Danke für diese Zusatzinfos.
Aber nein, er bekommt keinerlei negative Beschreibung ab. Er hat seine Marotten, wie alle Wesen der Geschichte.
Nein, ich meinte nicht "negative Beschreibungen", sondern als einschränkend wahrzunehmende, herabsetzend deutbare, verniedlichende
Zuschreibungen, wie z.B. das bei der Verwendung des Wortes "Fräulein" empfunden wurde. Genauso, wie ein Knicks von einem Jungen ausgeführt, als deplatziert, ihm seiner unwürdig empfunden wird, während der Knicks für Mädchen erwartet wird und im Gegensatz zu dem
zum Nicken reduzierten Diener der Jungs eben der
Knicks von den Mädchen oder Frauen auch eher als Verniedlichung oder sie selbst herabsetzende Geste empfunden wird. So könnte es ja auch noch andere "herabsetzende" Gesten, Neigungen, Erfordernisse (oder zusammenfassend: Zuschreibungen) geben, die bis Minimum Mitte der 50er eher den Frauen zugehörig angesehen wurden (und die vielleicht heute eben als - zusammenfassend bezeichnet: - herabsetzend gedeutet werden).
Beispiele könnte da eben (zumindest ehemals) typisch weibliche Sujets sein wie: Putzen, Kochen, Care-Arbeit, Erröten, Schüchternheit, Plaudertäschchen und all dergleichen.
Bei einer schnellen Google-Suche blieb ich, wie jüngst so oft, bereits an der ungefragten Antwort der dortigen KI hängen und fand folgendes ganz interessant:
2. Warum knicksen Jungs nicht?
• Historischer Hintergrund: Der Knicks (das Beugen der Knie mit einem leicht nach hinten gesetzten Fuß) entwickelte sich historisch aus dem Hofknicks und war aufgrund der damaligen Kleidung (weite Kleider und Röcke) für Frauen gedacht.
• Hosenrolle: Männer und Jungs trugen Hosen und machten stattdessen den „Diener“ (oft verbunden mit dem Abnehmen des Hutes). Ein Knicks von einem Jungen wirkt in der klassischen Etikette deplatziert, außer es ist als humorvolle Geste oder im modernen Tanzkontext bewusst so gewählt.
(Google-Suche "Etikette Anstand Knicks Verbeugung Jungs", mir fiel nämlich der Ausdruck "Diener" nicht mehr ein)
#Übersetzer Bernd Gieseking
Irgendwie kam mir der Name bekannt vor. Auch kurz gesuchmaschint, könnte es sein, dass mir der Name wegen dem "Fiesen Adventskalender" schon mal begegnet ist oder wegen "Das kuriose Ostwestfalen Buch". Dazu schreibt er oder wer: "Die Ostwestfalen sind die Finnen von Deutschland."
Nach dem Reinschnupern auf seine Homepage vermute ich, dass der Übersetzer die Mumins aus der finnisch-sprachigen Sprachversion ins Deutsche übersetzt hat. Inwieweit er da Eigennamen oder Ausdrücke ins Deutsche übersetzt oder besser ans Deutsche angelehnt hat (wie es z.B. in den engl. Übersetzungen geschieht), ist fraglich; eventuell wäre er aber auf manch andere Entsprechungen gekommen, hätte er das augenscheinlich ursprünglich finno-schwedische Original übersetzt.
#Hemul
Wenn ich das aus Textzitaten richtig abgelesen haben, dann sind die Hemule (ist das der Plural? Im Englischen heisst es "Hemulen", angelehnt an die schwedische Pluralbildung, speziell im Neutrum, soweit ich das weiß) - also sind die Hemule Gestalten die aus "Hemul", also einem Ort, Viertel oder einer Region, kommen.
Es gibt in Schweden einen Hemul-See (Hemulsjö) d.h. an einem See gelegenen Ort, der so heisst. Allerdings mitten im Festlandsinneren von Kernschweden, also weit weg ausserhalb der Erfahrungswelt einer Finno-Schwedin im Umfeld von Helsinki.
Das Wort 'hame' übrigens heisst im Standard-Finnischen, übersetzt ins Deutsche: 'Rock'.
Vielleicht gibt es finnische Dialekte, die das Wort mehr in Richtung "hem" abwandeln oder aussprechen. Die Wortendung -ul im Schwedischen kann eine Verniedlichung darstellen, zumeist ist sie aber nur noch eine nicht mehr wahrgenommene ursprüngliche Verniedlichung aus dem Lateinischen, z.B. dt. 'Klausel', schwed. 'Klausul' aus lat. 'clausula'. Mit 'hem' (schwedisch für 'Heim') könnte im Deutschen aus 'Hemul' ein 'Heimel' werden z.B. Oder mit dem finnischen Rock ein 'Röckchen' bzw. 'Röckel'.
Allerdings fallen bei diesen Überlegungen auch noch andere mögliche Deutungsmöglichkeiten ein bei der Suche nach dem Grund, weshalb Hemule 'Hemule' genannt worden sein könnten (hier nachfolgend Finnisch):
hämärä: Die Dämmerung / das Zwielicht (oder als Adjektiv: dunkel, unklar, zwielichtig).
hämärtyä: Dunkel werden, dämmern, sich einhüllen.
hämmästyä: Staunen, überrascht sein.
hämmennys: Die Verwirrung / Konfusion.
hämillinen: beschämt
Und gerade der letzte Hinweis ('beschämt') würde zu meiner anfänglichen Vermutung so gut passen, die andern hier angeführten (von mir ausgewählten) aber auch irgendwie.
Nicht zuletzt sollte noch erwähnt werden, dass eine ganze historische Region im Süden Finnlands 'Häme' heißt, die sich auch in Ortsnamen niedergeschlagen hat, wie in 'Hämeenlinna' (Burg der Häme). Vielleicht ist neben all den vorherigen Deutungsversuchen dieser Umstand der zutreffendste, weshalb die Autorin 'Hemul' und die 'Hemule' ('Hemulen') erschaffen hat.
Zu den dortigen Bewohnern der Region Häme habe ich die Google-Suche auch noch befragt, da lieferte mir die dortige KI auch etwas, was ich hier mal als hoffentlich eher zutreffend und nicht halluziniert betrachten möchte:
Typische Charakterisierungen und Klischees
• Die „Gemütlichen“ oder Langsamen: Das hartnäckigste finnische Stereotyp über die hämäläiset ist, dass sie extrem langsam denken, sprechen und handeln. Wo etwa die Menschen in Karelien als aufgeschlossen und geschwätzig gelten oder die Bewohner von Ostbottnien als laut und entscheidungsfreudig wahrgenommen werden, lassen sich die Menschen aus Häme viel Zeit.
• Sprachlicher Rhythmus: Der lokale Dialekt (hämäläismurteet) und die Sprechweise tragen maßgeblich zu diesem Bild bei, da sie oft gedehnt und gemächlich klingen (...langsam... gesprochen...).
• Zurückhaltung und Verschlossenheit: Sie gelten als wortkarg, emotional eher unauffällig (ähnlich wie das Klischee über die Finnen im Allgemeinen, das hier noch einmal zugespitzt wird) und nicht unbedingt als Freunde des Smalltalks.
• Gründlichkeit und Ausdauer: Was ihnen an Tempo abgesprochen wird, wird ihnen als Zuverlässigkeit, Hartnäckigkeit, Nachdenklichkeit und Beständigkeit zugeschrieben. Sie überlegen lange, bevor sie handeln – dann aber gründlich.
Einordnung
Diese Beschreibungen sind klassische regionale Stereotype innerhalb Finnlands (ähnlich wie Witze über Schwaben oder Ostfriesen in Deutschland). Sie entbehren oft einer harten empirischen Grundlage, prägen aber das Bild, das andere Finnen von den Bewohnern des Herzen von Südfinnland rund um Städte wie Hämeenlinna oder Lahti haben.
Na, und diese groben Kategorien treffen auch so ziemlich zu, was ich über die Charakterisierung der 'Hemule' gelesen habe. Zum Beispiel hier:
https://www.moomin.com/en/blog/hemulens-2/#d835e320z.B.: Sie mögen Ordnung, glauben an Pflicht und sind der festen Überzeugung, dass Regeln und Vorschriften – buchstabengetreu – befolgt werden sollten. Sowie Gewissenhaftigkeit, Akribie. Oder: Die meisten von ihnen haben keinen Sinn für Humor, können aber auch
überraschend gesellig und temperamentvoll sein!
Die subtil gesellschaftskritische Ader der Autorin lässt grüßen!