Für Dein Vollzitat von mir bedanke ich mich mit ebenso einem Vollzitat von Dir:
Interessanter Soundtrack fürs Leben.
Ja, so ist es. War mal interessant, über die Zusammenhänge nachzudenken.
Weggelassen habe ich natürlich vieles. Zum Beispiel auch Südamerika, das ich soweit nur mit dem Lambada und dem Zouk (Karibik) erwähnt hatte.
Aber gerade über mein Ohr nach Frankreich kam ich da auch mit Brasilien in Kontakt. Frankreich ist eben zumindest musikalisch sehr weltoffen, auch was ausserhalb seiner DOM/TOM und Ex-Kolonien angeht. Chico Buarque aus Brasilien ist/war ein in Frankreich hochgeachteter Musiker. So kam ich dann auch zum Sampler-Alben populärer brasilianischer Musik via Frankreich.
Über eine andere Ebene, ausgerechnet über einen Künstler aus einer moldawischen Familie, kam ich auch erneut mit Südamerika in Berührung. Giora Feidman, ich erwähnte ihn bereits, er wird in 6 Wochen wohl 90 werden. Mein Bezug dazu begann mit der von mir geliebten Sendung "Ruf Heidelberg 261780" (die konkrete Nummer hab ich jetzt phantasiert), wo donnerstagsabends 20 bis 22 Uhr Hörerfragen in oft sehr ausführlichen Beiträgen, zumeist mit Wissenschaftler-Interviews, beantwortet wurden (SDR). Die Radio-Sendung fiel immer in das Zeitfenster, in dem wir familiär unser Abendessen (meistens Hauptmahlzeit) einnahmen. Da ich die Sendung sehr interessant fand, nahm ich sie auf, um sie zeitversetzt zu hören. Auch, um die oft recht speziellere Musik überspringen zu können. Doch nicht selten war sie interessant. Wir reden über irgendwas Anfang, Mitte 80er. Die Sendung wurde irgendwann eingestellt, leider.
Paar Jahre später schwärmte mir meine eine Freundin von Giora Feidman vor. Wie wir in die Musik reinhörten, sagte ich, das ist doch die Musik, die ganz oft in "Ruf Heidelberg" vorkam. Hauptrichtung: Klezmer (jüdische Trauer- und Feiermusik). Auch wenn der Klarinettist familiär ashkenasisch geprägt war ("Ost-Judentum"), wuchs er in die sefardische Musiktradition hinein ("West-Judentum", kulturell an den spanischen Kulturraum angeknüpft). So verband er alle Elemente, wuchs in Buenos Aires auf, seine Familie übersiedelte dann nach Israel (50er Jahre). Seine Solokarriere begann er dann in New York und so sind ganz wichtige Schwerpunkte die Werke von George Gershwin (USA) und Astor Piazzola (Argentinien), alles interpretiert durch seine pan-jüdischen Traditionen, Klezmer eben (ein wesentliches Element ist die Heiterkeit in der Musik, besonders getragen durch die Klarheit der Klarinette).
Auch hier kam ich mit einem besonderen Akzent an die Musik Südamerikas in touch. Ich war mit meiner Freundin dann im Konzert, als Giora Feidman nach Mainz kam. Ein unvergesslicher Abend.
Mein offenes Ohr für Afrika erwähnte ich (Stichwort Yé Ké Yé Ké). Hellhörig wurde ich, als beim Kath. Kirchentag 1998 der westafrikanische Künstler Youssou N’Dour angesagt war. Den kannte ich freilich schon länger, wurde aber kurz zuvor durch "7 seconds" mit Neneh Cherry weltbekannt. Auch an diesem Abend mit dabei eine Formation "The African Cuban All Stars". Aufgetreten ausgerechnet auf dem sonst unpopulären Platz, wo als Kind meine Mutter dem damaligen Führer zuhören musste ("Wir waren Kinder. Wir sind gerne dahin gegangen: wir hatten dafür schulfrei!"). Nur ein weiteres Mal war ich für sowas noch dort. Joe Cocker (wenn ich ihn grad nicht mit wem verwechsle, der mir nicht einfällt) spielte für mich nach dem Konzert ne Runde Billard.
Jedenfalls beim Kirchentag gelangte ich damals auch noch Backstage. Zwischen Youssou N´Dur und den gerade sich einspielenden African Cuban All Stars. Eindrucksvoll, welche alte Herren sich da tummelten. Eindrucksvoll auch, was sie später auf die Bühne brachten. Mit dabei so Namen wie:
Ibrahim Ferrer
Compay Segundo
Wir aßen auch später noch Pizza miteinander in dem Raum, wo später der Billardtisch stand.
Leider existieren davon die Dokumente nicht mehr. Da haben wir uns zuwenig drum gekümmert, das waren Sternstunden.
Bei den Namen müsste jedem Eingefleischtem das Herz in einen definierten Rhythmus übergehen. Zwei Jahre später, 1999, wurden sie bei uns bekannt in dem Film von Wim Wenders und der CD, die in Deutschland populär wurde: "Buena Vista Social Club".
Und somit wurde nach dem Zouk der 80er nun Ende der 90er mein musikalisches Herz erneut von der Karibik beglückt: dem kubanischen Son.
Ja, aber auch Salsa ist herrlich, vor allem, wenn es ums Tanzen geht, wobei ich zu ungelenk bin, Salsa, Merengue, Bachata reibungslos aufs Parkett zu legen. Mit mehr Reibung gelingt mir dann der improvisierte Lambada deutlich besser.

Bei so viel Oden im Soundtrack meines Lebens stellt sich mir dann die Frage - angelehnt an den Titel des Threads - hat sich das in meiner Kleidung niedergeschlagen?
Generell beurteilt: ja. So vielfältig, wie die musische Muse mich geküsst hat, so ansatzweise vielfältig empfinde ich auch meine
nicht auf eindeutig reduzierbare Gestaltungselemente beschränkte Wahl meines Kleidungsstils.
Etwas näher hinterfragt, fällt mir eine gewisse Phase ein, in der mir sogenannte Ethno-Fashion identitätsunterstützende Kleidungsangebote machte. So gab es durchaus Oberteile mit afrikanisch anmutenden Ethnoprints. Aber gerade die Sarongs, die ich mir so Mitte bis Ende 90er vor allem bei fliegenden Jahrmarkthändlern besorgte, glänzten mit Ethnoprints, naja, vermutlich nicht ganz zufällig.
Als in der Technoszene wildbedruckte lange Polyesterröcke für Männer in wurden, als Ethno deutbar, aber eher von den psychodelischen Mustern aus den frühen 70ern inspiriert, habe ich auch mitgemacht. Nee, halt! Ich hab das vorgemacht. Ein, zwei Jahre später folgte die Technoszene mir. Ja, dies leider nur fin-du-siècle. Das hat sich kaum über das "Millenium"-Silvester hinübergerettet, und wenn, wurde es weniger schrill und versumpfte allenfalls in gediegenem Grau, wenn nicht Schwarz. Und mit dem 11. im September im Folgejahr entschwand vielen die Bereitschaft, Lebensfreude auszustrahlen. Anders mir. Ich verharrte zwar erst mal 15 Jahre auf einem Status Quo, beziehungstechnisch bedingt, aber ich entwickelte mich irgendwann weiter.
Trotzdem, so vielfältig ich auch meinen Stil wähne, so relativ schwach ist er aber durch meinen Musikgeschmack direkt beeinflusst.
Meine Inspirationsquelle liegt eher in den Möglichkeiten, die andere Menschen mit Kleidungsfreiheiten so haben und wählen. Da picke ich das heraus, was mir gefällt. Und was an mir - in meinem Augen - funktioniert.
Ich denke, andere von Euch mit Fotos hier präsenten Menschen, dürften in ihrer Erscheinungsform stärker von ihrem Musikgeschmack geprägt sein
als wie ich.
Helau!