Podiumsdiskussion „Religionen - Krieg und Frieden“ beleuchtet Rolle des Glaubens in Konflikten
Veranstalter: Rat der Religionen Frankfurt am Main
Bin heute durch diesen Thread auf die Podiumsdiskussion aufmerksam geworden. Durch den aktuellen Krieg in Israel hat es in der Zwischenzeit an weiterer Brisanz erhalten. Der Israel-Palästina-Konflikt wird ja oft als "Religionskrieg" wahrgenommen, was natürlich nur eine eindimensionale und monokausale Betrachtung der schrecklichen Geschehnisse ist.
Der Veranstalter meinte, ich hätte aber ein interessantes Gewand an, sicher sehr angenehm bei der Hitze. Er beneide oft die weiblichen Kolleginnen um ihre luftigen Röcke und Kleider. Ich gab ihm den Rat, sich zu emanzieren.
Ich nehme an, dass damit Prof. Dr. Joachim Valentin gemeint ist. Wirklich interessant, dass er sich so zu deinem Rock geäußert hat. Ich kenne ihn von einem Seminar, an dem ich vor einigen Jahren an der Goethe-Uni in Frankfurt teilnahm. Es ging natürlich um interreligiösen Dialog und er stellte da auch den Frankfurter Rat der Religionen vor. Wir hatten auch einige Gastredner*innen bei uns. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die Vertreter der Ahmadiyya und des Sikhismus.
Prof. Valentin schätze ich wirklich sehr, weil er ein sehr inklusives und offenes Weltbild hat. Er betont aber auch immer, was er selbst aus theologischer Sicht glaubt, aber ebenso aus religionswissenschaftlicher und interreligiöser Sicht vertritt. Diese Meinungen können dann auch diametral entgegengesetzt sein. Beispielsweise spricht er aus seinem katholischen Verständnis den Mormonen und Zeugen Jehovahs das Christsein ab, kann aber aus wissenschaftlicher Sicht deren Selbstverständnis als Christen nachvollziehen.
Ich finde den Rat der Religionen eine gute Sache, aber durch die Podiumsdiskussion habe ich auch eine Kritik an ihm. Prof. Valentin beschreibt, dass bei den Aufnahmekriterien "Sekten", wie die von ihm beschriebene koreanische Christengemeinde, ausgeschlossen sind. Ich finde allerdings, dass man gerade solche religiöse Gruppierungen zum Dialog einladen muss, denn so kann man einer weiteren Radikalisierung eher entgegenwirken als bei einem Ausschluss. Hat nicht der interreligiöse Dialog das Ziel Frieden zu schaffen? Da müsste es doch umso wichtiger sein, dass man auch Glaubensgemeinschaften einlädt, von denen man denkt, sie widersprächen unserem Friedensverständnisses. Das ist die ewige Diskussion: Soll man mit Extremisten reden oder nicht? Da sehe ich es so wie mit der AfD: Man muss Radikalisten einladen, denn nur im Dialog und Streitgespräch mit ihnen kann man sie kritisch hinterfragen, argumentativ demaskieren und aktiv gegen Radikalisierung vorgehen.