Autor Thema: Tolerante Reaktionen  (Gelesen 5826 mal)

Offline Zwurg

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Antw:Tolerante Reaktionen
« Antwort #30 am: 15.05.2026 10:38 »
Also - ohne Deine Freunde und Deine Beziehung zu ihnen wirklich zu kennen - würde ich doch so verfahren:

Frage sie, was am Hosentragen für sie so wichtig ist, dass sie Dich wegen Deines Rocktragens andauernd anfeinden.
Sage ihnen, es sei ihre Sache, Hosen zu tragen, wenn sie meinen, sie tragen zu müssen. Du aber habest Dich von diesem Zwang befreit.
Sage ihnen, Dein Bild von Männlichkeit (und wenn das Wort für Dich wichtig ist, von Manneswürde) sei für Dich unabhängig davon, ob ein Beinkleid eine Röhre oder zwei Röhren habe.
Sage ihnen, Du hieltest es für kleingeistig, Männlichkeit davon abhängig zu machen, welches Beinkleid (oder allgemeiner, welche Kleidung) am trägt.
Und sage ihnen, dass es die Lebensqualität erhöhe, mehr Kleidungsauswahl zu haben. Darauf verzichten dürfe jeder, aber jemanden blöd anzumachen, der seine eigene Lebensqualität erhöht hat, ohne damit jemand anderem zu schaden, sei ein geistiger Tiefflug sondergleichen.

Mag sein, dass Du dadurch "Freunde" verlierst. Da musst Du selbst sehen, ob es Dir das wert ist.
Konservative sind ja oft Leute, die einfach bewahren möchten, woran sie sich gewöhnt haben. Daran ist nichts verwerflich. Aber es anderen aufzuzwingen geht gar nicht! (Es wir so vieles durch andere Menschen, vor allem durch Bauherren und Bauunternehmer, zerstört, was ich gerne unverändert hätte, aber da fragt mich niemand. Wenn jemand aber eine Kleidung trägt, die ich für mich nicht wählen würde, ficht mich das überhaupt nicht an.)

Was hältst Du von meinem Vorschlag, Zwurg?

LG, Micha

Ich hab ja keine Lust groß zu diskutieren, ich mag Röcke tragen (+Strumpfhosen, wenn es kalt ist) und sie nicht.
Mir sind Jeans halt zu wenig Auswahlmöglichkeit, auch wenn ich gerne Jeans trage.
Mehr gibt es ja hierzu nicht zu sagen.
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Offline MAS

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« Antwort #31 am: 15.05.2026 20:45 »
Ich hab ja keine Lust groß zu diskutieren, ich mag Röcke tragen (+Strumpfhosen, wenn es kalt ist) und sie nicht.
Mir sind Jeans halt zu wenig Auswahlmöglichkeit, auch wenn ich gerne Jeans trage.
Mehr gibt es ja hierzu nicht zu sagen.

Dann sag Deinen Freunden das so, und entweder kapieren sie es oder nicht. Auf jeden Fall kannst Du ihnen, sollten sie weiter an Deiner Kleidungsvorliebe herummeckern, sagen, dass Dir das unangenehm ist und sich das unter Freunden nicht gehört.

LG, Micha
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Offline JoHa

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Antw:Tolerante Reaktionen
« Antwort #32 am: 15.05.2026 21:18 »
Da pflichte ich euch bei. Ewiges Palavern über Äußerlichkeiten kostet viel Zeit und fordert Nachsicht bei uns "Angemeckerten".
Sofern man einen Rückhalt hat, ob in Familie, Freundeskreis oder Rockmode.de, sollte man irgendwann in sich selbst ruhen und die Hunde bellen lassen, während man als Karawane weiter zieht.
Was heute noch als Tabubruch gilt, ist übermorgen schon ein alter Hut.
Wir werden mehr oder weniger intensiv, -jeder für sich-, dicke Bretter bohren müssen, um unserer Umgebung zu vermitteln, daß unser Wohlempfinden nicht den Gipfel der  Provokation darstellen muß.
Dicke Bretter liegen rum, Bohrer sind rege!
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Offline MAS

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« Antwort #33 am: 17.05.2026 09:53 »
Gude zusammen!

In dem Thread zur Öffentlichkeitsarbeit sind wir auch wieder mal auf die Frage des Zusammenhangs zwischen männlichem Rocktragen und dem geschlechtlichen Selbstverständnis gekommen:
https://www.rockmode.de/index.php?topic=10316.msg208207#msg208207

Dort heißt es, dass wir einerseits von der gewachsenen Toleranz (oder auch Respekt und Akzeptanz) von LGBTQ+ in der Mehrheitsgesellschaft profitieren, andererseits aber viele Männer dieser Toleranz doch nicht so trauen und Angst haben, im Rock in die falsche Genderschublade einsortiert zu werden. Dass man nämlich männlich, cisgender und heterosexuell sein kann und zugleich gerne Röcke und Kleider trägt, ist vielen Menschen unbekannt. Und deshalb kommen sie nicht auf den Gedanken, unser Rocktragen als Beitrag für die Gleichberechtigung aller Menschen und die Emanzipation der Männer vom Hosenzwang anzusehen und zu würdigen.

Und so werden wir eben von der Mehrheitsgesellschaft genau so toleriert, respektiert und/oder akzeptiert wie Menschen des LGBTQ+-Spektrums oder sogar als Mitglieder dieser Gruppen, aber nicht als Vorreiter der Gleichberechtigung und Emanzipation von Männern, unabhängig von LGBTQ+ angesehen.

Es könnte schlimmer sein, nämlich wenn LGBTQ+-Menschen nicht toleriert würden und wir mit ihnen zusammen auch nicht.
Es könnte besser sein, nämlich wenn unser Gleichberechtigungs- und Emanzipationsansatz von der Mehrheitsgesellschaft als solcher erkannt und gewürdigt würde, zusätzlich zu der oben genannten neutralen bis positiven Haltung LGBTQ+-Menschen gegenüber.

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Offline Zwurg

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« Antwort #34 am: 17.05.2026 10:13 »

Es könnte schlimmer sein, nämlich wenn LGBTQ+-Menschen nicht toleriert würden und wir mit ihnen zusammen auch nicht.
Es könnte besser sein, nämlich wenn unser Gleichberechtigungs- und Emanzipationsansatz von der Mehrheitsgesellschaft als solcher erkannt und gewürdigt würde, zusätzlich zu der oben genannten neutralen bis positiven Haltung LGBTQ+-Menschen gegenüber.

LG, Micha
Ehrlich gesagt sind mir die  LGBTQ+ Menschen egal. Kann jeder leben wie er will. Das ist eine Toleranz.
Ich rechne mich nicht zur  LGBTQ+ Gemeinde dazu. Ich will nur als Mann Rock tragen.Mir gehts nur um die Erweiterung der Kleidungsmöglichkeiten.

Mit diesem politisch hoch aufgeladenen  LGBTQ+ Thema will ich eigentlich nichts zu tun haben, weil es dann automatisch heißt, dann bist du doch automatisch politisch für dies und jenes, während ich doch eigentlich anderer Meinung bin.

Vielleicht ist es in Großstädten in denen die Masse sehr gut verdient und die politischen Einstellungen sich etwas anderes gestalten, als in Gegenden wo die Menschen ständig strampeln müssen, um den Kopf über Wasser zu halten, einfach leichter sich zu der  LGBTQ+ Gemeinde zu bekennen.

Ich hab mich früher eigentlich kaum mit politischen Themen beschäftigt. Ich mag mich nicht zu der einenn oder anderenSeite bekennen. Ich will einfach in Frieden ein gutes Leben leben.
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Offline MAS

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« Antwort #35 am: 17.05.2026 17:20 »
Lieber Zwurg,

ich frage aber mal zurück:

Meinst Du, in Frieden leben zu können, wenn die Rahmenbedingungen das nicht zulassen?
Und wer meinst Du, ist für die Schaffung und Pflege von Rahmenbedingungen, die ein friedliches Leben ermöglichen, zuständig?

Und, auch wenn ich nicht glaube, dass Du das so meinst: Kannst Du wirklich in Frieden leben - also auch in einem inneren Frieden - wenn eine Gruppe in der Gesellschaft, der Du nicht angehörst, nicht in Frieden leben kann? Auch wenn wir derzeit zum Glück nicht solche Zustände haben, denke ich an eine schlimme Zeit zurück, in der viele Gruppen der Gesellschaft verfolgt und ermordet wurden, während viele Menschen wegschauten, weil sie in Frieden leben wollten, und dieses Wegschauen für unpolitisch hielten.

Aber ja, Toleranz kann auch Gleichgültigkeit bedeuten. Toleranz ist die Duldung von Menschen oder von Zuständen, die man eigentlich nicht mag. Was man mag, braucht man nicht zu dulden. Was man nicht mag, erduldet man notgedrungen. Sollte es aber verschwinden - also auch: sollten die tolerierten Menschen verschwinden - trauert man ihm/ihnen nicht nach. Und evtl. toleriert man sie auch nur so lange, wie man muss, unterstützt aber auch Kräfte, die daran arbeiten, diese Menschen zu bekämpfen. Deswegen meine ich, dass Toleranz ein Anfang ist, der aber in Respekt und Akzeptanz übergehen muss, wenn man will, dass alle in Frieden miteinander leben können.

LG, Micha
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Offline Zwurg

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« Antwort #36 am: 17.05.2026 19:13 »
Lieber Zwurg,

ich frage aber mal zurück:

Meinst Du, in Frieden leben zu können, wenn die Rahmenbedingungen das nicht zulassen?
Und wer meinst Du, ist für die Schaffung und Pflege von Rahmenbedingungen, die ein friedliches Leben ermöglichen, zuständig?


Ich habe seit über 30 Jahren Homosexuelle in meinem Freundeskreis. Auch in den 90igern gab es keine Probleme.
Transsexuelle habe ich in den letzen 20 Jahren kennengelernt. Ich nehme die Menschen wie sie sind.
Früher wie heute haben sie s nicht unbedingt leicht, wenn sie sich outen.
Mit den Röcken am Mann ist es ähnlich. Ich fand es in den 2000ern einfacher, weil es da ein Thema für sich war.

Mit diesem LGBTQ+ und der Wokeness Themenkreis wird alles in einen Topf geworfen, zack, die Schublade öffnet sich und schon steckt man drin.
Ich finde diese Themen haben die Gesellschaft nicht geeint, sondern im Gegenteil,  die Gesellschaft wurde gespalten.
Und vermehrt reagieren viele Menschen extrem allegisch.
Ich mag mich nicht entscheiden. Ich kenne und mag Menschen von allen Seiten.
In meinem Fall gehts nur um Klamotten, um nichts anderes. Und anscheinend gibt es sehr wenig Mitstreiter in meinem/unserem Thema.
Ich würde Einigung und Freiheit lieber sehen, als ständige weitere Spaltungen und ideologische Grabenkämpfe.

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Offline Peter58Muc

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« Antwort #37 am: 17.05.2026 19:29 »
Ich war heute mit Rock und heller Strumpfhose im KFC und habe einen Burger gegessen.
Es war auch eine größere Gruppe Türken anwesend und haben da gegessen.
Es gab weder eine Reaktion auf meine Gewandung von ihnen, auch sonst schien sich niemand dafür zu interessieren was ich anhabe.
Scheinbar ist man ab einem gewissen Alter unsichtbar für die Mitmenschen.

LG Peter

Offline MAS

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« Antwort #38 am: 17.05.2026 22:45 »
Wer aber, lieber Zwurg,  schmeißt die verschiedenen Themen alle in einen Topf und hat ein Interesse daran, die zur Spaltung der Gesellschaft zu verwenden?

Wer z.B. verwendet Begriffe wie "LGBTQ" und "Wokeness" in einem Atemzug? Und "Klimawahnsinn" und "Genderwahnsinn" usw. usf.?

Wer sorgt dann dafür, dass viel Menschen geradezu allergisch auf diese Themen reagieren?

LG, Micha
 
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Offline JoHa

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« Antwort #39 am: 17.05.2026 22:57 »
Die Verquickung dieser Themen und Begriffe hat Methode, weil sie wirkt.
Leider wirkt sie unter anderem auch deshalb, weil jeder Drecksack, der diese wichtigen Bereiche mit seinen Auswürfen besudelt, sofort von den betroffenen Kreisen wie von einem Bienenschwarm angegriffen wird.
Ich wünsche mir eine sachlichere, entspanntere Klärung der Konflikte.
Klärung, nicht Zuspitzung.
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Offline MAS

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« Antwort #40 am: 18.05.2026 00:25 »
Da hilft vielleicht ein Rat eines buddhistischen Freundes. Ein anderer hatte erzählt, wie er den Kontakt zu seinem Vater abgebrochen habe, weil diese ihn mir AfD-Parolen zugetextet habe und er, der Sohn, das nicht mehr ausgehalten habe. Der andere meinte, er habe umgekehrt früher jeden totdiskutiert, der mit solchen Parolen gekommen sei, das habe er gut gekonnt. Aber seit de den Buddhismus kennengelernt habe, sei er dazu gekommen, den Menschen mit Mitgefühl zu begegnen. Jeder habe seine Geschichte und Gründe, die ihn zu seiner Einstellung gebracht haben. Er sei nun dazu gekommen, den Menschen einfach und offen zuzuhören, ohne "sich das seine zu denken" und ohne den Menschen ändern zu wollen. Und im Ergebnis hätten sich schon einige mehr geändert, als vorher, als er sie mit guten Argumenten zu überzeugen versucht habe. Es tue den Menschen gut, wenn ihnen jemand zuhöre. Dann seien sie auch offen für Selbstkritik. Die dürfe man ihnen aber eben nicht nahelegen.

Sehr komplex, ich weiß.

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Offline ChrisBB

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« Antwort #41 am: 19.05.2026 22:55 »
Micha,

so komplex ist das gar nicht. Es gibt sehr viele, die nie oder zumindest zu selten das Gefühl erleben, dass ihnen zugehört wird. Wir sehen das in der Männerarbeit regelmäßig und bieten dort genau das an.

Gruß,
ChrisBB

Offline MAS

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« Antwort #42 am: 20.05.2026 00:16 »
Ja, lieber Chris, in "Momo" geht es ja auch darum, dass die, die einem zuhören, manchmal von selbst darauf kommen, wie sie ihr Problem lösen können. Komplex finde ich es trotzdem. Wichtig ist ja auch, dass die, denen man zuhört, sich in ihren Meinungen, die man nicht teilt, nicht durch einen gestärkt fühlen, nur weil man zuhört.

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Offline Mann im Rock

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« Antwort #43 am: Heute um 16:42 »
Ich schreibe eigentlich nur ganz selten noch, und auch dann nur, wenn mir gerade danach ist.

Also ich hätte gerne Reaktionen wie:
"Ja, genau, Männer haben das selbe Recht, Röcke zu tragen, wie Frauen, Hosen zu tragen!"
Oder:
"Ja, das ist ein Fortschritt der Gleichberechtigung, dass alle Menschen, gleich welchen Geschlechts, tragen dürfen, was sie wollen. Und dafür trittst Du ein. Klasse!"

Ich kenne solche Reaktionen, aber sie sind nicht so häufig, wie ich sie mir wünsche.

Schon mal einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann geschickt? Nee echt, im Ernst. Wer wünscht sich nicht gern mal ein Kompliment, egal weshalb, egal welches Alter, egal welches Geschlecht.  Komplimente im Alltag gibt es viel zu wenig. Warum? Wir werden angeblich zu "kritischen" Menschen erzogen. Wir werden erzogen, um zu mäkeln, zu meckern, aber nicht um uns an Wunder der Welt zu erfreuen, um uns neugierig und unbefangen auf Neues und Unbekanntes einzulassen. Das ist schon mal ein wesentliches gesellschaftliches Problem.

Ich für meinen Teil ziehe Röcke in der Öffentlichkeit an. Es geht morgens nur darum, welchen Rock ich trage. Ferner gibt es Phasen, da trage ich Damenleggins, am liebsten mit Camouflage. Das liegt einerseits daran, dass ich fast täglich Sport draußen treibe, joggen, radfahren, tretrollern oder auch nur Power Walking. Da ziehe ich nur manchmal einen Rock vor. Und auch nach getätigtem Sport greife ich dann oft zur Leggins.

Alles in allem frage ich mich, warum ganz bestimmte Geschlechtsorgane notwendig sein sollten, um einen Rock tragen zu dürfen. Eine plausible Erklärung dafür hat mir noch niemand liefern können. Diejenigen, die einen Rock am Mann verurteilen, gehören offenbar derselben Fraktion an, die an Frauen keine Hosen sehen wollten, die Frauen in die Küche und an den Herd verbannen, die behauptet haben, Frauen könnten nicht Auto fahren usw. usw. All diese Frauen, die sich über diesen ganzen Mist hinweg gesetzt haben, hätten sich sicherlich auch bestärkt gefühlt, wenn sie öfter mal Komplimente bekommen hätten. Ich bin sicher, dass nur ein kleiner Teil tatsächlich von Komplimenten beglückt wurde.

Immer wieder finde ich es absurd, dass Frauen, nachdem sie Hosen tragen durften, inzwischen eine wesentlich größere Palette an unterschiedlichen Arten von Hosen haben als Männer. Ich finde es absurd, dass Frauen ihre Haare kurz oder lang tragen dürfen, wie es ihnen gefällt. Dass aber für Männer immer noch Kurzhaarfrisuren Standard sind. Betrachtet man mal Aufnahmen von Gruppen hochrangiger Politiker, so kommen Farbkleckse immer nur von Frauen. Die Männer wirken so, als wären sie in einer Fabrik vom Fließband gelaufen, alles einheitlich, halt Null-Acht-Fuffzehn.

Alles in allem ist es schon ein Gewinn, wenn man als Mann Rock oder Kleid in der Öffentlichkeit trägt, ohne dass man irgendwelche Reaktionen von Mitmenschen wahrnimmt, weil es keine gibt. Das ist ja schon irgendwo eine tolerante Reaktion. Und mehr kann ich nicht unbedingt erwarten. Erwarte ich dennoch mehr, wie positive Reaktionen, kann dies andersherum wieder in Frust umschlagen, wenn sich explizite positive Bemerkungen nicht einstellen wollen. Oder auch in Kampfeslust, anderen mitteilen zu wollen, dass auch Männer Röcke tragen können. Ich hab aber keinen Bock mehr drauf, zu kämpfen, irgendwen zu überzeugen. Es reicht mir einfach schon, wenn ich zufrieden und im Einklang mit mir selbst sein kann.

Schöne Grüße
Matthias

Wenn es uns gelingt, uns aus unseren eingebildeten Beschränkungen zu befreien und unser inneres Feuer anzuzapfen, dann sind die Möglichkeiten unbegrenzt. (Dean Karnazes)

Offline MAS

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« Antwort #44 am: Heute um 16:53 »
Das mit den Politikern erlebte ich neulich - wie anderswo schon erzählt - indem ich meinte, der Politiker im Fernsehen, könnte doch auch mal Gelb tragen, so wie die Reporterin, die ihn gerade interviewte. Da regte sich mein Freund furchtbar auf, dann würden sie Leute ihm nicht mehr zuhören, sondern sich nur über seine Kleidung unterhalten, und er sähe dann ja auch aus wie ein Clown. Als ich fragte, warum Männer und Frauen hier so unterschiedlich beurteilt würden, meinte er, das sei jetzt doch gar nicht das Thema, sondern es gehe um die Abstimmung über einen Parteivorsitz. Und als ich meinte, dass es nur dann kein Thema wäre, wenn er, ohne dass sich Menschen dadurch abgelenkt fühlen würden, auch Gelb tragen könnte, wollte mein Freund davon gar nichts wissen und verneinte meine Logik und hielt sie für Unsinn. Dabei war ein Parteigenosse des gemeinten Politikers damals bekannt dafür, dass er immer gelbe Pullover trug. Da ließ sich doch auch niemand von ablenken. Er gilt immer noch als sehr beliebter Politiker, nicht nur unter den Wähler:innen seiner Partei.

Da schreibe ich eben auf meinen Wunschzettel, dass Politiker genau wie Politikerinnen tragen dürfen, was sie wollen, ohne dass das dann ein Aufregerthema wird.

LG, Micha 
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