Autor Thema: Rock und Rock  (Gelesen 1837 mal)

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Antw:Rock und Rock
« Antwort #45 am: Gestern um 19:27 »
(es folgt Lesestoff für Fastnachtsmuffel)

Meine Mutter konnte mit Englisch nix anfangen. Der Krieg beendete ihre Schullaufbahn und sie hatte kein Englisch gehabt. Auch hatte sie schlechte Erfahrungen gesammelt in den ersten Tagen, als die Amerikaner uns befreit hatten. Drum beklagte sie sich öfters, wenn im Radio vermehrt englischsprachige Lieder liefen. Irgendwann als braver Bub unterstütze ich sie, wenn ein Lied in Englisch kam, schaltete ich mit Kommentar das Radio aus, um es nach zwei Minuten wieder einzuschalten. Ich weiss nicht, wie alt ich war, Grundschulbub oder schon 5. oder 6. Klasse. Die ersten zwei Jahre fiel mir in der Schule übrigens Englisch total leicht: ich musste null dafür lernen.

Irgendwie reichte die Performance der Englischlehrerin, mehr brauchte ich nicht. Das kam wohl aus dem Gefühl heraus.
Früher schon hatte meine Oma mal erstaunt festgestellt, dass ich so gutes Hochdeutsch sprechen würde, woher das käme, von der Schule? Hm. Mir war das gar nicht aufgefallen. Aber ja, scheinbar redeten wir doch eigentlich recht dialektal gefärbt.
In den 60er/70er Jahren kamen recht viele Ministerialangestellte gerade aus dem Raum Trier, mehr Eifelgegend, zu uns in den Stadtteil. Auch gab es auffallend viele Norddeutsche, die sich in den Neubaugebieten angesiedelt haben. Und die Nähe zur Uni, die stark wuchs, brachte auch nochmal Zuzug von sonstwoher. Ich denke, nicht nur durch den Unterricht, sondern wegen dem Zungenschlagmix unter den Mitschülern ergab sich, dass mein Dialekt für den Normalgebrauch mehr verblasste.

Und ich denke, darauf baut sich auch mein "Talent" auf, das Englische zu inhalieren. In den ersten zwei Englischklassen war das für mich wohl einfach nur eine fortgesetzte Variante von Deutsch.

Trotzdem stand ich nicht so auf englischsprachige Musik. Und während sich der Musikgeschmack meiner Mitschüler schon von dem ihrer Eltern verselbständigt hatte, hatte ich noch keine eigene Meinung dazu. Anders vor allem meine älteste Schwester. Sie wurde bisweilen etwas flügge und zog in Kreise, die nicht nur englischsprachige Musik spielten, sondern auch laut und noch dazu ganz furchtbar: Beat der 70er. Da war ich mit meiner Mutter einer Meinung: Krach.

Da kam es dann auch, als wir Kinder aus dem Gröbsten raus waren, dass meine Eltern mit uns verstärkt kulturell geprägte Urlaub in Italien machten. In den wilden Jahren meiner Eltern, kurz nach ihrer Heirat, sind sie mit der Vespa nach Innsbruck in Urlaub gefahren, angeblich, aber die Postkarten kamen aus Neapel. Diesem Lebensgefühl von damals wollten sie mit uns nachspüren, und das hat auf vielfältige Weise abgefärbt.

Bei englischsprachiger Musik auf den Text zu achten, war mir zu lästig. Bei deutscher Musik aber auch. Da mögen ein paar trolligere Lieder von Reinhard Mey z.B. ein paar Ausnahmen bilden, aber das Liedermachertum der 70er, wo das Wort, oft politisch inspiriert, die wichtigere Botschaft war als der Gesamtklang, war mir alles zu anstrengend. Musik ist für mich etwas begleitendes, was schön daher kommen muss, Musik soll - außer zum Tanzen - nicht den Großteil der Aufmerksamkeit binden für mich. Das war dann mit italienischer Musik etwas anders. Der Klang der Sprache transportierte Lebensgefühl, das nach Urlaub roch. Zwar achte ich bei italienischsprachiger Musik auch nur begrenzt auf die Texte, aber doch schon deutlich mehr. Italienischkenntnisse habe ich überwiegend durchs Radiohören erlangt. Das Radio hatte ich von Anfang an dabei. Während in Deutschland Legislaturperioden hinweg Privatradio blockiert wurde, gab es in Italien eine absolute Radiovielfalt. Alleine Florenz hatte über 30 Radiosender, und aus dem Umland nochmals so viele. Bei der Anzahl der Radiostationen in Rom brauchte man gar nicht erst anfangen nachzuzählen.

All das verkörperte, dass mein sich auf die Flügel machender eigener Musikgeschmack sehr sich auf die populäre italienische "Hitpereed" konzentrierte. Das war für mich quasi das Gegengewicht zur englischsprachigen Musik.

Das erweiterte sich, als auch die Deutschen anfingen, in der eigenen Sprache populärfähige Musik zu machen: die Neue Deutsche Welle. Da war dann für mich der Text etwas wichtiger, weil da ja auch zunächst recht viel Blödeleien transportiert wurden (umliegende Gebiete mit eingeschlossen): "I bin do kei Hotel", "Ich muss die Stroßebahn noch krieje", "Hit me with your rhythm stick", "Draa di net um", "Da Da Da", "Die Polizeieieieiei...", "Bruttosozialprodukt" und so weiter.

Auch Dialekte fand ich spannend. Und da wurde ich in Frankfurt bei Saturn-Hansa fündig. Fast ein halbes Stockwerk widmete sich Italien. Da lagen meist Texte bei, die zu analysieren fand ich interessant - dann oftmals auch jenseits von populärem Mainstream: Fabrizio de´Andrei z.B. Oder Pino Daniele, für mich beginnend mit Nero à metà.

Und als ich vom belgischen Fernsehen RTBF die Musikjugendsendung Cocoricocoboy auf TV5 sah, wurde die Pariser Band Gipsy Kings vorgestellt. Wenige Tage später schwang ich mich ins Auto und durchstöberte den fnac in Metz und kam nicht nur mit den Gispy Kings wieder, sondern auch z.B. mit Madame Reichert aus Südfrankreich. Ich musste abends übrigens zu einer Tanzprobe wieder in Mainz sein, die Truppe wäre aufgeschmissen gewesen, wenn ich gefehlt hätte. Madame Reichert singt à capella mit ihrer 80-jährigen Stimme Volksweisen in französisch und provenzalisch/okzitanisch. Texte dabei. Da isses wieder, das Interesse an Dialekten bzw. Sprachen.

Das eröffnete mir ein reiches Bouquet an neuen Musiken. Und überhaupt, nach Metz bin ich noch 12 weitere Male in diesem Jahr auf Eintagestouren in Frankreich gewesen. Wir reden über 1988. Dort auch die Radiolandschaft genossen. Und auch da viele Einflüsse mitbekommen. Ganze Mix-Alben wie "Voilà les Hits 1987" gekauft. Der französische Musikmarkt eröffnet einen ganzen Kontinent, ach was, die ganze Welt. Unglaublich, wieviele spanische Einflüsse dort präsent sind / waren. Aber natürlich auch alles, was aus DOM/TOM kommt oder die ehemaligen Kolonien betrifft: Südsee, Karibik (Zouk), Lambada, Maghreb, Afrika.

Nur mal als Beispiel:
Sappho - Live au Bataclan
Mory Kanté - Yé Ké Yé Ké
Das kannte ich alles schon, auch die Gipsy Kings, bevor das in Deutschland bekannt wurde.

Sogar via Frankreich erschloss sich mir Johnny Clegg mit Juluka bzw. Savuka, der ja dann mit dem Mandela-Hit Asimbonanga auch in Deutschland Welterfolge feierte.

Also: die 80er Jahre, besonders Mitte, Ende, bis Anfang 90er waren für mich ganz wichtige musikalische Jahre, die Wurzeln in den 70ern mit Italien gelegt.

Bis in die 00er Jahre noch sammelte ich Pino Daniele zum Beispiel.
Mit Aufkommen von mp3 und mp3-Playern (mein erster hatte 64 MB, und da hatte der Versender aus Versehen noch einen zweiten mit 128 MB beigelegt) hat sich das bei mir aber nach und nach radikal verändert. Ich hörte auf, Musik zu sammeln. Anfangs dann noch per Torrent. Z.B. aufwendig digitalisiert. Ich habe hier die Infrastruktur, zwei Platten parallel zu digitalisieren. Seit 10 Jahren bin ich zunehmend im Homeoffice. Ich könnte das alles beiläufig machen. Ich habe seitdem noch kein GB digitalisiert. Irgendwie schade. Aber schreibe lieber beiläufig Beiträge für das Forum. Das bindet schon genug meiner Aufmerksamkeit. Und die dessen, der das mal lesen wird.

Jedenfalls ist mein Musikgeschmack ein breiter. Bestimmte Stile kamen dann noch über wichtige Freundinnen mit hinzu. Vor allem frauengemachte Musik, Singer-/Songwriterinnen, dort, wo´s Herz aufgeht. Norwegische Musik sei noch zu erwähnen. Maria Solheim z.B., die ich Kaiserslautern besuchte, oder war´s München. Oder Klezmer, deswegen auch bei Giora Feidman persönlich gewesen. Per Lebensgefühl kam auch das friedliche Techno hinzu. Oder die Kontakte bei Festivals, wo ich an der Berichterstattung mehrere Jahre beteiligt war. Hier zum Beispiel aus wieder Frankreich Bratsch, die Gipsy mit Balkan vermischen. Oder Absint Orkestra, die Balkan mit allerlei anderem verschmelzen. Ja, hier ist eine breite Schnittstelle zu Micha´s Folk.

Aber Hard Rock ist nach wie vor nicht so mein´s.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

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Antw:Rock und Rock
« Antwort #46 am: Gestern um 19:42 »
Mir hat vor ein paar Monaten eine Kollegin erzählt, dass sie in einem Hans-Zimmer-Konzert war. Sie war sehr begeistert.
Mir fallen als Filmmusikkomponisten aus meiner Jugend ein: John Williams, Klaus Doldinger, Trevor Jones, Jerry Goldsmith, James Horner, Enno Morricone. Sicher waren da noch mehr.
Da wir ungefähr gleich alt sind, ist deine Jugend auch meine Jugend.
John Williams war glaub ich Star Wars
James Horner StarTrek 2
Klaus Doldinger Das Boot
Ennio Morricone bekannt für die italo Western von Sergio Leone und Sergio Corbucci , es gibt aber auch viele andere Filme mit seiner Musik.
Jerry Goldsmith hat auch sehr vielen Filmen seine Musik verliehen. mir fällt nur keiner ein.

John Williams: Star Wars, Der weiße Hai, Indiana Jones, Superman, E.T., Das Reich der Sonne, Der Patriot u.v.a. https://de.wikipedia.org/wiki/John_Williams_(Komponist)
Klaus Doldinger: Das Boot, Die Unendliche Geschichte, Tatort u.v.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Doldinger
James Horner: Willow, und hier und da hörte ich ihn auch heraus, aber mehr fällt mir nicht ein, aber: https://de.wikipedia.org/wiki/James_Horner. Das er auch Star Trek-Musik machte, wusste ich nicht.
Trevor Jones: Der dunkle Kristall, Der letzte Mohikaner u.v.a.: https://de.wikipedia.org/wiki/Trevor_Jones Auch dabei Excalibur. Das wusste ich gar nicht.
Jerry Goldsmith: Gremlins, Star Trek u.v.a.: https://de.wikipedia.org/wiki/Jerry_Goldsmith
Ennio Morricone: ja viele Western: https://de.wikipedia.org/wiki/Ennio_Morricone

Die meisten der jeweils aufgeführten Filme kenne ich gar nicht. Aber es sind eben auch wichtige Filme für mich dabei.

LG, Micha
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Antw:Rock und Rock
« Antwort #47 am: Gestern um 19:54 »
Weil ich grade "Micha´s Folk" lese,

sollte ich vielleicht noch ein bisschen was erzählen. Mir fallen da gerade die Arbëchterlieder ein, die ich aus Luxemburg mitgebracht hatte. Auch mit Text, auch interessant. Fand auch immer lustig, auf RTL 92,5 die Werbung von der "Spuerkeess" zu hören (ue getrennt sprechen, genauer noch langes uu; = Sparkasse). Das aber wollte ich gar nicht erzählen.

Bei meinen Stöbereien nach Vinyl, ob in Frankreich oder hiesig, bin ich auch u.a. Platten z.B. einer türkischen Band aus dem Ruhrgebiet begegnet, Bandname vergessen. Oder Samplern wie "From Stambul to Cairo"  mit allerlei Musik aus Nahost, aber auch dem Maghreb. Oder der Band "3 Mustaphas 3", die angeblich albanischen Pop gemacht haben. Darüberhinaus albanische Musik aus Italien etc. Nun, das alles, mit ganz viel Gipsy Kings, habe ich auf einer 90er Cassette best-of zusammengestellt und auf der Heimfahrt eingeworfen, als ich mit vollbesetztem Auto im Frühjahr 1988 aus Straßburg über die Autobahn heimwärts gebrettert bin.
Irgendwann bemerkte einer: coole Musik. Ich kenne da aber nix davon. Bis dann seine Schwester meinte: das ist doch alles Ethno. Ja, das war mein Ziel, genau so einen Querschnitt meiner bis dahin angesammelten Ethnomusik zu machen. Assortiertes Best-of eben. Das fiel mir eben noch schnell ein...
Achja, die Belastbarkeitsgrenze der Schwester war dann am Stadtrand von Mainz erreicht...  :D
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« Antwort #48 am: Gestern um 20:15 »
Was für eine Vita, lieber Wolfgang, die ich gerade mal überflogen habe!

Für mich war der Saturn in Köln auch immer wieder mal eine Reise wert. Erstmals besuchte ich den Laden, als wir mit der Schule in Köln waren, so Anfang der 1980er. Ich kaufte damals eine Cassette namens "Country & Western Gold", die aber eigentlich ganz urigen Bluegrass enthielt:
"Rye whiskey, rye whiskey, rye whiskey I cry, if I don't get rye whiskey I shurly will die!"
"I was born in Portland town, I was born in Portland town, yes I was, yes I was!"

Ich verstehe oft englische Lieder gar nicht so gut, sondern bin froh, wenn ich die Texte zum Mitlesen habe. Aber gerade bei dieser MC verstand/verstehe ich recht viel. Und bei John  Denver, den ich auch immer gerne hörte.

Meine ersten beiden selbst gekauften bespielten Musiktonträger kaufte ich aber beim Kaufhof in Koblenz: Eine MC mit dem schlichten Titel "The Dubliners" und die LP "Bitte recht freundlich" von Truck Stop: "Jana Papa trommeln Truck Stop, Jana Papa sing, Jana gar nicht müde, Jana noch nicht heia gehn". Das war 1980.
Auf der Dublines-MC ist ein schottisches Landstreicherlied, das seit dem zu meinen absoluten Lieblingsliedern gehört, auch wenn ich wegen des schottischen Dialekts selbst gelesen nicht alles verstehe, wenn da z.B. "tae", statt "to" steht. Aber die letzte Zeile ist so schön: "And if the wather treats me right I'm happy every day!" The Lied heißt "Tramps and Hawkers". Here it is: https://www.youtube.com/watch?v=mvPOTucka4w&list=RDmvPOTucka4w&start_radio=1
Inzwischen kann ich dem Text aber ganz gut folgen, wenn auch nicht in allen Einzelheiten.
Jedenfalls sollte das bei meiner Beerdigung gespielt werden.

Cephalus, Volksmusik kann sooo schön sein.

LG, Micha

PS: Die Battlefield Band hat auch eine sehr schöne Version davon: https://www.youtube.com/watch?v=RiBuINcv-Mo&list=RDRiBuINcv-Mo&start_radio=1

Aber hier zur Aufheiterung bayerische volkstümliche Musik Volxmusik, voller Selbstironie:
https://www.youtube.com/watch?v=B2pPvoE42lc&list=RDB2pPvoE42lc&start_radio=1
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« Antwort #49 am: Gestern um 20:34 »
Die meisten der jeweils aufgeführten Filme kenne ich gar nicht. Aber es sind eben auch wichtige Filme für mich dabei.
Als alter Fimfan, kenne ich ab den 70iger Jahren die meisten der Filme.
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« Antwort #50 am: Gestern um 20:54 »
Die meisten der jeweils aufgeführten Filme kenne ich gar nicht. Aber es sind eben auch wichtige Filme für mich dabei.
Als alter Filmfan, kenne ich ab den 70iger Jahren die meisten der Filme.

Hut ab!

LG, Micha

PS: Du hast weiter oben Clannad erwähnt. Die haben ja auch an der Musik zu "Der letzte Mohikaner" mitgewirkt, z.B. mit "I will find you": https://www.youtube.com/watch?v=G0np-5xbkus&list=RDG0np-5xbkus&start_radio=1 bzw. https://www.youtube.com/watch?v=_CI7Fo4p0v8&list=RD_CI7Fo4p0v8&start_radio=1 oder hier mit Filmszenen: https://www.youtube.com/watch?v=2O40qCivS74&list=RD2O40qCivS74&start_radio=1

Eines der ersten Lieder, die ich von Clannad hörte, ist aber dieses: https://www.youtube.com/watch?v=0VzIUfJakck&list=RD0VzIUfJakck&start_radio=1
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« Antwort #51 am: Gestern um 23:14 »
Das erste Mal dass ich Clannad gehört habe, war in der BBB Serie "Robin Hood", die in den frühen 80igern im Fernsehen ausgestrahlt wurde.
Meiner nach eine der besten Robin Hood Verfilmungen. Teils mit Stars in Gastrollen.
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« Antwort #52 am: Gestern um 23:25 »
(es folgt Lesestoff für Fastnachtsmuffel)

Meine Mutter konnte mit Englisch nix anfangen. Der Krieg beendete ihre Schullaufbahn und sie hatte kein Englisch gehabt. Auch hatte sie schlechte Erfahrungen gesammelt in den ersten Tagen, als die Amerikaner uns befreit hatten. Drum beklagte sie sich öfters, wenn im Radio vermehrt englischsprachige Lieder liefen. Irgendwann als braver Bub unterstütze ich sie, wenn ein Lied in Englisch kam, schaltete ich mit Kommentar das Radio aus, um es nach zwei Minuten wieder einzuschalten. Ich weiss nicht, wie alt ich war, Grundschulbub oder schon 5. oder 6. Klasse. Die ersten zwei Jahre fiel mir in der Schule übrigens Englisch total leicht: ich musste null dafür lernen.

Irgendwie reichte die Performance der Englischlehrerin, mehr brauchte ich nicht. Das kam wohl aus dem Gefühl heraus.
Früher schon hatte meine Oma mal erstaunt festgestellt, dass ich so gutes Hochdeutsch sprechen würde, woher das käme, von der Schule? Hm. Mir war das gar nicht aufgefallen. Aber ja, scheinbar redeten wir doch eigentlich recht dialektal gefärbt.
In den 60er/70er Jahren kamen recht viele Ministerialangestellte gerade aus dem Raum Trier, mehr Eifelgegend, zu uns in den Stadtteil. Auch gab es auffallend viele Norddeutsche, die sich in den Neubaugebieten angesiedelt haben. Und die Nähe zur Uni, die stark wuchs, brachte auch nochmal Zuzug von sonstwoher. Ich denke, nicht nur durch den Unterricht, sondern wegen dem Zungenschlagmix unter den Mitschülern ergab sich, dass mein Dialekt für den Normalgebrauch mehr verblasste.

Und ich denke, darauf baut sich auch mein "Talent" auf, das Englische zu inhalieren. In den ersten zwei Englischklassen war das für mich wohl einfach nur eine fortgesetzte Variante von Deutsch.

Trotzdem stand ich nicht so auf englischsprachige Musik. Und während sich der Musikgeschmack meiner Mitschüler schon von dem ihrer Eltern verselbständigt hatte, hatte ich noch keine eigene Meinung dazu. Anders vor allem meine älteste Schwester. Sie wurde bisweilen etwas flügge und zog in Kreise, die nicht nur englischsprachige Musik spielten, sondern auch laut und noch dazu ganz furchtbar: Beat der 70er. Da war ich mit meiner Mutter einer Meinung: Krach.

Da kam es dann auch, als wir Kinder aus dem Gröbsten raus waren, dass meine Eltern mit uns verstärkt kulturell geprägte Urlaub in Italien machten. In den wilden Jahren meiner Eltern, kurz nach ihrer Heirat, sind sie mit der Vespa nach Innsbruck in Urlaub gefahren, angeblich, aber die Postkarten kamen aus Neapel. Diesem Lebensgefühl von damals wollten sie mit uns nachspüren, und das hat auf vielfältige Weise abgefärbt.

Bei englischsprachiger Musik auf den Text zu achten, war mir zu lästig. Bei deutscher Musik aber auch. Da mögen ein paar trolligere Lieder von Reinhard Mey z.B. ein paar Ausnahmen bilden, aber das Liedermachertum der 70er, wo das Wort, oft politisch inspiriert, die wichtigere Botschaft war als der Gesamtklang, war mir alles zu anstrengend. Musik ist für mich etwas begleitendes, was schön daher kommen muss, Musik soll - außer zum Tanzen - nicht den Großteil der Aufmerksamkeit binden für mich. Das war dann mit italienischer Musik etwas anders. Der Klang der Sprache transportierte Lebensgefühl, das nach Urlaub roch. Zwar achte ich bei italienischsprachiger Musik auch nur begrenzt auf die Texte, aber doch schon deutlich mehr. Italienischkenntnisse habe ich überwiegend durchs Radiohören erlangt. Das Radio hatte ich von Anfang an dabei. Während in Deutschland Legislaturperioden hinweg Privatradio blockiert wurde, gab es in Italien eine absolute Radiovielfalt. Alleine Florenz hatte über 30 Radiosender, und aus dem Umland nochmals so viele. Bei der Anzahl der Radiostationen in Rom brauchte man gar nicht erst anfangen nachzuzählen.

All das verkörperte, dass mein sich auf die Flügel machender eigener Musikgeschmack sehr sich auf die populäre italienische "Hitpereed" konzentrierte. Das war für mich quasi das Gegengewicht zur englischsprachigen Musik.

Das erweiterte sich, als auch die Deutschen anfingen, in der eigenen Sprache populärfähige Musik zu machen: die Neue Deutsche Welle. Da war dann für mich der Text etwas wichtiger, weil da ja auch zunächst recht viel Blödeleien transportiert wurden (umliegende Gebiete mit eingeschlossen): "I bin do kei Hotel", "Ich muss die Stroßebahn noch krieje", "Hit me with your rhythm stick", "Draa di net um", "Da Da Da", "Die Polizeieieieiei...", "Bruttosozialprodukt" und so weiter.

Auch Dialekte fand ich spannend. Und da wurde ich in Frankfurt bei Saturn-Hansa fündig. Fast ein halbes Stockwerk widmete sich Italien. Da lagen meist Texte bei, die zu analysieren fand ich interessant - dann oftmals auch jenseits von populärem Mainstream: Fabrizio de´Andrei z.B. Oder Pino Daniele, für mich beginnend mit Nero à metà.

Und als ich vom belgischen Fernsehen RTBF die Musikjugendsendung Cocoricocoboy auf TV5 sah, wurde die Pariser Band Gipsy Kings vorgestellt. Wenige Tage später schwang ich mich ins Auto und durchstöberte den fnac in Metz und kam nicht nur mit den Gispy Kings wieder, sondern auch z.B. mit Madame Reichert aus Südfrankreich. Ich musste abends übrigens zu einer Tanzprobe wieder in Mainz sein, die Truppe wäre aufgeschmissen gewesen, wenn ich gefehlt hätte. Madame Reichert singt à capella mit ihrer 80-jährigen Stimme Volksweisen in französisch und provenzalisch/okzitanisch. Texte dabei. Da isses wieder, das Interesse an Dialekten bzw. Sprachen.

Das eröffnete mir ein reiches Bouquet an neuen Musiken. Und überhaupt, nach Metz bin ich noch 12 weitere Male in diesem Jahr auf Eintagestouren in Frankreich gewesen. Wir reden über 1988. Dort auch die Radiolandschaft genossen. Und auch da viele Einflüsse mitbekommen. Ganze Mix-Alben wie "Voilà les Hits 1987" gekauft. Der französische Musikmarkt eröffnet einen ganzen Kontinent, ach was, die ganze Welt. Unglaublich, wieviele spanische Einflüsse dort präsent sind / waren. Aber natürlich auch alles, was aus DOM/TOM kommt oder die ehemaligen Kolonien betrifft: Südsee, Karibik (Zouk), Lambada, Maghreb, Afrika.

Nur mal als Beispiel:
Sappho - Live au Bataclan
Mory Kanté - Yé Ké Yé Ké
Das kannte ich alles schon, auch die Gipsy Kings, bevor das in Deutschland bekannt wurde.

Sogar via Frankreich erschloss sich mir Johnny Clegg mit Juluka bzw. Savuka, der ja dann mit dem Mandela-Hit Asimbonanga auch in Deutschland Welterfolge feierte.

Also: die 80er Jahre, besonders Mitte, Ende, bis Anfang 90er waren für mich ganz wichtige musikalische Jahre, die Wurzeln in den 70ern mit Italien gelegt.

Bis in die 00er Jahre noch sammelte ich Pino Daniele zum Beispiel.
Mit Aufkommen von mp3 und mp3-Playern (mein erster hatte 64 MB, und da hatte der Versender aus Versehen noch einen zweiten mit 128 MB beigelegt) hat sich das bei mir aber nach und nach radikal verändert. Ich hörte auf, Musik zu sammeln. Anfangs dann noch per Torrent. Z.B. aufwendig digitalisiert. Ich habe hier die Infrastruktur, zwei Platten parallel zu digitalisieren. Seit 10 Jahren bin ich zunehmend im Homeoffice. Ich könnte das alles beiläufig machen. Ich habe seitdem noch kein GB digitalisiert. Irgendwie schade. Aber schreibe lieber beiläufig Beiträge für das Forum. Das bindet schon genug meiner Aufmerksamkeit. Und die dessen, der das mal lesen wird.

Jedenfalls ist mein Musikgeschmack ein breiter. Bestimmte Stile kamen dann noch über wichtige Freundinnen mit hinzu. Vor allem frauengemachte Musik, Singer-/Songwriterinnen, dort, wo´s Herz aufgeht. Norwegische Musik sei noch zu erwähnen. Maria Solheim z.B., die ich Kaiserslautern besuchte, oder war´s München. Oder Klezmer, deswegen auch bei Giora Feidman persönlich gewesen. Per Lebensgefühl kam auch das friedliche Techno hinzu. Oder die Kontakte bei Festivals, wo ich an der Berichterstattung mehrere Jahre beteiligt war. Hier zum Beispiel aus wieder Frankreich Bratsch, die Gipsy mit Balkan vermischen. Oder Absint Orkestra, die Balkan mit allerlei anderem verschmelzen. Ja, hier ist eine breite Schnittstelle zu Micha´s Folk.

Aber Hard Rock ist nach wie vor nicht so mein´s.

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« Antwort #53 am: Gestern um 23:55 »
Das erste Mal dass ich Clannad gehört habe, war in der BBB Serie "Robin Hood", die in den frühen 80igern im Fernsehen ausgestrahlt wurde.
Meiner nach eine der besten Robin Hood Verfilmungen. Teils mit Stars in Gastrollen.

Ja, die hatte was Mystisches, mit diesem Gott Herne (https://en.wikipedia.org/wiki/Herne_the_Hunter), der ab und zu im Waldeszwielicht auftauchte: "Herne was incorporated into the Robin Hood legend in the 1984 television series, Robin of Sherwood. In it, Robin of Loxley is called by Herne to take on the mantle of "the Hooded Man", which Robin's father had predicted. It is Herne who encourages Loxley to become 'Robin in the Hood' and to use his band of outlaws to fight for good against the evil Norman oppressors. Herne's appearance bears a very strong resemblance to the illustrations that previously depicted him, in that an otherwise unnamed shaman character, portrayed by actor John Abineri, dons a stag's head and tells Robin that "when the horned one possesses [him]", he becomes the spirit of the forest.[16] Herne featured in 17 of the 26 episodes of the series and was shown to have various magical abilities. The series' adaptation of the Robin Hood mythos has become extremely influential and many of its brand-new elements have since been reinterpreted in a manner of different ways in nearly all of the subsequent films and television series of the legend."
Das wusste ich bis eben auch nicht.

Das Lied "Nil sé'n lá" und ein paar andere hörte ich zuerst auf einer Schallplatte vom "2nd Irish Folk Festival in Germany" 1974, die ich mir Anfang der 80er in der Koblenzer Stadtbibliothek ausgeliehen, auf Cassette überspielt und ich weiß nicht wie oft gehört habe. Erst 1990 besuchte ich mein erstes Irish Folk Festival live. Die "Robin of Sherwood"-Serie kam dann 1984 bzw. in Deutschland etwas später.

Ha, ich erinnere mich an eine ältere Robin-Hood-Serie, die ich als Kind gesehen habe. Da hieß es immer im Titellied: "Robin Hood, Robin Hood reitet durch die Lande". Ich verstand aber immer "durch die Lampe", schaute mir dann immer unsere Wohnzimmerdeckenlampe an und überlegte, wie man durch so eine Lampe durchreiten kann.  ??? ;D

LG, Micha
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« Antwort #55 am: Heute um 07:36 »
Auch zu erwähnen ist Basil Poledouris.
Er hat auch die Filmmusik für viele Blockbuster komponiert.
Unvergessen "Conan" von 1982.
https://www.youtube.com/watch?v=D22VavwMpbQ&list=RDD22VavwMpbQ&start_radio=1
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« Antwort #56 am: Heute um 14:22 »
Für Dein Vollzitat von mir bedanke ich mich mit ebenso einem Vollzitat von Dir:


Interessanter Soundtrack fürs Leben.

Ja, so ist es. War mal interessant, über die Zusammenhänge nachzudenken.

Weggelassen habe ich natürlich vieles. Zum Beispiel auch Südamerika, das ich soweit nur mit dem Lambada und dem Zouk (Karibik) erwähnt hatte.
Aber gerade über mein Ohr nach Frankreich kam ich da auch mit Brasilien in Kontakt. Frankreich ist eben zumindest musikalisch sehr weltoffen, auch was ausserhalb seiner DOM/TOM und Ex-Kolonien angeht. Chico Buarque aus Brasilien ist/war ein in Frankreich hochgeachteter Musiker. So kam ich dann auch zum Sampler-Alben populärer brasilianischer Musik via Frankreich.

Über eine andere Ebene, ausgerechnet über einen Künstler aus einer moldawischen Familie, kam ich auch erneut mit Südamerika in Berührung. Giora Feidman, ich erwähnte ihn bereits, er wird in 6 Wochen wohl 90 werden. Mein Bezug dazu begann mit der von mir geliebten Sendung "Ruf Heidelberg 261780" (die konkrete Nummer hab ich jetzt phantasiert), wo donnerstagsabends 20 bis 22 Uhr Hörerfragen in oft sehr ausführlichen Beiträgen, zumeist mit Wissenschaftler-Interviews, beantwortet wurden (SDR). Die Radio-Sendung fiel immer in das Zeitfenster, in dem wir familiär unser Abendessen (meistens Hauptmahlzeit) einnahmen. Da ich die Sendung sehr interessant fand, nahm ich sie auf, um sie zeitversetzt zu hören. Auch, um die oft recht speziellere Musik überspringen zu können. Doch nicht selten war sie interessant. Wir reden über irgendwas Anfang, Mitte 80er. Die Sendung wurde irgendwann eingestellt, leider.

Paar Jahre später schwärmte mir meine eine Freundin von Giora Feidman vor. Wie wir in die Musik reinhörten, sagte ich, das ist doch die Musik, die ganz oft in "Ruf Heidelberg" vorkam. Hauptrichtung: Klezmer (jüdische Trauer- und Feiermusik). Auch wenn der Klarinettist familiär ashkenasisch geprägt war ("Ost-Judentum"), wuchs er in die sefardische Musiktradition hinein ("West-Judentum", kulturell an den spanischen Kulturraum angeknüpft). So verband er alle Elemente, wuchs in Buenos Aires auf, seine Familie übersiedelte dann nach Israel (50er Jahre). Seine Solokarriere begann er dann in New York und so sind ganz wichtige Schwerpunkte die Werke von George Gershwin (USA) und Astor Piazzola (Argentinien), alles interpretiert durch seine pan-jüdischen Traditionen, Klezmer eben (ein wesentliches Element ist die Heiterkeit in der Musik, besonders getragen durch die Klarheit der Klarinette).

Auch hier kam ich mit einem besonderen Akzent an die Musik Südamerikas in touch. Ich war mit meiner Freundin dann im Konzert, als Giora Feidman nach Mainz kam. Ein unvergesslicher Abend.

Mein offenes Ohr für Afrika erwähnte ich (Stichwort Yé Ké Yé Ké). Hellhörig wurde ich, als beim Kath. Kirchentag 1998 der westafrikanische Künstler Youssou N’Dour angesagt war. Den kannte ich freilich schon länger, wurde aber kurz zuvor durch "7 seconds" mit Neneh Cherry weltbekannt. Auch an diesem Abend mit dabei eine Formation "The African Cuban All Stars". Aufgetreten ausgerechnet auf dem sonst unpopulären Platz, wo als Kind meine Mutter dem damaligen Führer zuhören musste ("Wir waren Kinder. Wir sind gerne dahin gegangen: wir hatten dafür schulfrei!"). Nur ein weiteres Mal war ich für sowas noch dort. Joe Cocker (wenn ich ihn grad nicht mit wem verwechsle, der mir nicht einfällt) spielte für mich nach dem Konzert ne Runde Billard.

Jedenfalls beim Kirchentag gelangte ich damals auch noch Backstage. Zwischen Youssou N´Dur und den gerade sich einspielenden African Cuban All Stars. Eindrucksvoll, welche alte Herren sich da tummelten. Eindrucksvoll auch, was sie später auf die Bühne brachten. Mit dabei so Namen wie:
Ibrahim Ferrer
Compay Segundo
Wir aßen auch später noch Pizza miteinander in dem Raum, wo später der Billardtisch stand.
Leider existieren davon die Dokumente nicht mehr. Da haben wir uns zuwenig drum gekümmert, das waren Sternstunden.

Bei den Namen müsste jedem Eingefleischtem das Herz in einen definierten Rhythmus übergehen. Zwei Jahre später, 1999, wurden sie bei uns bekannt in dem Film von Wim Wenders und der CD, die in Deutschland populär wurde: "Buena Vista Social Club".

Und somit wurde nach dem Zouk der 80er nun Ende der 90er mein musikalisches Herz erneut von der Karibik beglückt: dem kubanischen Son.
Ja, aber auch Salsa ist herrlich, vor allem, wenn es ums Tanzen geht, wobei ich zu ungelenk bin, Salsa, Merengue, Bachata reibungslos aufs Parkett zu legen. Mit mehr Reibung gelingt mir dann der improvisierte Lambada deutlich besser.  :D





Bei so viel Oden im Soundtrack meines Lebens stellt sich mir dann die Frage - angelehnt an den Titel des Threads - hat sich das in meiner Kleidung niedergeschlagen?

Generell beurteilt: ja. So vielfältig, wie die musische Muse mich geküsst hat, so ansatzweise vielfältig empfinde ich auch meine nicht auf eindeutig reduzierbare Gestaltungselemente beschränkte Wahl meines Kleidungsstils.

Etwas näher hinterfragt, fällt mir eine gewisse Phase ein, in der mir sogenannte Ethno-Fashion identitätsunterstützende Kleidungsangebote machte. So gab es durchaus Oberteile mit afrikanisch anmutenden Ethnoprints. Aber gerade die Sarongs, die ich mir so Mitte bis Ende 90er vor allem bei fliegenden Jahrmarkthändlern besorgte, glänzten mit Ethnoprints, naja, vermutlich nicht ganz zufällig.

Als in der Technoszene wildbedruckte lange Polyesterröcke für Männer in wurden, als Ethno deutbar, aber eher von den psychodelischen Mustern aus den frühen 70ern inspiriert, habe ich auch mitgemacht. Nee, halt! Ich hab das vorgemacht. Ein, zwei Jahre später folgte die Technoszene mir. Ja, dies leider nur fin-du-siècle. Das hat sich kaum über das "Millenium"-Silvester hinübergerettet, und wenn, wurde es weniger schrill und versumpfte allenfalls in gediegenem Grau, wenn nicht Schwarz. Und mit dem 11. im September im Folgejahr entschwand vielen die Bereitschaft, Lebensfreude auszustrahlen. Anders mir. Ich verharrte zwar erst mal 15 Jahre auf einem Status Quo, beziehungstechnisch bedingt, aber ich entwickelte mich irgendwann weiter.

Trotzdem, so vielfältig ich auch meinen Stil wähne, so relativ schwach ist er aber durch meinen Musikgeschmack direkt beeinflusst.
Meine Inspirationsquelle liegt eher in den Möglichkeiten, die andere Menschen mit Kleidungsfreiheiten so haben und wählen. Da picke ich das heraus, was mir gefällt. Und was an mir - in meinem Augen - funktioniert.

Ich denke, andere von Euch mit Fotos hier präsenten Menschen, dürften in ihrer Erscheinungsform stärker von ihrem Musikgeschmack geprägt sein als wie ich.

Helau!
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?


 

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