Ja, Campingplätze sind ein ganz besonderes Biotop.
Ich kenne das aus der Perspektive aus Wohnmobilen, Wohnwagen oder auch aus der Perspektive mit einem biederen Wurfzelt.
Auf einem Campingplatz ist es egal, ob Du in Badesachen rumläufst, oder in Badesachen mit einem schnell übergeworfenen schäbigen bis schmutzigem T-Shirt oder ob Du wild zusammengewürfelte Farben und Muster trägst oder ob die Kleidung überhaupt passend für Deinen Körper ist. Auf einem Campingplatz lässt man die Seele baumeln und jegliche Gedanken in puncto 'stadtfein' oder 'anständig aus Respekt' wirfst Du beflissentlich über Board.
Ich glaube, gerade an Damen in einem reiferen Alter so ab 35 kann man sogar einen gewissen Campingplatz-Style ablesen. Dort werden dann bevorzugt solche Kleider getragen, die man im Allgemeinen bei so fliegenden Händlern am Rande von Kirchweihen und Stadtfesten zu kaufen kriegt: einfachste Schnitte, dünne weil günstige Stoffe, im oversized Style an einem oversized Körper mit einem oversized Selbstbewusstsein und einer vor lauter Langeweile oversized Aufmerksamkeit, wo jeder berührte Grashalm der eigenen Parzelle akribisch protokolliert und kommentiert wird.
Wenn Du mal zu einem abendlichen Spaziergang ins nahegelegene Städtchen aufbrichst, fällst Du schon merklich auf, dass Du das Biotop gleich verlassen wirst.
So ähnliche Stimmungen habe ich auch früher schon in Beiträgen eingefangen, hab mal kurz gesucht:
11.08.202520.05.202523.07.201915.05.2022Jedenfalls stelle ich mir aber vor, dass man mit wirklich wildfremden Menschen sehr nahe auf Tuchfühlung ist und da kann ich den Wunsch nach Sicherheit rundherum mir gut vorstellen, und der schließt diese Woche bei dir auch die "Nummer-Sicher-Jeans" ein.
Nöö, auf einem Campingplatz kannst Du Dich getrost völlig hängen lassen. Das Maul wird sowieso über Dich zerrissen, vor lauter Langeweile, da ändert Dein Auftreten nichts, rein gar nichts. Ausserdem sind die Camper eine ganze Bandbreite von Auftreten gewöhnt, da ist der umgetretene Grashalm wichtiger als das Flatterkleid am Mann. Bei deutschen Campern jedenfalls. Von ganz jungen Leuten rede ich gar nicht, denn denen ist sowieso alles egal, außer einer ist nach dem fünften Bier zum Frühstück schon so mutig, dass er sich vor seinen Leuten stark genug fühlt, um sich mit klugem Kommentar lautstark in den Mittelpunkt seiner Peers zu rücken.
Vielleicht, weil hier fast keine Touristen sind und die Menschen noch nicht so abgehärtet sind.
Oh, das überrascht. Gestern Morgen bis Mittag herrschte in Italien allenfalls in solchen Gegenden Wetter, das vordergründig nach einer langen Jeans zu rufen scheint, wo zumindest die Deutschen Italien recht lückenlos überfluten. Das muss dann wirklich sehr abgelegen sein, Euer Campingplatz.
Ich war auch schon in total ländlichen, touristisch vergessenen Ecken von Italien unterwegs im Rock, wo es deutlich weniger Reaktionen gegeben hat als in deutschen Großstädten zu dieser Zeit. Ich rede von vor 20 bis 35 Jahren, zu einer Zeit, als selbst hierzulande vor 25 Jahren noch öfters, fast täglich, lautstarke und lächerlich bis bösgemeinte Zurufe kamen wie "Schwulie!", "Transe!" oder ein entsetztes "Mann oder Frau?" Und wo es in Deutschland noch üblich war, dass ganze Biertische sich unverhohlen über Dich amüsiert haben. Da war zeitgleich Italien in den abgelegensten Ecken von oben bis unten bereits viel sympathischer.