Ich kenne Frauen, die ich immer nur in Hosen sehe. Wer fragt sie, ob sie damit einem Zwang unterliegen?
Dieser Aussage bzw. Frage von Micha kann ich mich voll anschließen.
Auch dem meisten des anderen, was Micha da sagt.
Diese Frage, Peter, bekomme ich alle so ein, zwei Handvoll Monate hier im Forum immer mal wieder gestellt.
Natürlich besteht so eine Art Erwartungshaltung bei den Leuten, die mich kennen, dass ich auch das nächste Mal wieder im Rock oder im Kleid auftauche. Die Überraschung wäre enorm, käme ich auf einmal in Hosen.
Dennoch trage ich ganz freiwillig Rocke und Kleider, weil ich sie inzwischen nicht nur schöner und vielfältiger finde, sondern weil sie - und das war überhaupt meine Triebfeder - deutlich bequemer finde als jegliche Art von Hosen, die ich in meinem Leben bisher ausgetestet habe. Mein Entschluss von damals, möglichst immer keine Hosen zu tragen, untermauerte ich mit der Feststellung, dass ich in meinem Leben schon lange genug und viel zu oft Hosen getragen habe, obwohl ich es nicht wollte.
Freilich will ich, wenn ich unter Leuten bin, lieber ausstrahlen, dass ich mich wohl fühle. Mit meinem Anliegen, so auf diese Weise auch ein klein wenig non-verbal zu erklären bzw. zu erkennen zu geben, dass ich damit nicht beabsichtige, was andere zunächst denken könnten (ich weiß, das ist nur sehr subtil zu transportieren; sich normal und männlich zu geben, dürfte der beste Weg hierbei sein). Noch viel wichtiger aber ist mir zu transportieren, dass ich mich sowohl körperlich als auch vor allem sozial wohlfühle, dass ich dem Leben und den Leuten gegenüber positiv eingestellt bin, und dass ich mich trotz meiner abweichenden Kleidung nicht ausgegrenzt fühle.
Dieser Komplex bedeutete für mich lange Zeit, dass ich nur mit guter Laune und nur in positiven Situationen Röcke unter Menschen tragen konnte. An Tagen, an denen mir es nicht so freudig zumute war, hätte ich mich manchmal lieber in Hosen unter den Menschen versteckt. Nicht zuletzt, um eben nicht im Sinne des oben genannten Komplexes eine anders aufzufassende Ausstrahlung zu haben.
Inzwischen ist mir das egal. Ich kann auch an schlechten Tagen, an Tagen mit mieser Laune oder todtraurig in Rock oder Kleid unter Leuten sein. Ich muss nicht immer den Strahlemann abgeben, nur weil ich Rock oder Kleid trage.
Vermutlich sind da zwei Faktoren, weshalb es mir inzwischen gelingt, auch an schlechten Tagen auf Rock oder Kleid nicht zu verzichten:
1. Da mich viele Menschen kennen, auch die, die ich selbst nicht kenne, ist es mir gar nicht mehr möglich, dass ich in Hosen in der Menge untertauchen kann. Man erkennt mich auch in Hosen.
2. Ich brauche nicht mehr die Tarnkappe Hose, um mich vor möglichen Blicken, neugierigen Fragen, dummen Kommentaren zu schützen. Auch an schlechten Tagen kann ich damit adäquat umgehen. Aber diese möglichen Blicke, neugierigen Fragen, dummen Kommentare kommen nahezu fast gar nicht mehr vor. Weder an guten, noch an schlechten Tagen.
Also spielt es bei mir keine Rolle mehr, ob ich Hosen oder Röcke / Kleider trage in Bezug auf andere Menschen. Und da ich Hosen nicht mag, wähle ich mit Vorliebe Röcke oder Kleider. Es besteht also für mich überhaupt keine Veranlassung mehr, Hosen tragen zu wollen.
Zudem kann ich mich de facto schon gar nicht mehr erinnern, wann zuletzt ich in einer Hose steckte. Vor zwei Jahren sagte ich in einem kurzen Interview für ein Stadtblättchen, ich würde nur noch Hosen zum Heckenschneiden tragen. Kaum gesagt, Hecke geschnitten, da aber tatsächlich im Kleid und seitdem ebenfalls immer nicht in Hosen. Also, es könnte schon drei Jahre her sein, vielleicht vier - die Zeit fliegt -, als ich zuletzt in einer Hose steckte. Und das alles ganz ohne Zwang.