meinung entspricht.