Nun, ich habe gleich vier Sichtungen zu vermelden.
Alle innerhalb von ca. 26 Stunden: Sonntag Abend und Montag Abend.
Übrigens Ort des Geschehens: Hochheimer Weinfest
Den ersten erblickte ich kaum fünf, sechs Meter vor mir im Entgegenkommen auf einem Weg in den Weinbergen. Ein etwa Mitte 20jähriger. Begleitet mindestens von zwei weiteren jungen Männern dieser Altersklasse, die jedoch in Hosen. Er trug ein schwarzes, eng anliegendes Oberteil, dazu einen recht langen, schwer wirkenden schwarzen Rock mit Ösen, schwarzen Bändern und Schnallen oder Kettchen. Das Outfit und die weiteren schmückenden Elemente vor allem im Gesicht ließen eine Nähe zur schwarzen Szene vermuten. Die Begleitungen waren aber heller, farbenfreundlicher angezogen.
Sie, die mindestens drei - vielleicht gehörten noch weitere zur Gruppe - hielten beim Entgegenkommen gerade im Gehen inne und ertasteten mit ihren Blicken Informationen zum Essensangebot des direkt gleich seitwärtsstehenden Essensstands. Da der Rockträger mich nicht wahrgenommen hätte, sprang ich über meinen Schatten und sagte, obwohl mir diese Art von Outfit optisch nicht zusagt: "Schönes Outfit!" Er bedankte sich, und gab glaubich ein entsprechendes Kompliment zurück. Ich trug irgendwas weisses, ich weiß gerade nicht mehr genau was. Er hat mich und mein Wesen wohl also aufgrund meines kleinen Kompliments noch wahrgenommen, was mir ja manchmal recht wichtig ist, damit solche Rockträger sich nicht so völlig alleine vorkommen unter all den Hosenmännern.
Die anderen drei Rochträgersichtungen erfolgten dann am Montag quasi Schlag auf Schlag.
Ich fand mich bei diesem Weinfest auf einem Platz von eine der mehreren Bühnen ein und ließ die darauf dargebotene Musik auf mich wirken. Zwei, drei, vier Titel stand ich da und bemerkte alsbald, dass im locker stehenden Publikum hinter mir, kaum fünf Meter weiter ein etwas betagterer Herr, so irgendwas zwischen 50 und 70, eher RIchtung 50, stand mit möglicherweise einem Leinenhemd oder -T-Shirt, uni in einer gelb-beigen Farbe und einem etwas abstehenden schwarzen oder sehr dunkelbraunen Rock. Bei erneuten Blicken entpuppte sich dieser als ein vermutlich Modern Kilt, einfarbig, wohl nicht Leder, vorne glatt, hinten stark gefältelt.
Nach zwei, drei Liedern sah ich dann aus den Augenwinkeln, dass ein vermutlich relativ ähnlich alter Mann hinzugekommen war, der mit wohl kariertem Kilt und einem flachen Käppchen auf dem Kopf, das an der Seite ähnlich oder genauso karierten Stoff aufwies. Also ein Herr, dem man schon einen gewissen Schotten-Style zusprechen konnte, dem ersten nicht, das ging eher in Richtung moderner Auffassung von Folk- und Mittelalterliebe.
In dieser Zeit kam zufällig eine Freundin auf dem Durchweg vorbei (die ich dieser Tage hier im Forum übrigens auch schon erwähnt und charakterisiert habe), sie blieb so eins, zwei Lieder, ehe ich sie zu einem gemeinsamen Bekannten weitergeschickt habe. Ich verwies auf meine berockten Kollegen hinter mir, da waren sie aber gerade schon am Abmarschieren. Natürlich hatten sie mich gesehen, vielleicht aber in eine deutlich andere Schublade gesteckt aufgrund meines kurzen, leichten, lockeren Kleidchens, vielleicht aber noch meinen 'Damenbesuch' mitbekommen inclusive herzlicher Begrüßung. Etlichen Umstehenden und einigen Sitzenden, vielleicht aber auch etlichen Passanten dürfte die Häufung hosenloser Herren nicht entgangen sein.
Später beim erwähnten gemeinsamen Bekannten stieß eine erwartete Freundin zu mir und wir zogen alsbald weiter. Beim Eintreffen an meinem ersehnten Bierstand stand ein etwas großzügig gelockter älterer Mann von um die 70 noch gerade da, zog beim Näherkommen los und trug sowas wie einen wadenlangen Sarong, mit Rot, aber auch mit gemusterten Bereichen (schwarz-weiß Leo hatte ich erkannt). Ich wies meine Freundin sogleich darauf hin, und sie sagte, ja sie weiss, der würde dahinten schon eine ganze Weile da sitzen, sie hätte ihn vorhin bereits gesehen. Wir standen dann auf die Dauer eines 0,4 l Frankfurter Hellen, das ich recht langsam trank, an der Seite der umlaufenden Theke des Bierwagens eine längere Weile. Der Herr im Rock hatte von seinem Tisch zufälligerweise Sichtkontakt auf mein weißes Kleidchen und den weiß-blau gemusterten kurzen Rock meiner Freundin. Der Herr saß da mindestens mit einer Frau in etwa dem gleichen Alter. Er hatte also zeitlich eine gute Gelegenheit, vielleicht seine begleitende Dame oder den Rest von seinem Tisch auf mich aufmerksam zu machen.
Ja, mir ist es oft recht wichtig, dass Rockträger erkennen, dass sie nicht ganz alleine ohne Hose sind. Dieses den ihn begleitenden Personen auch demonstrieren zu können, ist mir auch immer ziemlich recht. Eventuell brauchen diese Rockträger ja noch Argumente für ihr Rocktragen. Oder, sollte ich nicht in ihre Kategorieschublade einsortiert werden, dann kann ich vielleicht ebenso als Argument dienen, à la "Siehst Du, Du hast Glück, denn sooo laufe ich nicht rum!"

Freilich ist es mir ebenso recht, unbeteiligten Dritten die Chance zu geben, zu erkennen, dass es tatsächlich mehrere Männer gibt, die eine Alternative zum Hosentragen praktizieren. Und das trägt ja zur Gewöhnung der Sehgewohnheiten an diesen Anblick und an diesen Gedanken bei - im Interesse aller rockliebenden Männer.
P.S.: Ich habe inzwischen mal nachgeschaut bei den noch in der Pipeline stehenden Fotos... Am Samstag war das Weiße meine Kleidung ein weiß-/cremefarbener schmaler Spitzen-Minirock, zweilagig aus Sichtschutzgründen. Und ein rosa Häkel-Spaghettitop mit geschickt eingestreuten großen Maschen als ungefütterte Lüftungslöcher. Ja, ziemlich weit hinausgelehnt mit meiner Gestaltung. Aber dennoch hielt dieses Outfit meine Schwester nicht davon ab, in der gut überschaubaren, nur halbvollen Straßenbahn mir vor potenzeill aller Augen und den Augeneiner ihrer Freundinnen mir um den Hals zu fallen...