Autor Thema: Zerstörung der Gendernormen.  (Gelesen 51 mal)

Offline cephalus

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Zerstörung der Gendernormen.
« am: Heute um 14:52 »
Am Wochenende war ich mit meiner Familie zu einer Party anlässlich eines 60. eines sehr guten Freundes in Köln eingeladen.

Wohl die Hälfte der Anwesenden kannten mich bereits in Rock oder Kleid, der Rest nicht.
Irgendwann im Laufe der Party kamen drei andere Gäste auf mich zu und teilten mir mit, dass sie es toll fänden uns, (also die ganze Familie) kennen zu dürfen, weil wir so mühelos alle Stereotype und Geschlechternormen im Vorbeigehen sprengen würden, ohne dabei in irgendeiner Weise seltsam, abgehoben oder unnormal zu wirken.

Sie bezogen das explizit auf die ganze Familie, die in der einen oder anderen Weise manche Normen Gewohnheiten oder Traditionen einfach übergeht.

Die Kleidung wurde nicht angesprochen, weder meine, noch, dass mein Sohn am Vorabend ein Kleid trug, relevanter empfanden manche die Aufteilung der Aufgaben, die Interessen und Hobbys.

Da gugg einer, worüber was sich Menschen Gedanken machen und scheinbar auch untereinander reden. :o



Offline Skirtedman

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Antw:Zerstörung der Gendernormen.
« Antwort #1 am: Heute um 16:46 »
Ähnlich lautenden Dank bekomme ich bisweilen auch ausgesprochen.

Bei mir hat es freilich sehr viel mit meiner Kleidung zu tun. Hierbei fällt mir gerade eine Begebenheit ein, die so halb vielleicht nun in diesen Thread passt.

Letzten Mittwoch sprach mich am Bahnhof unmittelbar vorm Einsteigen in einen Zug jemand an. Er hätte es mir schon seit langem mal sagen wollen. Also: kein Bekannter, sondern irgendwer. Ein Mann so um die 50. Er dankte, dass es mich gibt. Das müsse man ja auch mal sagen, "anders als die zwei da eben". Ich musste erst hingucken, um ansatzweise zu verstehen, was er meinte.

Weil ich etwas etwas zögerte, fügte er hinzu: "Ja, die haben sich doch Ihnen in den Weg gestellt."

Ja, richtig, war nicht die angenehmste Situation. Auf meiner Seite des Bahnsteigs, wo also gleich der Zug zu erwarten war, standen an einer Engstelle nicht zwei, sondern drei junge Männer (ich würde sagen "Halbwüchsige"), alle in einem recht cliquenhaft-stylishen Outfit in schwarz-weiß. Alle - Entschuldigung, wenn ich diese Nebensächlichkeit erwähne, jedoch ansatzweise nötig, um die Stimmung zu vermitteln - dunkle Haare. Sie standen an der Engstelle und erzählten. Ich schlenderte den Bahnsteig entlang dorthin, wo der Zug dann halten würde, und ich hatte keine Lust, auf die gegenüberliegende Seite zu gehen, weil dort mehrere Leute standen, und auch keine Lust, nur deswegen den Umweg zu nehmen, nur weil die drei da herumstehen.

Freilich wäre es ein leichtes gewesen für die Jungs, mir aus Höflichkeit den Platz frei zu machen zum Vorbeigehen. Eigentlich ging ja einer zwar recht spät zur Seite. Der andere aber postierte sich bewusst so, dass ich da nicht ohne weiteres vorbeikommen würde. Erst als ich unbeirrt weiter drauflos schlenderte, machte er spät, sehr spät Platz. Ich bedankte mich dafür. Einer der anderen sagte mir noch mit leicht theatralischem Unterton "Hallo" im Vorbeigehn. Ich hallote ihm zurück. Er jedenfalls war der sichtbarste mit migrantischer Vergangenheit. Zu meiner Überraschung schienen die beiden anderen nah besehen das vermutlich gar nicht zu sein.

Ja, und mit anschließend einem räumlichen Abstand von 50, 60 Metern von dieser Stelle kam dann eben der mir Unbekannte zu mir. Er schien die Situation also beobachtet zu haben, die zwar nicht angenehm war, aber mich nun nicht sonderlich bewegt hatte. Jedenfalls dankte er mir, dass es mich gibt. Ich würde diese triste Gesellschaft ein bisschen bunter machen.

Was auch immer er nun damit verbunden hat. Vermutlich etwas anderes, als ich für mich damit verbinde. Wie auch immer. Aber mir wurde 'meiner Existenz' also auch gedankt.

Und er sagte ja auch, dass er das schon längst mal mir sagen wollte. Rund 40 Minuten von meiner Heimatstadt entfernt. Auf einer Zuglinie, die ich nun nicht allzuoft verwende. In einem Zug und eine Fahrtrichtung, die ich zu dieser Uhrzeit eher in die andere Richtung fahre. Und da an diesem Ort auch vielleicht nur dreimal im Jahr mich aufhalte. Also die Begegnungsmöglichkeiten liegen jetzt nicht so klar auf der Hand. Aber scheinbar bin ich ihm dann wohl schon öfters irgendwie 'positiv'  ;) aufgefallen.

Mir war diese positive Äusserung schon fast zu positiv. Und war froh, dass der Herr freiwillig eine andere Tür zum Einsteigen verwendete. Ich wollte dieses Gespräch da gerade nicht weiter vertiefen. Ich bin ohnehin an der nächsten Station wieder ausgestiegen.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch geistig gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks wohl sein, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline cephalus

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Antw:Zerstörung der Gendernormen.
« Antwort #2 am: Heute um 19:18 »
Hi Wolfgang,
bei mir war im Gegensatz zu Deiner Begebenheit nicht die kleinste Spur eines Unwohlseins vorhanden.

Es waren alles Leute die weitgehend die gleichen Einstellungen und Werte teilen, von daher habe ich mich schon etwas gewundert, dass es themaisiert wurde.


Was mir gerade noch eingefallen ist:
Am Tag nach der Party, beim Frühstück der Übriggebliebenen, wurde mein Kleid auf ungewohnte Weise Thema einer Stilberatung.

Ich trug ein enges Jeanskleid das zwar gut passt, aber an der Hüfte etwas mehr Platz bietet, als ich ausfülle.
Eine Frau sprach mich auf das Kleid an und forschte vorsichtig nach meiner Motivation zum Kleid.

Sie outete sich selbst als Transgender, was mir eigentlich klar war, mich überraschte aber die Tatsache, dass sie das ohne Not so offen sagte.
Jedenfalls erwähnte sie die zusätzliche Weite an der Hüfte, mit der sie auch, zumindest vor ihrer HRT zu  kämpfen hatte.
Ihrer Meinung nach würde das Kleid besser aussehen, mit mehr Hüfte, auch wenn ich keinesfalls eine weiblichere Erscheinung anstrebe.

Jedenfalls empfohl sie mir Bloomers oder Unterhosen mit Rüchen dran zu tragen, das hätte bei ihr gut gewirkt.


 

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