Autor Thema: Was haben Radiowellen und Kleidungsstücke gemeinsam?  (Gelesen 2192 mal)

Offline Ferdi

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Hallo!

Ich komme noch mal auf die hochinteressante Website zurück, die triks vor einigen Tagen angegeben hat (Link unten). Der Autor dieser Seite hat den Begriff "Gender-Code" geprägt. Er spricht von natürlichen Gender-Codes ( breite Schultern, Bart, Behaarung beim Mann; Busen, breites Becken, lange Haare, weitgehend fehlende Körperbehaarung bei der Frau). Ferner werden historische Gender-Codes erwähnt, die davon ausgehen, dass Kleidungsgewohnheiten willkürlich konstruiert wurden und daher veränderbar sind, was sich beim Betrachten alter Bilder aus dem Mittelalter und früheren Zeiten zeigt.

Nun hat er einen dritten Gender-Code erwähnt, den er "gewillkürten Gender-Code" nennt. Und hier kommt er zu sehr interessanten Schlußfolgerungen. Als die Frauen anfingen Hosen zu tragen, die bislang nur von Männern benutzte Kleidungsstücke waren, fingen sie an, diese mit ihren weiblichen Gender-Codes gewissermaßen zu modulieren, sie brachten an den Hosen typisch weibliche Codeelemente an: bunte Farben, aufgestickte Muster, Glitzer, funktionslose Reißverschlüsse, Bordüren usw. Auf einmal signalisierten die Hosen "weiblich".

Um das zu verdeutlichen möchte ich einen Vergleich mit einem technischen Gegenstand ziehen, den jeder kennt und jeder hat: Radio. Ich möchte unterscheiden zwischen der zu übermittelnden Information und dem Träger, der diese Informationsübermittlung möglich macht. Bei der Kleidung lautet die Information entweder "männlich" oder "weiblich" Und die Träger sind die verschiedenen Kleidungsstücke, also Hosen und Röcke.

Beim Radio lautet die Information "Wort" oder "Musik". Und die Träger sind die Wellen, die die Informationen zum Empfänger transportieren. Aber nicht die Trägerwelle ist "Wort" oder "Musik", die Trägerwelle ist völlig neutral, solange sie unmoduliert bleibt, vergleichbar mit "unisex" bei der Kleidung.

Es gibt verschiedenartige Wellen, die als Informationsträger benutzt werden: Langwellen, Mittelwellen, Ultrakurzwellen usw. Würde man jetzt vorschreiben, dass Wortinformationen nur auf Langwellen verbreitet würden und Musikinformationen nur auf Mittelwellen, dann hätte man genau dieselben Zustände wie bei der Gendercodes verbreitenden Kleidung: Aufgrund der starren Festlegung der Informationsübermittlungen würde das gemeine radiohörende Volk die Langwellen als "Wortwellen" und die Mittelwellen als "Musikwellen" betrachten. Und zwar nur, weil sie es seit der Erfindung des Radios nicht anders kennengelernt haben. Denkbar wäre es, dass Verstöße dagegen negative Reaktionen auslösen würden, weil gegen althergebrachte Konventionen verstoßen würde ("Wie kann der nur auf Langwelle Musik senden, das geht doch nicht, der ist doch pervers, die Langwellen sind doch Wortwellen etc.pp.").

Und hier schliesst sich der Vergleich mit der Kleidung: Die verschiedenen Radiowellen sind nur Wellen, die Informationen tragen, aber nicht die Informationen selbst. Und die verschiedenen Kleidungsstücke sind nur Stoffprodukte zum Bekleiden, sie sind nicht "männlich" oder "weiblich", sondern sie werden erst durch die Aufmodulation der verschiedenen Gendercodes zu Trägern männlicher oder weiblicher Information. Aber genau so wenig wie bei dem Beispiel mit den Radiowellen sind die Kleidungsstücke nicht von sich aus "männlich" oder "weiblich", sie sind von Natur aus neutral, also "unisex".

Originaltext

Schöne Grüße,

Ferdi
Freiheit heißt, sich von anderen unterscheiden zu dürfen.

 

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