Autor Thema: Video über CSD-Feindlichkeit  (Gelesen 2459 mal)

Offline doppelrock

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Antw:Video über CSD-Feindlichkeit
« Antwort #60 am: Heute um 12:13 »
So langsam nähern wir uns dem eigentlichen Thema, dem WDR-Bericht.
Es sind aber nicht nur USA, China und Russland mit der Kriegsrhetorik, sondern ganz ausgeprägt die EU, die ein zusätzliches, eigenes Kriegsheer gründen will und die hiesige Politik, die "Unserland" kriegstüchtig machen will. In diesem Thema wie auch im Startthema gibt es berechtigte Kritik an den Beiträgen des ÖRR.
Wie schon gesagt, werden im Bericht ohne Beweise Zusammenhänge dargestellt, um Zuseher in Angst zu versetzen und zu spalten. Die Methode ist ähnlich wie in der C-Zeit, wo die Schuld an den rein politisch entschiedenen Maßnahmen den Kritikern der Maßnahmen in die Schuhe geschoben wurde.
Genauso muss man sich von den Sendern als böse beschimpfen lassen, wenn man für frieden und Verständigung eintritt und propagierte Hass und Hetze nicht mitmacht.
Es kommt von manchen dann ein Abwehrreflex "die anderen Medien...".  Sie ignorieren nur einen feinen Unterschied: Der ÖRR hat besonders strenge Auflagen zu erfüllen an Ausgewogenheit und Richtigkeit der Beiträge, die sie aber oft nicht erfüllen. Sie sind im gegensatz zu freien Redaktionen zentral gesteuert, so dass nicht einfach ein Redakteur irgendwas sagen kann, was nicht abgestimmt ist. Sogar eingespielte Wortbeiträgevon Zuhörern sind oft aufgezeichnet und zensiert/gefiltert.
"Die Freien" haben als einzige Gemeinsamkeit, dass sie keine Zwangsgebühren erheben. 1000 Redaktionen mit 1000 Ideen und Teams kann man nicht gleichmacherisch in einen Topf werfen. Auch da gibt es Gute und weniger Gute. Manche folgen der Staatsräson, mache sind nur Gate Keeper, manche sind wirklich neutral und bieten zu allem einen link und weitere Infos. Das macht tagesschau.de etwa grundsätzlich nicht.

Zu diesem Beitrag des WDR habe ich ja schon meine Einschätzung abgegeben und die darf auch gern gelesen werden. Denn es geht nicht gegen Homo oder Vielfalt, sondern gegen die Art der Berichterstattung, die sogar dem präsentierten Opfer schadet.

Gerade kommt die Info, dass Elon Musk das ZDF verklagt wegen der Falschmeldung "Aufruf zu Gewalt". Bleibt spannend.

Offline Skirtedman

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Antw:Video über CSD-Feindlichkeit
« Antwort #61 am: Heute um 13:59 »
Danke, Micha, für Deinen inspirierenden Beitrag.

Fast könnte man ihn schon als Grundsatzpapier für eine neue Ethikbewegung verwenden.

Du sagtest, ich hätte monokausal begründet.
Nun, ich habe es auf zwei Ebenen, oder wie ich es ausdrückte, zwei Kernzellen bezogen.
Also die nahezu unlösbaren Quellorte der Ablehnung von Homosexualität und Transgender. Quellorte, die so schnell nicht versiegen werden. Homosexuelle und Transgender haben da einen enormen Widerstand, gegen den sie anschwimmen müssen.

Kernzelle 1: Armee und Wirtschaft auf nationaler Ebene, beide systematisch recht gleich strukturiert.
Kernzelle 2: Familie, und hier mit besonderem Blick (weil hier diese Quelle am meisten heraussprudelt) auf:
                      - die Eltern
                      - die Partnerin (in unserem Rockmännerfall reicht der verkürzte Blick auf die Partnerin,
                                                 in anderen Fällen könnte dies natürlich auch der Partner sein)

Insofern habe ich nicht monokausal argumentiert. Natürlich ist das alles sehr komplex und es gäbe noch eine Reihe anderer Quellen von Abneigung gegenüber Homosexualität oder Transgender, insofern habe ich das nicht vollumfänglich abgearbeitet. Aber es war ja auch genau das Ziel, die wichtigsten Quellen sozusagen dauerhafter Ablehnung aufzuzeigen und die Ursache hierfür zu beschreiben. Darum nannte ich diese Quellorte auch "Kernzellen", was besagt, dass es auch noch andere, allerdings mehr beiläufige Quellen gibt, die den Fluss der Ablehnung zwar anschwellen lassen, aber sich durchaus auch mitunter von den 'Kernquellen' speisen, sozusagen als Nebenläufe der Hauptquellen.

Richtig ist, Micha, dass Du diese Kernquellen quasi zu einem systemischen Grundschema zusammengefasst hast: das Schema des kollektiven Selbsterhalts, auch über Lebenszeit-Spannen hinausgedacht. Und dieser Selbsterhalt auch im Spannungsfeld der Konkurrenz mit anderen ähnlich gelagerten Einheiten. Sowohl block-bildend in engen Staatenbünden, als auch national, als auch in kleineren Gruppen wie Dorfgemeinschaften, Sippen, Familie, Partnerschaft. Ja, im Grunde ist dieser Drang zum Selbsterhalt eines jeden wie auch immer abgrenzbaren Systems schematisch sehr, sehr ähnlich gelagert, fast schon wie eine Art Naturgesetz.

Auf diese Weise schematisch den Blick darauf reduziert, mag meine Darstellung der Quellorte ("Kernzellen") trotz der unterschiedlichen Quellorte monokausal sein.

Ähnlich lässt sich das Schema eines jeden Lebewesens, eines jeden Menschens, ja auch verallgemeinern: Denn jedes Individuum hat mit nur wenigen Ausnahmen den Drang, sich als Individuum selbst zu erhalten, am Leben zu erhalten. Das bedingt auch die einfachsten Triebe wie (schematisch ausgedrückt) 'Essen', 'Trinken', und/oder eine gewisse sonstige Energiezufuhr. Dieser Drang zur Selbsterhaltung brachte in der Evolution ja auch Sensoren hervor, die Umwelt irgendwie wahrzunehmen und Fähigkeiten, auf diese Umwelt irgendwie begünstigend zu reagieren (z.B. Geißelhärchen oder Beine, um aus dieser Umwelt fliehen zu können, wenn die ungut ist).

Ja, interessant ist, dass in vielen Phänomenen eine durchaus vergleichbare Systematik grundlegend innewohnt.

Insofern finde ich Deinen Vergleich, Micha, von Menschengemeinschaften, z.B. Firmen, Nationen etc., mit der biologischen Artenvielfalt von Flora oder Fauna sehr interessant. Denn diese vielleicht verwunderliche thematische Abweichung birgt vermutlich doch sehr große Parallelen zu unseren besprochenen Gruppen: Monokulturen sind anfälliger. Polykulturen, durchmischte Kulturen also mit einer bunten Artenvielfalt sind gegenüber Monokulturen deutlich resilienter / resistenter.

Und deswegen stimme ich voll Deinem Plädoyer zu, mehr Vielfalt zuzulassen.

Was hilft das den betroffenen Homosexuellen und Transgendern? Sie können nur durch ihre Vielfalt dazu aufrufen, dem Miteinander mehr Wert beizumessen als dem vermuteten, scheinbaren Schaden. Die Quellen der Ablehnung werden sie nicht alleine zum versiegen bringen. Da hilft nur, dass Wirtschaft und Familie den Mehrwert der Vielfalt erkennen. Und ja, auch dass nationale Strukturen wie - ich nannte: - Armee und daran und an Wirtschaft gekoppelt auch die Politik im Innen und auch im Außen ebenfalls ein Miteinander in Vielfalt höher schätzen als eine Klüngelbildung "wir gegen die anderen".

Wie Du, Micha, schön mit Blick von außen ohne emotionale Eigeninteressen formuliert hast:
Das Miteinander steht im Widerstreit mit dem Gegeneinander.

Leider wird sich das Gegeneinander in vielen Generationen nach uns auch noch nicht besiegen lassen. Aber jede kleine Vielfalt mehr ist eine Bereicherung auf dem Weg zu einem Miteinander.

Viele Ansätze zu einem Miteinander auf internationaler Ebene gab es ja schon. Mir fällt der gut gemeinte, leider zu gut gemeinte "Wandel durch Handel" ein, der ja in den letzten 10 Jahren sich als gescheitert erwies. Der grundsätzliche Fehler dabei war, einen gutgemeinten Wandel in Ländern herbeizuführen, in der Hoffnung, dieser politische Wandel ginge in die herbeigesehnte Richtung. Der Fehler also war, man hatte sich selbst als das bessere, höherwertige System empfunden. Das sollte auf die Zielländer abfärben. Das Problem war also, dass dies keine Begegnung auf Augenhöhe war, sondern letztlich eine erzieherische Maßnahme war.

Und genau das sollte im Miteinander eigentlich nicht geschehen. Zwar denke ich immer noch, dass die Demokratie, so wie in Deutschland unsere Gründerväter mit der Verfassung sie z.B. gedacht haben, eine der besten Möglichkeiten ist, ein Miteinander zu ermöglichen. Auch wenn es hier freilich noch immer genügend Unzulänglichkeiten gibt. Ich kenne bislang noch kein System, das eine bessere Grundlage für ein Miteinander bilden könnte. Allerdings birgt sie auch die Gefahr, von Demokratiefeinden wegen Eigeninteressen unterminiert zu werden.

Dem gegen zu halten ist ein Kraftakt. Vermutlich gelingt das nur, wenn viele im Kleinen bereits anfangen, für ein Miteinander einzutreten. Wir Männer im Rock sind da vielleicht ein kleines, vielleicht gar nicht zu unwichtiges Bausteinchen.

Und wir dürfen auch die Gesellschaft bereichern wie z.B. auch Homosexuelle oder Transgender, für die wir ja auch noch immer manchmal gehalten werden. Oder manche von uns vielleicht auch sind. Vielfalt eben. Miteinander. Jeder, was er kann. Und fühlt er sich wohl, kann er mehr. Wachstum der vielfältigen Fähigkeiten. In Polykultur. Gemeinsam. Miteinander.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline MAS

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Antw:Video über CSD-Feindlichkeit
« Antwort #62 am: Heute um 20:30 »
Lieber Wolfgang,

ich wollte gar nicht kritisieren, dass Du monokausal argumentierst, sondern nur darauf hinweisen, dass es nicht genügen würde, wenn wir es täten. Einen Strang zu verfolgen und andere vorübergehend beiseite zu lassen, ist selbst noch nicht monokausal. Das wäre es erst, wenn wir meinten, mit einer Begründung alles erfasst und erklärt zu haben, was zu erfassen und zu erklären ist.

Was die Augenhöhe angeht (wobei ich lieber von gleicher Augenhöhe rede, denn Augenhöhen verschieden großer Personen sind sehr ungleich), so meine ich schon, dass es einen Unterschied macht, ob ich auf internationaler Ebene mit Vertreter:innen eines anderen demokratischen Landes rede oder mit Vetreter:innen einer Diktatur. Bei aller Unvollkommenheit unserer Demokratie, so gilt es hier doch, Standards zu verteidigen, wie z.B., dass wir in Deutschland und in der EU keine Straflager für politische Gegner haben, dass wir keine Genozide durchführen, dass wir die Würde des Menschen hochachten und die Verantwortung für den Planeten als wichtige Agenda haben. Das könnte alles noch besser sein. Da einfach ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe zu führen mit Vertreter:innen von Staaten, in denen diese Standards nicht gelten, ist schwierig. Man muss auch unterscheiden zwischen unterschiedlichen kulturellen Mentalitäten und grundsätzlich unterschiedlichen politischen Systemen. Kulturell mental unterschiedlich zu uns ist z.B. Taiwan und ist Japan, aber die VRC bildet zudem ein grundverschiedenes politisches System. Kulturell mental unterschiedlich zu Westeuropa ist auch  die Ukraine, aber die Russische Föderation ist zudem ein grundverschiedenes politisches System. Auch die USA sind kulturell mental unterschiedlich zur EU, aber bilden (noch) ein ähnliches politisches System, das aber gerade droht, zu kippen. Auch in der EU gibt es Staaten, die gerade in Gefahr laufen, ins Undemokratische zu kippen wie Tschechien aktuell. Und das obwohl die kulturelle Mentalität nicht so sehr anders ist als die anderer EU-Staaten.

Aber es ist nichts fest, sondern alles im Fluss.

Du hast recht damit, dass wir mit der Mentalität des Gegeneinander von Familien, Firmen, Staaten und damit auch der Feindschaft gegenüber Menschen, die für die Selbsterhaltung der jeweiligen Gruppe unnütz oder gar schädlich zu sein scheinen, noch eine Weile leben müssen. Dir von mir angesprochene universalreligiöse Ethik hat sich auch nach 2000 und mehr Jahren noch nicht überall durchgesetzt, auch nicht in den Kulturen, in denen die betreffenden Religionen kulturprägend sind. Das Kleingruppendenken hat sich ja auch in Jahrhunderttausenden vorher gebildet und in Teilen auch bewährt, da kommen neue ethische Konzepte nicht so gut gegen an.

Ich habe aber Hoffnung, dass diese Konzepte weiter reifen und immer mehr Menschen überzeugen werden. Erfindungen wie die UNO und die EU weisen in die richtige Richtung. Sie stehen für Menschenrechte und für Mitweltverantwortung. Auch sie sind nicht fehlerfrei. Wären sie das, wären sie nicht menschlich.

Und da wir davon ausgehen müssen, dass es immer wieder Angriffe auf die UNO und die EU und ähnliche Entwicklungen geben wird - wirtschaftliche, militärische, politische, auch von innen - müssen wir auch verteidigungsbereit und -fähig sein. Wir kommen im Inneren ja leider auch nicht ohne Polizei aus. Allerdings sollten wir auch aufhören, auf wirtschaftlicher Ebene andere Weltgegenden und die Menschen dort auszubeuten, indem wir sie unterbezahlen und sonst wie übervorteilen. Solches wirtschaftliches Handeln unterminiert die ethische Glaubwürdigkeit der EU. Und sie bewirkt - bitte auch nicht monokausal verstehen - dass viele Menschen ihr Glück darin versuchen, aus armen und instabilen Ländern in den friedlichen und reichen EU-Bereich einzuwandern. Ginge es ihnen zu Hause gut kämen sie nicht auf diese Idee.

Frieden hat so viele Facetten. Wir sollten uns vor allem den armen Ländern gegenüber friedlich verhalten und ihnen helfen, sich gegen eine Bevormundung durch Länder wir die VRC zu behaupten. Oder gegen jedes Land mit einer Regierung, die eine My-country-first-Politik praktiziert. Statt dessen sollte es heißen "Our planet first" und "Humanity first".

Und dann haben auch Homosexuelle und Transgender ihren respektierten Platz in der Gesellschaft. Und wir Freund:innen der Kleidungsfreiheit auch, ganz unabhängig von unserer sexuellen Orientierung und Genderidentität.

LG, Micha     
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

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