Da war mein Musikgeschmack noch näher an den aktuellen Charts. Mit 18 hatte ich dann ein Auto und dann ging es in die Disco, wo dann noch andere Musik gespielt wurde.
https://www.youtube.com/watch?v=hoO53l0fUZ0&list=RDhoO53l0fUZ0&start_radio=1
Den Song und die Band C.C.C.P. kannte ich noch gar nicht.
Der Mensch am linken Synthie, ich musste mehrfach hinsehen, das ganze Video über, bis ich mir zwischendurch mal ziemlich sicher war, das muss ein Mädel am Synthie sein. Sehr weiche Gesichtszüge. Lockig wallende Haarpracht, weite Bluse, und ein weiter Rock, der nur in den Totalen (Kameraeinstellung mit allen drei Musikern o.ä.) seine tatsächliche Identität als Hose preisgibt. Nur die Armproportionen und die körperlichen Bewegungen liessen mich zweifeln. In der Tat: der Mensch am linken Synthie ist ein Mann. Das war 1987.
Aber nach heutiger Sichtweise hat er ein völlig feminines Erscheinungsbild. Er ist quasi die konsequente Weiterentwicklung von George Michael und Thomas Anders. Ich weiß, sowas gab es - von vielen damals gar nicht unumstritten. Es ließ mich aber damals hoffen, die Entwicklung ginge weiter und der allgemeine Schritt zum Rock am Mann wäre bald erreicht. - Wie wir alle wissen, meine Hoffnung hat sich nicht erfüllt.
Und dann gab es die Einkaufsfahrten nach München ins WOM und wir kamen mit einem Stapel Schallplatten wieder heraus.
Ich stöberte auch alle erreichbaren Plattenläden durch. Und was bei Dir der Ausflug zu WOM war, war bei mir der konzertierte Ausflug zu Saturn-Hansa. Ich quälte mich quer durch die unübersichtliche Frankfurter Innenstadt, um auf der gegenüberliegenden Seite nach Bornheim an die Berger Straße zu kommen. Jedesmal optimierte ich meine bisherige Fahrtroute. Und ja, bei zwei Platten blieb es selten.
Auf drei, oder waren es fünf, großen Kaufhausetagen gab es für jegliche Musikrichtung ganze Abteilungen. Da kaufte ich mir z.B. auch das Album The Glenn Miller Story und entdeckte damit quasi die Musik von meinem Vater, die er sich aber nie selbst als Platte zugelegt hatte und die auch so gut wie gar nicht im Radio und Fernsehen vorkam. So etwas hatte er früher mal selbst in einer Lokalband gespielt. Sie spielten auch mal als Vorband oder irgendwie zusammen mit Paulchen Kuhn. Die räumliche Nähe zum damaligen Zentralstudio von AFN spielte da eine wesentliche Nähe.
Aber Saturn-Hansa hatte noch viele andere interessante Ecken und da wurde mein zentrales Special Interest bedient, aber auch durchaus erweitert. Ich hatte eine gewisse Möglichkeit, Menschen mit meiner Musik zu bereichern, da ergab es sich, dass ich auch Sachen kaufte, die einfach dazugehört, also jenseits meines Zentralinteresses. So kam es dann auch, dass ich quasi als DJ das 9-stündige Musikprogramm eines Polterabends gestaltete, und ich stolz war, jedem Alter in gewisser Weise gerecht werden zu können. Ich habe sogar ein Verfahren entwickelt, um die verschiedenen Musikgeschmäcker immer mal wieder zu bedienen und mein programmierbarer Taschenrechner spuckte mir aus, welche Musikgeschmäcker wie dringend wieder bedient werden müssten. Das war irgendwie Ende der 80er. Und ich hatte ein Repertoire von 1926 bis damals aktuell.
https://www.youtube.com/watch?v=NKDHRpmG4rk&list=RDNKDHRpmG4rk&start_radio=1
Matia Bazar - Ti sento
Auch da kreuzen sich unsere beiden Musik-Vitae.
Eine Freundin einer Freundin einer meiner späteren Freundinnen kam auf irgendeiner Küchenparty auf die Idee, mich nach dem Lied Ti sento zu fragen, ob ich das ihr beschaffen könne. Das war Anfang oder Mitte der 00er. Es dauerte dann drei Jahre, bis ich den Wunsch ihr erfüllen konnte (irgendwie war die Single nach einem Umzug noch nicht ausgepackt). Seitdem habe ich ihre Nummer in meinem Handy. In neuester Zeit laufen wir uns ab und zu mal wieder über den Weg und die Überraschung war groß, dass ich sofort ein Selfie von uns ihr schicken konnte.

Aber Ti sento kreuzt sich mit meiner Musik-Sozialisation noch einmal auf ganz andere Weise.
Und das packe ich wegen Übersichtlichkeit am besten in einen neuen Beitrag.