Ja, Videokassetten habe ich auch aufgenommen. Welche, wo dann Sendungen zum Behalten draufkamen. Und solche, die immer wieder neu bespielt wurden, sobald, sofern man die Sendung schon gesehen hatte, die zuvor da drauf war.
Ein S-VHS-Rekorder musste es sein, und ein teurer, von Panasonic. Weil damals produzierten wir auch auf S-VHS. Und mit Panasonic-Equipment. Nach einem Lockangebot von der Telekom verlängerte ich meinen ersten Handyvertrag ohne neues Handy, das Siemens hab ich dann ausgetauscht gegen ein Handy von Panasonic. 96 Gramm wog das damals.
Natürlich kam dann auch irgendwann ein Festplattenrekorder ins Haus, wo ich auch DVDs brennen konnte, sogar beidseitige. Achja, auch von Panasonic.
Den ersten CD-Player hatte ich in Form einer Kompaktanlage gekauft, für meinen Vater ins Hobbyatelier, damit er dort Radiosender seiner Wahl hören konnte, nicht immer nur SWF/SWR4, was meine Mutter den ganzen Tag hörte.
Ein Jahr später dachte ich, ich kauf mir dieselbe Kompaktanlage, die gab es aber nicht mehr; es wurde eine andere. Eigentlich brauchte ich nur einen CD-Player, aber da gab es schon gar keine solitären CD-Player mehr für einen vernünftigen Preis.
Mein Vater hatte dann früher als ich CDs gehabt.
Und meinen ersten Computer habe ich ca. 15 Jahre später gekauft, nachdem ich unter Kollegen und Leuten bereits als "Computer-As" gegolten hatte. Ja, aus dem Großrechner im Studium hab ich alle Tricks rausgeholt; den Atari als Schreibmaschine meiner Schwester für ihre Abschlussarbeit habe ich mit Programmen versorgt; mit den Amigas bei der Arbeit hab ich tolle Sachen gezaubert, aber ich daheim privat Computer? Fehlanzeige.
Halt erst spät. Und als ich ihn mir kaufte, hab ich mir am Vormittag erst noch ein Auto gekauft, um ihn heim transportieren zu können. War da ein gutes halbes Jahr ohne fahrbares Auto gewesen. Kaputt, stand irgendwo rum. Als ich nach Monaten zum Auto ging, um es vorm Entsorgen leerzuräumen, machten sich gerade zwei Mechaniker von einer Tankstelle in Sichtweite über meinen Motorblock her.
Eigentlich brauchte ich da gar kein Auto, denn ich wohnte nur drei Minuten zu Fuß von meiner Arbeitsstelle entfernt.
Die zog dann irgendwann um, auf die andere Seite der Stadt. Drei Monate später zog ich nach, hatte zwar andere Gründe, aber wieder nur fünf Minuten zu Fuß bis zu meiner Arbeit.
Ja, ja, Computer, S-VHS-Rekorder, Festplattenrekorder, meine erste Stereoanlage aus der Mitte der 80er, die Kompaktanlage, alles war miteinander vernetzt, natürlich mit ansteckbaren MP3-Playern, oder Internettablets (2006) oder Handys. Und das noch mit einem Videosender, der auf den Fernseher vorm Bett im Nachbarzimmer alles übertragen konnte bzw. auf einen drahtlosen Kopfhörer in der ganzen Wohnung bzw. auf einen FM-Transmitter, um auch das Küchenradio zu versorgen.
Und bevor das alles vernetzt war, stellte ich auf meiner ersten Stereoanlage (mit Dual, Technics, JVC) schön brav meine Musikkassetten zusammen. Wichtig war mir immer Abwechslung. Da kamen dann meine typischen Wolfgang´schen Stilbrüche voll zur Geltung. Und passen musste jedes Lied zum vorherigen, irgendwie. Pausen zwischen Liedern gab es nicht - ausser dramaturgisch gewollt, dann aber kunstvoll inszeniert, gab´s nur selten mal. Ansonsten mussten die Lieder ineinander überfließen. Und zwar nutzte ich den Effekt aus, dass der Löschkopf erst ein paar Millimeter nach dem Schreibkopf das Band löschte. So gab es ein, zwei Sekunden (ich hab die Zeit nie ausgemessen oder ausgerechnet), wo sich zwei Lieder überlappen konnten. Und diese Übergänge waren fast wichtiger wie das Lied selbst. Millisekundengenau musste das Tape an der richtigen Stelle pausiert werden, und millisekundengenau musste das nachfolgende Lied aufgenommen werden, manchmal griff ich die Beats der Lieder auf, dass sie harmonisch am Übergang weiterflossen, mal musste der Nachklang vom vorherigen Lied noch unter den ersten zwei Tönen des Nachfolgelieds nachklingen. Eine wahre Wissenschaft, naja, mehr rhythmisch-melodische Intuition machte ich daraus. Oft hatte ich den gewollten Übergang schon im Ohr, oft musste ich aber das passende nachfolgende Lied erst noch suchen. Und geübt habe ich das zum Teil mehrmals, bevor ich zur richtigen Millisekunde die Aufnahme startete. War die Aufnahme verhunzt, musste ich beim Lied zuvor weiter vorne erneut ansetzen. Ging das mehrmals schief, musste ich das Lied vorher nochmals neu aufnehmen. Oder geschickt an einer Stelle mitten im Lied das Ende neu draufsetzen (um nicht den Übergang vorher auch noch kaputtzumachen).
Und ja, auf der Platte musste ich mich in die Liedpausen reinhören, um ein Zeitgefühl zu kriegen, wann das gewünschte neue Lied losgeht, um die perfekte Millisekunde abzupassen. Teilweise nahm ich noch visuell das rotierende Label mit ins Auge, um besser den richtigen Moment zu erspüren. Oder am Plattenanfang machte ich manchmal einen kleinen Ritz in die unbespielte Rille, um einen akustischen Vorlauf-Impuls zu haben ("knack!"), damit ich die richtige Millisekunde zum Aufnahmenstart definieren (erfühlen) kann.
Manchmal ließ ich aber auch überflüssige Vorlauftakte weg. Sledgehammer z.B. musste natürlich beim ersten Forte erst losgehen. Während ich ausgerechnet das erste Weggelassene (das leise Panflöten-Gesäusel) später verwendete, um Trenner für ein von mir designtes Sendungsformat zu vertonen.
Ja, Musik ist schon eine Wissenschaft - naja, ein Gefühl.
Ich lief mit MP3-Player, später mit Handy, auch etliche Jahre draussen immer mit Kopfhörern durch die Gegend, auch im tiefsten Wald (wenn ich alleine unterwegs war). Aber da hatte sich für mich die Musik als ständiger Begleiter schon verabschiedet. Da lud ich mir nämlich Podcasts runter - überwiegend zeitversetzte Radiosendungen - praktisch alles Gebabbel. Zu den Hoch-Zeiten dieser Phase hatte ich über 100 Podcasts beobachtet, etliche regelmässige (einwöchig oder monatlich, manche aber auch öfters), ein ganzer Schwung aber auch gelegentliche. Ja, das war eine Menge, ich war aber heiss drauf, das zu hören. So kam dann auch der Adapter für den Kassettenschacht im Autoradio zum Einsatz. Oder der FM-Transmitter.
Aber seit Trump das erste Mal kandidierte, fand ich die aktuellen Nachrichten spannender, so dass ich auf Autofahrten immer aktuellen Babbelfunk hörte, hr-info zum Beispiel. Für die Podcasts hatte ich weniger Zeit, ich kam nicht mehr nach, sie zu hören, bis heute ist nur noch ein kleiner Rumpf davon übrig. Das ist heute noch so, wann immer ich Zeit für Radiohören habe, höre ich Nachrichten oder sowas wie die Info-Sender. Auch beim Putzen, Kochen oder Spülen. Musik ist also ziemlich unbedeutend geworden inzwischen für mich, was Berieselung angeht.
Seit dem letzten Umzug ist die Stereoanlage noch nicht wieder aufgebaut. VHS- und Festplattenrekorder auch nicht. TV schaue ich jetzt manchmal am Laptop, oder gemütlicher mit Stereo-Ton über meine erwähnte Kompaktanlage und sparsamem 4:3-Röhrenfernseher.
Das reicht mir. Mir ist Information wichtiger als jegliche Ohren- oder Augenweide. News-Junkie auf Genuss-Diät sozusagen.
