Autor Thema: Fernsehsendungen rund um den Rock  (Gelesen 1780 mal)

Online GregorM

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Antw:Fernsehsendungen rund um den Rock
« Antwort #15 am: 06.07.2020 07:13 »
Hallo Czar,

gute Frage. Benoit hätte ich, wie du, für eine Frau gehalten, eine gutaussehende Frau sogar. Für mich ist es definitiv klar, dass er es liebt, wie eine Frau auszusehen. Ich verstehe nicht viel davon, was er sagt – nach vier Jahren Französisch-Lernen im Gymnasium muss ich feststellen, dass ich es mit Fremdsprachen schwer habe. Deshalb basiert sich meine Beurteilung fast ausschließlich auf das, was ich sehe, nicht was ich höre. Ob er das auch „muss“, weiß ich deshalb nicht. Aber er übertreibt nicht, er ist für mich „authentisch“ Frau. Er ist kein Drag-Typ. Es ist eine Art Kunst. Dafür würden die meisten Leute Respekt haben, meine ich.
Er ist verlobt. Wenn er und seine Freundin unterwegs sind, würde man wohl glauben, sie machen ein hübsches, lesbisches Paar aus. Aber auch dafür wird die Gesellschaft ja Verständnis haben. Und seine Freundin muss ja auch damit einverstanden sein, dass sie so betrachtet werden können. Oder es gar mögen. 
   
Jean-Philippe würde ich wohl in die Grauzone rubrizieren. Mir ist er eben zu weitgegangen, um Mann-im-Rock bzw. Mann-im-Kleid überzeugend zu sein. Aber dafür nicht weit genug dazu, dass man sagen könnte, er möchte weiblich sein oder weiblich vorkommen. Er hat nicht Benoits selbstsichere Ausstrahlung. Das bringt Zweifel in sein Umfeld, könnte ich mir vorstellen.
Aber ob es in der Praxis den großen Unterscheid bedeuten würde? Kaum. Die Gesellschaft ist extrem tolerant geworden, ist meine Meinung. 

Gruß
Gregor
« Letzte Änderung: 06.07.2020 07:18 von GregorM »
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Jeder Mann kann einen Rock tragen. Im Rock erregst du viel weniger Aufmerksamkeit, als du hoffst oder befürchtest.

Offline Barefoot-Joe

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Antw:Fernsehsendungen rund um den Rock
« Antwort #16 am: 06.07.2020 07:20 »
Denn mit ihnen weiß man nicht so richtig, wohin sie gehören. Und ob wir es mögen oder nicht, Menschen brauchen Schubladen. Und wenn sie keine haben, möchten sie einige erfinden, und wenn das nicht ihnen so richtig geht, entsteht Verwirrung und fehlende Akzeptanz.

Richtig. Das Problem ist aber, dass sie keine neuen Schubladen erfinden wollen, sondern sich verzweifelt an exakt zwei Geschlechterrollen klammern - und genau das führt dann zu der Grauzone, der Ablehnung und den Problemen. Warum nicht einfach fünf Schubladen, wie es andere Völker schon lange hatten und haben?
Ich bin ein Mensch mit Irritationshintergrund.

Normality is a paved road: it’s comfortable to walk, but no flowers grow. - Vincent van Gogh

Offline Barefoot-Joe

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Antw:Fernsehsendungen rund um den Rock
« Antwort #17 am: 06.07.2020 07:29 »
Hallo tcar,

Zitat
Benoît (im oberen Foto links) treibt den femininen Look sehr viel weiter als Jean-Philippe (auf dem gleichen Foto in der Mitte). Benoît hätte ich auf der Straße wahrscheinlich sofort als Frau eingeordnet, während Jean-Philippe für mich eher als Mann in Frauenkleidern erkennbar bleibt. Trotzdem oder vielleicht deswegen ist es Benoît, der in der Sendung mehr Attacken auf sich zieht.

Wenn jemand sich zwischen den Geschlechtern positioniert und als Mann in Frauenkleidern erkennbar ist, dann ist das leicht zu akzeptieren - das ist eben ein Mann mit besonderen Vorstellungen zum Thema Kleidung.

Je femininer das aber wird, umso mehr wird der Mann optisch zur Frau, ohne je eine zu sein und das hat dann Folgen auf ganz anderen Ebenen: Die Männer sehen ihn vor allem als Gefahr, weil sie durch das feminine Äußere angezogen werden, aber gleichzeitig wissen, dass es körperlich ein Mann ist und das ist nach ihrem Rollenmodell ein No-Go. Es kann und darf nicht sein, dass sie einen Mann attraktiv finden und damit in die Schublade "schwul" rutschen. Der Begriff "Trap" - also Falle - für Männer, die perfekt als Frau wahrgenommen werden, kommt nicht von ungefähr. ;)

Die Frauen dagegen sehen einen Mann, der wie sie sein will. Damit haben sie im Prinzip erst einmal kein Problem, solange es nicht der eigene Mann ist, aber sie nehmen diese Männer unbewußt als Konkurrenz wahr. Warum? Weil diese Männer die Femininintät in einem Ausmaß präsentieren, das sie sich als Frau selbst nie erlauben würden. Anders gesagt: Optisch gesehen sind diese Männer oft mehr Frau als die Frauen selbst und damit attraktiver für andere Männer. Und das kann und darf natürlich auch nicht sein, das ist Konkurrenz.

« Letzte Änderung: 06.07.2020 07:31 von Barefoot-Joe »
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Offline tcar

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Antw:Fernsehsendungen rund um den Rock
« Antwort #18 am: 06.07.2020 08:14 »
Hallo Czar,

gute Frage. Benoit hätte ich, wie du, für eine Frau gehalten, eine gutaussehende Frau sogar. Für mich ist es definitiv klar, dass er es liebt, wie eine Frau auszusehen. Ich verstehe nicht viel davon, was er sagt – nach vier Jahren Französisch-Lernen im Gymnasium muss ich feststellen, dass ich es mit Fremdsprachen schwer habe. Deshalb basiert sich meine Beurteilung fast ausschließlich auf das, was ich sehe, nicht was ich höre. Ob er das auch „muss“, weiß ich deshalb nicht. Aber er übertreibt nicht, er ist für mich „authentisch“ Frau. Er ist kein Drag-Typ. Es ist eine Art Kunst. Dafür würden die meisten Leute Respekt haben, meine ich.
Er ist verlobt. Wenn er und seine Freundin unterwegs sind, würde man wohl glauben, sie machen ein hübsches, lesbisches Paar aus. Aber auch dafür wird die Gesellschaft ja Verständnis haben. Und seine Freundin muss ja auch damit einverstanden sein, dass sie so betrachtet werden können. Oder es gar mögen. 
   
Jean-Philippe würde ich wohl in die Grauzone rubrizieren. Mir ist er eben zu weitgegangen, um Mann-im-Rock bzw. Mann-im-Kleid überzeugend zu sein. Aber dafür nicht weit genug dazu, dass man sagen könnte, er möchte weiblich sein oder weiblich vorkommen. Er hat nicht Benoits selbstsichere Ausstrahlung. Das bringt Zweifel in sein Umfeld, könnte ich mir vorstellen.
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Hm. Wie gesagt, trotzdem fängt sich Benoit mehr Atttacken - ob es daran liegt, dass es in der Sendung erkennbar ist, dass er ein Mann ist, und daher die "Verletzung" des binären Schemas noch krasser ist? Das würde für mich eher auf eine Ablehnungsreaktion wegen festgefahrenen Geschlechterschemata passen.


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Antw:Fernsehsendungen rund um den Rock
« Antwort #19 am: 06.07.2020 08:38 »

Hm. Wie gesagt, trotzdem fängt sich Benoit mehr Atttacken - ob es daran liegt, dass es in der Sendung erkennbar ist, dass er ein Mann ist, und daher die "Verletzung" des binären Schemas noch krasser ist? Das würde für mich eher auf eine Ablehnungsreaktion wegen festgefahrenen Geschlechterschemata passen.

Könnte ein Grund sein, dass Benoit heterosexuell ist? Und dass eben die Kombination mit dem perfekt weiblichen Erscheinungsbild störend oder fremd wirkt?

Gruß
Gregor
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Offline culture skirt

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Antw:Fernsehsendungen rund um den Rock
« Antwort #20 am: 03.08.2020 00:55 »
Auf die Sendung bezogen finde ich eine Sache im Hinblick auf Deinen Kommentar interessant und möchte darauf hinweisen:

Benoît (im oberen Foto links) treibt den femininen Look sehr viel weiter als Jean-Philippe (auf dem gleichen Foto in der Mitte). Benoît hätte ich auf der Straße wahrscheinlich sofort als Frau eingeordnet, während Jean-Philippe für mich eher als Mann in Frauenkleidern erkennbar bleibt. Trotzdem oder vielleicht deswegen ist es Benoît, der in der Sendung mehr Attacken auf sich zieht. Wäre die "Grauzone" für dich eher Jean-Philippe oder Benoît? Oder bin ich auf dem falschen Dampfer?
Der feine Unterschied liegt im Unwissen, des Betrachters. Nimmt der Betrachter Benoit als Frau wahr und merkt nicht, dass seine Herkunft männlich ist, erfährt Benoit rundum Akzeptanz. Das Rollenklischee ist damit erfüllt. Jean ist als Mann erkennbar, geht aber nicht sehr weit ins feminine rein und wird als Mann identifiziert, der sein "Geschlecht nicht verleugnet". Weiß der Betrachter allerdings bei Benoit um seine wahre Herkunft, geht es in Ablehnung über, genauso wie wenn Jean, Benoit's Kleidung als erkennbarer Mann tragen würde. Nicht die Kleidung ist entscheidend, sondern ob die Herkunft mit dem Tragen der Kleidung x auf den ersten Blick übereinstimmt und ein Einsortieren erfolgt.

Viele Grüße
Jule

Offline culture skirt

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Antw:Fernsehsendungen rund um den Rock
« Antwort #21 am: 03.08.2020 01:05 »
Die Männer sehen ihn vor allem als Gefahr, weil sie durch das feminine Äußere angezogen werden, aber gleichzeitig wissen, dass es körperlich ein Mann ist und das ist nach ihrem Rollenmodell ein No-Go.

Die Frauen dagegen sehen einen Mann, der wie sie sein will. Damit haben sie im Prinzip erst einmal kein Problem, solange es nicht der eigene Mann ist, aber sie nehmen diese Männer unbewusst als Konkurrenz wahr.

Volle Zustimmung, bis auf den Punkt mit dem sich nicht erlauben würden. Für Frauen ist ihr Körper das Kapital, welches sie bei der Partnersuche einsetzen. Und in diesem weibliche Privileg hat ein Mann nichts zu suchen. Das weibliche Gehirn kann genauso nicht von der falschen Konkurrentin unterscheiden wie das männliche Gehirn nicht von der falschen Frau unterscheiden kann, die er anziehend findet.

Viele Grüße
Jule

 

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