Autor Thema: Iss was Dir schmeckt  (Gelesen 1259 mal)

Offline MAS

  • Für ein großherziges Forum ohne Ausgrenzung!
  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 29.095
  • Geschlecht: Männlich
  • Toleranz ist gut, Respekt ist besser!
    • IFN
  • Pronomen: Unwichtig
Iss was Dir schmeckt
« am: 17.06.2026 09:45 »
Gude zusammen!

Im "sooo-cool"-Thread sind wir auf vegetarische Fleischprodukte gekommen. Da fällt mir ein, dass ich neulich Plakate gesehen habe, auf denen zu lesen ist: "Iss was Dir schmeckt." Dazu gibt es auch eine Website: https://iss-was-dir-schmeckt.de/

Nachdem ich herausgefunden habe, wer dahinter steckt, habe ich den Betreibern diese E-Mail geschickt:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wurde neulich durch Plakate auf Ihre Website https://iss-was-dir-schmeckt.de/ aufmerksam gemacht und wollte wissen, von wem diese Seite stammt. Mein Verdacht wurde bestätigt: von der Fleischindustrie.

Ich erinnere mich an einen Besuch in einem Restaurant in der Pfalz, bei welchem ich mir das einzige Gericht aussuchte, bei dem auf der Speisekarte kein Fleisch erwähnt wurde. Es war ein Auflauf, der gut schmeckte, aber, obwohl nicht erwähnt, auch Speck enthielt. Ich beschwerte mich beim Kellner. Als der traurig guckte, meinte ich: „Aber geschmeckt hat es“, worauf sich sein Gesicht aufhellte und er meinte: „Das ist die Hauptsach!“

Ja, wenn man sämtliche andere Begründungen, nach denen man sich aussucht, was man isst, also gesundheitliche, ernährungswissenschaftliche, religiöse, ethische u.a. Gründe beiseiteschiebt, bleibt der Geschmack oder generell der Genuss als einzige Begründung übrig. Das nennt man dann Hedonismus.

Ich bin ja von klein auf als Fleischesser erzogen und erst als Erwachsener dazu gekommen, meinen Fleischkonsum drastisch zu reduzieren, aber eben nicht aus geschmacklichen Gründen. Würde mir Fleisch gar nicht schmecken – ich kenne Leute, bei denen das so ist – würde ich der Aufforderung zu essen, was mir schmeckt, in vielen deutschen Restaurants gar nicht nachkommen können, weil es einfach viel zu wenig fleischlose Hauptgerichte gibt. Insofern müsste Ihre Website sich also stark dafür machen, dass der Anteil fleischloser Hauptgerichte in Restaurants steigt, damit auch jeder findet, was ihm schmeckt. Dem ist aber nicht so. Denn eigentlich dient ihre Website ja der Fleischwerbung gegen die Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, lieber kein Fleisch essen. Die Anzahl der Vegetarier (inkl. Veganer) wächst ja allmählich oder eben derjenigen wie ich, die wenig Fleisch essen und dann am liebsten Wild, Bio-Fleisch und Fisch. Aber auch davon nur wenig, den Tieren, der Artenvielfalt, dem biologischen Gleichgewicht und der Gesundheit zu Liebe, also nicht aus geschmacklichen Gründen.

Eigentlich sollte Ihre Website heißen: iss-womit-wir-Geld-verdienen.de Und Sie verdienen Ihr Geld mit Fleischverkauf. Das wäre jedenfalls ehrlicher.   

Mit freundlichen Grüßen,
Michael A. Schmiedel"

Ich bin mal gespannt, ob ich eine Antwort bekomme. Und wenn ja, welche.

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Offline Skirtedman

  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 12.898
  • Geschlecht: Männlich
  • Mann ohne Hose muss nicht nackt oder sonstwas sein
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #1 am: 17.06.2026 11:53 »
Nun, eine höchst investigative Feststellung, die Du der Fleischindustrie mitteilst!

Schau Dir die Werbung an, die Reiseziele bewirbt:
Fahr da hin, wo wir Geld verdienen.
Fliege mit X, weil wir Geld verdienen.

Also ganz uneigennützige Werbung gibt es höchst selten.

Selbst 'Brot für die Welt' verdient mit ihren karitativen Spendenaufrufen Geld. Wäre das nicht der Fall, wäre 'Brot für die Welt' eine rein ehrenamtliche Organisation.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch seelisch gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks im Hirn wohl sitzen, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline MAS

  • Für ein großherziges Forum ohne Ausgrenzung!
  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 29.095
  • Geschlecht: Männlich
  • Toleranz ist gut, Respekt ist besser!
    • IFN
  • Pronomen: Unwichtig
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #2 am: 17.06.2026 12:28 »
Das ist richtig, lieber Wolfgang,

Diese Website erscheint vordergründig aber nicht als Werbung, sondern als eine Art Friedensseite, die die Nichtfleischesser:nnen dazu bringen will, das Fleischessen nicht zu kritisieren, sondern tolerant zu sein. Denn über Geschmack solle man ja nicht streiten.

Und um das zu erreichen, stellt sie den Geschmack als alleiniges Kriterium der Nahrungswahl hin und verneint andere Motivationen. Konsequent zu Ede gedacht, dürfte man dann auch Menschenfleisch essen oder Fleisch von bedrohten Tierarten, solange es einem schmeckt.

Zugleich werden Fleischessende als besser dargestellt, z.B. wenn von einem "selbstbewussten Bekenntnis zur Generation Steak"  einer Tochter gegenüber der sich vegetarisch ernährenden Mutter gesprochen wird.

Die Seite tut also so, als sei der soziale Frieden ihr Hauptanliegen, aber in Wahrheit geht es um Werbung für Fleischkonsum und eine Minderbewertung von Motivationen, die nicht am Geschmack orientiert sind.

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Offline Skirtedman

  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 12.898
  • Geschlecht: Männlich
  • Mann ohne Hose muss nicht nackt oder sonstwas sein
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #3 am: 17.06.2026 12:40 »
Natürlich versucht gute Werbung, Emotionen zu wecken...

Übrigens, ich hatte die Modebranche vergessen.

Deren Werbung will doch auch vermitteln:

"Zieh an, was ich verkaufe!"

Ich habe bewusst überall, wo es geht, die personalisierte Werbung zugelassen. Ich klicke am liebsten Modeanzeigen an. Vor allem, wenn ich einen interessant aussehenden Rock oder ein solches Kleid angezeigt bekomme, dann schaue ich mir das gerne mal ein bisschen näher an. Vielleicht gehe ich dann sogar auch mal gezielt in den betreffenden Laden und schaue es mir mal in natura, vielleicht sogar an mir dran an.

Mit personalisierter Werbung kriege ich eben überwiegend Werbung angezeigt, die Sachen mir zeigt, die mich interessieren. Und wenn mal kein Rock oder Kleid mir angezeigt wird, sondern ggf. Damenunterwäsche oder -bademode, was mich zum Kauf eigentlich nicht die Bohne interessiert, so schau ich mir eben die Menschen an, die darin stecken. Das finde ich ebenfalls einen reizenden Gewinn. Drum lasse ich personalisierte Werbung bewusst zu. Die merkt sich, was ich gerne sehe.  :)

Übrigens begegnete mir im Bereich Bekleidung auch folgende Plakat-Botschaft:

"Sei wer Du bist!" (grammatikalisch müsste da ja noch ein Komma rein, theoretisch)

Freilich geht es da auch um das Bekleidungsangebot des betreffenden Karnevals- und Partyausstatters.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch seelisch gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks im Hirn wohl sitzen, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?


Offline MAS

  • Für ein großherziges Forum ohne Ausgrenzung!
  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 29.095
  • Geschlecht: Männlich
  • Toleranz ist gut, Respekt ist besser!
    • IFN
  • Pronomen: Unwichtig
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #4 am: 17.06.2026 13:52 »
Ich glaube, lieber Wolfgang, ich habe nicht richtig erklärt, worum es mir geht.

Es geht mir darum, die Menschen dazu zu animieren, den Geschmack als alleiniges Kriterium der Nahrungswahl nehmen und Fragen des Ethik (Tierschutz, Mitweltschutz, Menschenschutz (Stichwort Tönjes), der Gesundheit oder der Religion völlig außen vor zu lassen. Mein Bruder meinte mal, als ich kein Fleisch essen wolle, das sei in Ordnung, es sei ja eine reine Geschmacksfrage. Nee, nach dem Geschmack würde ich viel mehr Fleisch essen als ich es tue. Dann könnte ich auch jeden Tag Fisch essen, der würde mir nicht über. Aber es gibt eben andere Gründe, warum ich es nicht tue.

Und wenn jemand sagt, er esse aus ethischen Gründen kein oder wenig Fleisch und sieht, dass sich viele andere um solche Fragen gar nicht scheren und dann ein Fleischerzeugerverbund dazu animieren will, sich nicht um solche Fragen zu kümmern, dann sieht dieser Nicht- oder Wenigfleischesser, dass seine Bemühungen, Tiere, Ökosysteme usw. zu schonen, keinen Erfolg haben, denn dazu bräuchte es viel mehr Menschen, die kein oder wenig Fleisch essen.

Aber wer solche Argumente bringt, wird dort als Konfliktschürer gebranntmarkt.

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Offline Skirtedman

  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 12.898
  • Geschlecht: Männlich
  • Mann ohne Hose muss nicht nackt oder sonstwas sein
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #5 am: 17.06.2026 15:44 »
Naja, Du opponierst gegen deren Geschäftsmodell. Und zum Geschäftsmodell gehört auch, das am Laufen zu halten. Da baut das Marketing gerne auf Emotionen, die erweckt werden. Und dazu gehören markige Slogans. Und dass wir hier darüber reden, ist ein Zeichen davon, dass die Werbung ankommt. Alles richtig gemacht. Aber glaube nicht, dass man Dir huldigt, wenn Du mit dem Slogan etwas verbindest und Dir dabei etwas wünschst, was gegen das Geschäftziel arbeitet.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch seelisch gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks im Hirn wohl sitzen, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline doppelrock

  • Hero
  • ****
  • Beiträge: 1.731
  • Geschlecht: Männlich
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #6 am: 17.06.2026 18:43 »
Das ist eine ganz normale Werbeseite, mit der jemand ein ganz normales Geschäft betreiben will und auch Aufmachung oder Methoden sind alles andere als ungewöhnlich.
Wie sowas viele Leute anspricht, können wir von der Tabakindustrie lernen, etwa seit Philpp Morris Kraft und andere Marken gekauft hat.
Im Vordergrund solcher Kampagnen stehen immer hochverarbeitete nährstoffarme Produkte mit einer abhängig machenden Menge an Zucker, Fett und Salz, oft auch Geschmacksverstärker.
Sehr markantes Beispiel sind die "lunchables" in den USA, die durch ihre Geschenk-ähnliche Aufmachung, Spielzeugfunktion durch selber mischen und schichten noch ein Gefühl besonderer Wertschätzung vermitteln.
Gesundheitsmäßig eine absolute Katastrophe.

Das zeichnet leider auch die angeblich gesunden Fleisch-Ersatzprodukte aus. Aus meiner Sicht kann man die gelegentlich konsumieren, wenn man das Gefühl haben möchte, aber auf echtes Fleisch verzichten will. Dauerhaft sind sie aber der Gesundheit nicht zuträglich. Statt der Ersatzprodukte auf Tofu- oder Saitanbasis (oder Chemie wie Analogkäse) wäre es gesünder, gemüse und Obst zuzubereiten und mit frischen Kräutern abzuschmecken. Ein Hamburger mit Bratling aus Erbsen, Linsen, Bohnen, Zwiebeln ist zig-mal gesünder als so ein Chemie-Klotz aus dem Bioladen.

Beim Fleisch ist auch nicht das Fleisch an sich das Problem, sondern ebenfalls die Verarbeitung und die Menge. Wenn man gelegentlich gutes Fleisch von artgerecht aufgewachsenen Tieren isst, ist das für den Esser gesund. Problematisch sind Nitritpökelsalz, Millimeterfleisch und andere hochverarbeitete Produkte.

Religiöse und persönliche Gründe gegen Fleischessen betrachte ich ganz bewusst nicht an dieser Stelle, auch wenn sie ihre Berechtigung haben.

Mit meiner Ernährung aus Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, wenig aber gutem Fleisch oder Fisch  und selbstgebackenem Vollkornbrot scheine ich richtig zu liegen. Laborwerte und Gewicht im grünen Bereich, keine Schmerzen, keine chronischen Leiden, 30 Jahre nicht einmal ein Schnupfen spricht dafür, dass ich für mich den richtigen Weg gefunden habe. Ist zwar anstrengender als einfach konsumieren, das Ergebnis belohnt eindeutig mit einer Figur, die für individuelle Kleidung perfekt passt.

Deswegen würde ich mich auch garnicht über solche Werbung aufregen, sondern sie einfach kurz ansehen, lächeln, weg damit. Über empörte Zuschriften lachen sie eh nur, weil sie genau wissen, dass die Mehrheit drauf reinfällt.

Besser finde ich einfache Regeln, die meine Oma schon kannte:
Kaufe nichts, was im Rundfunk beworben wird. Es ist teuer und meist schlecht.
Gute Sachen brauchen keine Reklame.
Gutes Essen braucht meist nicht mehr als 5 Zutaten. Und die Zutaten SIND das Gericht. Also Kartoffeln, Tomaten, Pilze,...keine Chemikalien mit X und Y im Namen.

Wenn man sich wieder an ursprünglichen natürlichen Geschmack gewöhnt hat, statt an Suchtmittel Zucker-Fett-Salz,  findet man die überwürzten Kunstprodukte nur noch als eklig künstlich.

Alles, was man wissen muss, ist in Büchern und online verfügbar. Auch hier gilt: Wissen ist Holschuld

Offline MAS

  • Für ein großherziges Forum ohne Ausgrenzung!
  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 29.095
  • Geschlecht: Männlich
  • Toleranz ist gut, Respekt ist besser!
    • IFN
  • Pronomen: Unwichtig
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #7 am: 17.06.2026 18:52 »
Ich opponiere gegen die Werte die dahinter stehen, nämlich dass man Geschmack höher bewertet als Ethik.

Übrigens bekam ich eine Antwort, die ich hier ohne Erlaubnis des Absenders nicht wörtlich zitieren will, aber zusammengefasst besagt die Antwort, dass die Motivation darin liege, dem zunehmend intoleranten Ton in Ernährungsdiskussionen einen Aufruf zur gegenseitigen Toleranz zwischen Fleischessern und Nichtfleischessern entgegen zu stellen. Er verlinkte auch auf ein Nationalgereicht für Deutschland, dass sie sich ausgedacht haben: https://initiative-fleisch.de/presse/pressemitteilungen/deutschland-hat-jetzt-ein-nationalgericht/
In dem Text dazu heißt es: "die Diskussion ist laut, der Ton oft moralisierend". Das ist das einzige Mal, sofern ich die Website gelesen habe, dass das Wort "moral[...]" auftaucht, wobei es etwas schlechtes zu sein scheint, wenn man seine Ernährung an einer Moral ausrichtet, statt nur nach dem Geschmack. 

Es geht mir also nicht nur um ein Geschäftsmodell, sondern um eine Wertefrage.

Ich werde da auch nochmal antworten, aber nicht sofort.

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Offline doppelrock

  • Hero
  • ****
  • Beiträge: 1.731
  • Geschlecht: Männlich
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #8 am: 17.06.2026 20:18 »
Es gibt schon einige Leute, die ihren veganen Lifestyle sehr moralisierend vertreten.. Allesesser und Vegetarier und diverse Mischformen wirken da wesentlich entspannter.
Und leider bewegen sich einige dieser moralisierenden Leute auf dünnem Eis, wenn sie ihr als gesund oder "moralisch rein" vermarkteten Produkte mit fast religiösem Eifer vertreten.
Beim M-Wort würde ich unterscheiden zwischen der Moral als allgemein in einer Gesellschaft anerkanntem Wertesystem und dem -ismus als Extremform mit Umerziehung, Belehrung, Intoleranz und ohne Empathie. Was nützt mir Hafermilch, wenn sie wie die bekannteste Trendmarke mit Emulgator Polysorbat80 (krebserregend und die Blut-Hirn-Schranke überwindend) sowie ungesunden hochverarbeiteten Pflanzenölen produziert werden? Da würde ich meinem Körper mit einem Becher Rohmilch von einer artgerecht gehaltenen Kuh einen größeren Gefallen tun.

Letztendlich muss aber jeder selbst entscheiden, nach welchen Werten er seine Lebensmittel auswählt. Eine Werbung "iss, was dir schmeckt" (und um den Rest kümmern wir uns) ist eine typische Methode, die Verantwortung an fremde, anonyme Firmen abzugeben, in einem Gefühl von Sicherheit. Real ist es das Gegenteil, man liefert sich freiwillig aus, zum eigenen Schaden und finanziellen Gewinn anderer.

Offline MAS

  • Für ein großherziges Forum ohne Ausgrenzung!
  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 29.095
  • Geschlecht: Männlich
  • Toleranz ist gut, Respekt ist besser!
    • IFN
  • Pronomen: Unwichtig
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #9 am: 17.06.2026 20:24 »
Da es mir auf der Seele brannte, habe ich doch schon geantwortet:

"Sehr geehrtes Kommunikationsteam Initiative Fleisch,

Toleranz im Sinne von Duldung von etwas, das man eigentlich lieber nicht hätte, ist im gesellschaftlichen Zusammenleben eine Grundtugend, ohne die es nicht geht.
Respekt im Sinne eines Berücksichtigens von Interessen anderer Menschen ist noch höher anzusiedeln.

Insofern toleriere ich auch Vielfleischessende.

Indes habe ich mit Ihrer Argumentationsweise ein Problem. Auf der verlinkten Seite mit dem Nationalgericht schreiben Sie, die Diskussion werde laut und manchmal moralisierend geführt. Haben Sie Wörter mit „moral…“ noch wo anders stehen? Ich fand sie nicht.  Jedenfalls werfen Sie anscheinen anderen Menschen vor, moralische Argumente zu verwenden, statt einfach tolerant zu sein. Moral oder Ethik scheint mir für Sie einen geringeren Stellenwert zu haben als Geschmack. Über Geschmack sollte man ja nicht streiten, aber über Moral oder Ethik zu streiten ist was anderes.

Ich selbst verzichte großenteils auf Fleisch, nicht, weil es mir nicht schmeckt, sondern weil ich Gewissensbisse habe. Der Fleischkonsum in der momentanen Höhe in unserer Gesellschaft kann, wenn ich das richtig sehe, mit nur artgerechter Haltung nicht bedient werden. Stimmt das? Nichtartgerechte Haltung widerspricht meiner Vorstellung von Tierwohl. Zudem kommt in der Massentierhaltung, dass ein solcher Betrieb die Tiernahrung nicht selbst produzieren und die Gülle nicht selbst im eigenen Betrieb verbrauchen kann. Also muss Tiernahrung zugekauft und Gülle anderswo entsorgt werden. Was bringt beides anderswo enorme ökologische Probleme mit sich. Diese Probleme könnten wir vermeiden, in dem wir direkt pflanzliche Nahrung für uns anbauen, statt damit unsere Nahrung zu füttern. Das wäre zudem viel energiesparsamer und damit klimafreundlicher. Das sind alles Überlegungen, die mit Geschmack nichts zu tun haben.

Einen hohen Fleischkonsum zu tolerieren, bedeutet, diese Probleme zu tolerieren.
Menschen, denen diese Probleme egal sind, solange es ihnen schmeckt, machen die Anstrengungen von Menschen zunichte, die durch verantwortungsvolle Ernährung versuchen, diese Probleme zu beseitigen. Ist da Respekt gegenüber Menschen, denen ihr Geschmack wichtiger ist als die Lösung der genannten Probleme wirklich die angemessene Forderung? Man kann diese Probleme wirklich nur durch gemeinsame Anstrengung lösen. Solange die Mehrheit der Menschen nicht mithilft, bringen die Versuche einer Minderheit nichts. Daher kommt es wohl, dass die Diskussion manchmal laut und moralisierend wird.

Meine Großnichte und ihr Freund machten neulich den Jagdschein, um sich das Fleisch, das sie essen wollen, selbst zu schießen und so unabhängig von der Fleischindustrie und der Massentierhaltung Fleisch essen zu können. Das ist für einige wenige ein gangbarer Weg, aber nicht für 80 Mio. Deutsche oder für 8 Mrd. Erdenbürger.

Ich bezeichne mich übrigens nicht als Flexitarier, denn es hat wenig mit Freude an Flexibilität zu tun, sondern eher an eine nicht ganz konsequente Durchführung meiner Überzeugungen gemäß dem Spruch: „Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach“. Mir fehlt es einfach an asketischer Disziplin. Das hat aber auch den Vorteil, dass ich Schwächen anderer Menschen auch gut verstehen kann.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael A. Schmiedel"

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Offline doppelrock

  • Hero
  • ****
  • Beiträge: 1.731
  • Geschlecht: Männlich
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #10 am: 18.06.2026 08:56 »
@MAS: Danke fürs Nachhaken. Bei Massentierhaltung und Konsum-Menge liegen wir garnicht so weit auseinander

Offline Skirtedman

  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 12.898
  • Geschlecht: Männlich
  • Mann ohne Hose muss nicht nackt oder sonstwas sein
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #11 am: 24.06.2026 00:07 »
... Was nützt mir Hafermilch, wenn sie wie die bekannteste Trendmarke mit Emulgator Polysorbat80 (krebserregend und die Blut-Hirn-Schranke überwindend) sowie ungesunden hochverarbeiteten Pflanzenölen produziert werden? Da würde ich meinem Körper mit einem Becher Rohmilch von einer artgerecht gehaltenen Kuh einen größeren Gefallen tun.

Ausser den Becher habe ich allerdings Rohmilch und dann auch noch von einer artgerecht gehaltenen Kuh eher selten zur Hand.

Zudem weisen meine aber gerade zur Hand habenden Produkte folgende Inhaltsstoffe auf:

Hafer Drink Natur, "mit deutschem Bio-Hafer, ohne Zuckerzusatz, nur 4 Zutaten, von Natur aus Laktosefrei":
Wasser
fermentierter Vollkornhafer112 %
Sonnenblumenöl1
Meersalz

1aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft


Hafer Mandel Drink, "ungesüsst, 100% vegan":
Wasser
Vollkornhafer1 10%
Mandeln1 0,75%
Meersalz

1aus kontrolliert ökologischer Erzeugung


Vielleicht sind die von Dir angeprangerten Inhaltsstoffe da nicht drin oder allenfalls unterhalb der kennzeichnungspflichtigen Menge.
Dass Männer nur Hosen tragen, ist weder körperlich noch seelisch gesund.
Wie tief muss der psychische Knacks im Hirn wohl sitzen, dass Männer sich nicht endlich auch mehr Freiheiten gönnen!?

Offline MAS

  • Für ein großherziges Forum ohne Ausgrenzung!
  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 29.095
  • Geschlecht: Männlich
  • Toleranz ist gut, Respekt ist besser!
    • IFN
  • Pronomen: Unwichtig
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #12 am: 24.06.2026 00:52 »
Ich habe heute noch eine sehr lange Antwort erhalten, die ich noch nicht ganz gelesen habe.

LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!

Offline doppelrock

  • Hero
  • ****
  • Beiträge: 1.731
  • Geschlecht: Männlich
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #13 am: 24.06.2026 22:00 »
@skirtedman: Wenn du ein Produkt gefunden hast, das ohne die Zusatzstoffe auskommt, ist das in Ordnung.
Beim Pflanzenöl kommt es nicht nur auf das "Bio"-Label an, das je nach Grundlage mehr oder weniger bedeutet, sondern auch auf den Verarbeitungsgrad.
Polysorbat wird auch als E433 getarnt und suggeriert so, dass es ein harmloser, weil erlaubter Zusatz sei.

Ich hab zwar keine Kuh, aber in der Nähe einen Bauern, bei dem ich die Rohmilch selbst zapfen kann. Und Eier von wirklich frei rumlaufenden Hühnern kaufen Neben der Ruhe und dem Garten mit Obst und Gemüse ein weiterer Grund, nicht mehr in einer Stadt zu wohnen.

Offline MAS

  • Für ein großherziges Forum ohne Ausgrenzung!
  • Legende
  • ******
  • Beiträge: 29.095
  • Geschlecht: Männlich
  • Toleranz ist gut, Respekt ist besser!
    • IFN
  • Pronomen: Unwichtig
Antw:Iss was Dir schmeckt
« Antwort #14 am: Heute um 00:26 »
Nachdem ich eine lange, Verständnis zeigende Antwort von einer Tierwissenschaftlerin und Geschäftsführerin der Kampagne erhielt, in welcher der hohe Standard des Tierschutzes in der deutschen Landwirtschaft, die mehrheitliche Fütterung der Tiere von im eigenen Betrieb erzeugtem Futter und der kulturelle Wert des Fleischessens betont wurde und auch geschrieben wurde, dass man versuche, zu entsprechenden Lösungen des Gülleproblems zu gelangen, antwortete ich folgendes:

"Liebe Frau [Name],

ganz herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Das weiß ich sehr zu schätzen!

Ich bin Religionswissenschaftler, habe aber auch mal Fortwirtschaft studiert, während ich als Grundschüler den Wunschberuf „Tierforscher“ angegeben hatte, wobei ich heute weiß, dass ich mir darunter eine Mischung auf Tierfilmer und Verhaltensforscher vorstellte. Das schreibe ich jetzt nur, damit Sie sehen, dass ich durchaus intensiver am Thema „Tier“ dran bin, als mein aktueller Beruf es vermuten lässt.

Aber gerade als Religionswissenschaftler weiß ich auch, dass das uns gewohnte Verhältnis zu Tieren in Europa sehr stark vom Christentum beeinflusst ist, in welchem – und das ist z.B. auch im Judentum und im Islam so – ein essentieller Unterschied zwischen Menschen und Tieren gelehrt wird. Der Mensch gilt als Ebenbild oder Stellvertreter Gottes, das Tier nur als Teil der Schöpfung, an der der Mensch sich bedienen darf. Auch wenn man die biblische Aufforderung, sich die Erde Untertan zu machen, wie es in Martin Luthers Übersetzung heißt, die seitdem auch immer wieder so formuliert wurde, im Sinne des 16. Jhs. so interpretiert, dass man Verantwortung zu übernehmen hat, so wie ein guter Herrscher Verantwortung für seine Untertanen hat, bleibt auf jeden Fall eine klare Hierarchie vorhanden. In vielen anderen Religionen ist die Tier-Mensch-Grenze durchlässiger. Zum Beispiel wird im Hinduismus und Buddhismus gelehrt, dass man als Tier wiedergeboren werden könne. Und während z.B. das Christentum vor allem die Nächstenliebe gegenüber dem Mitmenschen propagiert, empfiehlt der Buddhismus Mitgefühl mir allen fühlenden Wesen.

Und dennoch, nämlich aus wirtschaftlichen Gründen, haben unsere Vorfahren über Jahrhunderte hinweg ganz wenig Fleisch gegessen. Getreidebrei war lange das alltägliche Essen der meisten Menschen in Deutschland. Noch bis ins 20. Jh. kam Braten +/- nur sonntags auf den Tisch. Das hat sich eigentlich erst in der Wirtschaftswunderzeit geändert. Ich wuchs in den 60ern/70ern so auf, dass Fleisch zu fast jedem Mittagessen gehörte. Sich davon zu lösen, war schon ein Sprung. Jetzt esse ich vielleicht einmal in der Woche Fleisch und das meistens Form von Fisch (ich trenne nicht zwischen Fleisch und Fisch, sondern nenne es alles Fleisch, egal ob vom Säugetier, Vogel, Fisch oder von welcher Tierklasse auch immer). Aber ich esse Käse und Eier, bin also die meiste Zeit ein Ovo-lakto-Vegetarier. Und Käse kann man nicht herstellen, ohne dass Kühe, Zicken, Schafe Nachwuchs haben und man braucht oft zusätzlich tierisches Lab, aber zum Glück gibt es auch mikrobielles bei einigen Sorten. Die Herstellung von Hartkäse ist sogar klimaschädlicher als die von Fleisch, habe ich gelesen.

In einer Nachbarsfamilie ist der Mann Ovo-Lakto-Vegetarier, die Frau Veganerin (also Vegetarierin im eigentlichen Sinn des Wortes), und die beiden Jungs, so +/- 10 Jahre alt, haben noch nie in ihrem Leben Fleisch gegessen, sind aber wohlauf, gesund, intelligent und damit lebensfähig und genießen auch das Leben.

Worauf ich dabei hinaus will: Kulturen und Speisegewohnheiten können sich ändern. Sie sind keineswegs so, wie sie immer waren, denn sie haben sich schon oft verändert und werden sich auch weiterhin verändern. Es gibt immer konservativere und progressivere oder liberalere Menschen. Konservative verteidigen oft Gewohnheiten, die einige Generationen zuvor von Progressiven eingeführt wurden.

Was die Tierhaltung angeht: Was ist artgerecht? Meines Wissens ist Freilandhaltung oder solche, in der die Tiere frei zwischen drinnen und draußen wählen können, nicht gesetzlich vorgeschrieben. Noch immer ist im Supermarkt der Korb mit Eiern aus Bodenhaltung größer als der mit Eiern aus Freilandhaltung. Und die Fleisch- und Wurstwaren ohne Biosiegel sind immer noch mehr als die mit Biosiegel. Manchmal kann man zwischen verschiedenen Haltungsformen wählen. Das bedeutet, dass die tierfreundliche Haltungsform nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, denn sonst hätte man als Kunde keine Wahl.

Mir schwebt eine Etikettierung vor, in der nicht die Bioware als solche ausgezeichnet ist, sondern die Nichtbioware. Da könnte z.B. draufstehen: „Mit Einsatz von Bioziden“ hergestellt. Oder „Ohne artgerechten Auslauf gehalten“. Auch der Ausdruck „konventionelle Landwirtschaft“ ist m.E. ein Euphemismus, denn das Wort „Konvention“, also „Übereinkunft“ ist sehr positiv belegt. Man denke nur an die Genfer Konvention zum Umgang mit Kriegsgefangenen. Man könnte eigentlich Lebensmittel, die tierunfreundlich oder mitweltschädlich hergestellt wurden Warnhinweise anbringen wie auf Zigaretten oder in manchen Ländern auf alkoholischen Getränken. Dann hätten die Leute immer noch eine Wahl, ihnen würde aber deutlicher gemacht, welche Verantwortung sie verbunden mit ihrer Freiheit tragen.

Ihre Info, dass in Deutschland der Anteil von Betrieben, die ihre Tiere mit Nahrung aus dem eigenen Betrieb füttern und ihre Gülle selbst verwerten, über 50 % liegt, freut mich. Habe ich Sie so richtig verstanden? „Zu 100 Prozent von den meisten Betrieben“ verstehe ich indes nicht ganz. Das heißt wohl, dass die meisten Betriebe, also eine absolute Mehrheit, also über 50 %, ihre Tiernahrung vollständig selbst anbauen. Oder? Das sind m.E. aber immer noch zu wenig.

Und Sie schreiben in Bezug auf Gülle: „Die von Ihnen genannten negativen Folgen sind vorhanden und die Branche ist auf der Suche nach entsprechenden Lösungen.“ Was sind entsprechende Lösungen? Weniger Gülle produzieren, denke ich. Also weniger Tiere pro Fläche halten. Bei Freilandhaltung und Weidewirtschaft käme das dann ganz von alleine. Und die Kuhfladen düngten die Wiese, von der die Kühe fressen. Also im Sommer zumindest.

Es bleibt doch die Schlussfolgerung: Wir müssen Werbung dafür machen, dass die Menschen weniger Fleisch essen und nicht mehr. Und die Landwirtschaft muss sich anpassen an einen bewussteren Umgang mit Lebensmittelproduktion, der dann hoffentlich entsteht.

Buddhist:innen sind übrigens nicht alle Vegetarier:innen, aber das Ideal des Mitgefühls auch mit Tieren ist ihnen bekannt. Ich finde, da kann der Buddhismus einen positiven Einfluss auf unsere Kultur ausüben. Beliebt ist er ja bei vielen Menschen. Da besteht also eine Möglichkeit.

Jetzt habe ich auch schon wieder mehr geschrieben, als ich wollte. Aber es ist mir eine Herzensangelegenheit, und ich bin dankbar, in Ihnen eine aufgeschlossene Dialogpartnerin zu haben.

Herzliche Grüße,
Michael A. Schmiedel"


 LG, Micha
Wer das Leben ernst nimmt, muss auch über sich lachen können.

ACHTUNG! Ich verbiete ausdrücklich, Texte oder Bilder, die ich hier einstelle, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis auf andere Seiten zu kopieren!


 

SMF 2.0.19 | SMF © 2020, Simple Machines | Bedingungen und Regeln

go up