Nicht zu der Ausstellung, aber zum Thema "Darf Man(n) so" passt dieser Beitrag von Wolfgang/Skirted Man:
https://www.rockmode.de/index.php?topic=10477.msg211361#msg211361, dann auch dieser Thread:
https://www.rockmode.de/index.php?topic=10497.0 und als Kontrast zu letzterem dieser:
https://www.rockmode.de/index.php?topic=10498.0.
Nach ersterem gelten Hosen nicht mehr als männlich, nur weil es Hosen sind, sondern sie müssen bestimmte Merkmale haben bzw. dürfen bestimmte Merkmale nicht haben, um als männlich und nicht weiblich zu gelten. Und viele Männer scheuen jedes Merkmal, das als weiblich gelesen wird bzw. werden könnte.
Der Rock von dem italienischen Designer soll auch keine als weiblich gelesenen Merkmale haben, sondern klar und eindeutig männlich gelesen werden.
Die Kleider, die ich mir bei BonPrix bestellte, sind dagegen ganz klar weiblich konnotiert, was mich aber nicht stört, sondern eher sogar anzieht. Ich mag gerne meiner Männlichkeit ein paar weibliche bzw. weiblich gelesene Attribute hinzufügen. Irgendwie fühle ich mich damit erst vollständig. Ich merke, wie ich von anderen dennoch ganz normal als Mann gelesen werde, genau wie Frauen in als männlich gelesenen Kleidungsstücken oder in ehemals so gelesenen Hosen usw. normal als Frauen wahrgenommen werden.
Darf Mann und darf Frau so? Ich meine ja. Abgesehen davon, dass meiner Meinung nach jeder Mensch ein Recht auf Selbstbestimmung in Gender-Angelegenheiten hat, haben auch Menschen, die sich klar als Cis empfinden, das Recht, sich Attribute des je anderen Geschlechtes anzueignen. Das war über die Moden hinweg auch immer so, wenn es auch in jeder Generation eindeutig männliche oder weibliche Dinge gab, so wechselten sie doch immer wieder über die Generationen hinweg ihre Zuordnung. Das konnte aber nur passieren, weil Menschen damit anfingen, sie anders als gewohnt zu lesen. Und so können Kleidungsstücke, Farben, Muster, Schnittweisen usw. ihre Geschlechtszuordnung wechseln. Es gibt immer konservative Menschen, die einen solchen Wechsel nicht mögen, und es gibt immer liberale oder progressive Menschen, die da nichts dagegen haben oder es sogar begrüßen und fördern. Und es ist ein Spiel mit beidem möglich: Nur durch die zunächst eindeutige andersgeschlechtliche Zuordnung bekommt so manches den Reiz, sich dieses Objekt für sich selbst anzueignen, und wenn das mehrere machen, verliert das Objekt seine eindeutige Zuordnung.
Frauen sind im Schnitt da viel liberaler oder progressiver und Männer konservativer. (Eine männlich-konservative oder -reaktionäre Extremposition ist, wie ich neu lernte, mit dem Begriff "Manosphere" verbunden. Das wäre auch mal ein interessantes Thema für das Forum hier.)
LG, Micha