Ja, Peter hat absolut recht.
Ich kenne übrigens auch so jemanden: mich.
Ich habe das an einem sonnigen Samstagmittag beim warmen Mittagessen festgestellt: In meinem Elternhaus hatte unsere Essecke als wesentliche Lichtquelle auf der Südseite Glasbausteine in der Wand eingelassen. Farbige. Ich erinnere mich an Blau, Rot, Grün, Gelb oder Orange. 2 weiße waren wohl auch noch dabei. Und die Sonne schien voll durch. Auf einmal entdecke ich, wie ich rechts und links ein Auge zudrückte, dass ich an der blass-beigen Wandtapete zwei völlig unterschiedliche Lichtstimmungen wahrnahm. Ich glaube, links mehr rötlich, rechts mehr bläulich. Da wurde mir klar: meine Augen liefern zwei deutlich abweichende Farbeindrücke. Ich war da irgendwas zwischen 6 und 10 ungefähr.
Heute scheint das keine wesentliche Rolle mehr zu spielen. Oder habe ich selten solch ein ausgeprägtes Linienspektrum in der Beleuchtung, dass mir das auffallen würde (und ich habe es, außer gerade eben am grauen Tageslicht, auch schon ewig nicht mehr ausgetestet). Oder das Hirn hat sich nun schon daran gewöhnt, dass es die Lichteindrücke über all die Jahrzehnte hinweg aufeinander abgestimmt hat. (Nebenbei höre ich auf dem einen Ohr, spätestens nach einem dortigen Hörsturz, auch ein paar Prozent tiefer als auf dem anderen, außer das andere steuert ein paar dB vom gleichen Signal bei, dann gleicht sich der Höreindruck auf dem tieferen Ohr wieder dem 'normalen' an.)
Farbeindrücke unterschiedlicher Menschen ist durchaus ein manchmal konfliktreiches Thema.
Eine Ex von mir hatte sich öfters gewünscht, ich solle doch lieber den 'blauen' Rock anziehen. Es dauerte einige Vorfälle dieser Art, bis ich ohne verwundertes Nachfragen begriff, dass sie einen bestimmten grauen Rock meinte. Bei einem anderen, diesmal eindeutig blauen Rock, nahm sie ihn als grau wahr.
Und wenn sie in Dingen mit mir nicht einer Meinung war, suchte sie häufig Rückhalt bei ihren engsten Freundinnen. Mit Suggestivfragen hatte sie oftmals auch Erfolg dabei

Deprimiert hingegen war sie, als sie in einer größeren Runde von 6 oder 8 Freundinnen über meinen "braunen" Rock sprach. Es gab da öfters Ärger, weil sie meinte, das Oberteil würde nicht zum "braunen" Rock passen. Für mich war der Rock "grün", wobei das nur die maßgebliche Grundfarbe war, in Wirklichkeit war das ein Karomuster mit Nadelstreifen, mit dabei weiß, etwas mehr ockergelb, und die meiste Fläche lieferte ein olivgrünes Garn.
Von den 6 bis 8 Freundinnen war eine dabei, die auch das als "braun" identifizierte. Alle anderen sagten, das sei eindeutig grün.
Bitte einloggen oder registrieren um das Bild zu sehen.(versucht, mit dem Handy einen automatischen Weißabgleich auf einem Bogen weißem Papier an Ort und Stelle zu machen)(aber man erkennt am leichten Wellenwurf des Stoffs, dass da aus unterschiedlichen Richtungen unterschiedlich zusammengesetztes Licht einfällt)
In der Tat ist es so, dass das Farbensehen durch 3 Typen von Farbzäpfchen in der Netzhaut realisiert wird. Jedes dieser Zapfen-Typen hat ein Maximum der Empfindlichkeit bei einer bestimmten Wellenlänge (Spektralfarbe), die Empfindlichkeit jedoch umfasst einen größeren Bereich, und die drei verschiedenen Typenbereiche überlagern sich. Rein chemisch müsste m.M.n. das jeweilige Maximum bei allen Menschen bei exakt derselben Wellenlänge liegen (aber vielleicht gibt es auch da Abweichungen). Die Frage aber ist, wie die Anzahl der drei Zapfen-Typen verteilt ist. Und die ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ja, mehr oder weniger auch von Auge zu Auge.
Ausserdem gibt es bei einigen Menschen sogar vier Typen von Zapfen, die haben also vier Farbkomponenten, aus denen sie ihr Farbbild zusammensetzen.
Bei einer Digitalkamera kann man die 3 Farbkanäle gegeneinander abgleichen, dem sogenannten Weißabgleich z.B. So ähnlich versucht das ein menschliches Auge, besser das Gehirn auch zu machen. So gelingt es meist auf Anhieb, über den Tag mit wechselnden Lichtstimmungen trotzdem eine weiße Fläche als weiß zu erkennen. Das gelingt dem einen vielleicht besser als dem anderen. Vielfach spielt aber - und nicht nur beim Weiß - auch eine Rolle, was das Hirn als Wissen beisteuert. Oftmals sind weiße Tapeten eben weiß. Oder das oberste Licht einer Ampel rot. Und so kann bei allen vielleicht identischen physikalisch-chemischen Wahrnehmungen von Mensch zu Mensch dennoch ein Farbschimmer mehr als Braun identifiziert werden, ein anderer ordnet diesem Schimmer eben eher grün zu.
Bei meiner Ex war es so, dass ihr Vater eine Rot-Grün-Schwäche hatte, jedenfalls angeblich.
Ich habe oft Schwierigkeiten, bei normalem bis mittlerem Licht dunkelblaue von schwarzen Socken zu unterscheiden. Drum lagere ich die auch räumlich voneinander getrennt und sortiere sie auch nur bei strahlendem Sonnenschein der Mittagssonne. Genau wie ich auch nur in strahlender Sonne meine schwarzen Socken nach dem Waschen wieder zu einem Paar vereinige - und da passieren oft noch Fehler, weil da oft nur kleinste Nuancen im Schwarz oder in der Webart oder bei sonstige wahrnehmbaren Merkmalen dazwischen liegen. Der häufigste Fehler ist dann, dass die eine Socke eines Paars zwar identisch ist mit der anderen, aber in der Länge nur ein, zwei Zentimeter Unterschied ist.
Abschließend: Ja, es ist so, dass durch die unterschiedlichen Farbwahrnehmungen durchaus auch unterschiedliche Wahrnehmungen von Farb-Harmonien oder -Dysharmonien entstehen können. Nunja, das ist halt so. Zudem gibt es ja auch generelle Geschmacks-Unterschiede bei, was passt und nicht passt.
Man kann es halt nicht jedem recht machen.
Hauptsache, man fühlt sich selbst in der Farbwahl wohl.
Oder gibt dann mal seiner Partnerin nach, damit sie sich wohl mit mir fühlt...

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