Lieber Zwurg, der folgende Beitrag ist meine Antwort
auf Deinen Beitrag.
Es ist nicht so, dass jedem Glatzkopf kein einziges Haar mehr auf der Kopfhaut wächst. Glatzkopf zu tragen, ist allermeist ein Ausdruck modischer Freiheit.
Dass Frauen statistisch gesehen längere Haare tragen als Männer, ist Ausdruck modischer Vorlieben. Es gibt aber bestimmt auch Frauen, die lange Haare deswegen tragen, weil das gerne so gesehen wird, also ein Verhalten aufgrund eines gewissen gesellschaftlichen Drucks. Auch fahren Frauen seltener einen Sportwagen, weil sie daran einfach weniger Interesse haben. Es wird aber auch Männer geben, die nur deshalb einen Sportwagen fahren, weil dies als Ausdruck besonderer Männlichkeit gilt.
So sind wir alle irgndwie gefangen in Vorstellungen, was man als Frau oder Mann eben eher so macht und was nicht. Dass Männer nur Hosen tragen, liegt weniger am mangelnden Interesse, sondern vor allem daran, weil man es eben nicht macht.
Und dabei halte ich dieses bedingungslose Hosentragen von Männern als das offensichtlichste Produkt sexueller Ungleichbehandlung - einer Ungleichbehandlung lediglich basierend aufgrund des Geschlechts. Frauen haben jegliche Formen einer so ausgreifenden Ungleichbehandlung mühsam, aber letztlich tiefgreifend erfolgreich überwunden. Am Ende sind es sogar die Männer selbst, die sich gegenseitig den gesellschaftlichen Druck auferlegen, die eine Überwindung der Hosennummer absolut erschwert. Die "Hosennummer" ist Ausdruck einer eigentlich längst überkommenen, verkrusteten Männlichkeit.
Dass solch eine verkrustete Männlichkeit einige Angehörige des männlichen Geschlechts in eine Situation hineintreibt, diese Männlichkeit abzulehnen und aufgrund des gesellschaftlichen Drucks nach Lösungen suchen, diesem Druck zu entkommen, sehe ich ähnlich wie wohl Zwurg. Da sind dann Konzepte, die einen Geschlechtswechsel oder Zwischenstufen zwischen 'Mann' und 'Frau' anbieten, Angebote, die bei einem gewissen Leidensdruck schnell attraktiv werden können. Dass der "Wokismus" Menschen nun in eine Lebensentscheidung hineintreibt, sehe ich nicht, denn jeder kann selbst für sich entscheiden, was er möchte oder was nicht. Dass Konzepte, die artikuliert werden (oder auch in Gesetze gegossen werden) als attraktive Angebote zur Auswahl stehen, sehe ich hingegen ziemlich genauso wie Du, lieber Zwurg. Und ja, ich vermute auch, das verkrustete Männlichkeitsbild treibt auch einige Kandidaten in diese Angebote. Auch ich glaube, einige queere Menschen oder trans-irgendwas Menschen würden diesen Weg nicht gehen, wenn das Männlichkeitsbild nicht so verkrustet wäre - auch was Kleidung betrifft.
Dass man nicht jede Lebensentscheidung auch im Nachhinein als die richtige Entscheidung bewertet, liegt in der Natur der Sache. Manche trämten von einem Wohnmobil und einer damit erträumten großen Freiheit, nach der Anschaffung aber merken sie, dass das doch gar nicht so ihr Ding ist und machen irgendwann ihre Urlaube dann doch lieber auf den Kreuzfahrtschiffen. Manchmal klammert man seine Hoffnungen an Dinge, die diese Träume am Ende gar nicht erfüllen können. Und so mag es auch Lebensentscheidungen geben, die Menschen zu angleichenden Operationen führen, die später die darein gesetzten Träume nicht erfüllen können.
Dass solche Fälle "in den Medien", wie Du sagst, "nicht vorkommen", liegt vielleicht auch daran, dass sie in Wirklichkeit zwar vorkommen, aber längst nicht so oft, wie andere glauben, dass sie in der Realität vorkämen. Aber von solchen Fällen habe ich dennoch in den Medien, und zwar sogar in den ÖR schon mitbekommen.
Dennoch bin ich mit Dir sehr ähnlicher Meinung, dass körperverändernde Operationen ohne medizinische Notwendigkeit sehr fragwürdig sind und eigentlich zu vermeiden sind. Drum gibt es aber auch große Hürden, 'geschlechtsangleichende' Maßnahmen durchzuführen. Meines Wissens sind da etliche Stufen von Beratungen nötig sowie psychologische Gutachten - Gutachten von Menschen, die sich mit dem Seelenleben besser auskennen als der durchschnittliche Mensch auf der Straße. Diese Hürden wurden meines Wissens gesetzlich etwas abgebaut - verkürzt gesagt - durch den Einfluß des "Wokismus". Die ursprünglichen Hürden galten als zu hoch und als zu persönlichkeitsverletzend. Doch jeder Betroffene entscheidet selbst, ob er diesen Schritt nun gehen möchte oder nicht. Es ist keine 'fremde Macht', die Betroffene dazu treibt.
Dass die Hürden bei minderjährigen Betroffenen auch reduziert wurden, gehört zu der Wahrheit ebenso. Dies ist natürlich nicht unumstritten, denn Minderjährigen billigt man noch nicht eine völlige Selbstbestimmtheit zu. Andererseits gibt es gute Argumente, genau geschlechtsverändernde Schritte einzuleiten, bevor die Pubertät körperliche Merkmale setzt, die vom Geist im eigenen Körper abgelehnt werden. Der lebenslange Leidensdruck, mit diesen sichtbaren Körpermerkmalen leben zu müssen, die nicht der eigenen empfundenen Identität entsprechen, kann durch frühzeitiges Eingreifen verhindert werden. Das ist ein gewichtiges Argument, geschlechtsverändernde Maßnahmen auch schon bei minderjährigen Personen zuzulassen. Auch hier werden vielfache Gutachten erstellt, die versuchen, den tatsächlichen und künftigen Leidensdruck zu erkennen, von Fachleuten, die sich eben mit seelischen Zuständen besser auskennen als der durchschnittliche Mensch auf der Straße.
Ja, man kann dies alles hinterfragen, oder nicht gutheißen. Da ich persönlich davon nicht betroffen bin, kann ich eine Meinung dazu haben, aber lässt mich nicht allgemein am Zustand der Gesellschaft zweifeln. Wenn es für manche Menschen als der beste Weg erscheint, diesen zu gehen, dann sollen sie ihn gehen. Ich muss ihn nicht gehen. Und Lieschen Müller auch nicht, wenn sie nicht möchte.
Themenwechsel. Dass Journalisten in den ÖRs fast in die Jacke von - ich nenne es mal - Mainstream-Politikern schlüpfen - schönes Bild, Zwurg, das mit dem Jackeschlüpfen! - und Politikern der extremen Parteien quasi einem Verhör ausgesetzt würden, sehe ich keineswegs. Ich sehe in den ÖRs (Öffentlich-Rechtlichen) sehr, sehr häufig, wo Journalisten regelrecht nachbohren bei Politikern gleich welchen Spektrums. Letztlich ist das ja auch die Aufgabe der Medien, zu hinterfragen, ja aufzudecken, und politische Absichten transparenter werden zu lassen. Das kann Qualitätsjournalismus. Und den kann man sicherlich auch außerhalb der ÖRAs (Öffentlich-Rechtlichen Anstalten) finden, zum Beispiel im Printbereich bei den Zeitungen, aber bestimmt auch bisweilen beim Fernsehprogramm namens 'Welt'. Man sollte generell nicht jede einzelne Information, die man irgendwo aufschnappt, auch nicht bei den ÖRAs, unhinterfragt in sich aufsaugen. Man sollte immer eine gewisse Distanz halten zu der Information - und dazu, was will der von mir, was er will er mit mir erreichen, dass er mir diese Information gibt. Informationen lassen sich schnell verändern - gerade, weil man sie alle selbst nicht miterleben konnte und sich ein ungetrübtes eigenes Bild davon machen konnte. Darum ist es wichtig, nicht nur die Information zu hinterfragen, sondern warum diese Information so wie sie formuliert ist mir gegeben wird und mit welcher Absicht. Und es ist tatsächlich so, dass in den ÖRAs diese Absichten breiter gestreut und mit Abstand weniger festgelegt sind als in jeglichen anderen Medien. In anderen Medien stecken schnell unverrückbare Absichten dahinter. Und dort verliert eine Information schnell den Informationsgehalt, sondern der Meinungsgehalt steigt stark an. Es ist letztlich eine freie Entscheidung von jedem, ob man sich lieber von fakten-orientierten Informationen oder meinungs-orientierten Informationen leiten lässt. Unterschiedliche Meinungen einzuholen, ist ja grundsätzlich nicht verkehrt, sondern wahrscheinlich der beste Weg, sich ein eigenes Bild davon zu machen.
Ich habe derzeit ganz große Angst vor dem Wahnsinn, der da um sich greift!
Und wer lacht sich dann ins Fäustchen? Nein, nicht unsere AfD-Wähler:innen, denn die sind genau so betrogen, sondern die Musks dieser Welt sind es, die da ihren Profit draus schlagen und die Putins, Xis und Trumps, denen es darum geht, einen Konkurrenten auszuschalten, die EU nämlich.
LG, Micha
Ich fürchte auch jemand hat großes Interesse an diesen ganzen Zwistigkeiten.
Ja, gut beobachtet. Und Micha hat es schön aufgelistet. Und diese Reihe ließe sich noch weiter fortsetzen, auch mit den Steigbügelhaltern bei uns und um uns herum, die für diese Ziele herhalten müssen.
Jedenfalls schön, Zwurg, dass Du Dir wieder Gedanken zu Gott und der Welt machen kannst. Das ist doch eine schöne Erkenntnis auf dem Weg zur Gesundung!