Nachdem ich einen Monat lang gar nicht dazu gekommen bin, hier ins Forum zu schauen, habe ich hier unter "Kleid und Kirche" noch einen Nachtrag.
Anfang Oktober war ich eine Woche lange in
Taizé im französischen Burgund. Das ist ein ökumenisches Kloster, das seit einigen Jahrzehnten viele junge Menschen aus aller Welt anzieht, um dort eine Weile mit den Brüdern der Gemeinschaft zu beten, die bekannten Taizé-Gesänge zu singen, sich mit anderen Menschen über den Glauben auszutauschen usw.
Ich war dort häufiger als junger Mensch zu Gast, hatte dann eine Weile keine Gelegenheit mehr dazu, und bin nun als mittelalter Erwachsener zum dritten Mal wieder dort gewesen.
Und während ich als junger Mann dort in Hosen unterwegs war, trage ich nun als Erwachsener auch dort selbstverständlich Kleid oder Rock. Die Brüdergemeinschaft und auch alle anderen Gäste sind dort sehr aufgeschlossen; ich hatte nie das Gefühl, wegen meiner Kleidung dort irgendwie komisch angeschaut zu werden.
Was diesen Ort Taizé aber auch auszeichnet, ist, dass die Leute dort sehr offen miteinander umgehen: Man kommt über Glauben und Welt miteinander ins Gespräch und erzählt Menschen, die man neu kennengelernt hat, Dinge, die man zuhause höchstens guten langjährigen Freund*innen erzählen würde.
Vermutlich aufgrund dieser Offenheit ist es tatsächlich mehrmals in dieser Woche (ich glaube, es war viermal) passiert, dass mich jemand (meistens Frauen, aber auch ein Mann) angesprochen und nach dem Hintergrund meines Kleid-Tragens gefragt hat. Aber nicht aufdringlich, sondern immer interessiert und aufgeschlossen. Ich empfand das als sehr schön und angenehm.
Ja, Taizé ist schon ein besonderer kirchlicher Ort!
Und nebenbei kam ich auch mit zwei nicht-binären Personen ins Gespräch, die sich mir gegenüber vermutlich aufgrund meines Outfits eher anvertraut hatten. Weil Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen in Taizé recht einfach gehalten und fast immer nach Geschlechtern getrennt sind, ist es für nicht-binäre Personen (ebenso wie für trans Personen, denen man ihr früher zugewiesenes Geschlecht noch ansieht) nicht einfach, sich in Taizé zu integrieren; es hat da auch schon Schwierigkeiten mit mangelnder Akzeptanz durch andere Teilnehmende gegeben. Die Taizé-Gemeinschaft versucht, queeren Menschen einladend und wertschätzend zu begegnen, möchte aber auch andere Gläubige, die Probleme mit Queerness haben, nicht vor den Kopf stoßen und definiert sich daher bewusst nicht offensiv als "queer-friendly", wie der aktuelle Leiter der Brüdergemeinschaft, der Anglikaner Matthew (der mich schon von früher als Jugendlicher kennt) mir in einem Gespräch erklärte.