Hi zusammen!
Noch überlege ich, wie ausführlich ich denn antworten möchte. Da ich mir noch nicht schlüssig bin, schreibe ich einfach schon mal drauf los.
Begründung 1 ist sicherlich maßgeblich zutreffend, Begründung 2 allerdings ebenso.
Ja, SkirtMusician, Deine zwei in den Raum gestellten Begründungen fassen es recht gut zusammen, wie es wohl sein wird. Bernd hat in seiner Antwort auch noch mal sehr zutreffende Akzente hinzugefügt. Ja, die Eitelkeit von Punkt 2 würde ich so als Wort auch nicht wählen. Möglicherweise versteht unter 'Eitelkeit' jeder ein bisschen was anderes.
Zu 2. #Eitelkeit - bei manchen Männern mag vielleicht es aber doch auch primär an ihre Eitelkeit gekoppelt sein, die sich bewusst gemäß ihrem Geschmack versuchen, männlich zu gestalten, um wann immer im Leben, einen besonders guten Eindruck auf Frauen zu machen, mit ihnen in Kontakt kommen wollen, bei Gelegenheit auch schnell mal bei einem Augenflirt oder verbalen Flirt zur Stelle sind. Da mag Eitelkeit eine besondere Rolle spielen, bei der Art und Weise, wie diese Männer sich gestalten. Deren Vorstellung, was als besonders männlich gilt, und was Frauen vermeintlich an Männern attraktiv finden, überdecken die allgemeine Haltung von generell Männern, alles abzulehnen, was als feminin gedeutet werden könnte. Beides zeigt ja in die selbe Richtung, bei einigen überwiegt aber der Zeiger ihrer Eitelkeit, die den 'normalen' Zeiger nur noch bestätigt.
Bei den meisten Männern wird aber diese bisweilen übertriebene Eitelkeit nicht nennenswert ausschlaggebend sein. Zwar sind die Ziele ähnlich, aber die meisten haben im stärkeren Maße als die "Eitlen" Angst davor, als unzureichend männlich wahrgenommen zu werden. (Die wenigen "Eitlen" haben diese Gefahr gar nicht zu befürchten, zu undenkbar wäre es, von ihrem eitlen Männlichkeitsbild abzurücken.)
Diese anderen, also die meisten Männer (also nicht die "Eitlen") lehnen aus ihrer Angst heraus das ab, was als weiblich gilt. Da das Männlichkeitsbild sehr viel enger gefasst ist als das moderne Weiblichkeitsbild, sind die Männer auf der Hut, nicht aus dem Rahmen zu fallen. Zwar ist das enge Männlichkeitsbild auch inzwischen erweitert worden (siehe Schmuck, manche Farben, lange Haare oder Zopf), demgegenüber wird aber Frauen alles zugestanden - etwas was Männern undenkbar wäre, sich selbst ebenso alles zuzugestehen.
Demgegenüber ist für Frauen der Rahmen, als
unweiblich zu gelten, sehr sehr klein. Selbst mit kurzen Haaren und einer Männerjeans wird eine Frau nicht automatisch als unweiblich aufgefasst. Knackpunkt dabei ist halt vor allem auch immer wieder die Hose. Da die Hose nicht mehr automatisch einen Mann kennzeichnet, sind inzwischen Hosen selbst zu Merkmalträgern geworden, die sie als typische Frauenhose kennzeichnen, und nur bei Ausbleiben dieser vielfältigen Merkmalmöglichkeiten ist sie als Männerhose an einem Mann erkennbar - an einer Frau noch nicht einmal. Also auch bei der äußeren Erscheinung der Hose kann Mann sehr schnell aus dem engen Rahmen fallen, was noch als männlich gilt und was schon nicht mehr.
Alle Abweichungen aus diesem engen Gestaltungsrahmen verunsichern Männer. Woher es kommt? Darüber haben wir schon viel geschrieben, fängt frühkindlich in den ersten Lebensmonaten an, wird im Laufe des Lebens über viele Echokammern weiter verstärkt und eingetrichtert. Und ein nur noch sehr schwer direkt zu erkennender Hauptgrund wird aber tatsächlich sein, dass weiblich wahrzunehmende Attribute einen Mann herabwürdigen, aber männlich geltende Attribute eine Frau tendenziell aufwerten. Und Hintergrund davon wird sein, dass immer noch männliche Attribute für Erfolg und Selbständigkeit stehen, die anzustreben sind. Von Männern wie Frauen gleichermaßen. Und dahinter verbirgt sich noch immer eine subtil wirkende Abwertung von Frauen, oder vorsichtiger ausgedrückt, keine Begegnung von Männern und Frauen auf Augenhöhe. Keine ausgewogene Wertschätzung von den Stärken und Schwächen beiderlei Geschlechter.
Wie ich gerade so weiterhin ohne Konzept die Worte "beiderlei Geschlechter" schreibe, fällt mir ein, dass all die Konzepte der zwischengeschlechtlichen Felder, oder besser umrissen mit LGBTQetc, ebenso Männern Angst macht, zu diesem Personenkreis dazu gerechnet zu werden. Während die LGBTQ´s zunehmend sich versuchen, frei auszudrücken (in ihrer Gestaltung zum Beispiel = Erscheinungsbild), wird der Rahmen von Männern, die sich nicht dazurechnen, ebenso eingeschränkt sich auszudrücken. Die Gefahr, falsch zugeordnet zu werden, ist für viele Männer zu heikel, egal ob sie gerade auf der Balz sind oder schon weit entfernt von gut und böse, was die Balz betrifft. Und einige davon flüchten sich (nicht nur wegen LGBTQ, sondern auch aus anderen Gründen) in eine toxische Männlichkeit. Wobei ich ja zu der Erkenntnis kam, dass genau das Symbol Hose für den Mann absoluter Ausdruck ist von unbewusster, aber allgegenwärtiger toxischer Männlichkeit. Vordergründig mag das ja eine harmlose Toxizität sein, das da mit der Hose an Männern. Genau hinterfragt, steckt da aber unheimlich viel mit drin, was kaum eine/r wagt zu ahnen, ja zu hinterfragen - meine Meinung.
Vertiefend haben wir das gerade in einem anderen Thread ausführlich erörtert, wo es um eine aktuelle Veranstaltungsreihe geht, die sich mit dem Wesen Mann beschäftigt: "
DARF MAN(N) SO?! - Reihe in Mülheim an der Ruhr"
Zu 1.'Zu faul'? 'Praktisch veranlagt'? "Männer sind ja generell einfacher, was solche gesellschaftlichen Themen angeht"?
Zu faul, ja. Männer haben andere Dinge im Kopf. Schauen sich lieber die neuesten Automodelle wochenlang an, als sich mal ein neues Hemd zu kaufen. Und wenn doch, dann am besten das selbe Modell gleich fünf mal. Erledigt. Wieder Zeit für wichtige Sachen.
Das, was ich zu Punkt zwei gerade oben gesagt habe, bedingt auch das hier aus Punkt 1. Letztlich die Erziehung, die Prägung. Ausbrechen schwer. Ganz schwer. Shoppen ist Weiberkram. Sowas ist langweilig, mach ich doch nicht! Durch Shoppen sinkt der Testosteronspiegel. Einkaufstüten tragen ist tuntig. Habe keine Zeit, brauche den neuesten elektronischen Winkelschleifer. Oder gehe ich lieber in die Muckibude.
So sieht Prägung aus. Da machen Männer sich doch keine Gedanken, ob sie eine etwas anders gestaltete Hose kaufen könnten, oder einen Rock anziehen könnten. Da greifen sie zu dem alten Modell Hose, wie es das seit 30 Jahren gibt und machen sich über jeden lustig, der sich bei den immergleichen Formen vergriffen hat. Naja, sich lustig machen nicht mehr öffentlich, die meisten, aber insgeheim, und sind froh, dass sie selbst alles richtig gemacht haben. Alles das alte. Bloß keine Veränderung.
Ja, so bleibt das Männerbild eng. Und wenn es sich etwas verwischt, dann aber bitte nicht allzuviel.
So, mein Beitrag ohne Konzept ist dann doch länger geworden als gewollt.
Kollege SkirtMusician, wenn Du mal wieder so eine substanzielle Frage aufwirfst, kannst Du gerne auch einen ganz eigenen Diskussionsstrang (Thread), also ein neues "Thema" aufmachen. Am besten mit einer markanten Überschrift an einer möglichst passenden Stelle (Rubrik, "Board") im Forum. Dann wird das Thema auch recht gut auffindbar und versteckt sich nicht hinter einer Vorstellungsrunde, wo man solch tiefgreifende Themen eher nicht vermuten würde. Deine Frage wäre nämlich auf alle Fälle ein eigenes "Thema" wert.
Gruß
Wolfgang