Autor Thema: Kleid und Kirche  (Gelesen 5542 mal)

Offline Schattenwolf

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #45 am: 03.08.2026 13:12 »
Na ja, man muss sich allerdings schon vorher Gedanken machen, wie bestimmte Kleidung in bestimmten Situationen wirken kann. Das war wohl nicht sehr weitsichtig von dir bedacht. Ohne dir da zu nahe treten zu wollen. Du beschreibst ja selbst, dass es ein politisches Statement ist und so eine bewusste Provokation erzeugt nun mal Reibung bei manchen Leuten.

Natürlich ist es voll daneben von dem Mann, dass er die Heilige Messe dafür stören muss. Er hätte dich danach zur Rede stellen können und sicherlich nicht in diesem Ton.

Ich selbst habe noch keinen Kilt im Gottesdienst getragen, aber vielleicht sollte ich das mal ausprobieren. Ich erinnere mich an meine Jugend, wie unser Pfarrer jährlich im Kilt und Dudelsack auf der Kirchweih auftrat. Das war immer das Highlight der Veranstaltung.

Ich persönlich trage immer einen Herrenanzug im Gottesdienst. Für mich ist es selbstverständlich, dass man sich chic gekleidet. Da bin ich eher konservativ eingestellt und würde nie wie andere Messebesucher in Jeans und T-Shirt kommen. Es regt mich zwar nicht auf, wenn sie so angezogen sind, aber schade finde ich es schon.

Meine Ex-Freundin war Russlanddeutsche und sie wurde so geprägt, in einem festlichen Kleid zur Messe zu erscheinen. In ihrer Kindheit musste sie sogar immer ein Kopftuch tragen, wenn sie die katholische Dorfkirche in Kasachstan besuchte. Hier in Deutschland trug sie es aber nicht mehr.

Offline Bernd

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #46 am: Heute um 13:23 »
Na ja, man muss sich allerdings schon vorher Gedanken machen, wie bestimmte Kleidung in bestimmten Situationen wirken kann. Das war wohl nicht sehr weitsichtig von dir bedacht. Ohne dir da zu nahe treten zu wollen. Du beschreibst ja selbst, dass es ein politisches Statement ist und so eine bewusste Provokation erzeugt nun mal Reibung bei manchen Leuten. [...]

Lieber Schattenwolf, woher nimmst du die Aussage, dass ich im Gottesdienst ein Kleid als "politisches Statement" tragen und somit "eine bewusste Provokation" anstreben würde?
Wie ich hier im Thread und sonst im Forum schon häufiger geschrieben habe, trage ich im Alltag und bei fast allen Anlässen Kleider (und manchmal Röcke). Provozieren möchte ich damit niemanden, nur das anziehen, was mir gefällt.

Ich habe nochmal nachgeschaut, was ich zu diesem Aspekt hier im Thread geschrieben habe:
[...] Ich möchte durch mein Auftreten mit Kleid im Gottesdienst niemanden provozieren. Sondern eher dazu beitragen, dass das mit Zeit und Gewöhnung zu etwas wird, das gar keine Beachtung mehr findet und von allen als normal wahrgenommen wird.
[...] Niemanden durch die Kleidung im GoDi zu provozieren ist nicht einfach und verlangt dann und wann einen Verzicht auf allzu große Freiheit. [...]
Deshalb muss ich nicht auf Biegen und Brechen in jedem GoDi Kleider oder Röcke tragen. Kann auch mal eine Hose sein.
Wenn ich sage, dass ich durch das Tragen eines Kleids in Kirchen nicht provozieren möchte, dann spielt da schon mit rein, dass ich mir bewusst überlege, welche Kleidung ich in welchem Umfeld tragen kann. Nach meiner Erfahrung ist allein die Tatsache, als Mann ein Kleid zu tragen, in der Regel nichts, was großes Aufsehen oder Ärgernis erregt (von Ausnahmen wie dem Aufhänger dieser Diskussion mal abgesehen). Aber auch innerhalb der Kleider-Stile gibt es sexuell Aufreizenderes oder farblich Unpassenderes, was dann eher negativ auffällt, und andere Kleider, die sich harmonisch ins Gesamtbild einer Gottesdienstgemeinde einfügen. [...]
[..] Das ist auch meine weitgehende Erfahrung, sowohl in deutschen Kirchen als auch in anderen Ländern, die ich im Kleid besucht habe (Italien, Niederlande, Belgien, Schweiz, Polen, ...). Unabhängig von der Konfession. Und sowohl als Tourist für einen kurzen Kirchenbesuch als auch als Gottesdienstbesucher oder selbst in aktiver Rolle wie in meiner Kirchengemeinde beim Vorlesen von Bibeltexten, Kommunionausteilen, Predigen.

Im Allgemeinen findet mein Outfit dort keine explizite Beachtung (von seltenen Ausnahmen abgesehen), auch wenn es sicherlich manchen auffällt und nicht allen gefällt. Manche erwähnen es positiv oder fragen interessiert nach. Andere tolerieren es. Die Verantwortlichen akzeptieren es.
Wie schon geschrieben achte ich allerdings schon darauf, dass meine Outfits in Kirchen nicht allzu freizügig sind. Ich stelle mir da die Frage, ob eine Frau mit meinem Outfit negativ auffallen würde; falls nicht, dann nehme ich für mich in Anspruch, das auch als Mann tragen zu dürfen. Und da ich es wohl schaffe, mit meinem Auftreten rüberzubringen, dass meine Kleider für mich etwas Normales und Alltägliches sind und nichts, womit ich bewusst Aufsehen oder Ärgernis erregen möchte, kommt das bei den meisten Leuten vermutlich auch so an und sie akzeptieren es. [...]

An anderer Stelle bin ich auch mal mit politischen Forderungen unterwegs (z.B. bezüglich der Akzeptanz queerer Sichtbarkeit). Aber das trenne ich bewusst von meinem "normalen" Auftreten im Alltag wie in Gottesdiensten und "provoziere" damit nicht dort, wo es nicht hingehört. Wobei ich finde - und da unterscheiden sich häufig konservative von progressiven Ansichten -, dass die christliche Botschaft auch klare politische Konsequenzen hat und daher die Forderung nach Menschenwürde und Gleichberechtigung für alle, der Einsatz für Diskriminierte und für einen respektvollen Umgang in der Gesellschaft auch seinen Platz in den Kirchen und Gottesdiensten haben sollte.

Offline MAS

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Antw:Kleid und Kirche
« Antwort #47 am: Heute um 16:10 »
Ich war heute sommerlich luftig in einer großen Kirche*, um sie mir anzusehen. Niemand zeigte sich provoziert. Viele Leute waren ähnlich gekleidet.

Wobei "provozieren" ja "hervorrufen" bedeutet, wörtlich eigentlich "fürrufen". In diesem Sinne möchte ich bei unsern lieben Mitmenschen allenfalls gute Gedanken hervorrufen. Aber heute selbst das nicht, sondern besagte Kirche auf mich wirklen lassen und mich dabei wohlfühlen.

LG, Micha

*Ihren Namen zu verraten würde ein späteres Rätsel schon lösen.
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